Lex Lugner

„Ich höre fast keinen Trap mehr“ // Lex Lugner Interview

Lex Lugner
Eine Klasse für sich: Lex Lugner. Fotos: Daniel Shaked

Ohne Zweifel gehört der im Hanuschplatzflow-Kollektiv verwurzelte Lex Lugner längst zur heimischen Produzentenelite. Zwar haben bis dato vor allem seine Beats für Yung Hurn, Rin, Crack Ignaz und Young Krillin Aufmerksamkeit bekommen, die „Cloudrap“-Gefilde stellen aber nur eine musikalische Facette des in Salzburg aufgewachsenen Wahlwieners dar. Mit seinen DJ-Sets möchte sich der ruhig und reflektiert wirkende Musiknerd ohnehin ganz andere Styles widmen. Im ausführlichen Interview erzählt uns Lex Lugner unter anderem von seinem Werdegang, musikalischen Einflüssen, Austro-Avantgardismus und woran es der Linken in Österreich hapert. Außerdem verrät er einige Details zu seinem geplanten Projekt mit Fid Mella.

The Message: Du hast mal erwähnt, einige Instrumente daheim zu haben. Welche spielst du denn?
Lex Lugner: Ich spiele eigentlich gar nichts richtig, aber ich kann Sachen sampeln. Ich lerne gerade ein bisschen Gitarre spielen. Klavier spielen kann ich auch ein bisschen.

Bist du musikalisch aufgewachsen?
Nein, gar nicht. Ich hätte als Kind immer gerne Gitarre gespielt, aber es ist sich finanziell bei meiner Mama nie ausgegangen. Später habe ich einen Laptop bekommen und bin draufgekommen, dass ich ohne Instrumente Musik machen kann.

Was waren damals deine größten Sample-Einflüsse?
Schon viel Boombap. Ich habe da zwar schon recht viel aus der LA-Beatszene gehört und bald versucht, bisschen progressivere Musik zu machen, aber ich war noch in dieser Boombap-Mentalität.

Trotz deiner frühen Auseinandersetzung mit der Beatszene hast du mit Ausnahme von paar alten Tracks auf SoundCloud nie Instrumentals veröffentlicht. War das nie eine Option?
Es hat mich nie interessiert, nur Instrumentals rauszuhauen. Ich habe damals viel Madlib und Dilla gehört und die haben dieses Spiel ausgespielt. Deswegen mache ich auch keinen Boombap-Sound. Braucht man nicht mehr machen, ist schon perfekt.

War es von vornherein ein Bestreben von dir, einen Trademark-Sound zu entwickeln?
Ich habe jahrelang Musik gemacht, ohne etwas zu releasen und hatte auch kein Interesse daran. Ich habe einfach Musik für mich gemacht, weil mir langweilig war. Irgendwann habe ich dann mit den HPF-Jungs zum Spaß Sachen rausgehaut. Dass das so viel Aufmerksamkeit bekommen hat, war ein Zufall. Nicht so: ‚Ich will das jetzt machen und damit Geld verdienen.‘ Das war nie die Absicht.

Wie würdest du generell die Entwicklung deiner Produktionsweise in den vergangenen Jahren beschreiben?
Das verändert sich ständig, aber man kennt ja vor allem die Rin- und Yung-Hurn-Sachen. Die neuen Sachen sind weniger catchy und weniger poppig, dafür sind viele Dance-Einflüsse dabei – von Chicago über Detroit bis nach Großbritannien. Das heißt nicht, dass ich jetzt eine Techno-, Two-Step- oder Drum’n’Bass-Track mache.

Du warst 2015 und 2016 besonders aktiv, hast neben Tracks für alte HPF-Kollegen wie Crack Ignaz & Young Krillin zahlreiche der Hits von Yung Hurn und Rin produziert. Seitdem war es aber ziemlich ruhig um dich. Gibt es einen speziellen Grund dafür?
Eigentlich nur 2016. Bis jetzt hat sich das meiste direkt ergeben, da war wenig Planung dabei. 2017 ist Hurn nach Berlin gezogen, Rin ist zu einem anderen Label gegangen. Man hat sich nicht mehr so oft gesehen wie früher und es ist nicht mehr so viel gekommen. Also ganz pragmatische Gründe.

Also auch nicht, weil du dich mehr aufs Auflegen konzentrieren möchtest als aufs Produzieren?
Nein, überhaupt nicht. Ich produziere jetzt wieder sehr viel und mache ein Album mit Fid Mella.

Es sind ja schon Fotos von Sessions aufgetaucht, da waren neben dir und Mella auch Clefco, Wandl und DJ Creep vertreten. Gibt es beim gemeinsamen Produzieren einen bestimmten Ablauf?
Wenn wir uns treffen, haben wir meistens schon paar Ideen im Kopf – Sample-Ideen oder ein altes Album, das wir wieder gehört haben, wo wir dann in die Richtung etwas machen wollen. Wir picken uns Sachen heraus und versuchen, etwas Neues zu kreieren.

Wie ist die Connection zwischen Mella und dir Zustande gekommen?
Ich habe ihn erstmals getroffen, als ich zum Beat BBQ in Köln eingeladen wurde. Ich wurde abgeholt, im Auto waren Brenk und Mella. Ich habe sie damals schon sehr gefeiert und zu ihnen aufgesehen. Sie haben mich dann gefragt, wer ich bin, haben auch ein paar Tracks von mir gekannt und gefeiert. Das war das erste Mal, dass wir uns getroffen haben. Dann haben wir uns jahrelang nicht mehr gehört. Ich glaube der Kontakt ist dann wieder über Jamin gekommen.

Wie unterscheidet sich euer Workflow? Mella arbeitet ja viel mit der Machine, du eher mit der MPC.
Genau, Mella macht alles auf der Machine, hat auch viele Keyboards und Synthesizer rumstehen. Ich mache daheim viel mit MIDI, bei ihm spielen wir aber alles ein.

Du pendelst gewöhnlich zwischen MPC und Fruity Loops, oder?
Genau, Fruity Loops ist immer dabei, auch wenn ich Sachen von der MPC aufnehme, mache ich das dann über Fruity Loops. Immer noch. Es macht für mich keinen Sinn, auf etwas anderes umzusteigen, weil es eh wurscht ist.

Lex Lugner
Die Lex-Lugner-Klasse

Bleibt euer Projekt Instrumental?
Nein, es wird eine Compilation mit vielen Leuten.

Inwieweit ist Wandl eingebunden?
Mit Wandl haben wir uns in letzter Zeit öfters getroffen. Ich kannte ihn vom Sehen, aber so richtig erst über Mella. Er war bei einigen Sessions dabei und wird auch am Album vertreten sein – als Vokalist und wahrscheinlich auch als Produzent.

Habt ihr schon Pläne, wann ihr es releasen wollt?
Ich will lieber nichts erwähnen, dann können wir es eh nicht einhalten. Aber so bald wie möglich. Wir sind noch lange nicht fertig, auch wenn wir Beats im Hunderterbereich gemacht haben. Wir haben aber erst wenige Vocals aufgenommen. Es ist auch mein erstes Album, ich habe bei dem Prozess noch nicht wirklich meinen Weg gefunden und bin immer unzufrieden mit den Sachen. Es wird schon eher ein Liebhaber-Album, aber mal schauen.

Wie wichtig ist es für dich im Arbeitsprozess, dass du die Leute kennst und dich mit ihnen verstehst?
Schon sehr. Ich mag es überhaupt nicht, Beats herumzuschicken. Ich habe glaub ich nie einen Track gemacht, den ich verschickt habe und wo dann etwas zurückgekommen ist, mit dem ich zufrieden war. Ich bin bisschen ein Control Freak, wenn ich Mucke mache. Ich bin immer gerne mit den Leuten im Studio.

Bist du dann sehr kritisch, auch was die Texte betrifft?
Teilweise ja, aber weniger auf die Texte bezogen. Ich würde keinem Musiker sagen, dass mir das nicht passt. Da mische ich mich gar nicht ein. Eher, wie man etwas rappt oder singt, also was den Takt und die Melodie angeht. Hauptsächlich geht es da um Sachen, die man noch dazugibt, zum Beispiel Doubles oder ein B-Teil mit dem gleichen Text, aber bisschen anders gesungen.

Wie hast du dir dieses Wissen angeeignet?
Autodidaktisch.

Auch im Hinblick aufs Mischen und Mastern: Wie soll das Album mit Mella in etwa ausfallen? Ist es wichtig, dass es eine gewisse Roughness hat?
Von den Sounds und Instrumenten, die wir oben haben, wird es sehr dreckig. Voll Lo-Fi. Aber es muss natürlich passend gemischt und gemastert werden, dann klingt das schon zeitgemäß. Damit es auch auf Spotify gut klingt. (lacht)

Wie wichtig ist dir das Mischen generell?
Es kommt drauf an, aber eigentlich gar nicht so. Wichtiger ist, was im Track passiert. Aber mir ist bewusst, dass die unbewusste Komponente beim Hören unglaublich wichtig ist – zum Beispiel, dass ein Track laut ist, eine gewisse Balance da ist und gewisse Frequenzen nicht stören. Für den Konsumenten macht das Mischen oft aus, ob er einen Track gut findet oder nicht. Ich mische selbst gar nicht gut ab. Früher habe ich das selber gemacht und die Tracks klingen von diesem Standpunkt aus betrachtet schrecklich. Ein Mixer würde sagen, dass es kompletter Scheiß ist. Teilweise waren sie auch gar nicht gemastert. Meine Tracks sind halt immer sehr dynamisch.

Du hast Brenk mal als Idol bezeichnet. Was macht ihn für dich dazu?
Ich habe ja früher viele Beattapes gehört. In Salzburg habe ich wenige Leute gekannt, die das auch gehört haben. Ich bin mir da sehr alleine vorgekommen und dachte, dass es in Österreich keine Leute gibt, die so etwas machen. Irgendwann habe ich dann schockiert „Gumbo“ in den Händen gehalten und habe es unglaublich gefeiert. Kurz darauf bin ich auch auf Mella aufmerksam geworden. Das waren schon Idole damals.

Hast du dann auch die Sachen gehört, die in Wien Anfang der 90er produziert wurden? Da gab es auch schon eine starke Beatszene rund um DJ DSL, Urbs, Cutex und G-Stone.
Ich kenne das ein bisschen, aber auch erst seit Kurzem. Früher hab ich das gar nicht mitbekommen, da war das Internet auch noch nicht so weit. Einen österreichischen Beatblog hab ich damals einfach nicht gefunden.

Diggst du viel online?
Ich sample viel über Spotify, aber meistens Sachen, die ich schon kenne. Sachen, die andere Produzenten nie anrühren würden.

Zum Beispiel?
HipHop. (lacht) Ich sample viel über Platten und spiele viel ein. Aber ab und zu gibt es Tracks, die ich im Kopf habe und ich mir denke: ‚Ok, den sample ich jetzt.‘ Von Spotify in die MPC rein – klingt auch gut.

Du hast auch 90s-RnB als Einfluss bezeichnet. Was taugt dir da besonders?
Vieles. Ich mag D’Angelo, Erykah Badu, finde die ganze Neo-Soul-Schiene voll geil. Aber auch die kommerzielleren Sachen wie Aaliyah oder TLC. Einer meiner größten Einflüsse als Produzent sind Organized Noize. Die waren beim ersten Projekt der Dungeon Family dabei und haben immer schon viel in die RnB-Richtung gemacht – „Brainchild“ von Society of Soul ist bis heute eines meiner Lieblingsalben. Auch Cee-Lo Green, der viel gesungen hat.

Könntest du es soundtechnisch festmachen?
Für mich ist es die Harmonie, die Akkorde, die gespielt werden. Crazy Sachen, die für mich musikalisch interessanter sind als Standard-Pop-Akkorde.

Deutschrap interessiert dich dagegen nicht wirklich. Woran liegt das?
Deutschrap hinkt allem vier, fünf Jahre hinterher. Was ich vor zwei, drei Jahren gemacht habe, ist dort jetzt in den Charts. Interessiert mich nicht mehr. Es ist halt langsam.

Wie erklärst du dir diese gewisse Avantgarde-Wirkung österreichischer Acts, die häufig als Impulsgeber für Sachen fungieren, die später in Deutschland durch die Decke gehen?
Ja, zur Zeit kann man das so sagen. Aber es ist schwer, das festzumachen. Wenn ich zum Beispiel an Bilderbuch denke, kann man das auch nicht auf Rap beschränken. Vielleicht liegt es im HipHop-Bereich daran, dass es in Österreich keinen Markt dafür gibt und die Leute bisschen freier an die Musik rangehen können.

Welche Musikrichtungen interessieren dich live am meisten?
Ganz unterschiedlich. Wenn Herbie Hancock nach Wien kommen würde, überlege ich mir das. Aber die Karten sind so teuer, da überlege ich es mir zweimal. Es gibt viele Sachen, die mir taugen. Aber ich würde mir gerne viel mehr Techno-DJs anhören, vor allem aus Detroit.

Magst du beim Auflegen auch vermehrt in diese Richtung gehen?
Voll, aber es ist schwer. Es gibt ein paar Clubs, bei denen ich weiß, dass das Publikum bisschen offener ist. Da reize ich das dann aus, spiele viel House, Techno und Crazy Stuff und weniger Trap. Aber viele denken sich halt: ‚Ok, das ist der Rin- und Yung-Hurn-Produzent.‘ Und genau das wollen sie dann hören. Klar kann man sich da bisschen hinarbeiten, aber ich springe voll gerne einfach vom einen Genre zum nächsten. Das ist wie einen Beat zusammenzubauen.

Geht es dir dann auch um die Herausforderung für den Hörer?
Ja, meine Sets sind sicher nicht die leichteste Kost – für die Normalo-Clubgeher zumindest. Ich lege eigentlich nicht gerne Trap auf, höre auch fast keinen Trap mehr. Ist halt voll in der Mitte angekommen, nicht mehr interessant.

Würde es dich reizen, auch mal Sachen mit einer Band umzusetzen?
Na, eher nicht. So wie zum Beispiel Organized Noize produzieren, also mit vielen Live-Instrumenten, taugt es mir voll. Aber mit einer richtigen Band find‘ ich gar nicht so cool.

Live-Shows mit Band wären dann auch nichts für dich?
Hasse ich! Ich kann mir jetzt nicht DJ Premier mit Band anschauen, das finde ich schrecklich. Aber „Pitch Black City Reunion“, der neue Moodymann-Track, ist zum Beispiel unglaublich dope. Da ist alles live eingespielt, inklusive Live-Drumset, aber sehr wie ein Techno-Track aufgebaut. Voll repetitiv. Das Intro ist bisschen jazzig, dann kommt ein Loop. Es ist so produziert, wie man es mit einer Drum-Machine machen würde. Das taugt mir voll. Ich hasse es aber, eine Band Sachen nachspielen zu lassen. Es ist nicht dasselbe. Du kennst ja die Musik – die druckvollen Drums und der Subbass brennen sich voll ein –, das kriegst du mit einer Band so nicht hin.

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Du hast im Zuge der Nationalratswahl am 15. Oktober eine Wahlempfehlung für die KPÖ+ abgegeben. Möchtest du mehr dazu sagen?
Also ich will jetzt nicht viel über Politik sprechen.

Aber die Empfehlung war ernst gemeint?
Natürlich, ja.

Aus Unzufriedenheit mit der Linken?
Es gibt so gut wie keine Linke in Österreich. Es gibt halt die KPÖ+ und die kann ich noch am ehesten unterstützen. Ich finde es einfach wichtig, dass Leute, die eine Reichweite haben, gewisse Themen ansprechen. Aber so groß bin ich noch nicht. In dieser Situation fand ich es trotzdem wichtig, mich zu äußern.

Diese Verantwortung als Musiker ist für dich selbstverständlich?
Jein. Ein Musiker muss das nicht machen. Aber ich finde es natürlich gut. Kendrick Lamar ist sehr politisch und auch ein Vorbild. Mit J. Cole, den alle so in der Kendrick-Schiene sehen, komme ich dafür gar nicht klar. Seinen Standpunkt finde ich nicht so nice.

Was stört dich da?
Kurz fällt mir ein: Auf dem neuen Album beschwert er sich darüber, dass er Steuern zahlt. Ich kann verstehen, dass er gegen eine gewisse Regierung ist, aber generell ablehnend gegenüber Steuern zu sein, ich weiß nicht. Kendrick ist da viel intelligenter. Politisch-musikalisch ist „Soul Food“ von Goodie Mob eines meiner Lieblingsalben. Es gibt aber auch Leute wie Ras Kass, der ein kompletter Nazi ist, wie man bei uns sagt. Aber ich kann es trotzdem hören, weil es mir musikalisch taugt und ich ihn nicht verurteilen will – auch J. Cole nicht. Aber das feier‘ ich dann aus anderen Gründen.

Hast du generell ein Faible für Musiker, die…
Na, ich feier auch Kanye West, obwohl es unglaublich fragwürdig ist, was er von sich gibt. Ich kann die Kunst gut von der Person trennen, das ist für mich kein Problem. Bei Kanye waren mir die Lyrics immer schon wurscht, seine Alben sind einfach sehr stimmig. J. Cole finde ich auch musikalisch nicht so dope.

Inwieweit bist du in der Jugend politisch sozialisiert worden?
Nicht wirklich. Viel ist über Rap gekommen. Das war ein Fenster in eine Welt, die ich nicht kannte. Deswegen kann ich auch gut Kunst von Künstlern unterscheiden. Viel Musik, die ich gehört hab, stammt von Leuten, die schreckliche Sachen gemacht haben. Aber mit dem Finger auf sie zu zeigen und sie zu verurteilen? Ich habe eher zu verstehen gelernt, wieso Leute so werden, dass viele einfach Leute beobachten und erzählen, wie es dort ist. Ich glaube, das ist alles durch Rap gekommen. Da hat man gemerkt, dass es viel Ungleichheit gibt und da macht es wenig Sinn, auf Leute zu zeigen.

Und der Gedanke der Umverteilung?
Der ist dann später gekommen. Es gibt Ressourcen auf der Welt, nur die Verteilung ist alles andere als Optimal.

Siehst du dich als politischen Menschen?
Ich interessiere mich dafür, aber ich bin nicht so krass. Ich gehe schon auf Demos, bin jetzt aber nicht bei jeder dabei. Ich schaue, dass ich so lebe, wie ich es mit mir vereinbaren kann. Aber ich möchte nie den Moralapostel spielen und mit dem Finger auf Leute zeigen. Ich trage ja auch Nikes und so, bin sicher nicht der Hardcore-Sozialist. Für mich ist Links sein kein Lifestyle – dass man gewisse Sachen anzieht. Für mich gibt es wichtigere Dinge.

Zum Beispiel?
Dass man die richtigen Leute wählt. Ich finde die KPÖ nicht unbedingt gut, sie ist bisschen die Alte-Männer-Partei. Aber das Bündnis KPÖ+ ist für mich bei der letzten Wahl die einzig wählbare Alternative gewesen. Mal schauen, was in den nächsten zehn Jahren passiert. Vielleicht ist es ja eine Chance, dass eine Linke in Österreich entsteht. Mein Problem mit vielen Linken ist, dass sie so elitär sind. Dass sie nicht verstehen, dass man eine Wählerschaft der Mitte braucht, um etwas zu reißen und etwas zu verändern.

Du wirkst sehr reflektiert, denkst über Ressourcen, Umverteilung und Kapitalismus nach – und gleichzeitig rappt Yung Hurn über deine Beats über den absoluten Hedonismus. Wie geht sich das für dich aus?
Das geht sich ganz gut aus. Wie vorhin gesagt: Kunst ist etwas anderes und man darf das nicht so wörtlich nehmen. Man kann natürlich viel reinterpretieren. Das, was ich mit Hurn gemacht habe, war Musik aus dem Schlafzimmer, weit weg von jeder Musikindustrie und eben Avantgarde-Shit. In diesem Sinn antikapitalistisch. Mittlerweile ist diese Art von Musik halt in der Mitte angekommen und der Markt hat sie verschlungen. Aber das ist das Problem mit den Avantgarden.

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Was anderes: Du hast ja das Video zu „Summer In Wien“ von Ernst Palicek produziert, daneben einige ältere Yung-Hurn-Videos. Magst du das auch in Zukunft verfolgen, vielleicht sogar mehr in diese Richtung gehen?
Ich mache das immer wieder, aus der Not heraus. Ich finde es immer recht lustig, Videos zu machen. Aber ich habe nie den Drang, den ich beim Musikmachen habe.

Wie ist das bei „Summer in Wien“ abgelaufen?
Ich habe das komplett übernommen. Gefilmt habe ich es mit einer ausgeborgten Kamera, die nur 24 Frames pro Sekunde hat. Bei den Zeitlupen-Sequenzen sind voll die Artefakte drinnen, die sind gar nicht smooth. Aber egal. Wir hatten schon Videoideen und das Drehbuch fertig im Kopf, während wir den Track gemacht haben und den Text geschrieben haben. Es ist alles unter Zeitdruck innerhalb von zwei Tagen entstanden.

Wie viel habt ihr lachen müssen?
Eher wenig, weil wir so einen Zeitdruck gehabt haben. Eher danach, als wir uns die Aufnahmen angeschaut haben. Ungeschnitten ist es noch viel lustiger, weil wir mit einer Ernsthaftigkeit kommuniziert haben. Wir wollten ja was fertigbringen.

Gibt es generell Filmregisseure, die dich beeindrucken oder beeinflussen?
Also ich bin voll der Fan von Akira Kurosawa, von David Lean auch sehr. Es gibt einige, die mit taugen.

Filmmusik auch?
Na. Kurosawa mag ich zum Beispiel, weil er voll wenig Musik in den Filmen hat. Es stört mich eher, wenn 0815-Szenen mit Musik unterlegt werden, damit sie eine Bedeutung kriegen. Bei Filmen ist Musik für mich gar nicht so wichtig. Ich achte viel mehr auf Regie-Einstellungen und die Story.

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Themenwechsel: Du bist ja extremer Fußballfan…
Extrem würde ich gar nicht sagen. Früher mehr, aber das hat 2007, 2008 aufgehört. Nicht wegen der EM, eher wegen Kiffen, Musik und der Freundin. Da hat es mich gar nicht dann gar nicht mehr interessiert. Aber vor vier, fünf Jahren hat es wieder bisschen angefangen.

Hast du als Kind viel gespielt?
Ich habe voll viel Fußball gespielt, auch im Verein. Später in der Jugend auch mit ein paar Leuten von den Tough Guys (Anm.: Ein Fanklub von Austria Salzburg), das war ganz lustig.

Aber dein Verein ist SV Austria Salzburg?
Eigentlich Casino und Wüstenrot Salzburg. Als das zu Red Bull geworden ist, hat mein Interesse nachgelassen. Ich finde den jetzigen Verein Austria Salzburg ganz cool, aber früher war das viel intensiver. Ich sympathisiere mit dem Verein, als „Die Hard“-Fan würde ich mich aber nicht bezeichnen.

Du kennst ja die Tough Guys von früher. Wie stehst du heute zur Fanszene von Austria Salzburg?
Politisch bin ich nicht so. Du kannst natürlich nicht alle über einen Kamm scheren, mit Rechten hab ich halt nichts am Hut. Die Mannschaft kann ich ja trotzdem feiern.

Warst du damals öfters im Lehener Stadion?
Als ich ganz klein war, war ich ein paar Mal im Stadion. Aber auch nicht so oft, es ist sich schwer ausgegangen. Aber es hat mir dort richtig getaugt. Die ersten beiden Jahre im Siezenheimer Stadion war ich dann öfters. Da hatte ich bisschen Taschengeld und konnte mir die Tickets leisten.

Wer ist dein größtes Austria-Salzburg-Idol?
Ich weiß nicht. Heimo Pfeifenberger fand ich damals sehr cool, Szabolcs Sáfár auch.

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Das nächste Mal live zu sehen ist Lex Lugner mit einem DJ-Set bei der Afterparty unserer Geburtstagsfeier am 29. Juni in der „Grelle Forelle“.

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