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HU LET THE DACHS AUT – LINZ & WIEN

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Fotos: nikohavranek.com

Tourtagebuch – 5. Stopp – Wien

12.März 2015
 – Schriftführer: Mono

20:12 Uhr. B72. Die reinste Pharma-Konferenz. Niemand gibt sich die Hand. Keiner will sich anstecken. Stattdessen leeren wir unsere Taschen und ermitteln die Medikamente-Charts. Isländisch-Moos, Bronchostop, Strepsils, Emserpastillen, Sultanol-Spray, Gelo-Revoice, Luuf. Alles da. Sogar Foz „The Voice“, der ansonsten zur Revitalisierung in den Wald geht und sich ein paar Tage lang an irgendeinen Heilstein kuschelt, zeigt sich interessiert.

In Wien wünsche ich mir immer eine Schleuse von der U-Bahn direkt auf die Bühne, um den stundenlangen „Seas, Oida! Wie geht’s da? Aha. Oag. Aha. Oag. Oag. Aha. Na oag, muasst ma später dazöhn.“ zu entkommen. Krank bin ich noch dazu. Leider bietet das B72 keinen Rückzugsort, um sich wegen einer Bronchitis in Selbstmitleid zu suhlen, also nehm ich den harten Weg und ließ mich in der Backstage-Hölle vom Tschicknebel selchen und spiele den Kühlschranköffner für die bierrünstigen Nimmersätter. Bis auf die juvenilen Grazer schauen alle Dachse sehr mitgenommen aus. Dunkelgrün-schimmernde Augenringchen auf satt-schwarzen Augenhöhlen. Ich mag uns. Dünstende, stinkende, leichenblasse Gestalten, die sich Anekdoten aus wilderen Tagen um die Ohren schleudern. Ich halluziniere vor mich hin, stelle mir Samurai vor, wie er zum Volksgarten-Juicy-Clubbing geht und DJ Mosaken eine Oper ins Gesicht rülpst. Als es auszuarten droht, blitzt mich der Message-Fotograf zurück in die Realität.

Ich zwänge mich durchs gemischte Publikum und bin verwundert, warum sich bei dieser Wesensvielfalt niemand in die Goschn haut. Wenn schon die Stimme versagt, dann soll der Text wenigstens sitzen, also setze ich mich zur Prophylaxe aufs Heisl und gehe die Show nochmal durch. Am Pissoir wechseln sich die Insider ab: „Da Monobraada spüt jo heit a Playbackshow“ – In Zukunft keine Ironie mehr auf Facebook. „Na, eh was los heute. – Ja, die meisten sind glaub ich wegen diesem Mindz da.“ – Vermutlich. „Da Kreiml schaut in echt nu waacher aus ois im Video.“ – Trifft’s.

Austrian Apparel und Derek beginnen. Zu gut diese. Wenn „Sheila“ kein Welthit wird, trete ich zurück. Ich hab noch nie verstanden, was genau mit „flexen“ gemeint ist, aber das, was Siebzig Prozent und ihre Freunde Spello und LP One da aufführen, wird in etwa hinkommen. Das HipHop-verwöhnte und HipHop-verzogene HipHop-Wien will sogar eine Zugabe, bekommt aber mich, den krächzenden Kranich, den Bronchosaurier. Zehn Nummern lang überstehen wir den Kampf und sind überwältigt von den ausbleibenden Eiern und Tomaten. Der Honigdachs-Ultra, der uns seit Jahren in der ersten Reihe gegenübersteht und jede Silbe mitgrölt, bekommt von Sims das goldene Honigdachs-Ehrenabzeichen in Form eines signierten Kleiderbügels, mit dem er ab sofort ein Jahr lang eintrittsbefreit ist. Ein paar Realitätsverweigerer applaudieren nach der letzten Nummer sogar, ernten aber mahnende Blicke von uns. Viele Handshakes, viel Abklatschen und Umarmungen. Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob das jetzt wirklich gut war oder ob ich nur der nichts-ahnende Teil eines großen Integrationsprojekts der Stadt Wien bin.
Die anderen Shows bekomm ich diesmal nur am Rande mit – wegen Aha. Oag. Oag. Aha. Oag. Na Oag. Aha. Ich halte mein Wort und kehre an fast jeden einzelnen Tatort zurück. Bei „Fia Imma“, „Soma“ und „Lächerlich“ zittert das Spirituosen-Gestell über der Bar, soviel blieb hängen. Der Rest ist Schnaps, Kebab und der übliche Heimstolperer. Wien bleibt Wien und Sumpf bleibt Sumpf, auch wenn’s hie und da einmal blubbert.

 

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Honigdachs-Tourtagebuch. 
Linz/KAPU

14.März 2015 – 
Schriftführer: Fozhowi und Johnny Aitsch

Es ist Sonntag 12:00 in Linz. Johnny H. & FasanOhneZukunft stoßen vor der Kapu in der frühlingshaften Sonne stilecht mit einem Gläschen Sekt auf das gelungene Ende der Honigdachs-Label-Tour an. Kirchgänger ziehen an uns vorbei, während das restliche Dachsrudel friedlich in den Backstage-Gemächern den kollektiven Rausch ausschläft. Es war ja auch ein harter 
Abend gestern. Obwohl wir die ersten Ausfälle zu verzeichnen haben – Monobrother und Sims liegen mit Fieber im Dachsbau – und der Rest vom Rudel schon gezeichnet und ausgelaugt von den intensiven Konzerten zuvor sind, brennt die Hütte. Die Crowd schickt den beiden Bettlägrigen kräftige „Shanti-Shanti“ Rufe. Es hätte keine bessere Location für unser „Grande-Finale“ geben können (das Monobrother-Konzert wird fix nachgeholt!). Dank Phil, dem Tonmeister, Hasi und dem restlichen Kapu-Team, werden wir bestens versorgt. Der Abtreiber spricht das Tischgebet und gestärkt von Gemüselasagne und fünf Kisten Freistädterbier kann es losgehen.

Und wie es losgeht! Während sich am Merch-Stand bekannte Tonträger-Gesichter blicken lassen, starten Kreiml & Samurai inklusive Schweine- und Hundemaske routiniert auf die Bühne. Merkbar nicht das erste Konzert der Jungs in Linz, denn spätestens nachdem Benisaiß und Johnny H. die Wienzeile vervollständigen, werden die Hooks nur so mitgegrölt.
 Noch Zeitgleich zu den letzten Schweinehund-Schlachtrufen, mogelt sich DJ Takonedoe auf die Bühne, um den „Wundaschensten“ Übergang zu Digga Mindz & Säbjul vorzubereiten. Ich bekomme die Show sogar von draußen mit, weil die Leute drinnen Textpassagen in Sprechchöre verwandeln. 
Atemberaubend. Hier sei nochmal gesagt: Wahnsinns-Energie, Linz!

Dieser Hexenkessel ist ein gefundenes Fressen für die Voodoopriester Drk Poet, Fozhowi und Alligatorman. Als die Bühne schon knöcheltief in Bier, Blut und Schweiss steht, bringt unser Featuregast Kardinal Kaos noch den Mostviertler Flavour, bevor mit Soma, traditionsbewusst der Moshpit eingeläutet wird. Wo sich Johnny zu diesem Zeitpunkt herumtreibt, weiß ich nicht mehr. Ich treffe ihn jedenfalls wieder einen Stock drüber an der Bar, wo DJ Kapazunda und Alligatorman sich an den Decks abwechselen. Shakey Shakey.

Irgendwann sitzen wir um den Backstagetisch wie beim letzten Abendmahl. Irgendwer pennt auf der Couch. Sehr viel Rauch. Bier. Lackstift. Erste Sonnenstrahlen. Weiße Fingernägel für Couchguy, der sich einpisst. Freestylemarathon von 5Finga und Samurai-Verwirrung. Ich falle ins Bett.
 Nach etwa zehn Minuten reißt mich dieser vermaledeite Johnny aus dem Schlaf und will sich Linz am Sonntag-Vormittag anschauen. Völlig verklatscht latschen wir zur Donau, Hall of Fame schauen. Dann weiter übern Hauptplatz, den Alkleichen aus der Altstadt ausweichend, und wieder zurück in die Kapuzinerstraße zu unseren Alkis. Linz-Sightseeing abgeschlossen, Johnny ist zufrieden. Letztendlich finden wir zwei Schampusdrosseln noch ein feines Fläschchen im Kühlschrank. Wir legen uns in die Sonne am Parkplatz, prosten den Kirchgängern zu und kritzeln die Fragmente fürs letzte Tourtagebuch zusammen.
Schön war’s! Beehren’s uns bald wieder!

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