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Zweifelhafter H&M-Flirt von M.I.A. // Video

M.I.A.

M.I.A. scheut bekanntermaßen keine Auseinandersetzung mit politischen Themen, wie zuletzt „Borders, ein in Wort und Ton kräftiges Statement zur Flüchtlingsdebatte, bewies. Für „Rewear It“ wagt sich die Britin an den Themenkomplex Nachhaltigkeit und Umweltschutz heran. Recycling heißt das Zauberwort, welches M.I.A. propagiert. Wohlgemerkt im Auftrag des schwedischen Bekleidungsriesen H&M, der zwischen 18. und 24. April seine „World Recycle Week“ abhält: Alte Kleidung kann in den Filialen zurückgegeben werden, im Gegenzug bekommt man einen Gutschein ausgehändigt. Klingt gut, ist es auch – aber weniger für die Umwelt, sondern für H&M. Bedeutet „World Recycle Week“ klingelnde Kassen in den Läden, wie Bloomberg berichtete. Zwar erzielte das Unternehmen beachtliche Fortschritte im Umweltschutz, die aber nicht das grundlegende Problem des enorm ressourcenverschlingenden Geschäftsmodells von H&M, das konträr zur Nachhaltigkeit steht, lösen.

Selbst M.I.A. redet diese Fakten nicht schön, findet aber einen erstaunlichen Zugang, wie sie gegenüber Vogue erläutert: „If all [H&M] do is go and inspire another high-street brand to get in on caring and being conscious, or if H&M gets criticized for any of their factory processes, these are all good things. We should discuss them in public and we should have this back and forth. At least they’re even stepping into the [environmentally conscious] arena. Any of those things is progressive, and I think you have to give it a chance. Ungewohnt zahme Wörter – aber richtig böse kann man M.I.A. nicht sein. Geht sie doch mit gutem Beispiel voran und entsorgt eine Jacke nicht nach dem ersten Tragen im Mülleimer. Nein, die nachhaltig denkende M.I.A., zur Zeit zurückgezogen auf einer Insel lebend und sonst für ihre kreativen Outfits bekannt, greift in ihren Videos schon einmal auf ein bereits getragenes Kleidungsstück zurück: „Yeah, I re-wear everything. The jacket I wear in „Paper Planes” at the end, the blue sheepskin, I wear in the D.B.T. [“Double Bubble Trouble”] video. I even wear [things] in videos again!“ So richtig überzeugend klingt das allerdings nicht.

Den H&M-Hintergrund ausgeklammert, handelt es sich bei „Rewear It“ um eine passable M.I.A.-Nummer, versehen mit einem überaus stylischen Video. Gedreht wurde unter anderem in Island, im Senegal und in den USA. Auffällig die Tänzer, für deren Auswahl H&M und M.I.A. gleichermaßen zuständig waren: Auf H&M fällt die Idee, Social-Media-Promis zu engagieren, zurück, M.I.A. holte die Südafrikanerin Dope Saint Jude in das Video (The-Message-Porträt). M.I.A.s künstlerische Qualitäten zum Trotz – ein fahler Beigeschmack bleibt stets präsent. Der politischste Popstar der Gegenwart bereitwillig als Werbefläche für Fast-Fashion ist schlichtweg ein trauriges Zeichen künstlerischer Inkonsequenz. Oder, um es nach Adorno zu sagen: Es gibt kein richtiges im falschen Leben. Der Track mag gefallen, der Entstehungskontext ist bitter.

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