Ingredients #4: Soia & Mez

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Es regnet, als wir in Soias Wohnung in der Wiener Josefstadt zum Kochen verabredet sind. In ihrer bunten Welt gibt es so einiges zu entdecken. Zwischen Kimonos, Fotos von fernen Reisen und exotischen Instrumenten nippen wir erst mal an unserer Teetasse. Während wir Gemüse schälen und die einzigartige Dekoration bewundern, plaudern wir mit Soia und Mez über ihr erstes Zusammentreffen, die verschiedenen Kulturen, in denen sie aufgewachsen sind, und die ihre nächste Platte.

Interview & Text: Julia Gschmeidler
Fotos: Niko Havranek

Das erste Mal getroffen haben sich die Sängerin und der Produzent 2011 beim Jammen während des Konzerts der Hawthorne Headhunters, ein paar Sessions später wurde bereits der erste gemeinsame Song aufgenommen. „Das ist immer noch das beste Lied“, meint Soia auch heute, „das war verhältnismäßig aus dem Nichts kommend erfolgreich. Dann haben wir weitergemacht.“

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Die musikalische Reise von Mez hat allerdings schon viel früher begonnen. Bereits mit elf Jahren hat er angefangen, klassisch Klavier zu spielen, mit 14 war er DJ, hat er doch von seinen Eltern Turntables geschenkt bekommen. Weiterentwickelt hat er sich dann zum Battle-DJ im B72 und Bassisten in der Flish Flash Crew von der Twintower Generation, für Family Bizz hat er die Beats gemacht und mit dem damaligen Raf Camora und Joshi Mizu zusammengearbeitet. Mit 26 hat er sich dann schließlich dazu entschieden, Jazz-Klavier zu studieren.

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Die Mbira Dza Vadzimu, zu deutsch „Mbira der Vorfahren“, ist ein Musikinstrument in der traditionellen afrikanischen Musik.

Bei Soia war das ein wenig anders, sie hat erst vor rund drei Jahren bewusst zu singen begonnen, Gesangsunterricht hat sie seit noch kürzerer Zeit. Mit sechs Jahren ist die Musikerin von Taiwan nach Österreich gekommen. Diese Zeit, so sagt sie, habe sie gehasst. Vor allem während der ersten Jahre in Niederösterreich habe sie nach dem weltoffenen Diplomaten-Alltag in Asien gelitten. Jetzt ist sie jedoch gerne im Waldviertel. „Meine Mama hat ein altes Bauernhaus aufgepimpt. Sie haben einen Riesengarten mit Gewächshäusern, zwei verschiedenen Feldern. Jetzt hab ich nur die Zucchini und diese Zwiebeln von dort, aber wenn wir dort sind, gehst du einfach in den Garten und pflückst dir alles, das ist im Sommer so leiwand.“Als sie vor ein paar Monaten wieder einmal dort war, hat sie Dusty Crates-Mitglied simp und die Duzz Down San-Grafikerin Nita geschnappt, um dort ein Video zu einem Spoken Word Track zu drehen. „Wir wollten in den Wald, aber es war so dunkel und wir haben uns nicht getraut, wir Stadtkinder. Wir haben auf spooky gemacht, im Dunkeln gedreht und viele Rückwärtssequenzen“, erklärt Soia.

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Auch Mez hat seine ersten Lebensjahre nicht in Österreich verbracht. In Mailand geboren, ist er mit zwei nach Israel gezogen und mit sieben nach Wien gekommen. So einen Kulturschock wie seine Musikerkollegin hatte er allerdings nicht. „Religion stand nie so im Mittelpunkt, weder das Judentum noch das Christentum war für mich so wichtig“, erzählt er. Auch er hat eine persönliche Verbindung zu einem Dusty Crates-Mitglied. Gemeinsam mit Olinclusive und Cherelle von Mizgebonez (gerade für den österreichischen Beitrag beim Songcontest nominiert) hat er ab 2010 zwei Jahre lang im Roxy Partys veranstaltet. „Wir wollten einfach coole Musik spielen, aber es hat sich irgendwann finanziell nicht mehr ausgezahlt. Eine coole Zeit, aber ich würd’s jetzt nicht mehr machen, weil es sich der Arbeit wegen nicht lohnt und auch ein ungesunder Lifestyle ist.“

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Ihr erstes gemeinsames Album „Mood Swings“ ist Juni 2013 über Recordbreakin, ein Label in Philadelphia, auf 7inch und CD erschienen. „Wir haben Kontakt mit DJ Rahdu von Bamalovesoul, dem US-Musikblog. Er hat uns dann an DJ Junior weiterverwiesen, einen Lektor für Black Music History in Philadelphia“, erläutert Soia die Entstehung der Zusammenarbeit mit dem US-Label. Das neue Album, an dem die beiden schon fleißig arbeiten, soll weniger romantisch und tanzbarer werden, zeitgleich aber „noch darker und melancholischer“. Mez wird sich samplebasiert von Song zu Song arbeiten, neben dreckigen Club-Hits (hier ein Vorgeschmack) wird es auch ruhiger werden. „Ich such sehr viele Jazz-Samples, äthiopische hab ich auch drinnen, alles mit harten Beats druntergelegt. Ziel ist, dass es organisch klingt“, beschreibt Mez schon jetzt das kommende Album. Zu seinen musikalischen Vorbildern zählt er die Jazz-Pianisten Herbie Hancock und Robert Glasper, weil sie wirklich frei am Instrument sind. Aber auch Produzenten wie Flying Lotus und die ganze Detroiter J-Dilla Szene haben ihn beeinflusst.

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Auch Soia hat eine Verbindung zu dieser Musikrichtung, wenn auch von einem anderen Kontinent. „Meine Eltern haben vor mir in Simbabwe und Südafrika gelebt, deswegen hab ich mit meiner Mum viel afrikanischen Jazz gehört. Auch jetzt, wenn ich Platten kauf, sind es meistens alte, afrikanische Sachen.“ Abdullah Ibrahim aus Kapstadt, der lang im Exil war, mag sie besonders gern.

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Wenn es um österreichische Musik geht, mag Soia vor allem Soul, und zwar in Form der Wiener Formation 5/8erl in Ehr’n. In ihrem Album „Yes we does“ gibt’s wieder politische Anstöße, das begrüß ich sehr in der Musik, wenn sie ein bisschen Position bezieht, vor allem in Österreich. Da gibt’s nur wenige, die das machen oder sich das wegen irgendwelcher Kulturförderungen trauen. Stimmt eh, aber das heißt ja nicht, dass man sich zensieren lassen muss.“ Deren Nummer „Siasse Tschik“ hat Soia gemeinsam mit simp gecovert.

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Auf dem noch namenlosen, kommenden Album von Soia und Mez werden auch Features mit Jahson The Scientist und Raashan Ahmad zu hören sein. Mit Letzterem und Rita J arbeitet Mez auch auf Solowegen für ein Projekt zusammen, das nächstes Jahr rauskommen soll.

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WERDEGANG des Gerichts (für 4-6 Personen) 

Ofengemüse
1 mittelgroßen Butternusskürbis
3-5 Zwiebel
10 Knoblauchzehen (piuh..)
1 Zucchini
4 reife Tomaten
3 Karotten
Gewürze
2 Packungen Schafskäse

Gemüse in mittelgroße Chunks schneiden. Eine große Auflaufform mit den länger zu garenden Zutaten unten belegen (Kürbis), restliches Gemüse drauflegen und nach Bedarf würzen, relativ viel salzen und pfeffern. Zwiebel in großen Stücken und Knoblauch zur Hälfte in ganzen Stücken dazugeben. Etwas Wasser und Olivenöl beimengen. Schafskäse in Stücke schneiden und Gemüse damit belegen. Bei 150°C mind. 1-1,5h garen.

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Chicken

Hühnerstücke (Mischung) eventuell vormarinieren in Mischung Öl, Zitronensaft, Rosmarin. Scharf anbraten und dann bei mittlerer-hoher Hitze braten. Mit Weißwein ablöschen. Etwas Butter dazu, eventuell Saft mit etwas Mehl verdicken. Salzen und pfeffern. Noch mehr Zitronensaft dazu! Gemeinsam genießen. Pause machen. Kalte Restln essen.

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5 kulinarische Fragen zum Schluss

Lieblingsrestaurant: Mez: I Ragazzi / Soia: Kuishimbo, ein echter Hausmannskost-Japaner beim Naschmarkt, der einzige authentische und trotzdem leistbare Japaner in Wien, den ich kenn.

Lieblingsküche: Mez: mediterran / Soia: Ich bin mit asiatischer Küche aufgewachsen, also die japanische ist mir die liebste, aufgrund ihrer Ästhetik, Geschmacksintensität und trotzdem einer Simplizität, bei der jeder Bestandteil der Mahlzeit für sich steht.

Das würde ich nie essen: Mez: Zum Beispiel keinen Fisch / Soia: Affenhirn, obwohl das mal unabsichtlich in Hongkong passiert ist.

Eine Speise, die mich zu trösten vermag: Mez: ein guter Lungenbraten / Soia: Eierschwammerl-Gries-Eierspeis von meiner Mum, frisch und schnell zubereitet nach dem Schwammerlsuchen.

Konventionell oder Bio: Mez: beides / Soia: Natürlich bevorzuge ich Bioprodukte, ich koche aber selten und bin daher oft auswärts essen. Am liebsten hab ich Gemüse aus dem Garten meiner Mutter im Waldviertel.

www.soia.at / soundcloud.com/mezuian

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