Am Zenit angekommen // G-Eazy live

g-eazy
G-Eazy kann auch brav

Ich muss gestehen, ich war noch nie wirklich alleine auf einem Konzert. Aber alle um mich herum haben es wohl versemmelt, sich für das restlos ausverkaufte Open-Air-Konzert von G-Eazy Karten zu klären und mit nur einem Presseplatz  – ebenfalls noch nie erlebt – stehe ich nun inmitten eines deutlich jüngeren Publikums, das stärker als je zuvor nach Kyle, Bieber und Travis aussieht. Das Wetter ist an diesem Tag, nun ja, beschissen. Dafür liegt eine beachtliche Weed-Wolke in der Luft und der junge Mann vor mir führt auch eine Menge Sticks der Sorte Pre-Rolled mit. Es ist halb neun und DJ Makz Stanley spielt eine exquisite Auswahl ab, die für eine Veranstaltung wie diese unübliche Tracks von Reo Cagrun oder die Romeo-Elvis-Nummer „Bruxelles Arrive“ mit G-Eazy-Sample enthält – sogar Dexter mit Retrogott finden Platz in seinem Set. Nice Überraschung!

Wie bereits kurz erwähnt, findet das Konzert unter freiem Himmel statt. G-Eazy hat mittlerweile einfach eine Größe erreicht, mit der er nicht mehr in eine klassische, große Halle der „Arena“ passt. Stattdessen tritt er in die Fußstapfen des Beat The Fish Deluxe oder der schon legendären BilderbuchKonzertreihe. An sich eine gute Sache – wenn das Wetter mitspielt. Heute ist es leider sehr nass, der Boden sehr gatschig.

Weil ein Warm-Up-DJ nicht genug ist, tritt ein zweiter auf. Dieser hat seine Hausaufgaben ebenfalls gemacht und stimmt trotz seiner kalifornischen Herkunft gleich einmal Bausas allgegenwärtigen Liebestrack an. Unter „Yung Pinch“-Rufen springt dieser fast zwei Stunden nach Start auf die Bühne, um seine lange Mähne und eine Palette seiner Songs zu präsentieren. Sehr energetisch macht er immer wieder klar, wie er heißt – so springt Yung Pinch mit sichtlichem Spaß eine gute halbe Stunde vor der immer wärmer werdenden Crowd auf und ab und brüllt mit markanter Stimme über seine Internet-Hits wie „Look Like“, „When I Was Young“ und sogar dem eigentlich von G-Eazy assistierten Track „Why Would I Wait“.

In der Umbauphase wird klar, dass aus irgendeinem Grund Stefflon Don nicht dabei zu sein scheint. Sehr schade, aber da die Kälte mit der Dunkelheit nicht besser wird, ist das schnell vergessen. Die imposante Menge vor der Bühne hat merklich Bock und das Bühnenbild wird auch mit jeder Sekunde beeindruckender.

Mit einem Intro der Band, bestehend aus DJ, Drummer und Keys, wird das Set eröffnet: „The Beautyful & Damned“ ist passenderweise der erste Track und G-Eazy springt auf die Bühne. Man merkt ihm gleich an, dass er jetzt ein Superstar ist. Und das steht ihm. Seit „The Endless Summer“ verfolge ich seine Karriere – und jetzt haben ihn seine poppigen Hooks und seine unmissverständlichen Rap-Skills an die Spitze gebracht. Der Themenkatalog beschränkt sich jedoch auf eine recht kleine Welt aus Partys, James Dean, Romanzen und Ego-Massagen. „You could have been everywhere in the world, but you are here!“ – immer wieder zeigt sich G äußerst dankbar und (frei nach Kendrick) „humble“. Das steht ihm auch verdammt gut. Genauso stark die Band, vor allem die epische Aufmachung der Songs inklusive Live-Drums gepaart mit den abwechslungsreichen Visuals auf den wie zwei riesige Lungenflügel aufgefächerten Leinwänden gefällt. Nach „The Plan“ geht „That’s A Lot“ reibungslos in den gemeinsamen Song mit A$AP Ferg und Danny Seth, „Lotta That“ über. Vor allem „I Mean It“  wird lautstark von der begeisterten Crowd begrüßt.

Gerald zeigt sich weiter dankbar. Und ob Kuss in die Menge, Herzzeichen oder Hand an den Rand der Boxershorts, jede Bewegung ist mit Geschrei aus dem weiblichen Publikumsteil verbunden. Und so zeigt er sich auch von seiner charmanten Seite, ein guter Auftakt für den letzten Akt des Auftrittes. Der Megahit „Him & I“ erklingt und das Gelände der Arena wird zu einem einzigen Refrain. Neben mir rappt ein ca. 12-jähriges Mädchen die komplette Strophe in ihre Selfie-Snapchat-Story, sowas habe ich seit Take That im Gasometer nicht mehr erlebt. Zu guter Letzt werden der nächste Radio-Hit „Me, Myself & I“ und der Banger „No Limit“ inklusive Cardi-B-Strophe rausgehauen und G-Eazy verabschiedet sich mit den Worten „You have no idea, how thankful I am“.

Fazit: Das Ausmaß und der Aufwand der Show haben sich enorm bezahlt gemacht. G-Eazys Star-Allüren passen zum Gesamtkonzept. Der kürzliche Zusammenstoß mit der schwedischen Polizei scheint dem Rapper wieder vor Augen geführt zu haben, wie vergänglich auch eine steile Karriere sein kann. Seine aufrichtige Dankbarkeit für das, was er erleben darf, gab dem Konzert trotz der immensen Größe eine sehr persönliche Note. Seine Performance war lückenlos on point, der herausragende Sound und die Band unterstrichen dies nur – auch die angenehme Melange aus klassischem HipHop und Pop-Ausflügen zeigte die Breite seines Könnens.

G-Eazy hat sich trotz seiner Skills nie wirklich im HipHop manifestiert, er ist sichtlich den Weg der poppigen Hooks gegangen, so wie es auch Machine Gun Kelly mittlerweile tut. Eine weise Entscheidung, denn Zahlen lügen nicht. Auch ich erwische mich oft dabei, dass ich den Track bei einer der übertrieben catchy Hooks skippe, dafür gibt es aber  Songs wie „No Limit“ in seinem Repertoire. Da sind die Pop-Avancen gleich wieder vergessen. In diesem Sinne, Autotune on und: „You know I mean it.“

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