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Wenig Lärm um viel – HipHop Open Austria

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Es ist heiß in der Arena. So heiß, dass das Publikum nur von den raren Schattenplätzen aus das Geschehen auf der Bühne beobachtet. Sehr zum Leidwesen der ersten paar Acts, die bereits ab 14 Uhr das eintätige Festival bespielen. Der Wiener Rapper Joshi Mizu, der Australier Remi und Yarah Bravo bemühen sich trotzdem, eine energiegeladene Show zu präsentieren. An den Hundstagen hat aber eben keiner Lust, in der Mittagssonne in die Arena zu kommen und sich vor die Bühne zu platzieren. Bei den Live-Qualitäten von Yarah Bravo, die erst im Frühjahr beim Rap Against Festival am Karlsplatz die Massen angezogen hat, ein enttäuschendes Erlebnis.

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Interessanter finden die Besucher das angekündigte Knockout-Battle und stürmen während der Umbauphasen in den Schatten neben dem Arena Beisl. Dort haben sich die „acht besten Freestyle-Rapper Österreichs“ versammelt, um gegeneinander anzutreten. Mit dabei sind Faun, Mistah, A.Y., Kschirrspüla, Scheibsta, über Wildcards qualifiziert haben sich Fellowsoph, Rob und noch einer, der sich gar nicht die Mühe gemacht hat, beim Festival zu erscheinen. Das Highlight dieses Turniers waren sicherlich die Runden mit Faun, der sowohl gegen Mistah, als auch im Halbfinale gegen Kschirrspüla seine Gegner in Harry Potter verhext und sie auf seinem Gästeklo wohnen lässt. Die Jury, bestehend aus Average, Dame und Joshi Mizu, schickt Kschirrspüla und A.Y. ins Finale auf der großen Bühne. Leider ohne viel Schlagabtausch, Reimketten und Überraschungen gewinnt schließlich der auf Englisch rappende A.Y. das Knockout Battle und 500 Euro.

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Weiter im Line-up zieht Megaloh die Leute auch auf die sonnigen Plätze, das erste Mal füllt sich die Wiesen-Arena ein wenig. Durch Tracks wie „Kai Pflaume“ oder „Whiskey Cola“ können die Konzertbesucher auch Trap-Tanzbewegungen vollführen. „Live MCs“ – auch ohne Chefket und Amewu – sowie „Sie wissen Bescheid jetzt“ lassen erahnen, dass viele der Zuhörer Megalohs Musik auch zuhause des Öfteren durch die Boxen jagen. Ein wenig anders sieht das bei Prinz Porno aus. Mit Kid Kobra aus Beatfabrik-Zeiten an seiner Seite, Caprihose und Camouflage-farbenem Fischerhut bringt der Berliner fast nur Nummern aus seinem neuen Album „pp = mc²„. „Keine Liebe„, „Gib dem Affen Zucker“ und „Berlin, große Liebe„, zeigen aber auch noch ein paar mehr Stationen vom Werdegang Prinz Pornos zu Pi und jetzt wieder Porno. „Ich liebe Wien“, gesteht Prinz Pi, sein guter Freund Kamp sei an diesem Tag leider verhindert, um die gemeinsame Nummer „Achse des Schönen“ zu performen.

Der Sound ist bei diesem Auftritt an seinem Tiefpunkt angelangt, das Areal fühlt sich an, als würden gerade die Platten des Wiener Becken aneinanderreiben. Die gelben Ohropax, die es gratis beim Eingang gibt, werden zum neuen Modeaccessoire. Doch das sollte im Laufe des Abends zum Glück noch besser werden.

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Viele sind an diesem Tag für die wieder zusammengefundene Truppe von Afrob und Samy Deluxe – ASD – nach Erdberg gekommen, das konnte man raushören. Und wahrlich haben die beiden deutschen Rap-Legenden eine ansehnliche Show absolviert. Die Bühne wird von drei flackernden Buchstaben beleuchtet, Samy spricht vom Weed-Konsum im Backstage-Bereich und davon, dass sie mit dem „neuen Scheiß“ das erste Mal in Wien sind. Klassiker wie „Grüne Brille„, „Reimemonster“ oder „Sneak Preview“ fehlen trotzdem nicht. Auch für Megaloh ein Grund, sich die Show seiner zwei Kollegen anzusehen.

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The Underachievers aus Flatbush kommen – trotz der relativ übersichtlichen Menschenmenge – gut gelaunt auf die Bühne. Eine Hand voll eingefleischter Fans steht in der prallen Sonne vor der Bühne. Der Rest, ob liegend oder sitzend, schwitzt auf der Wiese und bewegt sich gar nicht. Nach ein paar Nummern äußert sich Issa Gold zur Situation. Man merkt von Song zu Song, dass es den Jungs weniger Spaß macht. Nicht mal „Gold Soul Theory“ oder „T.A.D.E.D.“ weckt die Crowd auf. Soundtechnisch haben die beiden schon immer ein Problem, denn beide rappen schnell und undeutlich. Der Sound wird zu einem Brei – bei einem Open Air leider sehr undankbar.

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Wer den Splash!-Auftritt von A$AP Rocky und seinem Mob gesehen hat, hofft, dass es dasselbe Set wird. Und genau so geht es auch los. Mit „Hella Hoes“ springen A$AP Nast, A$AP Twelvyy und A$AP Ant auf die Stage. Nach „M’s“ und „Purple Swag“ schafft es die Menge immer noch nicht wirklich, den Pretty Flacko zufriedenzustellen. Zwar steht eine beachtliche Menge vor der Bühne, aber kaum jemand bewegt sich. Zu „Wild For The Night“ gibt es einen von Rocky initiierten Moshpit. Ab hier geht es bergauf. Und auf einmal geht die Musik aus, obwohl der A$AP Mob noch auf der Bühne steht. Es ist 23 Uhr und das HipHop Open Austria ist mit einem Schlag vorbei. Kurzer Applaus. Jeder Applaus vom Joey Boada$$-Konzert im WUK war lauter als die Crowd bei A$AP Rocky. Ein weiteres Mal hat Wien einen Haufen großartiger Künstler enttäuscht.

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Und ja, es scheint den ganzen Tag über so gewesen zu sein, als ob niemand so richtig motiviert war.  Die Künstler hatten Mühe mit dem Publikum. Megaloh freute sich trotzdem: „Ihr seid nicht so viele, aber ihr seid Killer“. Doch die Ami-Acts, die eindeutig größere und energetischere Crowds gewohnt sind, machten ihrem Ärger über die zu kleine und lasche Menge ziemlich offensichtlich Luft. Es wurde vonseiten des Publikums scheinbar auf etwas gewartet, das dann nicht kam. Voll war es eigentlich zu keinem Zeitpunkt, richtige Festivalstimmung mochte nicht aufkommen. Dabei kann man aber auch niemandem einen Vorwurf machen, irgendwie hat das alles nicht zusammengepasst. Vielleicht war’s die Hitze, vielleicht der Wochentag. Der Kartenpreis wird auch seinen Teil dazu beigetragen haben. Die Underachievers waren sichtlich froh über das Ende ihres Auftritts („Do you even want to have fun?“) und auch ASAP Rocky – dessen Show gefühlt kürzer war als die Umbauphase davor – war wohl erleichtert, als er (scheinbar) wegen Lautstärkeregelungen beenden durfte. Ein klassischer Fall von „Desto mehr Energie ihr uns gebt, desto mehr können wir euch zurückgeben.“ Nur dass das diesmal in die falsche Richtung ging, auch wenn man den Acts kaum geringen Einsatz vorwerfen kann.

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Fotos: Lichtreflex / Text: JG, JM, edhardygirl14

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