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Gucci-Caps & politische Statements // FM4 Frequency Festival Tag 3

Finale für die 19. Ausgabe des FM4 Frequency Festivals 2019! Am letzten Tag macht sich schon die leichte Katerstimmung bemerkbar: Die einen schlendern gemütlich über das Festivalgelände, die anderen schlafen ihren Kater auf den bereitgestellten Hängematten aus. Hier und da verschwinden schon ein paar Zelte von der Szenerie, ansonsten wartet man jedoch gespannt auf den krönenden Abschluss. Das Galactic Fortress bietet mit dem “TwerkShop” eine Gelegenheit, um den schon angeschlagenen Körper nochmal zu reaktivieren. Drei talentierte Tanzlehrerinnen bringen den etwas rot anlaufenden, aber dennoch motivierten Besucherinnen und Besuchern die Kunst des Twerkens bei.

Spätestens dann ist man auch für die letzten großen HipHop Acts vorbereitet. Denn auch an Tag drei kann man nochmal einiges zu sehen bekommen. Die auf der Weekender Stage eingeplanten Lotto Boyzz aus Birmingham sagen ihren Auftritt zwar kurzerhand leider ab, mit Kreiml&Samurai und den großen Namen Capital Bra und Macklemore sollten dennoch einige HipHop-Momente auf die Festivalbesucher warten. Das sieht augenscheinlich auch das Publikum so: “Auf Macklemore freuen wir uns auf jeden Fall sehr, auf Dimitri Vegas, Kodaline und Capital Bra auch”, meinen zum Beispiel Vicky und Alina aus Tulln.

Am späten Nachmittag gibt jedoch vorerst das Wiener Rap-Duo Kreiml&Samurai bei einem noch etwas kleinen Publikum den Startschuss. Der hat es auch ohne Zweifel in sich. Von Anfang an unterhalten die beiden ihre Fanbase auf einem raptechnisch hohen Niveau und legen eine anerkennenswerte Performance hin. Der Flow wird von Song zu Song besser, die Wiener schaukeln die Stimmung mit ihren Skills und Freestyles hoch. Obwohl sich vorerst nur wenige Leute vor ihnen zeigen, wird das Publikum gegen Ende größer und sie reißen ihre fahnenschwingenden Fans mit Hits wie “Das alte Liedchen” und “Wiener” zusammen mit Monobrother mit. “Wir verfolgen Kreiml&Samurai eigentlich schon seit ihrer Entstehung und sie sind immer wieder leiwand!”, betonen Birgit und Marion aus St. Pölten nach dem Auftritt.

Zwischendurch geht es trotz kurz hervorkommender Sonnenstrahlen in die dunkle Halle der Weekender Stage, denn auch wenn die Lotto Boyzz nicht auf der Bühne stehen, gibt es mit Drangsal einen sehenswerten Auftritt, der die leider noch sehr leere Halle immerhin zum Mitsingen bewegt. Einige Augen wandern immer wieder zu den leicht verstörenden Visuals (je nachdem, wie viel Drangsal man so konsumiert) eines wurstessenden und biertrinkenden Mannes. Eigentlich nichts Ungewöhnliches bei dem Sänger aus Rheinland-Pfalz.

Patrick Münnich | www.patrickmuennich.com

Währenddessen blinzelt nicht nur die Sonne durch, sondern auch die Space Stage füllt sich beachtlich. Verwunderlich ist das jedoch nicht, immerhin ist der derzeit wohl erfolgreichste Rapper Deutschlands an der Reihe: Capital Bra. Und auch wenn man hier und da ein paar ironische Bemerkungen wie “Ich höre das nur zum Spaß!” zu hören kriegt, ist die Space-Stage-Area kurz vor seinem Auftreten brechend voll. Der Berliner Rapper lässt sich jedoch Zeit, schaukelt seine auffällig jungen Fans mit einem Countdown hoch und kündigt sich dann schließlich mit einer kurzen Lobeshymne an sich und seine Rekorde an, bevor er unter tobendem Jubel die Bühne betritt. Der Bratan ist da! Und das kriegt man auch zu spüren. Capital Bra nimmt die gesamte Menge mit, es gibt kaum einen Song, bei dem nicht jeder und jede die Lines auswendig mitrappt. Spätestens dann ist klar: Er ist eben nicht umsonst der erfolgreichste Rapper aus dem Nachbarland.

Patrick Münnich | www.patrickmuennich.com

Mit Jeans, T-Shirt und Gucci-Cap bekleidet hebt er nur den kleinen Finger und alles beginnt zu jubeln. Musikalisch sind seine Skills zwar gefestigt und klar, jedoch nicht überragend. Trotz allem zieht er Massen an, die für ein Deutschrap-Act nach wie vor eher zur ungewöhnlichen Kategorie gehören. “Capital Bra hat Beats, zu denen man problemlos abdancen kann. Das geht bei anderen Rappern nicht immer”, meint Maria aus Tirol vor dem Konzert. Das bedeutet eben auch: Capital Bra ist für die breite Masse. Und von seinen selbst ernannten Bratans, Bratinas und Bratuchas hat er auf dem Frequency mehr als genug.

Patrick Münnich | www.patrickmuennich.com

Schließlich naht auch schon der Abschluss in Sachen HipHop. Und der wird dem Geschehen der vergangenen drei Tage mehr als nur gerecht. Der US-amerikanische Rapgigant und regelmäßiger Gast auf dem Frequency Macklemore ist an diesem Abend qualitätstechnisch so dermaßen hoch angesetzt, dass wahrscheinlich nur er selbst sich noch toppen kann. Macklemore rappt seine Lines perfekt, untermalt wird das von der bis ins Detail eingespielten Band und den Backgroundtänzerinnen.

Patrick Münnich | www.patrickmuennich.com

Mit Krachern wie “Thrift Shop”, “Downtown” oder dem legendären “Dance Off”, bei dem sich ein junges Mädchen und eine Frau aus dem Publikum einen beachtlichen Battle liefern, bringt er die Stimmung auf den Zenit. Inmitten dieser riesigen Party, bei der zwischenzeitlich alles springt, sorgt er mit einem kurzen politischen Statement gegen jegliche Form der Diskriminierung und Rechtspopulisten wie Donald Trump für einen emotionalen Moment. “Macklemore wirkt einfach sympathisch, bodenständig und er macht viel mit der Menge”, freuen sich Lara und Melinda aus dem Burgenland. Da bleibt im Grunde nur noch zu sagen: What a party!

Patrick Münnich | www.patrickmuennich.com

Fazit: Ein durchaus gelungenes Frequency Festival ging dieses Jahr mit einigen großen Namen über die Bühne. Die Stimmung war durchgehend mitreißend und Acts wie Trettmann, Macklemore, Mavi Phoenix oder auch Capital Bra konnten diese immer wieder auf den Höhepunkt bringen. “Die Atmosphäre ist immer wieder super und alle sind leiwand drauf, das macht einfach Stimmung!”, meinen Lara und Melinda zur diesjährigen 19. Ausgabe.

Patrick Münnich | www.patrickmuennich.com

Trotz des gelungenen Festivals bleibt jedoch die etwas bitter schmeckende Frage nach der Gleichberechtigung und dem Support von weiblichen Acts offen. Denn bei all den gelungenen Auftritten ist der weibliche Anteil daran viel zu gering, vor allem in Sachen HipHop. Mit Namen wie Juju, Nura oder Haiyti sind nur ein paar Namen genannt, die es neben ihren männlichen Kollegen mehr als nur verdient hätten, auf der Bühne des Frequency Festivals zu stehen. Zum nächstes Jahr anstehenden 20. Geburtstag des an der Traisen stattfindenden Geschehens also höchste Zeit, das auch möglich zu machen. Deswegen, liebes FQ-Team: Support your female artists! Bussi und bis nächstes Jahr.

 

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