Kid Pex Kroko Jack

Kid Pex & Kroko Jack kontra Regierung: „So viel Polizei“ // Video

Kid Pex Kroko Jack
Knapp ein Jahr nach der Angelobung der türkis-blauen Bundesregierung scheinen sich innenpolitisch brisante Entwicklungen zu überschlagen. Was mit dem Kippen des Rauchverbots in der Gastronomie startete und etwa über massive Kürzungen der Förderungen von Frauenprojekten oder Einschränkungen bei der Informationsweitergabe an regierungskritische Medien führte, setzte sich kürzlich mit dem offenbar doch nicht so freiwilligen 12-Stunden-Tag oder Entwürfen des Sozialministeriums zur Abschaffung der Notstandshilfe und zum weiteren Sozialabbau fort – Beispiele liefert die Koalitionsregierung zur Genüge. Doch trotz der vielen Steilvorlagen agiert die Opposition weitgehend zahnlos, die Umfragewerte der aktuellen Regierung bleiben auf einem stabilen Level.

Immerhin werden die Stimmen aus der Zivilgesellschaft lauter, wie die seit Anfang Oktober wieder stattfindenden Donnerstagsdemos unterstreichen. Nachdem die Initiative 05 bereits kurz nach der Nationalratswahl eingeschlafen ist, kam aus der österreichischen Rap-Szene nur punktuell Gegenwind. Mit Kid Pex und Kroko Jack setzen nun zwei hiesige Rap-Größen auf dem Track „So viel Polizei“ ein klares, plakativ umgesetzes Statement. Dieses richtet sich nicht nur gegen die von Innenminister Herbert Kickl forcierte massive Aufstockung der Polizei, sondern gegen diverse bundespolitische Entwicklungen sowie die Protagonisten und Freunderl der Regierung. Auf einem Beat von Freshmaker lassen die beiden schlichtweg ihrer „gemeinamen Wut“ freien Lauf.

Schon in der Vergangenheit hatte vor allem Kid Pex einen Hang zu unverblümten gesellschaftspolitischen Äußerungen und Tracks, doch auch Kroko Jack bezog mehrmals Stellung – in jungen Jahren während der ersten schwarz-blauen Koalition etwa als Teil der Kaputtnicks und der EP „Brief an den Bundeskanzler“, zur Flüchtlingsdebatte 2015 mit „Bledsinn“. Die Wien-Linz-Kollabo auf „So viel Polizei“ ergab sich in Folge eines zufälligen Treffens in einem Studio, als Kid Pex im Rahmen einer Soli-Jam für einen mittlerweile freigesprochenen Homie – die Polizei warf ihm schwere Körperverletzung sowie Widerstand gegen die Staatsgewalt vor – zu Gast in der Stahlstadt war.

Den mit schnittigen Video versehenen Track betrachtet Kid Pex auch durchaus als Mittel, die Öffentlichkeit und die österreichische Rap-Szene wachzurütteln, wie er gegenüber The Message erklärt: „Ich erwarte mir, dass die Öffentlichkeit sieht, dass es hierzulande doch Rapper gibt, die bereit sind die Eier auf den Tisch zu legen, Rap wieder zu seinen Wurzeln zu tragen und Klartext zu sprechen. Und nicht wie andere – dem rechten ‚Onkel‘ Kim Bull Diddy Mateschitz am Sack lutschend – in der Gemütlichkeits-Weichspül-Spirale ihr verlorenes Gesicht in einer Gucci-Uhr zu suchen. Ich weiß und spüre jeden Monat, wie viel ich durch mein klares Bekenntnis und meine Positionierung verloren habe. Von IKEA-Gagen bis zu dem, dass mein Name in keinen Förderansuchen vom Bund mehr erwähnt werden darf. Aber ich habe das Wichtigste zurückgewonnen: mich selbst. Und die Freiheit wieder wirklich, wirklich Hip Hop zu machen.“

Dass Kroko Jack bei seinem Part auf Dancehall-Elemente verzichtet und stilistisch etwas an seine Zeit unter dem Pseudonym Tibor Foco erinnert, kommt nicht von ungefähr: Am Samstag spielt er im Rahmen der von Kid Pex mitorganisierten Reihe Gürtel Squad im Wiener Rhiz, wo es zu einem „Tibor Foco Special“ kommt. Dort wird es neben der LP „Andagraund“ auch „So viel Polizei“ zu hören geben – weitere gemeinsame Projekte von Kid Pex, Kroko Jack und Freshmaker sind übrigens nicht ausgeschlossen.

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