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Rap-Philosophinnen // Frauen Radar KW20

Was bei Musik zählt,  ist die Qualität. Da das aber leider nicht immer so ist, highlighten wir hier diejenigen, die im übrigen Geschäft wenig oder schiefe Aufmerksamkeit bekommen. Dieses Round-up soll speziell Frauen und queeren Personen einen Platz bieten, die im vergangenen Monat releast haben. Und deren Musik (nicht unbedingt) von Qualität ist. Stay tuned!

KAIIT – „Miss Shiney“

Kaiit liefert den von ihr bekannten und geliebten Boombap-Soul mit Sex-Appeal. Zum reizenden Klang in den Ohren werden auch unsere Augen mit “Miss Shiney” verwöhnt. “I got pressure, should call me diamond on the weekday”, beschwert sich die mit Glitzersteinen verzierte Sängerin im Video. Doch nicht ohne einen Lösungsvorschlag anzubringen. “That’s why this song be stuck on replay.” Während wir schon begonnen haben mit dem ganzen Körper mit zu wippen, entblößt die Kamera nach und nach eine vielfältige Gruppe starr posierender junger Erwachsener. Der Blick wird weiter und wir sehen Kulissen, die an Malereien griechischer Götter im Olymp erinnern. Nur mit modernem Styling. Schöne Gesichter sind drapiert auf Sofalandschaften, einer Terrasse um einen herbstlich verdreckten Pool und natürlich um Kaiit selbst. Nachdem die letzte Kamerafahrt eine farbenfrohe Truppe in Vogelperspektive zeigt, bewegen sich alle anwesenden. Die Anspannung scheint endlich gelöst.

HAIYTI “Alles Gucci”

Im Oktober vergangenen Jahres gab Haiyti bekannt, “Wieder auf LVL” zu sein. Ihre Musik war wie gewohnt schrill und bewusst trashy. Jetzt scheint aber wirklich “Alles Gucci” zu sein und die Hamburgerin mit der krächzenden Stimme gibt sich mit Stil. Man denkt an „Breakfast at Tiffanys“, wenn sie mit Hochsteckfrisur und Zigarettenhalter über den roten Teppich in Paris stolziert. Doch nicht nur der brennende Notre Dame im optisch spannenden Video sorgt für Besorgnis. Die Teils aus Paparazzi-Perspektive gedrehten Szenen zeigen Haiyti mit verschmiertem Make-up hinterm Steuer und beim Koksen im Hotelzimmer. Man wird erinnert an Schlagzeilen über Hollywood-Sternchen wie Britney Spears oder Paris Hilton. Letztere gab beim Verhör einmal an, dass die Handtasche, in der Kokain gefunden wurde, zu billig sei, um ihre eigene zu sein. Das ist bei der dicken Gucci-Tasche, die uns Hayiti in die Kamera hält, wohl nicht der Fall. Aber ob es ihre eigene ist?

JAMILA WOODS – „Baldwin“ ft. Nico Segal

Jamila Wood’s Album “Legacy! Legacy!” kam am 10. Mai und besteht aus 13 Songs. Jeder Song trägt den Vornamen einer Person, die für Schwarze Kultur eine wichtige Rolle spielt, unter ihnen James Baldwin. Der Schriftsteller, geboren 1924 in New York, setzte sich für die Gleichberechtigung unabhängig von Hautfarbe, Herkunft und Sexualität ein.

Der R&B-Track spricht auf zeitlose Weise institutionellen Rassismus an und ist damit topaktuell. “Casual violence in your speech and your silence,” beschreibt Jamila die Allgegenwärtigkeit struktureller Unterdrückung. Die Geschichte Schwarzer Personen wird falsch erzählt, ihre “glory” missverstanden und appropriated. Und trotzdem versucht es Jamila mit einer Strategie – wie ihr “friend James”, der sagt: “I should love you anyways.

HAVIAH MIGHTY – „13th Floor“

Auf dem Album “13th Floor” gibt es dreizehn Songs. Mit dem dreizehnten Amendment wurde Sklaverei in den Vereinigten Staaten offiziell abgeschafft. Im Song “Thirteen” schildert die Kanadierin Haviah Mighty, wie sich die Lebenssituation von Schwarzen in Amerika nur vermeintlich verbessert. “If you would go by stats, prison is a gold mine camp with no buy backs”. Sie beschreibt die Institutionalisierung von Rassismus anhand der Feststellung, dass es Schwarze sind, die unter anderem wegen ihrer sozialen Ausgrenzung und Racial Profiling im Gefängnis sitzen. Sie schlussfolgert: “Slavery is over, except as pay for doing crime.” Das Album liefert auch auf allen anderen Tracks gesellschaftskritischen Stoff in Form von technisch vollendeten Lines und treffenden Wortbildern. Haviah rappt mit ungebändigtem Flow und überzeugt mit teils selbst produzierten, progressiven Beats. Auch ihr 18-jähriger Bruder Mighty Prynce ist als Producer für eher schnelle, bassgeladene Songs wie “Bag Up” oder “Blame” verantwortlich. Schwester Omega Mighty vollendet das Mighty-Family-Business übrigens der echte Familienname – und unterstützt gesanglich auf dem stark von Afrobeat und Reggae beeinflussten Track “Wishy Washy”.

MONTOYA – „Otun“ ft. Nidia Gongora

„Otun“ ist ein Techno-Track dominiert von traditionellen Musik-Elementen aus dem Herkunftsland Montoyas, Kolumbien. Darunter der spanische Gesang von Nidia Gongora, der unterstützt von indigenen Vocal-Samples eine meditative Stimmung erzeugt. Das Video zeigt eine Art zeremonielles Zusammenkommen im Schein von Mond, Feuer und Kerzen. Wenn man den Titel zum Anlass nimmt, könnten die Szenen in einem Naturschutzgebiet Kolumbiens Otun Quimbaya gedreht worden sein. Die Kulisse gibt Anleitung, was zum Track zu tun ist: Tanzen.

AddeN – „Neukölln“

AddeN ist immer noch – wieder – da. Und Deutsch kann sie auch immer noch besser als die meisten anderen „Fotzenlecker„(Gangster-Rapper) aus Berlin, aber das hatte sie bereits im ersten Comeback-Track festgestellt. AddeN hat eigentlich raptechnisch Potential und Power, aber inhaltslose Lines auf trashigen Trap-Beat adden einfach nicht up. Mit „Neukölln“ gibt sie vorerst keinen Anlass für Aufregung.

MALSHA – “Body Drop” ft. Mama Malou

Malsha bietet akzeptablen Flow auf einem simplen Trap-Beat. Mit dem “Body Drop”, einer Kampftechnik aus dem Judo, droht sie ihren Hatern, doch auf Angriff gehen sie und Mama Malou nur metaphorisch. Sie lassen lieber los und rauchen „Tüten voll Blüten, mit meinen Brüdern im Süden„.

LAZY B – „Mama kommt“

Lazy B ist lowkey und so auch ihre Lines. Sie ist zwar “süß wie ein Labrador”, das hält sie aber nicht davon ab, Zähne zu zeigen. „Loch ist Loch? Alles klar, dann fick dein Capri-Sonne.“ Das Rap-Snippet ist unterlegt von vielen Videosnippets mit gezeichneten Overlayers und Untertiteln. Letztere beschreiben gleich zu Beginn sehr aufschlussreich den Beat: “*sad guitar type beat starts playing*”. Es wirkt alles ein wenig dahin genuschelt und dahin gerotzt, lazy eben.

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