Jugo Ürdens bringt dich ins Schwitzen // Review

Bei der Hitze hilft nur Nacktsein: Jugo Ürdens und EINFACH SO // Alle Fotos: Alex Gotter

Während sich am Schwedenplatz der ganz normale Freitagabend-Karaoke-Wahnsinn abspielt, lädt Jugo Ürdens zu seiner „Dies Das“-EP Releaseparty ins PRIME ein, den neuen Club beim Schwedenplatz. Ein sehr amüsanter Anblick, wenn man bedenkt, dass sich die Gegend der ehemaligen Coyote-Bar eigentlich im Schatten des prolligen Settings des Bermudadreieckes befindet. Gestern trafen sich die Sachertorten-Genießer und Cevape-Fetischisten zwar nicht zum traditionellen Wiener Walzer, dafür zum ausgelassenen Trap-Rodeo. Schwiegermamas-Liebling edhardygirl14, eine Hälfte der Schönbrunner Gloriettenstürmer, macht den Anfang und massiert die Trommelfelle mit grimey Bässen und peitschenden Snares. Das Intro dabei macht Rap-Altmeister Bushidos Headbanger „Fotzen“ und führt das Pogo-Publikum von der innerstädtischen Skyline zum Ottakringer Bordstein zurück – in Jugo Ürdens gewohntes Habitat. Spätestens bei der Wiener Jugo-Hymne „Mach ma‘ Party!“ hebt es auch die letzten Spaßbefreiten aus den bequemen Ledersofas des PRIME-Clubs. Rauchverbot: Passé. Dresscode: oben ohne. „veceras se pije – veceras se slavi.“ Wiener Prüderie verwandelt sich schlagartig in balkanesische Ausgelassenheit.

Der brennende Abgang vom Rakija-Energy-Mix wird mit zart-süßen „Kokosbusserl“ des Labelkollegen EDWIN gelindert – Balsam für die Seele. Die musikalische Untermalung aus luziden Beats und sanften Autotune-Klängen aus dem Hause FuturesFuture und vorgetragen von DJ Ryno bringen eine verdiente Atempause für die tobende Meute. Spätestens jetzt is das Motto des Abends klar: Loslassen, Geist freimachen und mitreisen in die Lebensrealität der Wiener Untergrundartists. Brütende Hitze, Kondenswasser an den freizügigen Körpern zeichnen ein Bild, welches man so nur aus den Londoner Vorortclubs oder den hedonistischen Berliner Szeneschuppen kennt. Ab und zu prasseln nicht nur die ausgefeilten Instrumentals auf die Leute ein, Abkühlung verschafft der gelegentliche Spritzer aus der Wasserflasche straight von der Bühne: In-die-Fresse-Musik im wahrsten Sinne des Wortes. Neben der kreislaufzamprackenden Hitze zeichnet sich auch leider bereits bei EDWIN ab, dass die Soundanlage des Clubs nicht für Livekonzerte ausgelegt ist. Obwohl keine zwei Meter von der Bühne entfernt, ist das Plaudern der Gäste lauter wahrzunehmen als die Stimme des Rappers. Schade!
Spätestens nach EDWIN gleicht die Tanzfläche einem brodelnden Glühweinkessel, als „der schönste Mann in Wien“ und sein Brate EINFACHSO die vorgeheizte Bühne betreten: Die Stimmung ist im wahrsten Sinne des Wortes am „Köcheln“. Aber was geschieht eigentlich, wenn geballte „Ajde-Mentality“ die Stage einnimmt? Pa, „Dies Das“ eben: Bisschen Zigo-Esprit, bisschen FIFA-Rage – eben wie ein Unterklassenfußballtrainer mit PLZ 1160 Wien. Ob Minusgrade oder dalmatische Hitzewelle, ein waschechter „Trainer“ trifft sich bei 40 Grad trotzdem in Jogginghose, Bauchtasche, oberkörperfrei und natürlich darf passend zum Release die Mannerschnitten-Cap bei der akribischen Wahl des Bühnenoutfits nicht fehlen. Irgendwo inmitten des 60minütigen Rap-Raves, verhelfen die Schönbrunner Gloriettenstürmer mit ihrem gemeinsamen Track „Betrugo“ zu etwas sanfteren Klängen – Verschnauffpause Numero dva. Zum Ausklang übernimmt Ryno wieder die Decks und füttert die letzten Tanzwütigen mit den neuen Bangern aus US- und Deutschrap. “Mask off, fuckin Mask off“ – eine Ode daran, dass jeder im Saal an diesem Abend sein wahres Gesicht gezeigt hat.Fazit: Es ist beeindruckend, wie viel Publikum Jugo Ürdens bereits bei seiner ersten Liveshow angezogen hat – das haben vor ihm nicht viele geschafft. Wäre der Sound nicht derartig grottig gewesen und hätte der Club ein wenig Geld in eine Belüftungsanlage investiert – das partytaugliche Konzert würde als Anwärter zu einem der durchgedrehtesten Events des Jahres durchgehen. So freuen wir uns schon auf die Show von EDWIN und Jugo Ürdens im Rahmen des FuturesFuture-Slots am Wiener Donauinselfest in zwei Wochen. Da gibt’s wenigstens Frischluft.
Weitere Fotos des Abends:
        
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