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Hip Hop Messages #13: Gerard

Es scheint, als würde ganz Deutschland auf das neue Album von Gerard aus Wien gespannt sein. Warum dies in der österreichischen Szene teilweise nicht ganz so ist und warum sich der Musiker gar nicht mehr als MC sieht, erzählt er in der 13. Ausgabe der Hip Hop Messages. Außerdem schildert er den Werdegang von „Blausicht“, die Professionalität im österreichischen HipHop und warum er den Alkoholexzessen abgeschworen hat.

 

 

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Den restlichen Teil des Interviews findet man hier in schriftlicher Form:

TM: Deine Karriere kam vor allem durch das Kollabo-Album “Toni Tell” ins Rollen. Warum hast du dich damals dafür entschieden und nicht für ein Feature-Album mit zum Beispiel einem deutschen Act?
Gerard: Ich weiß nicht, ob deswegen die Karriere ins Rollen gekommen ist. Gimma und ich kannten uns halt schon seit fünf, sechs Jahren und es war schon immer geplant, dass wir einmal was zusammen machen. Das ist dann eher aus Jux und Tollerei mehr nebenbei entstanden und das hat dann eine Schweizer Plattenfirma gehört und wollt’s rausbringen. Dann ist das eh halbwegs gut gelaufen, aber es war eher so ein Spaßprojekt. Also ich glaub der Grund, warum das ganze Gerard-Ding jetzt schön langsam zu laufen anfängt, ist halt, weil wir damals auch Journalisten aus Deutschland die neuen Sachen von „Blausicht“ vorgespielt haben, das hat sich halt so parallel entwickelt. Aber ich glaub das „Toni Tell“-Album hat auf das alles gar keinen Einfluss.

Anfänglich war ein Kamp Feature auf „Toni Tell“ angedacht, warum hat das schlussendlich nicht geklappt?
Ja weil Kamp Kamp ist. Und weil er zur Zeit leider nicht so viel zum Musizieren kommt und in seinem Job zeitmäßig sehr gefangen ist. Er arbeitet ja auch schon seit Jahren an der neuen EP, also hat das eigentlich nur zeitliche Gründe gehabt, aber irgendwann kriegen wir’s sicher hin.

Wenn man noch einen Schritt zurückgeht. Wieso hast du dich damals entschlossen die Zusammenarbeit mit der Rooftop Clique zu beenden?
Es war eigentlich ein ganz natürlicher Schritt, weil meine Soundvorstellungen immer mehr von dem weggingen, was die restliche Rooftop Clique gemacht hat. Als wir uns kennen gelernt haben gab’s halt auch die Freestylesessions im Proberaum etc. Dann hat man sich halt immer weniger gesehen und ich war dann auch der Einzige, der auf Hochdeutsch gerappt hat und auch thematisch in eine ganz andere Richtung ist. Dann hat’s irgendwie einfach nicht mehr so gut zusammengepasst, aber es war ein ganz freundschaftliches, langsames Auseinanderdriften, also es gab auf keinen Fall Streit oder so. Wir verstehen uns noch immer gut, wenn wir uns treffen.

Apropos Streit: Hat sich der Zwist mit MAdoppelT und der Raubkopierergeschichte, also dass du sein Album vor Release herumgeschickt hättest, mittlerweile geklärt?
Die hat sich auf jeden Fall geklärt. Also das ist auch schon wieder so lange her, MAdoppelT und ich haben uns schon öfter die Hand gegeben mittlerweile und gesagt: scheiß drauf, is lange her.

Und was ist mit den Meinungsverschiedenheiten mit Appletree und Chakuza? Du bist ja eigentlich nicht so der Battlerapper und dann gibt es aber immer wieder diese kleinen Sticheleien…
Ja mit Appletree keine Ahnung…wir verstehen uns halt auch heute nicht, aber ich mein, wir sehen uns ja auch selten bis nie, daher ist mir das auch relativ egal. Und mit Chakuza war das einfach ein Missverständnis, das wir auch ein paar Wochen später aus der Welt geschaffen haben. Den seh ich jetzt öfters in Berlin und wir machen auch bald einen Song zusammen, also da passt seit Jahren jetzt auch schon eigentlich wieder alles. Es war so, wie es meistens ist bei Missverständnissen, der eine hört über die eine Ecke das und der andere das und dann trifft man sich halt nicht, um einmal kurz darüber zu reden. Dann pauscht sich das so auf und es fällt irgendeine blöde Interviewaussage. Aber wie gesagt, das war eigentlich auch ein paar Wochen später wieder geklärt.

Es gibt ein paar böse Zungen, die behaupten, dass Chakuza auf seinem Erfolgskurs in Deutschland auf einmal schlecht über seine österreichischen Weggefährten wie Big J oder dich gesprochen hat. Gäbe es einen gewissen Auslöser, dass du auch einmal so agieren würdest?
Boah ich glaub nicht. Also ich war letztens bei Falk und der hat gesagt, dass ich bis jetzt der einzige Österreicher war, der bei ihm nicht schlecht über die österreichische Szene geredet hat. Ich werd das nie tun, weil ich komm von da und ich bin ja auch noch in der österreichischen Szene, auch wenn ich nicht auf jeder Jam bin. Aber ich kenn alle und ich mag alle und ich find das, was aus Österreich kommt, zu 90 Prozent cool. Von daher gäb’s für mich jetzt keinen Grund, über irgendwen zu schimpfen.

Aber auf der anderen Seite wirst du von der österreichischen Szene oft kritisch betrachtet. Kannst du dir erklären warum?
Ja es ist halt immer die Frage, wer die österreichische Szene ist. Wenn es Rapper sind, also Kayo etc. mit den allen versteh ich mich gut. Aber wenn man das hiphop.at Forum oder was auch immer hernimmt, dann sind die halt kritisch. Warum weiß ich nich. Ich wüsst nicht, was ich denen persönlich getan habe. Aber das ist auch nicht so wichtig in meinem Alltag, dass ich mir darüber jetzt den Kopf zerbreche.

Die österreichische Produzentenszene ist gerade am Florieren. Du meintest einmal, dass du Brenk nicht auf deinem Soloalbum haben willst, weil er sein eigenen Stil hat und du auch. Wie würdest du deinen Stil definieren?
Ich war ja auch bei dem jetzigen Album ein paar Mal bei ihm und wir haben Beats durchgehört, aber es ist einfach so, dass es für das Soundbild des neuen Albums zu Boombap mäßig ist, wenn man das so sagen will. Von daher würd das so ein Ausreißer sein, dass das keinen Sinn macht. Aber auf „Toni Tell“ hat er ja auch viel produziert und mein Stil vom neuen Album ist Leftfield mäßig, also in die Richtung Hudson Mohawke, Dorian Concept. Da wär so ein MC Eiht Bangerbeat eher ein Ausreißer.

Manche behaupten ja, dass du auf „Blur“ eher diesen Kamp-Stil hattest und jetzt ein bisschen wie Casper klingst…
Also den Casper-Vergleich versteh ich überhaupt nicht, weil vom Musikalischen her ist es ganz was anderes, weil er eher diese Indierock-Schiene fährt und wir überhaupt nicht. Textlich seh ich da auch keinen Zusammenhang. Aber es wird eh gerade alles mit Casper verglichen, was in Deutschland gerade kommt. Im Vergleich zu den anderen Rappern, die gerade neu am Schirm sind, kommt der Vergleich bei mir Gott sei Dank eh noch relativ wenig. Also ich find da gibt es Kandidaten, denen wird das viel mehr vorgeworfen. Damals mit Kamp, das hörte ich auch nicht so oft. Vielleicht wenn man unterbewusst ein bisschen den Stil anhört von dem, was man damals hörte. Aber ich hab damals gar nicht so viel Kamp gehört und ich glaub das Album kam auch erst später. Von daher war das anscheinend reiner Zufall und ich kann nicht sagen, dass mich das in meiner Reimtechnik inspiriert hätte.

Vor kurzem warst du mit den Orsons auf Tour. Wenn du diese Tour mit der von Prinz Pi vergleichst, gibt es da Unterschiede?
Ja die Orsons sind schon lustiger und witziger, wir lachen sehr viel. Die haben eh schon einmal eine Woche bei mir in Wien gewohnt, als sie dieses „Kim Kwang Seok“- Video hier gedreht haben. Da war schon klar, dass wir auf derselben Humorebene sind. Die Tage jetzt auf Tour waren richtig lustig. Die Pi-Truppe ist auch richtig nett, aber die vier sind halt Idioten, bei denen die ganze Zeit nur Scheiße gemacht wird – das ist schon lustig.

Bei der Tour mit Prinz Pi hattest du DJ Burnee dabei. Wieso haben sich eure Wege getrennt und wer steht jetzt mit dir auf der Bühne?
Der ist einfach nicht mehr dabei, weil wir nicht mehr mit DJ spielen. Jetzt ist NVIE Motho dabei, der die ganzen neuen Beats macht. Der hat da seine SPS, also seine elektronischen Drums und sein Midi Keyboard, und ich hab auch so ein Effektgerät, es ist also jetzt mehr so Beatmaker Session mäßig, wo auch mehr passiert auf der Bühne. Also es war keine Entscheidung gegen Burnee als Person, sondern einfach weil wir keinen DJ mehr für’s Konzept wollten.

Könntest du dir des Erfolges wegen vorstellen von hier wegzuziehen?
Es wird mir teilweise von meinem Management und der Booking Agentur geraten, aber ich pendle jetzt immer so per Nachtzug hin und her. Ich find Wien richtig schön, mir ist Berlin auch zu groß und zu stressig. Es ist recht angenehm, wenn du nach einer stressigen Woche in Berlin mit viel Wirbel in das bisschen kleinere Wien zurückkommst. Aber trotzdem groß genug, dass du viel Kultur vor der Tür hast, geile Konzerte. Von daher will ich auf jeden Fall hier bleiben.

Du hast hier jetzt auch dein Studium abgeschlossen. Wie wichtig war es dir, dies noch vor dem neuen Album zu Ende zu bringen?
Schon sehr. Es hat sich in den letzten Monaten des Studiums kaum noch vereinbaren lassen. Da bin ich auch mit dem Nachtzug um sechs Uhr morgens angekommen und hatte um acht meine Prüfung. Wenn es Anwesenheitspflicht gab, musste ich immer wen anrufen und fragen, ob er für mich unterschreiben kann. Da hab ich mich das letzte Jahr wirklich mit sehr wenig Schlaf und organisatorischem Zeitmanagement irgendwie über die Zielgerade geschleppt. Also noch ein Jahr wär das sicher nicht gegangen.

Zuerst hieß es, dass das neue Album hauptsächlich wieder von Clefco, Mainloop und Fid Mella produziert werden wird, nun sind von diesen nur zehn Prozent und der Rest stammt von NVIE Motho. Warum hat sich das geändert?
Also erstens wollt ich den Sound, den ich jetzt mache, schon viel früher machen. Ich hab Mella vor vier Jahren, als wir uns kennen gelernt haben, genau die Soundvorstellung präsentiert, aber er konnte das halt nicht. Er sagt, dass er gern mehr in die Richtung machen würde, aber das ist einfach nicht sein Style. Also die Beats, die jetzt von ihm drauf sind, nennt er auch nur Ausreißer. Ich guck auch immer nur in seinen Interlude-Ordner, also gar nicht bei seinen normalen Beats, sondern bei den verrückten, die ihm so nebenbei passiert sind. Von daher war es auch geil, dass ich wen hatte, der das mehr umsetzen konnte, so wie ich das gern hab. Dann kommt noch dazu, dass „Toni Tell“ auch von den Jungs produziert war und ich nicht noch ein drittes Album in dem Style machen wollte. Ich weiß auch nicht, ich will mich echt immer von Solo- zu Soloalbum weiterentwickeln und da jetzt noch einmal dasselbe wie bei „Blur“ zu machen, war mir jetzt auch zu blöd. Dafür gab’s ja noch „Toni Tell“, wo wir von vorn bis hinten alles gemeinsam gemacht haben, was auch Relevanz hat und chartet, also professioneller ist. Es ist nicht so, dass wir jetzt nicht mehr zusammenarbeiten, aber halt nicht mehr so eng, weil einfach meine Soundvorstellung in eine andere Richtung geht.

Das Album sollte ursprünglich „TMRW“ heißen, nach dem Track von Jamie Woon. Warum hast du dich dann für „Blausicht“ entschieden?
Bei „TMRW“ meinte jeder: Ah, da ist ja der Hipster, der die Vokale auslässt. Als ich die Idee hatte, war’s auch nicht meine Idee, aber es war zumindest noch nicht soo ausgelutscht. Da war ich schon immer etwas skeptisch. Dann wollt ich irgendwas mit blau haben und sind dann auf Blausicht gekommen.

Ahzumjot meinte, dass er sich schon auf das Album freut, du aber überambitioniert wirkst und der Epos fehlt. Du meintest aber, dass „Lissabon“ epische Instrumentals hat. Wie passt das dann zusammen?
Also erstens kennt Ahzumjot eigentlich nichts vom Album, was nicht jeder kennt. Man kennt bisher auch nur „Lissabon“, weil „Standby“ kommt nicht drauf, und das war der erste Song, der entstanden ist. Ich versteh seinen Kritikpunkt, vor allem, dass es too much wird, aber das wissen wir auch. Wir sind uns dessen bewusst, dass es das zu vermeiden gilt. Von daher teil ich seine Sorgen nicht. Er braucht sich da auch keine Sorgen machen, dass es zu sperrig wird. Es hat sich nach „Lissabon“ auch viel getan, von dem man noch nichts gehört hat, aber es kommt.

 

 

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Warum hast du dich gegen Features auf dem Album entschieden?
Ich war immer der Meinung, dass Features nur Sinn machen, wenn der Song danach verlangt. Ich hab immer nur aus Freundschaftdeals Features gemacht, oder um einen bekannten Namen oben zu haben. Bei dem Album gibt’s eigentlich keinen einzigen Song, wo mir irgendein Feature vorgeschwirrt ist, vielleicht entsteht ja noch eines. Aber es ist ja auch mein Soloalbum. Es wird zwar nicht so lange, aber wir wollen 12, 13 Songs haben und ich glaube 13 Songs lang ist meine Stimme zu ertragen. Wenn ein Album 20 hat, ist es ab und an sicher schön, eine andere Stimme zu hören, aber jetzt passt es eigentlich nicht. Ich wüsste auch eigentlich nicht wirklich wen.

Wisst ihr schon, wann es erscheinen wird?
Nein, wir sind auch schon am überlegen, wie wir es rausbringen. Es gibt schon sehr viele Interessenten wie Plattenfirmen. Da führen wir jetzt Gespräche, haben aber noch nicht den richtigen Partner gefunden. Wenn wir’s alleine machen, auch mit dem Anspruch, dass wir es alleine majormäßig machen können, müssen wir jetzt erstmal ein Team zusammenstellen. Das dauert erstens ein bisschen und zweitens lernen wir auch so schnell, dass die Songs auch immer besser werden und wir auch immer wieder ältere kicken. Von daher kann ich das echt noch nicht sagen. Für mich ist das jetzt auch nicht nur ein Album, wo zwei Wochen vorher eine Single und dann eine CD rauskommt, sondern für mich ist das ein Gesamtprojekt. Man kann beobachten, wie das Ding entsteht. Es kommt echt alles zeitgleich raus, die Trailer auf der Hütte haben wir dort gleich noch geschnitten, von daher ist es für die Leute komisch, weil sie schon jetzt so viel mitbekommen davon und wir dann immer sagen es dauert noch, bis es rauskommt. Normalerweise hebt man alles auf und haut es kurz vor Albumrelease raus, aber ich denk das ist gar nicht mehr so zeitgemäß dank der ganzen Internetsachen wie Twitter etc. Da kann man den Fan daran teilhaben lassen, wie das entsteht und so eine Entstehung dauert leider auch. Aber es kommen auch wieder neue Songs und Videos, also es wird jetzt nicht so sein, dass alles still wird und dann plötzlich das Album kommt. Wir haben generell vor, noch viele Videos zu machen, weil wir nur Hits haben. Nein, aber wir haben mit Kidizin Sane einen sehr, sehr fähigen Mann und wir wollen ein Gesamtding, also nicht nur die Musik, sondern es soll auch das Visuelle mit einhergehen. Von daher wird man glaub ich noch viele Videos sehen dürfen.

Könntest du dir vorstellen, dass viele deinen Sound imitieren, weil es auch eine neue Schiene ist?
Ja. Das sagen auch viele und es wird mir oft näher gebracht. Ich spiele des Öfteren befreundeten Künstlern die Albumsongs vor und da sagt meine Managerin schon, dass ich aufpassen soll, weil gerade bei dem und dem gibt es Geschichten, dass er sich gerne inspirieren lässt. Also da bin ich jetzt schon ein bisschen vorsichtiger.

Interview: Julia Gschmeidler
Kamera & Schnitt: Amirbeatz

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