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Spürbare Angst // Lance Butters live

Heute gibt es keinen Voract in der Grellen Forelle. Ohne auf der Bühne zu stehen, performt Lance Butters den Anfang des Tracks „Angst“ von seinem neuen Album. Nach einem abrupten Abbruch folgt „Wake Up Fucked Up“, ein Track mit hartem Beat, harten Lines. Lance Butters hat mittlerweile in den Jahren seiner Karriere seine Maske umgetauscht; sie ist nun weiß, dezent, neutral, unauffällig. Die Grelle Forelle ist gefüllt, die Fans feiern sowohl die alten Tracks, als auch die neuen Sachen. Wenn man sich jedoch Lance Butters neues Album „Angst“ angehört hat, dann erwartet man vielleicht etwas anderes, als einem heute an diesem Abend in Wien geboten wird.

Fotos: David Lindengrün

 

„Ich bin bisschen krank, deswegen liegt es an euch, ob ich Power gebe oder nicht. Die Tickets sind bezahlt, ne?“

Auf „Angst“ zeigt sich Lance nämlich von seiner persönlichen, eher privaten Seite auch von seiner verletzlichen. Er erzählt von Selbstzweifel, Selbsthass, Angst vor sich selbst, seiner Vergangenheit. Es sind äußerst persönliche, private Eindrücke, die Lance Butters auf seinem Album preisgibt. Er berichtet von seinem Plan, sich schon bald im Wald sein eigenes Grab schaufeln zu wollen. Klar, hier gilt es natürlich wieder die künstlerische Freiheit und das lyrische Ich nicht mit Lance Butters als private Person zu verwechseln, aber es ist ein bisschen hart, an einem Mittwochabend folgende Zeilen zu hören: „Schon bald, da geh‘ ich in den Wald / Ich und meine Schaufel, wir geh’n in den Wald / Schaufel‘ mir mein Grab selbst und springe rein / Ich und meine Schaufel“. Solche Gedanken und alles, was noch dazugehört, sind erst zu nehmen und so tut es irgendwie weh, dass Lance solch einen Song über eigene Suizidgedanken kommentarlos performt.

Und auch sonst scheint Lance kein Fan von großen Worten zu sein. Ein Track folgt nach dem anderen, meist ohne Ansage, ohne Kommentar. Ein bisschen wirkt es so, als wäre Lance selbst in einem Dilemma gefangen: Während er früher locker und easy über Frauen, Drogen, Groupies und Sex rappen konnte, spiegelt sein neues Album private und persönliche Gedanken wider, die nicht so ganz zu diesem Image passen. Anstatt den thematischen Wechsel zu erklären, lässt er lieber die Songs für sich sprechen.

„Wien, lasst euch keinen Scheiß erzählen, Graffiti zahlt die Miete nicht. Nur Geld zahlt die Miete.“

Nichtsdestotrotz funktioniert genau dieses Showkonzept auch irgendwie, denn jeder hier kennt die Klassiker, jeder rappt mit, jeder nimmt die Hände hoch. Denn Lance wird genau für diese Härte gefeiert, welche seine früheren Songs textlich innehaben. Zwischen den Songs ertönen Stimmen aus dem Off: „Hast du dich mal gefragt, warum keiner mehr kommt? Du hast doch ein Handy, nutz es“. Auch wenn die Mischung aus persönlichen Tracks mit älteren, härteren Songs auf den ersten Blick nicht zu funktionieren scheint, trägt dennoch das gesamte Repertoire diese typische, leicht hasserfüllte, authentische Lance-Note.

„Ich muss gucken, wohin mit der Energie. Wir könnten joggen gehen zum Beispiel.“

Fazit: Lance Butters hat sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt, seine Songs sind nun tiefgründiger, persönlicher, seine Maske neutraler, unauffälliger. Dass er von dieser Entwicklung relativ wenig bei seiner Liveshow zeigt, ist schade. Klar, die alten Tracks kennen alle, sind leicht verdaulich und geeignet zum Mitsingen, aber auch Songs wie „Keller“ konnte sich eindeutig live beweisen. Die Performance an diesem Abend in der Grellen Forelle war keinesfalls eine schlechte, Lance kann so oder so mit seinen Songs überzeugen. Dennoch fehlt es irgendwie an dem persönlichen Etwas, an Interaktion mit dem Publikum. Musikalisch schwächelt Lance definitiv nicht, eher persönlich. Aber genau darum geht es ja irgendwie auch auf „Angst“, oder wie es die Stimme aus dem Off sagt: „Eine Isolation würde dir guttun“. Und genau hier schließt sich dann auch wieder der Kreis und irgendwie macht alles im Endeffekt genau so auch Sinn.

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