Lance Butters – Blaow

Four Music/08.05.2015
Four Music/08.05.2015

Facettenreichtum sucht man im Jahre 2015 auf so manchem Deutschrapalbum vergeblich. Oft genug entsteht bei mir das Gefühl, 15-mal den fast identischen Track nur auf einen minimal anderen Beat zu hören. Die erzwungen pseudo-deepen Songs über die Ex, welche doch so qualvoll vermisst wird, obwohl man vier Minuten davor noch alle Frauen außer Mama als Schlampen bezeichnet hat, stellt jedoch auch keine gute Alternative dar. Was soll der Rapper von heute dann bloß machen, um die Kritiker und Zuhörer zufriedenzustellen? Ganz einfach: Seine Stärken so gekonnt wie nur möglich auszuspielen. Das hat vor Kurzem der ehemalige VBTler Lance Butters gemacht. Wenn dies ausschließlich zu Songs über Frauen, Weed und die als verdammt whack wahrgenommene Deutschrapszene führt, dann ist das gut so, denn mehr als die genannten Themen behandelt der Mann mit der Iron Man Maske auf seinem Debütalbum “Blaow“ eigentlich kaum. Seine vollkommen gelangweilte, arrogante Art seine Texte vorzutragen, weiß einfach zu gefallen. Das gepaart mit starken Flow und der sehr auffälligen Betonung führt auf unglaublichen Beats fast durchgehend einen sehr stimmigen Vibe.

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Dem Zuhörer wird ein fast durchgehend atmosphärisches Werk geboten. Trotz den wenigen Bereichen, die behandelt werden, ähnelt nicht automatisch jeder Song dem vorherigen. Auch wenn es sich teilweise nur um Kleinigkeiten handelt, hat dies einen durchaus wichtigen Einfluss auf die Wirkung von “Blaow“. Lance Butters präsentiert uns ein pures HipHop-Album, welches das Genre Größenteils auf seine einfachen, aber vor allem essenziellen Elemente herunterbricht. Jedes Sample, jede Pause – das alles sitzt. Auch die meisten Lines entfalten sich auf den Brettern von Benett On ihre gesamte Wirkung und das fast ohne Fremdscham aufkommen zu lassen. Leider bestätigen, wie so oft, Ausnahmen die Regel, denn auf “Puff Puff Pass“ wirkt das Gerede über “Bitches“ dann doch zu peinlich.

Sagst regelmäßig Sex hast du nicht nötig
Doch schon ’n Tag nach unserer Nacht, fühlst du dich untervögelt (schwöre)
Zu früh kommen ist nicht mein Ding, Finger voll Gleitcreme, spreiz deine Beine, Kleine
Schieb‘ dir das Buttplug und schon wird aus ’ner kleinen Prinzessin eine versaute Cumslut, basta“. (Lance Butters – “Puff Puff Pass“)

Man kann es halt leider auch an mancher Stelle übertreiben. Hierbei handelt es sich zum Glück um eine Ausnahme, welche einem ansonsten gelungenen Album leider unnötig Kratzer verleiht. Viel mehr Spaß macht seine Musik eher, wenn er sich über seine Deutschrap-Kollegen aufregt. Seine negative Einstellung der Szene gegenüber stellt er in Form von “Ich und mein Hut“ und “Auf Deutschrap“ zur Schau. Arrogant und genervt kritisiert er andere Rapper, ohne dabei aber Namen zu nennen. Die Hook von dem zuerst genannten Track stellt ein passendes Beispiel für Lances unterhaltsame Auseinandersetzung mit der Konkurrenz dar:

Doubletime-Versuche – hab ich nichts mit am Hut
Sinnlose Vergleiche – hab ich nichts mit am Hut
Backpack-Rap – hab ich nichts mit am Hut
Lass mich damit in Ruh man, ich hab genug von
Phrasendrescherei – hab ich nichts mit am Hut
Dissen für Promo – hab ich nichts mit am Hut
Mehrsilbige Reime – hab ich nichts mit am Hut
Lass mich damit in Ruh, man, dis ist nicht cool“ 
(Lance Butters – “Ich und mein Hut“) 

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Doch nicht nur die genervt vorgetragene Kritik über die Kollegen weiß durchaus zu gefallen, denn manchmal gewährt er dem Zuhörer auch Einblicke in seine oft triste, perspektivlose und keineswegs fröhliche Welt. Schon in “Es zieht/Ich zieh“ wird klar, dass der Alltag eines Kiffers gar nicht so spektakulär und vor allem nicht unbedingt erfüllend ausfällt. Noch viel deutlicher wird dies in “Weißer Rauch“ dargestellt. Möglicher Suizid wird kurz thematisiert und auch die von Bele gesungene Hook wirkt keineswegs optimistisch:

Auch wenn ich manchmal so viel verpasst hab
Sitz‘ ich zuhaus, sag: „Komm, scheiß da drauf.”
Und fickt die Welt wieder mal mein‘ Schädel
Versteck‘ ich mich hinter weißem Rauch“ (Bele – “Weißer Rauch“)
 

Lance Butters spricht sich am Ende doch gegen zu persönliche Einblicke aus und verrät trotzdem, dass sein Vater verstorben ist und er anscheinend kein gutes Verhältnis mit seinem Bruder pflegt. Mehr erfährt man von der Person hinter der Kunstfigur Lance Butters nicht, aber das ist auch nicht nötig. Die Entscheidung, sein Album nicht mit privaten Problemen zu füllen, zieht sein Debütalbum zu keinem Zeitpunkt herunter, und wenn am Ende doch etwas Persönliches durchsickert, stellt dies eigentlich nur den perfekten Schliff für ein pures HipHop-Album dar.

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