„Jeder gute Rapper muss freestylen können“

Scheibsta by Daniel Shaked © 2013_ 1

Dass der Salzburger Rapper Scheibsta gut Geschichten erzählen kann, weiß man ja nicht erst seit seinem letzten Release „PeopleEP“ Ende 2011. Auch im Café Sperlhof, direkt beim Augarten, redet der Freestyle-Künstler frei von der Leber weg: er sei zum Interview direkt von der Kanzlei im 8. Wiener Gemeindebezirk gekommen, wo er seit August arbeitet. Nachher müsse er auch noch zu einem Freund Champions League schauen, sein Lieblingsklub Arsenal London kämpfe um den Aufstieg in die Knock-Out-Phase. Özil sei ein super Kauf gewesen, nicht zuletzt aufgrund seiner Leistungen stünde Arsenal an der Spitze der Premier League, erzählte uns der Rapper. Was Scheibsta noch alles zu schildern hat, über Selbstbeobachtung, die Gefahr der Selbstprostitution, seinen geplanten Wandel zu fröhlicherer Musik und welches Release 2014 ansteht, erfahrt ihr im Interview mit The Message.

Interview: Niklas Hintermayer
Fotos: Daniel Shaked

The Message: Dein letzter Release war Ende 2011 die „PeopleEP“. Seitdem bist du viel mit der Band Parametrix unterwegs, bei der du auch viel freestylst. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und was ist der Vorteil, wenn man live mit Band spielt?
Scheibsta: Die Gigs mit DJ sind mir irgendwann zu langweilig geworden, weil man einfach weniger Einfluss auf die Beats nehmen kann, etwa bei der Geschwindigkeit oder der Dynamik. Mit Band ist der Spielraum viel größer. Die Jungs checken zum Beispiel, wenn mir die Luft ausgeht und können mich dann unterstützen. Man hat einfach viel mehr Möglichkeiten. Parametrix ist unabhängig von mir entstanden, aber da wir uns gut verstehen – ihnen gefällt was ich mache und umgekehrt – harmoniert das Ganze. Wir haben von Anfang an selten geprobt, sondern jammen meistens drauf los und so entstehen Ideen. Wir haben schon auch ein paar Nummern, dir wir immer durchgehen und performen, aber ein großer Teil der Shows besteht aus Freestyles. Wenn ich die Wahl hab zwischen DJ und Band, ist es halt immer die Band.

Du hast letztes Jahr unter dem Synonym „Barry Spreiz“ die EP „Sommerlieder“ herausgebracht, die sich dem Autotune-Sound und eher leichten Sommerthemen widmet. Was steckt da dahinter?
Scheibsta: Also gerade die Sommerlieder – die wahrscheinlich erst 2025 so richtig hypen werden (lacht) – sind eigentlich nur ein Abfallprodukt aus Sessions mit dem Feux. Ich arbeite seit mittlerweile zwei Jahren mit ihm an Tracks. Nach stundenlangem Produzieren und Gedanken machen war es für uns immer sehr befreiend, dann drauf zu scheißen und mal Autotune zu benutzen, MIDI-Files runterzuladen und zu schauen, was rauskommt, wenn ich auf 160 Bpm zu singen beginn. Einfach musikalisch herumzuexperimentieren und Dinge zu probieren, die nach eigenen Maßstäben sonst eher tabu sind.

Du rappst mit Parametrix live auch über Reggae-Sounds, die Stimme legst du dann passend daran an. Das ist schon sehr vielfältig. Übst du diese verschiedenen Stile aktiv und kann man da noch Neues erwarten?
Scheibsta: Okay, ähm, das mit der Band läuft so ab: wir haben bei jedem Konzert Nummern, bei denen wir uns vom Publikum ein Thema und Genre geben lassen. Entweder fragen wir von der Bühne aus, was das Publikum gerne hören würde, oder wir haben unser  „Glücksrad“ mit, das hat einen Durchmesser von 1 ½ Meter und ist in drei Teile unterteilt: Im Innersten sind die fünf Musiker: Trompete, Gitarre, Bass, Drums und Vocals. In den mittleren Teil schreiben wir Namen für Lieder, die es eben noch nicht gibt und ganz außen ist die größte Spalte, wo wir Stimmungen aufzuschreiben, die wir musikalisch versuchen umzusetzen, wie zum Beispiel Ragga, Funk oder Electro-Pop. Dadurch entstehen dann ganz weirde Sachen, wie irgendwelche Reggae-Nummern. Oder wir haben mal eine Electro-Pop-Nummer improvisiert, wo ich mit Roboter-Stimme über einen Techno-Beat gerappt hab. Wir üben das nicht, sondern es ergibt sich aus dem Moment und den Stimmungen, die uns vorgegeben werden.

Also feilst du jetzt nicht bewusst an diesen verschiedenen Stilen? Du „kannst“ das einfach, auch in Verbindung mit dem vielen Freestylen…
Scheibsta: Es ist wahrscheinlich das Resultat jahrelangen Freestylens. Ich versuche oft in verschiedene Charaktere reinzuswitchen und stimmlich herumexperimentieren.

Im Video zur „PeopleEP“ spielst du einen Rezeptionisten und einen Kellner. Auf mich hat das so gewirkt, als ob du dich als Beobachter von außen positionierst, der ein bisschen über den Dingen steht. Im Intro heißt es auch: „Ich schreib Geschichten über dich und deine schlechten Seiten, die meisten Augen spielen wunderschöne Hässlichkeiten.“  Wie viel von den Geschichten stammt letztendlich von dir selbst und was fasziniert dich an dieser Rolle des menschlichen Beobachters, wenn du Texte schreibst?
Scheibsta: Gute Fragen, ähm, prinzipiell steckt in jeder Geschichte ein Stück von mir. Grad die erste Nummer über den Bub, der alles bekommt, aber nicht das, was ihm wichtig wäre – damit kann ich mich identifizieren. Und die zweite Story mit der Nutte… Natürlich geht es inhaltlich um eine Nutte, aber man darf das nicht so eng auslegen. Es geht viel mehr um das „sich selbst verkaufen“, um vielleicht irgendwann machen zu können, was man gern machen würde. Also man verkauft sich jetzt, um irgendwann seine Träume zu leben, anstatt einfach gleich zu sagen: scheiß drauf, ich mach sofort das, was ich will, ohne Umwege. Natürlich sind das Gedanken – oder eigentlich Ängste – die mich beschäftigen und die ich an mir beobachte, aber gleichzeitig genauso an sehr vielen anderen Menschen beobachten kann. Insofern glaube ich, dass die Rolle des Beobachters eigentlich nur eine Selbstbeobachtung ist, die dann durch das Storytelling eine gewisse menschliche Beobachterrolle bekommt. Ich tue mir leichter, mich in Geschichten einzufühlen, die von Schicksalsschlägen handeln. Wo nicht eine Frau 45 und glückliche Mutter von drei Kindern ist, sondern eher das Gegenteil: eine, die eigentlich nur kurz ins Prostitutionsbusiness wollte, um  zum Beispiel ihren Lifestyle zu finanzieren. Zwanzig Jahre später lässt sie sich aber immer noch durchvögeln für Kohle. Das ist für mich nachvollziehbarer als diese „Hollywood-Happy-End-Scheiße“.

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Gibt es etwas, dass du sehr gerne machen würdest, aber noch davor zurückschreckst? Würdest du zum Beispiel gerne professionell Musik machen oder gäbe es auch Pläne für die Zeit nach deinem Jus-Studium?
Scheibsta: Ich glaube, dass ich bis zu einem gewissen Grad – für mein Musikverständnis – auch professionell Musik mache. Es ist halt immer die Frage, inwieweit man Professionalität mit finanzieller Unabhängigkeit in Verbindung bringt. Ich weiß, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt niemals von der Musik leben könnte. Deswegen muss ich Wege finden, um mir mein Leben zu finanzieren und weiterhin Musik zu machen. Das ist aber eine wesentliche Frage, die ich mir immer wieder stelle und die mich oft beschäftigt. Wahrscheinlich könnte ich schon auf dieses Jus-Ding scheißen und zum Beispiel versuchen Werbetexter zu werden, um so mein Gehalt zu verdienen. Aber da kommen mir gleichzeitig wieder Ängste, dass durch die Vermischung von Kreativität und Arbeit irgendwann mein kreativer Tempel zerstört wird. Mir ist wichtiger, dass ich meine Musik für mich habe und mir von niemandem sagen lassen muss, wann etwas fertig zu sein hat oder wie meine Texte auszuschauen haben. Dafür gehe ich halt den Kompromiss ein, mein Geld anders zu verdienen.

Letztens gab es ein Theaterstück „True Story“, wo Simon Dietersdorfer von MA21 („Smaug“) die Wechselwirkungen von Rap und Schauspiel gekonnt wiedergegeben hat. Eigentlich liegen diese beiden Felder nicht weit voneinander entfernt: man präsentiert sich auf der Bühne, es kommt sehr viel auf die Präsenz an und letztendlich ist jeder Rapper auch eine gewisse Kunstfigur, die gern in verschiedene Rollen schlüpft. Siehst du das auch so?
Scheibsta: Ja, ich hab den Trailer gesehen und den Part extrem lustig gefunden, wo er erzählt, dass er Schauspieler und Musiker ist und wenn er gefragt wird: „Was spielen Sie für ein Instrument?“ – auf die Antwort: „Ich bin Rapper.“ immer abneigende Reaktionen bekommt. Für mich ist die Mischung aus Realem und Fiktivem interessant. Man hat als Künstler die Freiheit, Sachen übertriebener darzustellen, als sie vielleicht sind oder in gewisse Rollen zu schlüpfen. Zum Beispiel feier ich das „Pif Paf“ – Projekt von Karäil extrem. Dieser Pif Paf ist für mich ein Charakter, der in meinem Kopf existiert. Ich find das deswegen so geil, weil es einerseits technisch gut ist, aber es andererseits dieses ganze Gehabe gibt, mit dem Crack rauchen und Niedersaufen, und er es so ins Lächerliche zieht. Dafür finde ich Rap als Stilmittel cool: Man nimmt irgendein Image oder Szenario und kann das extrem übertrieben darstellen. Es sind also auf jeden Fall Parallelen zum Schauspiel da. Wobei es auch diese Hardcore Keep-it-real-Rapper gibt, bei denen Authentizität über allem steht.  Aber es ist auch cool, dass es das gibt. Dass es so viele Facetten gibt, macht das Rap-Ding schlussendlich doch so interessant.

Eine Figur, die mir bei dir aufgefallen ist, ist der „Clown“. Auf deiner LP „Die Reime des jungen Gärtners“ von 2006 gibt es auch einen Track mit diesem Titel. Dabei geht es um einen unglücklichen, versoffenen Clown, der nach außen hin immer lächelt, aber innerlich eigentlich total am Ende ist. Auch auf dem Freetrack „Mittlerweile“ gibt es die Zeile: „Für dich bleib ich nur ein Clown, der sich seine Nase färbt. Natürlich bin ich gut drauf und nur aus Spaß so ernst, all die bunten Farben übermalen mein schwarzes Herz.“  Was verbindest du mit der Figur des Clowns?
Scheibsta: Ich muss dazu sagen, dass ich den „Clown“ vor zehn Jahren geschrieben habe. „Mittlerweile“ ist auch schon fünf Jahre alt. Das ist alles schon altes Zeug. Interessant für mich war aber damals die Widersprüchlichkeit eines traurigen Clowns. Dieser Widerspruch hat viel kreatives Potential. Auch bei dem Track war ein Gedanke oder eine subjektive Angst die Grundlage für die Idee zur Geschichte. Durch die Geschichte werde ich zum Geschichtenerzähler, wobei ich ja nicht von jemand anderen, sondern immer meine eigene Geschichte erzähle.

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Überhaupt haben mich die Tracks „Mittlerweile“ und „Butterfly“ sehr geflasht…

Scheibsta: Das hast du gefunden, alter Schwede (lacht). Das gibt’s nur mehr auf Myspace auf irgendeinem Profil.

Ja, das sind echt sehr emotionale und nachdenkliche Tracks.
Scheibsta: „Butterfly“ ist die einzige Nummer, wo ich den Beat selber gemacht hab…

Da geht es anscheinend um eine Trennung.
Scheibsta: Keine Ahnung, bei „Butterfly“ weiß ich gar nicht mehr den Text, das ist schon so alt.

Auf „Mittlerweile“ heißt es etwa: „Mittlerweile bin ich mir ganz sicher, wir sind uns zu verschieden, ich bin zu sensibel, zu verliebt in mich und viel zu tiefsinning.“ Und auf „Butterfly“: „Ich schreib keine Texte, denn Texte sind ehrlich und Ehrlichkeit ist ein Ausdruck von Schwäche und ich zeig dir bestimmt keine Schwächen.“ Das stecken sehr viele persönliche und selbstreflexive Elemente drinnen, die einen als Hörer ansprechen. Findest du das wichtig, dass man das in die Musik reinpackt?
Scheibsta:
Überlegt länger. Wenn du mir die Frage vor sechs Jahren gestellt hättest, hätte ich gesagt, dass es extrem wichtig ist. Weil sich – vor allem in schmerzhafte Erfahrungen – jeder reinversetzen kann und dadurch viel Platz ist Silhouetten zu schaffen, die jeder Hörer für sich füllen kann wie er will. Heute denke ich, dass es viel einfacher ist, eine gute traurige, als einen guten positiven Track zu produzieren. Ich tue mir heute wahnsinnig schwer, traurige Texte zu schreiben, weil ich es mittlerweile furchtbar find, auf einem traurigen Beat etwas Trauriges zu schreiben und Klischees zu bedienen. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass ich seit fünf Jahren in einer Beziehung bin und es super läuft und dadurch das Schmerzding gerade in Liebessachen nicht mehr so intensiv kenne. Aber ich finde es schon wichtig – das ist auch die Challenge, an der ich gerade arbeite – zu versuchen, mit Musik etwas Positives zu vermitteln. Das funktioniert live bei Freestyles eh super, aber wenn ich mich hinsetze und versuche etwas zu schreiben, falle ich halt oft in alte Muster irgendwelche „Herz zerbrechen – Schmerztabletten-Reime“ zu machen. Und das taugt mir einfach nicht mehr.

David Pe hat einmal gemeint, dass Samy Deluxe und Roger Rekless für ihn die besten Freestyler sind, weil sie so gut mit der Menge harmonieren, dabei aber nicht zwangsläufig Doppel- oder Triplereime vorkommen müssen. Andererseits werfen Samy auch viele vor, dass er sich nur mehr in Phrasendrescherei und Zweckreimen verliert. Was braucht ein guter Freestyler für dich?
Scheibsta: Also vorweg finde ich, dass ein guter Rapper auf jeden Fall freestylen können muss. Das ist ein Werkzeug, das man beherrschen sollte, wenn man rappt. Natürlich gibt es Phrasen, die immer wieder kommen oder gewisse Schemen, die man bedient, wenn einem gerade nix einfällt. Das Coole an Freestyle ist aber, dass man es spürt! Man merkt, ob das, was da gerade gerappt wird, Freestyle ist oder ein Text ist, der als Freestyle verkauft wird. Vor allem für die Zuschauer ist das sofort erkennbar. Das ist auch das Reizvolle daran, weil man mit Freestyle Sachen entstehen lassen kann, die mit einem Text nicht erzeugbar sind. Du schreibst einen Text immer in einer gewissen Stimmung, die du zu Hause oder wo auch immer hast. In nur ganz seltenen Fällen ist die Stimmung während des Schreibens dann ident mit der Stimmung beim Konzert, wenn man den Track live bringt. Bei Freestyle ist es immer so, dass es in den Moment passt, weil es eben in dem Moment passiert. Einen guten Freestyler macht für mich aus, wenn er es schafft, auf die Stimmungen und Gegebenheiten einzugehen und nicht irgendwelche Phrasen runterdrischt.

Es gibt auch ein Youtube-Video, wo du während des Autofahrens freestylst. Was war der absurdeste beziehungsweise lustigste Ort, an dem du je gefreestylst hast?
Scheibsta: Ich weiß nicht, hmm. Ich kann mich daran erinnern, dass ich einmal in der Nightline begonnen habe zu freestylen. Am Anfang wurde mir zugerufen, dass ich die Fresse halten und aufhören soll. Ich hab dann aber weitergemacht und paar Minuten später haben zwei ihr Handy ausgepackt und das Ganze gefilmt. Das war dann am Schluss eine coole Session. Oft entstehen in der Öffentlichkeit oder beim Spazieren gehen die lustigsten Sessions. Etwas Spezielles, was mir in Erinnerung geblieben ist, kann ich dir gar nicht sagen.

Du hast bereits bei den Freestyle Battles „King of Season“ und „Invitational“ mitgemacht, wo du jeweils gegen Noah im Finale verloren hast. Ist der Grund, warum man von vornherein nur mehr die „Freestyle Elite“ holt, die Erfahrungen mit jeder Menge schlechter Battles? Vor ein paar Jahren konnte sich ja noch jeder anmelden.
Scheibsta: Ich find das Konzept vom Apple bei den „Invitational-Battles“ cool. Wenn das Niveau von Anfang an höher ist, profitieren sowohl die Mcees, als auch die Zuschauer. Mir geht das furchtbar am Arsch, wenn ich mir zum zwanzigsten Mal anhören muss, dass jemand meine Mutter fickt. Es waren dann aber trotzdem zwei spontane Anmeldungen, wobei das Publikum entscheiden musste, ob sie gut genug sind oder nicht. Schlussendlich war es, bis auf ein paar kleine Eskalationen, ein cooles, rundes Battle.

Findest du das Niveau in Österreich hoch?
Scheibsta: Welches? Grundsätzlich sind für mich Freestyle und Freestyle-Battle zwei komplett verschiedene paar Schuhe. Ich finde zum Beispiel, dass ich gar kein so ein guter Freestyle-Battler bin.

Obwohl du zweimal im Finale warst…
Scheibsta: Ja, keine Ahnung (lacht). Einer der geilsten Freestyle-Sessions, an die ich mich erinnern kann, war mit SenZ27 und Kurd.Y: wir haben über eine Stunde gefreestylt und abwechselnd jeder eine komplette Geschichte erzählt. Das war einer der geilsten Freestyle-Sessions, die ich erlebt hab. Gerade bei Battles kann man sich theoretisch viel vorher zurechtlegen und gewisse „Punchlines“ vorher ausdenken, die dann für jeden Mcee anwendbar sind. Dieses „4-Zeilen-hin-und-her“ find ich generell Scheiße, weil ich meistens acht oder zwölf Zeilen brauche, bis ich überhaupt erst in den Flow komm. Es ist cool, dass es das gibt, aber es nicht das, was Freestyle zu dem macht, was es für mich ist.

Läuft man dabei Gefahr, einfach nur als „der Freestyler“ abgestempelt zu werden? In Deutschland ist es zum Beispiel so, dass wenn MC Rene mal wieder einen Track releast oder freestylt, er oft nur darauf reduziert wird.
Scheibsta: Freestylen und Texte schreiben sind einfach zwei komplett verschiedene Paar Schuhe. Ich tu mir momentan unglaublich schwer beim Texte schreiben.

Warum?
Scheibsta: Weil es mir einfach unglaublich schwer fällt (lacht). Ich sitz dann oft da und brauch für vier Zeilen eine halbe Stunde, die ich dann nach einer dreiviertel Stunde wieder komplett weglösche, weil sie mir überhaupt nicht taugen. In der Zeit hätte ich aber schon keine Ahnung wieviel Zeilen freestylen können. Je mehr Texte man schreibt, desto besser wird man natürlich darin, genauso ist es auch beim Freestylen. Der Nachteil beim Freestyle ist nur, dass man keinen konkreten Output hat. Nicht wie bei einem Track, den man online stellt oder bei mehreren eine EP oder LP daraus macht. Du hast kein Produkt, das man präsentieren oder releasen kann und dann auf Tour geht. Du bist als Freestyler immer mit deinen Freestyles beschäftigt, die halt live super funktionieren und cooles Feedback bringen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass mich jemand für eine Freestyle-Tour buchen würde.

Im Video-Freestyle „Es braucht Zeit“, der sehr autobiographisch angehaucht ist, rappst du davon, dass du in Wien gewohnt hast und da eine stressige Zeit hattest?
Scheibsta: Es würde viel zu lange dauern zu erzählen, was daran stressig war. Es war auf jeden Fall extrem stressig und Wien hat mir nicht mehr gut getan. Ich bin dann wieder nach Salzburg und momentan pendle ich zwischen Wien und Salzburg.

In einem Interview zum DNK-Movement damals noch hast du gesagt: „Das Coole an DNK ist meiner Meinung nach die Vielfalt. Es gibt von Französischem über österreichischem Dialektrap eigentlich alles.“ Was ist aus DNK geworden? Das klingt ähnlich wie das Konzept bei deinem jetzigen Label Duzz Down San?
Scheibsta: Ich muss nochmal dazu sagen, dass viele Sachen, die wir jetzt besprochen haben, vier bis fünf Jahre alt sind. Das DNK hat sich insofern verlaufen, weil ein paar aufgehört haben, ein paar nach Wien gegangen sind, ein paar in Salzburg geblieben sind. Irgendwann war untereinander die Connection nicht mehr da. Es sind alle älter geworden und jeder hat seine eigenen Vorstellungen, wie er sein Leben gestalten will. Was mir wiederum an Duzz Down San extrem taugt, ist, dass es so viele Artists gibt. Es gibt einfach sauviel Sound und die Genres sind breit gefächert. Ich glaube, dass alle Releases, DuzzUp’s undsoweiter, zusammen Sound im dreistelligen Stundenbereich ergeben. Natürlich gefällt mir auch nicht alles, aber es gibt sehr viel, was mir gefällt. Ich kann jedem nur empfehlen, sich da mal durchzuklicken.

Scheibsta by Daniel Shaked © 2013_ 3

Mosch hat in einem Interview gemeint: „Es wäre wohl kontraproduktiv, wenn das Geldverdienen eine große Rolle bei DuzzDownSan spielen würde. Dann müsste man natürlich auch Kompromisse eingehen und hätte mehr Druck. In unserer Situation können  wir kreativ sein, ohne Konsequenzen. Da ist die Freiheit, keine Erwartungen berücksichtigen zu müssen.“ Das trifft es doch sehr gut?
Scheibsta: Ja voll, es ist halt immer die Kohle. Wenn du jetzt theoretisch Marketing-strategisch herangehen würdest, wäre es – was weiß ich – wahrscheinlich sinnvoll, gewisse Releases zu streichen, weil sie gerade nicht den Puls der Zeit treffen. Auf das wird halt komplett geschissen und damit kann ich mich identifizieren. Ich finde es sehr interessant, den Menschen hinter der Musik kennenzulernen. Mir geht es dann oft so, dass ich Nummern ganz anders höre, wenn ich den Menschen hinter der Musik getroffen hab.

Du hast 2006 mit dem Track „Lieber Heinz“ am von derstandard.at und hiphop.at veranstalteten „HC Diss Contest“ mitgemacht. In Deutschland gibt es auch die Online-Casting-Show „RAPutationTV“, an der sich Jugendliche mit politischen Songs beteiligen können. Kann man durch Rap die sogenannte „Politikverdrossenheit“ unter den Jugendlichen vielleicht etwas heben?
Scheibsta: Ich glaube, dass der „HC Rap“ zum damaligen Zeitpunkt für die österreichische HipHop-Szene zurecht als skandalös empfunden wurde. Man kann mit Musik wahrscheinlich schon gewisse Hebel betätigen, aber schlussendlich muss sich jeder seine eigene Meinung bilden. Ich finde es widerlich, wenn versucht wird, künstlich Meinungen aufzuzwängen. Wenn man es mit Musik schafft, gewisse Perspektiven einzubringen oder Missstände aufzuzeigen, ist eh schon viel getan.

Was steht in nächster Zeit an neuen Releases bei dir an? Gibt es Künstler, mit denen du unbedingt noch zusammenarbeiten willst?
Scheibsta: Ich bin seit zwei Jahren regelmäßig mit dem Feux daran Sachen zu machen. Wir haben zwar einige potentielle Beats am Start, aber leider noch zu wenige Texte um jetzt was zu releasen. Geplant ist aber, 2014 fertig zu werden und ein Album zu machen. Wann genau ist noch unklar. Künstler, die oben sind? Ich weiß nicht. Ich hab mir da früher viel mehr Gedanken drüber gemacht, aber mittlerweile sehe ich das wesentlich reduzierter: Ich möchte nur Sachen mit Leuten machen, zu denen ich einen persönlichen Draht hab, oder ich schon lange kenne. Aber mal schauen…Natürlich wäre es cool, wenn ich ein Amewu-Feature oben hätte, aber es ist mir kein Anliegen mehr, viel Zeit und Kraft zu investieren um aufdringlich Kontakte zu knüpfen. Wenn es passt, dann passt’s und wenn nicht, dann drauf geschissen.

Was kann man soundtechnisch und inhaltlich für Veränderungen erwarten?
Scheibsta: Ich hab daheim in einem Bilderrahmen meine aktuellen Releases drin hängen: da ist das Gärtner-Album drinnen und das Plattencover der PeopleEP. Ich hab mir das so angeschaut und mir ist das alles sehr schwarz-weiß und dunkel vorgekommen. Darum ist es mir auf jeden Fall ein Anliegen, dass das Album bunter wird und man musikalisch mehr Farbe reinbringt. Also ich werd mich auf keinen Fall irgendwie beschränken: wenn es Beats gibt, wo ich darüber singen will, dann singe ich, auch wenn ich es nicht kann. Dann werden wir sicher schauen, wie sich das Ganze mit der Band umsetzen lässt. Aber wir haben keinen Stress, es gibt niemanden, der uns Druck mach. Aber es ist uns ein Anliegen, das Ding fertig zu machen und 2014 wird es hoffentlich so weit sein.

WORDRAP:

ROBERT DE NIRO
Scheibsta:
Taxi.

BABO
Scheibsta: lacht. Was fällt mir dazu ein, hm…Bbou und Liquid.

BARTWUCHS
Scheibsta:
Vollbart seit ich 13 bin (lacht).

INDIEN
Scheibsta:
War ich noch nie.

CURSE
Scheibsta:
Lebt der noch?

Ja der lebt noch, macht vielleicht sogar ein neues Album. Er war auch dieses Jahr am Splash.
Scheibsta:
Der ist sicher schon ziemlich alt. Hat mir nicht getaugt, bin gespannt, was der jetzt für Musik macht.

DUBSTEP
Scheibsta:
Nur ab einem gewissen Alkoholpegel.

ARCHITEKTUR
Scheibsta: Ist mir ziemlich wurscht.

STIMME
Scheibsta:
Hauptsächlich mehrere und im Kopf (lacht).

PUNCHLINE
Scheibsta:
Brandwein.

BATMAN
Scheibsta:
Bei der Roger Rekless-EP kommt da eine Zeile vor, von dem mit der Brille…Keno, wo er sagt: „Auch Batman ist…“ Ah nein, scheiße, das ist bei Superman: „Auch Superman hat ein Doppelleben, wo er im echten Leben ein Nerd mit Brille ist.“

CRYSTAL METH/BREAKING BAD
Scheibsta:
Ja, sau geile Serie. Schade, dass sie aus ist, aber saugeiles Ende.

SEBASTIAN KURZ
Scheibsta:
Sebastian Kurz? Ah, der Junge. Muss ich kein Bier trinken gehen mit dem (lacht).

KAMP
Scheibsta: 
Einer meiner Rap-Heroes. Seinen Style hört man in vielen Rappern wieder. Ich freu mich schon aufs nächste Album mit Whizz, 2020 oder so…

Übrigens: Arsenal hat gegen Napoli zwar 0:2 verloren, steigt aber als Gruppenzweiter trotzdem in die KO-Phase auf. Und die Band Parametrix hat erst Anfang Dezember ein 9-Nummern-starkes Album herausgebracht, reinhören lohnt sich!

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