Liebe ist für Maeckes da // Maeckes live

Verbreiten gute Laune: Maeckes und Äh, Dings // Fotos: Alexander Gotter

Wenn sich jemand thematisch nicht in eine Schublade stecken lässt, dann Maeckes. Schon bei den frühen Projekten mit Plan B reichten sich Nonsens und schockierende Ernsthaftigkeit stets die Hände. Blödeleien kann er, witzige Punchlines kann er, aber auch gesellschaftskritisch sein kann er – man höre nur „88“ vom einfach großartig betitelten Longplayer „Der bessere Mateja Kežman Tonträger“. Seinen Hang für Unsinn lebt Maeckes mittlerweile primär in der HipHop-Boyband Die Orsons aus, Schwermut und Melancholie schmücken hingegen die Solowerke. Anders ausgedrückt: Der Regenbogen bei den Orsons ist bunt, solo serviert er oft das Graustufenmodell

Melancholische Melodien sind auch für Donnerstag geplant, als Maeckes und sein Kompagnon Äh, Dings das B72 beehren. Steht die Veranstaltung schließlich unter dem Motto „Die Stunde zwischen Tilt und Gitarre“. Das kann vieles bedeuten, die Nennung der Gitarre im Tourtitel ist jedoch definitiv ein Hinweis auf eine gewisse Lagerfeuerromantik, die der gute Maeckes diesmal in seine Show einfließen lassen will. Aber eben nicht nur. Egal, wie das ganze Spektakel nun genau aussehen würde: Die Wiener kommen zahlreich ins B72, zahlreicher geht gar nicht. Ausverkauft. Ein gewohntes Gefühl für Maeckes auf der Tour. Aber da Wien quasi ein Heimspiel ist (er sieht sich als Österreicher, wie er gegenüber NOZ mitteilte), eine besondere Sache. 

Anhand des Publikums wird schnell ersichtlich, dass Maeckes viele seiner Fans im Indie-Bereich vorfindet. Die typischen Rapperuniformen sind nicht präsent, dafür das bekannte Indie-Outfit. Auch der Frauenanteil ist hoch, für Rap zu hoch. Das ganze Setting erinnert an Gigs von Thees Uhlmann oder Kettcar. Als Einheizer fungiert mit Future Franz auch jemand, der gut in diesen Kontext passt. Wer sich dahinter verbirgt, müsst ihr schon selbst herausfinden. Die drei Klamauknummern von Future Franz sind aber heute der perfekte Warmmacher.

Gekleidet in einem gelben Sakko betritt Maeckes um 21:30 die Bühne. Sympathisch beginnt er mit einem Potpourri der größten Hits aus „Tilt“, darunter natürlich „Gettin‘ Jiggy with It“ und „Der Erfolg gibt mir Unrecht“. Von Beginn an zeigt das Chimperator-Urgestein, dessen makelloses Äußeres sich perfekt für Kaffee-Werbung eignen würde – falls George Clooney mal nicht mehr mag – außerordentliche Entertainer-Qualitäten. Das Publikum wird permanent eingebunden, Maeckes überzeugt mit großer Selbstsicherheit, wenngleich er Gegenteiliges oft in seinen Texten behauptet. Als Überraschungsact erscheint Homie Gerard auf der Bühne, gemeinsam wird „Gelb“ performt. Die Chemie stimmt. Für Schmunzeln sorgt auch die zweiminütige Werbeunterbrechung. Nein, Maeckes hat nicht wirklich Werbezeit an einen Weltkonzern vergeben, er will damit nur scharfsinnige Kritik an den gegenwärtigen Mechanismen des Musikgeschäfts üben. Auch das funktioniert. 

Weit über eine Stunde rappt (Splash-Mag-Cypher!) und singt Maeckes sich die Seele aus dem Leib, greift oft, aber nicht nur zur Gitarre und sorgt mit seinen Anmoderationen immer wieder für Lacher (Illusion!), Josef Hader in Österreich zu erwähnen ist sowieso nie verkehrt. Die Sympathien, soviel ist sicher, fliegen ihm an diesem Abend zu. Wien liebt Maeckes und Maeckes liebt Wien. Abgeschlossen wird der Gig durch zwei Zugaben, wobei bei „Partykirche“ noch einmal richtig ausgerastet wird. Huch, zumindest das kennt man nicht von einem Thees-Uhlmann-Konzert. Perfekte Show, bis zum nächsten Mal!

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