„Dass er es mit HipHop versucht, ist so lächerlich“ // Mavi Phoenix Interview

mavi phoenix

Wir sind im Museumsquartier verabredet. Es war nicht einfach, einen passenden Termin zu finden, denn die junge Musikerin befindet sich irgendwo zwischen Maturavorbereitungen und dem Beginn einer vielversprechenden Karriere. Mavi muss nach unserem Interview direkt zum Soundcheck in die Grelle Forelle, denn sie eröffnet die 150-Jahresfeier von den The Gap-Kollegen. Gute Wahl. Nun sitzen wir auf einer Bank und quatschen. Mavi wirkt im ersten Moment schüchtern und abwartend. Aber nach ein paar Minuten ist sie ganz sie selbst – sympathisch und offen.

Interview: edHardygirl14
Fotos: Marlene Rosenthal

TM: Du nennst dich selbst „All Hollywood Chic“. Warum hast du dich entschieden, auf Englisch zu singen bzw. zu rappen?
Mavi Phoenix: Das kommt daher, dass ich nur englischsprachige Musik gehört habe. Es hat einfach nichts Deutschsprachiges gegeben, das mir gefallen hat. Ich bin in einen englischen Kindergarten und eine englische Volksschule gegangen. Also lag es für mich auf der Hand, auf Englisch zu rappen.

Es finden sich viele Pop-Elemente in deinen Songs. HipHop-Elemente aber genauso. Was sind denn deine größten Einflüsse?
Ein großer Einfluss ist auf jeden Fall Left Boy. Als er berühmt geworden ist, hab ich den Mut gefasst, weiter zu machen. Weil jemand aus Österreich berühmt geworden ist und unsere Musik doch sehr ähnlich ist.

Das Produzieren hast du dir selbst beigebracht. Womit arbeitest du?
Am Anfang noch mit Garage Band. Damit habe ich sehr lange gearbeitet. Ungefähr vor einem Jahr habe ich auf Ableton gewechselt. Vor allem wegen Simon – meinem Co-Produzenten – der meinte, dass ich nicht ewig mit Garage Band weiter machen kann.

Du bist vergleichsweise jung und am Anfang deiner musikalischen Laufbahn. Dann noch als Frau in der Männerdomäne HipHop. Wie gehst du mit negativer Kritik um?
Da ich nicht in die Rap-Szene integriert bin, eigentlich gar nicht. Ich bin noch in gar keiner Szene. Was schade ist. Aber ich habe auch noch nie gehört, dass das, was ich mache, kein HipHop ist. Ich sage in erster Linie, dass meine Musik Pop mit HipHop-Elementen ist. Zwar geh‘ ich jetzt mehr in Richtung HipHop, aber auf den neuen Liedern – da sind auf jeden Fall ein paar Rapsongs dabei.

Ist es für dich als Frau schwierig, in diesem Genre Fuß zu fassen?
Ich suche mir DJs für die Auftritte und da werde ich oft belächelt. Es gab auch schon den ein oder anderen Manager, der unbedingt mit mir arbeiten wollte, aber dann meinte, dass man mich noch an der Hand nehmen muss. Das kommt natürlich daher, dass ich jünger bin und eine Frau. Manche Leute nehmen mich deswegen nicht ernst. Ich habe aber ein gutes Bild davon, was und wie ich es machen will.

Bist du momentan im Gespräch mit einem Management oder einem Label?
Ich war im Gespräch mit Leuten, aber das ist wieder flachgefallen. Aber Magazine und Blogs zeigen immer mehr Interesse.

Wie bist du denn eigentlich zum Feature mit dem Kalifornier Brandan Vader gekommen? Über Instagram. Ich hab einen Hashtag wie #newmusic gesucht und einen Post von ihm gesehen. Ich hab mir gedacht: „Hey, das klingt cool“ – und für den Vers habe ich sowieso noch jemanden gesucht. Also habe ich ihm eine Direktnachricht auf Instagram geschickt. Nicht mal eine Mail.

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Ich habe rausgehört, dass du in „Nonstop“ eine Eric Thomas-Rede samplest. Wie kommst du darauf und was verbindest du damit?
Ich hab das Lied produziert und hab mir dann gedacht, dass es einen positiven Vibe hat. Ich haben Reden mit der Thematik gesucht und genau diese gefunden. Er sagt genau das, was ich mir denke. Ich fand es cool, die Rede einzubauen – dazu kommt, dass die Rede sehr berühmt ist. Ich habe sie ein bisschen zusammengeschnitten.

Aber du bist kein Football-Fan?
Nein, ich wusste nicht, dass er Footballspieler war.

Motivationsreden einzubauen ist das eine, aber H.C. Strache beispielsweise nutzt HipHop, um neue Wähler zu gewinnen …
Es gibt in Linz am 1. Mai den Urfahranermarkt und da war Strache zu einer  Kundgebung. Da sind die Leute schon in der Früh hingepilgert – auch viele in unserem Alter. Meine Meinung zu Strache würde den Rahmen sprengen. Und dass er es mit HipHop versucht, ist so lächerlich. Ich kann es fast nicht glauben, dass es Leute gibt, die das ernst nehmen. Er sollte selbst wissen, wie daneben das ist.

Kannst du dir persönlich vorstellen, mit deiner Musik politisch zu werden?
Ich bin 19 Jahre alt und möchte mir nicht herausnehmen zu predigen, was andere machen oder denken sollen. Aber natürlich lass’ ich Dinge einfließen, die mich beschäftigen.

Wenn ich deinen Mp3-Player durchstöbern würde, würdest du bei ein paar Interpreten rot werden?
Ich schäm mich da gar nicht. Ich hau‘ auch auf Partys immer den trashigsten Pop rein – von Britney bis Pussycat Dolls. Okay, ich hab aber ziemlich viel Justin Bieber oben.

Jaden Smith habe ich auch in deiner YouTube Liste entdeckt.
Ja, den finde ich voll cool. Da steh‘ ich aber dazu.

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Seit ich seinen Twitter-Feed gelesen habe, kann ich ihn nicht mehr ernst nehmen.
Ich finde das extrem lustig. Auch auf Instagram. Er macht das extra so auf Kunst.

Wie ist dein weiterer Plan – was steht in der Zukunft an?
Auf jeden Fall kommt eine EP und ein Video! Ich habe jetzt zirka fünf Songs halb fertig – das dauert gerade recht lange. Jetzt lebt die alte EP ein bisschen auf, da passt dann was Neues gut. Die mündliche Matura muss ich noch machen, dann habe ich wieder Zeit.

Was willst du denn nach der Matura machen?
Auf jeden Fall Musik! Ich will nach Berlin gehen und habe mich dort für Medienmanagement beworben. Das liegt nahe, da mein Vater eine Media-Design Firma in Wien hat.

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