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Hinterland – „Bis ana reat“ // Review

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(Tonträger Records/VÖ: 30.01.2015, Vinyl: 22.05.2015)

Beim ersten Blick auf das Cover des neuen Albums der Mühlviertler Rapcrew Hinterland werden sofort Assoziationen geweckt, die mit Rap eher weniger zu tun haben. Erinnert das Artwork doch stark an das selbstbetitelte zwölfte Album der britischen Post-Punk-Band The Cure. Geben die Mcees Akinyemi und Sam auf ihrem dritten Streich vielleicht gar den Robert Smith?  Der Titel lässt zudem eine bestimmte Richtung vermuten und schließt einen möglichen Fokus auf Emotionen und Gefühle nicht aus – also: Haben Hinterland möglicherweise den Emo-Rap für sich entdeckt?

So weit kommt es dann doch nicht, die Cure-Parallelen belaufen sich lediglich auf den Einsatz von Kinderzeichnungen zur Gestaltung des Covers. Musikalisch bleibt sich die Combo weitgehend treu. Weitgehend deshalb, da auf „Bis ana reat“ hörbar Schritte in andere thematische wie auch musikalische Gefilde getätigt werden. Demonstrativ hierfür wird in „Hillbilly R.I.P.“ das Bauernimage  zu Grabe getragen: „Wir wollen auch nicht mehr dieses „Bauern“-Image als bewusstes Stilbild vor uns hertragen wie noch bei Voixsmusik. Weil es haben jetzt andere die Lederhosen an“, wie Sam im Message-Interview erklärte. Diese neue Herangehensweise kristallisiert sich in selbstkritischen und nachdenklichen Tracks wie „Kinnts knicken“,  „Föh am Platz“ und „Bis ana reat“ heraus, die in Ton und Wort überzeugen. Doch wer glaubt, Hinterland würden sich Tag ein Tag aus nur mit gesellschaftlichen Problemen beschäftigen, irrt. Party ist immer noch angesagt – und wird auf der zweiten Hälfte der Platte zelebriert. Die Sau muss schließlich auch mal rausgelassen werden.

Und so bieten „Heid geh i alla ham“,  „Wochenend“ mit Gast Andi und  „Sperrstunde“, eine Kollabo mit GC, zwar textlich gewohnten Hinterland-Stuff, die musikalische Inszenierung erfolgt aber nach neuen Schemata. Die Beats auf „Bis ana reat“, unter anderen produziert von Crewmitglied Abby Lee Tee, Kalifornia Kurt oder Concept,  erinnern an zeitgenössische Produktionen von Tua oder Maeckes – sprich: Hier wird auch mal in elektronischen Gefilde gediggt, und Pop ist kein Feind mehr, wie sich besonders auf dem eingängigen „Föh am Platz“ zeigt. Obwohl der lyrische Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und Party gelungen ist, fehlen einem doch etwas die dezidiert politischen Töne. Dass Hinterland in diesem Bereich durchaus Botschaften vermitteln können, haben sie schließlich schon früher bewiesen. Die Zeit hätte sich dafür definitiv angeboten.

Dennoch zahlt sich die Reise ins Mühlviertler Hinterland, welche einem auf „Bis ana reat“ geboten wird, aus: Gute Rapparts, eine gewisse Themenvielfalt sowie eine starke Instrumentalisierung stehen unbestritten auf der Habenseite. Die Jungs entwickelten sich weiter, nachdenkliche Töne nehmen daher auf „Bis ana reat“ Überhand, werden aber gekonnt in Szene gesetzt.  Gutes Ding – und anders, als der Titel suggeriert, kein Grund zum Heulen.

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3,5 von 5 Ananas

 

Hinterland by Daniel Shaked-4975
Foto: Daniel Shaked
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