Turn Up & Energy Overdose // Jazz Cartier & Saba live

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Fotos: Marlene Rosenthal
Text: Simon Nowak

An diesem verregneten Samstagabend bietet sich das Café Leopold nicht nur aufgrund eines vorhandenen Daches als idealer Zufluchtsort an, sondern verspricht auch ein bombiges Line-up. Schließlich sind mit Jazz Cartier und Saba zwei interessante junge Rapper aus Übersee erstmals zu Gast in Wien, die die Besucher mit extrem energiegeladenen Auftritten begeistern. Aber alles der Reihe nach.

Der Salon im Café Leopold füllt sich nach Mitternacht zunehmend, der mit Saba angereiste DJ Damage kann vor einer von Beginn an motivierten Crowd loslegen. Der Bass wummert durch die Boxen, das Publikum tobt und im Raum staut sich eine intensive Mischung aus Schweißgeruch und Qualm. Volle Getränke werden unweigerlich ausgeschüttet. Der Turn-up erreicht seinen Höhepunkt, als Saba die Bühne betritt. Denn der 21-Jährige zeigt von der ersten Sekunde an einen extrem energischen Auftritt. Dabei interagiert er vorzüglich mit den Besuchern, wobei er sie immer wieder aufs Neue anstachelt: „I need all of your energy tonight!“ Saba ist stolz auf seine Heimatstadt Chicago und das Kollektiv Pivot Gang. Er zeigt sich als Motivator und Entertainer, erwartet sich von der moshenden Crowd hundertprozentigen Einsatz, lautstarkes Mitgröhlen und permanent mitschwingende Arme. Es hallt „Pivot“ durch das Leopold, bis Saba einigermaßen mit der Lautstärke zufrieden ist. Der Auftritt ist an Leidenschaft und Power kaum zu überbieten und die Hütte bebt, wobei man sich vor lauter Abgehen kaum mehr auf das Konzert an sich konzentrieren kann.

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Nach einer Mini-Verschnaufpause betritt überraschend pünktlich Jazz Cartier, der nächste vor Energie strotzende Rapper, die Bühne. Der Fokus liegt mehr auf der Musik, wobei die BPM-Zahl zunächst eine Spur nach unten geht. Viel ruhiger geht es jedoch nicht zu, denn Cuzzi zeigt sich ebenfalls aktiv und elektrisiert mit Tracks wie „New Religion“ oder „Switch“. Die jumpende Crowd wird mit Alkohol und Wasserspritz-Attacken belohnt. Vom kürzlich veröffentlichten Mixtape „Hotel Paranoia“ gibt es abseits von „Opera“ allerdings in der Relation wenig zu hören. Die Show von Jazz Cartier endet nach etwa 40 Minuten mit dem Track „Dead Or Alive“, mit dem er crowdsurfend ins Finale seines Sets schwimmt.

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Fazit: Saba und Jazz Cartier verlangten dem Publikum mit ihren powervollen Shows alles ab. Ich wäre wohl bei fast jedem anderen Konzert über die kurze Stagetime enttäuscht gewesen, doch jede Minute war ein schwitzender Genuss. Beide Rapper haben gut zu einer so spät angesetzten Club-Show gepasst und eher mit Bangern als mit facettenreichen Themen gepunktet. Doch der Abend lebte vom Durchdrehen und Feiern. Ein enorm gelungener Abend mit zwei der vielversprechendsten Newcomern der Übersee-Szene. Danke an Canyoudigit für Kater und Tinnitus – das hat sich verdammt noch mal rentiert.

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