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Rap als Achterbahn der Gefühle // MDK Porträt

Ist von aufstrebenden Mundartrappern die Rede, führt derzeit kein Weg an MDK, auch bekannt als MochDaKopf, vorbei. Seinem 2019 erschienenen Debütalbum „Wandel“ folgte am 16. Jänner die „Fensterlos“-EP, parallel dazu die offizielle Aufnahme in den Honigdachs-Roster. Als Featuregast auf dem neuen Album von Kreiml & Samurai vertreten, wird der in Graz lebende Rapper den Schweinehund demnächst als Support auf der „Zruck in die Zua-Kunft“-Tour begleiten. Wir haben MDK bei einem seiner regelmäßigen Wien-Besuche im Kaffeehaus getroffen, um über seinen teils aufreibenden musikalischen Werdegang zu plaudern.

MDK erweist sich dabei als dankbarer Gesprächspartner. Er setzt auf ein hohes Sprechtempo und bemüht sich um detaillierte Antworten, wenn er seine Erlebnisse der vergangenen Jahre Revue passieren lässt. Die vielen „GRZ RAP“-Hoodies am Nachbartisch kommen nicht von ungefähr – einige Grazer Kollegen sind mitangereist. Darunter Wolfi F. von siebzig prozent sowie Kizmet, der als Featuregast auf „Fensterlos“ zu hören ist.

Aus Vorbildern werden Kollegen

Aufgewachsen im obersteirischen Ort Landl, kam MDK erstmals über die CD „Außen Top Hits, Innen Geschmack“ von Fettes Brot mit HipHop in Berührung – ein Geschenk seines älteren Bruders. Durch Zufall entdeckte er bald darauf die Channels von Boombokkz Records. „Ill Mindz haben mich damals sehr geprägt. Ich habe ein Jahr lang fast nur Boombokkz und den ‚Korova Milkbar‘-Channel von Def Ill gepumpt und gedacht, dass ich genau so was auch machen will“, sagt MDK zu seinen Vorbildern, mit denen er sich heute einen Dunstkreis teilt. Die Lust am Schreiben musste er nicht mehr wecken, zumal er sich schon zuvor an Gedichten versucht hatte.

Ersten Rap-Experimenten im Kinderzimmer folgte die 2015 erschienene Debütsingle „Koid“, aufgenommen mit Despo aus einem Nachbarort von Landl. Nach der obligatorischen Flucht vom Land, die MDK ins Grazer Griesviertel führte, knüpfte er über die ersten Ausgaben der „Uboot Cypher“ von noedge Kontakte zur dortigen Rap-Szene. Acts wie siebzig prozent, HME, Fate oder Spello & Al Pone wurden schnell zu Freunden und konstruktiven Kritikgebern für den technisch versierten, aber zum verkopften Denken neigenden Rapper.

Gegen Selbstzweifel anrappen

Dem Namen MochDaKopf entsprechend stand der Kopf dem Rapper bisher manchmal im Weg – und das nicht etwa, weil er neben Representern immer wieder nachdenkliche bis schwermütige Tracks aufnimmt. Erst 2018 veröffentlichte MDK mit „Gesprächstherapie“ seinen ersten Solotrack, auf dem er über den eigenen Schreibprozess reflektiert. „Ich wollte ewig was raushauen, habe mich aber noch nicht über ein Album drübergetraut. Dann haben wir aus den 38 Bars ein One Take gemacht, Def Ill hat den Beat über die Vocal-Spuren gelegt“, blickt er zurück. Das dazugehörige Video offenbarte die Kamerascheuheit des Rappers, die sich seither etwas legte. „Vor der Kamera zu stehen liegt mir bis heute nicht so, aber ich habe mir drei, vier Blicke angeeignet, mit denen ich safe bin. Die versuche ich einzuhalten“, erzählt er schmunzelnd. Bei Live-Auftritten sei das Rampenlicht hingegen nie ein Problem gewesen.

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Das im Juni 2019 erschienene Debütalbum „Wandel“ war mit einer turbulenten Vorlaufzeit verbunden: „Ich habe lange daran gearbeitet, viel verworfen, es sind immer mehr Tracks dazugekommen. Irgendwann war die Kippe erreicht – entweder jetzt oder es kommt nie. Dann wollte ich es unbedingt raushauen, weil extrem viel Persönliches drinsteckt. Im Endeffekt war es gesunder Egoismus“. Rückblickend zeigt sich MDK stolz über kathartische Tracks wie „Büda vor di Augn“, wenngleich immer Verbesserungspotenzial da sei. Jedenfalls dürfte das Release zu einem gesünderen Selbstbild beigetragen haben: „Ich tu mir nach wie vor schwer mit Entscheidungen und liebe es, mir in meinem Freundeskreis Resonanz zu holen. Aber es ist schon um Ecken besser geworden und beeinflusst mich weniger. Ich weiß jetzt, was ich schreiben will, dass es von mir kommt und Hand und Fuß hat. Das ist wichtig und dazu hat ‚Wandel‘ viel beigetragen.“

Fensterlos & ohne Nebelschleier

Ein erstes Ergebnis dieser Entwicklung ließ nicht lange auf sich warten. Im Gegensatz zu „Wandel“ ist die EP „Fensterlos“ innerhalb einiger Monate entstanden, die Sessions fanden mit einer fixen Crew statt. Namensgebend ist das in einem Keller gelegene Studio von Ital Visions, Karli Primus & Senbeiii. Den Kontakt stellte DJ Elwood her, als die drei Produzenten rappende Abnehmer für ihre Beats suchten: „Sie haben mir den späteren Beat von ‚Wos Sogst Du Daun‘ durchgeschickt. Es war genau meins – boombaplastig, geiles Sample, es hat mich voll zaht. Ich hab dann schnell einen 16er raw auf einer Sprachmemo aufgenommen und sie waren begeistert“. Daraufhin sei es bei den regelmäßigen Sessions nicht mehr schwer gewesen, einen roten Faden zu finden. Letztlich haben auch die Texte von „Fensterlos“ oft einen introspektiven, emotionalen Charakter, wobei MDK der Hörerschaft immer einen gewissen Interpretationsspielraum überlassen möchte: „Ich schreibe das, was ich spür und was die Leut daraus nehmen, ist ihre Sache. Das kann ich keinem aufzwingen“.

„Tinderlikes“ dreht sich um ein Beziehungsdrama, tendenziell fallen die neuen Tracks aber positiver aus. Das resultiert auch aus einer verbesserten privaten und beruflichen Situation, wie MDK betont: „Als ich die meisten Texte von ‚Wandel‘ geschrieben habe, hat mich die damalige Hackn extrem gestresst und fertig gemacht – und dann kommt privater Stress dazu. Natürlich schreibst du dann über solche Sachen“. Dank seiner neuen Tätigkeit als Fachsozialarbeiter scheint er nun auch musikalisch aufzublühen: „Die Ausbildung ist extrem gut gelaufen und die Arbeit eine sinnhafte Tätigkeit, die ich gern mache und die mir Energie gibt. Du kannst viel freier schreiben und hast nicht mehr diesen Nebelschleier, der über dir hängt, weil dir alles am Oasch geht und nix so läuft wie du willst.“

Ausblick

Einst beim Cyphern nach einer Open-Minded-Show in Mattsee kennengelernt, entwickelte sich Kizmet zu einem wichtigen Studiopartner und zu einer mentalen Stütze für MDK. Bekannt als Teil des Rap-Duos Chaotix ist der Steyrer vor einem Jahr nach Graz gezogen. Da er mit „Asche“ am 2. Februar ebenfalls eine EP veröffentlicht, stehen gemeinsame Releaseshows in Graz und Steyr an. Außerdem arbeiten die beiden an einer EP, die ebenfalls noch 2020 erscheinen dürfte. „Wir spielen mit dem Ding eigentlich schon seit zwei Jahren live, müssen es aber noch aufnehmen. Jetzt sind uns die Soloprojekte dazwischengekommen“, meint MDK, der eine Mischung aus „punchigen“ Tracks, tiefergehenden Nummern und ein, zwei Tracks zum Abschalten ankündigt.

Bevor die nächste EP konkret wird, steht aber die „Zruck in die Zua-Kunft“-Tour von Kreiml & Samurai an – ab 28. Februar wird MDK die beiden als Support begleiten. Neben Shows in Österreich sind dabei auch einige Stopps in Deutschland geplant, etwa in München, Hamburg und Berlin. Dass MDK nun selbst Teil von Honigdachs ist, als Featuregast auf dem von Brenk Sinatra produzierten Album „Auf olle 4re“ vertreten ist und mit dem Schweinehund auf Tour geht, muss er wohl noch verarbeiten: „Für mich ist das alles gerade bissl surreal“.

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