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Hanybal Interview: „Hater sind gut fürs Geschäft“

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Im Wiener Club B72 wird heute Vodka-Bull getrunken. Denn heute heißt es „Bon Hanyversaire!“ – Hanybal hat Geburtstag. Die Jungs sind wie eine Familie – Nimo, Celo, Abdi, Hany und Manager Syn sind oft zusammen auf Tour und reißen jeden Abend eine andere Stadt nieder. Gemütlich lehnt der Nordweststadtler am Tresen und bedankt sich etwas schüchtern bei den Gratulanten. So zurückhaltend er beim Interview ist, so sehr dreht er während der Show auf. 

Interview: Bernhard Cherouny
Fotos: Marlene Rosenthal
Mitarbeit: thomki, edHardygirl14

The Message: Dein Album „Weg von der Fahrbahn“ ist jetzt seit acht Monaten draußen und langsam haben sich die Eindrücke gelegt. Das Thema Album ist ja doch etwas heikel für dich, nach der Auflösung von Bozz Music. Wie zufrieden bist du jetzt rückblickend? Wie war die Resonanz?
Hanybal: Es fühlt sich auf jeden Fall gut an. Ich war froh, als es endlich draußen war. Resonanzen waren überall gut. Die, die mich darauf angesprochen haben, haben mir nur Lob ausgesprochen. Im Netz gibt es natürlich immer ein paar Hater, aber das gefällt mir auch, denn Hater sind gut fürs Geschäft.

Dein Album hat auch ein paar sanftere, deepere Tracks, wie zum Beispiel der Track „Aufgeben“, in welchem du darüber rappst, dass jemand sein Talent verschenkt. Gibt es da gewisse Parallelen zu deiner Bozz-Music-Zeit mit 439? Wo kam die Energie her, sich nochmal aufzurichten und richtig durchzustarten?
Eigentlich war es so, dass ich gar nicht mehr rappen wollte. Meine zwei letzten Features waren mit SadiQ und Du Maroc – Wo ist der Safe und danach habe ich auf Du Marocs erstem Album ein Feature gehabt. (Album: Block Bladi Gentleman, Titel: Du Maroc – Das ist Frankfurt feat. Hanybal, Anm. d. Red.) Das war’s. Dann waren erstmal ein, zwei Jahre Pause. Doch dann ist Haftbefehl auf mich zugekommen und hat mich animiert, wieder zu rappen. Die Energie kam dann durch die Beats. Ich habe Beatpakete zugeschickt bekommen, sie angehört, Beats gepickt und einfach wieder Lust gehabt zu schreiben. Ich bin sowieso ein energiegeladener Mensch.

Wie kam es damals zu der Zusammenarbeit mit SadiQ?
SadiQ ist ja auch ein Frankfurter, Sossenheimer (Stadtteil von Frankfurt, Anm. d. Red.), und wir kannten uns noch nicht persönlich. Doch irgendwann hat Solo ihn kennen gelernt und hat erzählt, dass er ein guter Junge und ein ambitionierter Rapper ist.

Dein Label Azzlackz ist das HipHop-Label schlechthin. Warum glaubst du, habt ihr so einen großes Anklang? Liegt es daran, dass die Themen der Texte – Drogen, schnelles Geld, ignorante Attitüde – in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind?
Die Leute fühlen sich unterhalten von der Musik und die kaufen uns auch ab, was wir sagen. Weil wir nicht irgendwelche Hampelmänner sind, die von Sachen erzählen, die sie nicht machen oder nicht gemacht haben. Wir erzählen aus unserem Leben, aus unserem Umfeld, von unseren Erfahrungen – deswegen kauft man uns die Mucke ab. Wir machen einfach gute Musik. Deswegen ist der Anklang über die Jahre immer größer geworden. Es gibt aber auch ein paar Blender, die kommen irgendwie mit so einem geblendeten, aufgesetzten Image durch. Aber trotzdem würde ich sagen, dass man heutzutage nicht immer ehrlich sein muss, um erfolgreich zu sein.

Ist dir dann die Credibility bei anderen nicht so wichtig?
Ich glaube, vielen Rapfans ist es nicht so wichtig.

Glaubst du, dass 2009 in der Zeit bei Azad, dein Stil schon etwas zu „neu“ war?
Nein, glaube ich nicht, ich bin fest davon überzeugt. Wenn das Mixtape gekommen wäre, damals von mir und Solo, dass es auf jeden Fall ein guter Einstieg gewesen wäre. Viele Leute haben das gefeiert. Es ist aber auch die Frage, wie viele es letztendlich gekauft hätten. Aber ich bin mir sicher, dass es einen guten Lauf genommen hätte, wenn es releast worden wäre.

Macht Solo noch was?
Solo istl noch dabei. Es wird auch ein Album kommen, demnächst.

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Was hat sich seit dem Signing bei Azzlackz geändert? Gehst du professioneller an die Tracks heran? Ist das Feedback, das du jetzt bekommst, anders? Sitzt dir Haftbefehl im Nacken und möchte neue Lieder haben?
Nein, überhaupt nicht. Es ist auf jeden Fall professioneller, weil ich jetzt einen persönlichen Manager habe – den Syn, der sich perfekt um mich kümmert, obwohl er noch andere Künstler hat. Er macht Olexesh, er macht Nimo, er macht Celo & Abdi. Es macht Spaß und ich bin sehr zufrieden.

Du warst in der Spätphase von Bozz Musik dabei und hast bei beiden Mixtapes mitgewirkt – Azphalt Inferno 1 & 2 …
… und auf dem Wahrheit-Album „Betonklassik“. Ich war ab 2007 dabei, bis zum Schluss 2009. Es gibt schon Unterschiede. Es war alles ein wenig anders, aber beides cool. Was man aber sagen kann, dass es jetzt etwas professioneller ist, aber das liegt wahrscheinlich einfach an der Zeit – man muss einfach professioneller werden, um was zu reißen.

Zurzeit bist du als Feature mit auf dem Song von Gzuz – „Ebbe & Flut“ der auf Youtube auf drei Millionen Klicks kommt. Wie kam es zu dieser Kollaboration und wie hast du von 187 Straßenbande mitbekommen?
Drei Millionen Klicks jetzt schon? Krass, da freut man sich. Die Kollaboration kam eigentlich durch Syn. Ich hab irgendwann mal ein Interview mit den Jungs gesehen, in welchem mich Gzuz erwähnt hat, mich gelobt hat und meine Musik feiert. Ein paar Wochen später wurde ich gefragt, ob ich etwas mit den Jungs machen will und dann hab ich direkt Ja gesagt. Weil er mir schon dadurch sympathisch war, dass er mich erwähnt hat.

Du warst der Einzige, den er erwähnt hat!
Ja, er hat gesagt, er hört nur Hanybal, das hat mich gefreut! Über Lob freut man sich immer. Dann haben wir uns kennen gelernt und das ist ein richtiger Schatzi. Ich hätte ihm auch die Nummer eins der Albumcharts gegönnt. Gute Jungs, die 187ers. Sind auch mit die Realsten in diesem Geschäft!

Vor Kurzem waren Präsidentschaftswahlen in Ägypten. Hast du noch Freunde, Familie in Ägypten, die dir darüber Bericht erstatten? Hättest du wählen dürfen, weil du ägyptische Wurzeln hast?
Ne, ich habe einen deutschen Pass. Ich bin in Deutschland geboren und habe auch keine doppelte Staatsbürgerschaft. Ich hätte die bestimmt irgendwann beantragen können. Ein Großteil meiner Familie lebt noch drüben – die Geschwister meines Vaters, meine Cousins und Cousinen. Ich war zwar jetzt lange nicht mehr drüben, aber man bekommt die Stimmung im Volk mit.

hanybal celo abdi

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