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Kummer & Qualm // Johnny Rakete live

Alle Fotos: Philipp Detter

Am Donnerstagabend füllt sich das Wiener Werk nur langsam. Das parallel stattfindende Princess Nokia-Konzert in der Arena als Publikumsmagnet mag wohl ein Grund dafür sein. Als gegen 20:30 Uhr jedoch Voract HipHop Joshy (statt dem in Deutschland mittourenden Odd John) zusammen mit seinem DJ und Diskoromantik-Partner Melonoid beginnt, füllt sich der Raum erstaunlich schnell, sodass bald eine gemütliche Konzertstimmung entsteht. Joshy, den man nicht zuletzt durch das Label Heiße Luft mittlerweile in der Wiener Szene kennen sollte, spielt ein solides Vorprogramm vor heimischem Publikum vor allem aus seinem Solo-Mixtape „Wenn ich ein Auto wär, wär ich ein kaputtes Auto“ und schlägt neben eher partytauglicheren Tracks wie dem mittlerweile obligatorischen „Gib Joint“ auch sentimentalere Töne an, was gut zum Motto des Abends „Kummer & Qualm“ passt. Der Hang zu Melancholie und Rauchbarem scheint die beiden Protagonisten des Abends zu vereinen.

Nach einem bislang unveröffentlichtem Track und einer kurzen Raucherpause betritt Johnny Rakete zusammen mit seinem DJ Hentzup, den er anscheinend bei seinen Besuchen des 2zimmergefueges in Saarbrücken kennengelernt hat, die Bühne. Der Stopp in Wien ist nicht nur deshalb etwas besonderes, weil er den zweiten Teil der Tour einleitet, sondern auch der erste Soloauftritt des bekennenden Kamp-Fans in Wien, wo er zuletzt im Rahmen der Tour mit Goldroger & Veedel Kaztro 2015 war.

Mit Kamp-Zitaten und Querverweisen macht man sich in Wien generell schnell beliebt und so hat Johnny Rakete das Publikum von Anfang an auf seiner Seite. Es folgen einige Einblicke in die inzwischen umfangreiche Diskographie, die bis vor kurzem größtenteils aus EPs bestand. Erst bei den Tracks aus seinem aktuellen und ersten Album wird die Stimmung etwas gedrückt, was beim Albumtitel „Trauriger Junge mit Rauch in der Lunge“, Zeilen wie etwa „Seit Jahren schon, hab‘ ich mein‘ Todeswunsch erkannt, ich tauschte Ambitionen gegen Drogensucht und Angst“ auf „Wenn Katzen streiten“ und dem Motto der Tour „Kummer und Qualm“ die logische Konsequenz ist. Es gehört sehr viel Mut dazu, so offen über sein Innenleben zu sprechen, was das ganze Album schwer verdaulich und nicht gerade massentauglich macht. Aber erst vor wenigen Wochen hat Döll auf derselben Bühne bewiesen, dass Musik ein gutes Mittel ist, sich aus schwierigen Lebensphasen herauszukämpfen und negative Gefühle in etwas positives umzuwandeln.

Und dennoch kommt der Spaß an der Sache nicht zu kurz, beispielsweise wenn das F-Wort in „Kritiker“ kurzerhand durch „Frühstück“ ersetzt wird. Auch wenn das Nichtraucherschutzgesetz einer adäquaten Huldigung des „Schutzpatrons der Kiffer“ in die Quere kommt, dürfen die typischen Kifferhymnen wie „1 oder 10“ oder „Nein Nein“ nicht fehlen. Daran ändert auch nichts, dass Johnny Rakete laut Interviews seinen vorher wohl exzessiven Konsum deutlich reduziert hat und auch die negativen Seiten dieses Lifestyles thematisiert. Nach dem versöhnlichen „Manchmal“ als Zugabe verabschiedet sich der Rapper Richtung Merchstand und lässt den Abend entspannt ausklingen.

Fazit: Johnny Rakete hat mit dem Auftritt einmal mehr gezeigt, dass er nicht der klassische „Kiffer-Rapper“ ist, als der er oft abgestempelt wird. Gerade sein Debütalbum zeigt viele Facetten des Fürthers, wenngleich es eher ein Album zum „allein daheim im Zimmer sitzen“ als für große Bühnen ist. Mit seiner Routine und Bandbreite an verschiedenen Songs schafft es Johnny Rakete trotzdem, dass die gute Laune die Oberhand behält.

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