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Gzuz – Ebbe & Flut

gzuz-ebbe&flut
AUF!KEINEN!FALL! (Chapter One/Universal Music)/VÖ: 9.10.2015

Auch wenn die Flut – inklusive hunderter, vor dem Hamburger Mediamarkt campierender 187 Strassenbande Fans – bereits vor ziemlich genau einem Monat über die Deutschrapszene schwappte, ist das Interesse um Gzuz und seine Crew aus St. Pauli, die erst kürzlich die Grelle Forelle beehrten, noch lange nicht verebbt, weshalb wir euch mit etwas Verzögerung ein Review seines Solo-Erstlings nachreichen wollen.

„Ok, ich war broke, bezog Kohle vom Staat,
aber drei Jahre Knast, das war so nicht geplant,
doch jetzt ist er wieder da mit nem Haftschaden,
und ich rolle über Rapper wie ein Lastwagen“
(„Ebbe & Flut“)

Was beim ersten Durchhören wie eine logische Fortsetzung vom 187-Strassenbande-Sampler und „Obststand“, den ersten beiden 187-Releases 2015 klingt, entpuppt sich trotz ähnlicher Stoßrichtung doch etwas mehrschichtiger als das Kollaboalbum von LX und Maxwell. Gzuz‘ Lebenserfahrung (inklusive dreijähriger Haftstrafe) wird in einigen Tracks auf dem Album intelligent eingewoben, wodurch die gewohnte Hau-drauf-Manier der Strassenbande mit teilweise beinahe nachdenklichen Tönen angereichert wird. So gehören speziell der Titeltrack „Ebbe & Flut“, auf dem der Hamburger von einem gewohnt starken Xatar und einem flowtechnisch in Überform agierenden Hanybal unterstützt wird, sowie „Hinterher“, in dem Gzuz Bedauern über die Fehler seiner Jugend ausdrückt und seiner verstorbenen Mutter gedenkt, zu den zweifellos stärksten Tracks am Album. Bleibenden Eindruck hinterlässt hier vor allem die über weite Strecken harte und unsentimentale Abrechnung des Rappers mit sich selbst und die außergewöhnlich kitschfreie musikalische Verarbeitung derselben.

„Früher hab ich abgewunken, heut würd ich gern einfach quatschen,
auf ein‘ Kaffee kommen und Rat einholen in manchen Sachen,
keine Kohle, aber immer lecker Essen da,
die Liebe in der Bolognese kannst du nicht mit Cash bezahlen“
(„Hinterher“)

Dies bedeutet aber keineswegs, dass der Rest des Albums zu vernachlässigen ist. Über die düsteren, subbass-lastigen Klangkulissen von JamBeatz, der das gesamte Album produziert hat, und gegenüber Obststand in punkto Gefühl für Stimmungen noch mal eine Schippe draufgelegt hat, kickt Gzuz Flows, die für deutschsprachigen Streetrap einfach außergewöhnlich sind. Keine Frage, Thematiken von Drogengeschäften über teure Autos und scharfe Handfeuerwaffen bis zur Demütigung und Abgrenzung von und zur restlichen deutschen Rapszene, sind keineswegs die Erfindung des Kreises. Aber die Delivery, der Witz und die Authentizität, mit der Gzuz und seine featurenden Labelkollegen sowie Kontra K („Rückspiegel“) diese altbekannte Straßenrapformel anwenden, setzen Maßstäbe und erzeugen einen Reiz, dem sich Genrefans schwer entziehen können.

Besonders hervorzuheben ist auch 187-Aushängeschild Bonez, der sich neben seinen unterhaltsamen Parts erneut für die eine oder andere Hook verantwortlich zeichnet und unterstreicht, dass Gesang und Straßenrap sehr wohl harmonieren können. Er ist es auch der, der entscheidend dazu beiträgt, dass „Käufliche Goldfische“, ein klares Statement gegen die heimische mediengepushte Rap-Szene (mit einem wenig subtilen Gzuz-Seitenhieb auf die beiden wohl präsentesten deutschen Rap-Onlinemedien), zu den stärksten Nummern auf der Scheibe zählt. Einen kleinen Wermutstropfen stellt nur „Lebende Legende“ dar, bei dem sowohl Beat als auch Hook etwas uninspiriert „erledigt“ wurden, was mutmaßlich mit dem außergewöhnlichen Arbeitstempo der Crew zusammenhängen könnte.

Fazit: Alles in allem veröffentlicht Gzuz mit Ebbe & Flut wohl eines der besten Straßenrap-Alben im zu Ende gehenden Jahr, unterstreicht eindrucksvoll, wie Vielseitigkeit und Linientreue kombinierbar sind und etabliert die 187 Strassenbande endgültig unter den ganz großen Crews im deutschsprachigen Raum! Mehr Davon!

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(deem)

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