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Return of Nerdcore-Futurism // Flying Lotus live

Trotz viel musikalischer Heterogenität hätte ein Line-up kaum runder sein können: Drei großartige Künstler sind gestern Abend wieder nach Wien gekommen. Dorian Concept, Österreichs Exportschlager in der Kategorie zeitgenössische elektronische Musik, hatte ein routiniertes Heimspiel, wenn auch zum ersten Mal in der Arena. Etwas schockiert ist man aber doch von den hippiesk-anmutenden Menschen, die zu seinen ausgefeilten Beats auf dem Rasen hocken, während die andere Hälfte noch etwas steif versucht, sich in Stimmung zu versetzen.

Die Nacht ist noch nicht hereingebrochen, in der Helligkeit zu anspruchsvollen Rhythmen hemmungslos zu zappeln, ist aber leider auch nicht jedermanns Sache. In den ersten Reihen gibt es aber genug Fanboys und -girls, die Wandls musikalischen Patenonkel den gebührenden tänzerischen Respekt zollen. Einiges an neuem Material lässt sich erahnen wir dürfen uns nächstes Jahr auf ein neues Album freuen aber auch Hits wie „Draft Culture“ dürfen nicht fehlen. In diesem Sinne: bitte wieder Affine Records Label Night im Brut!


Es ist grade mal etwas mehr als zwei Monate her, dass Thundercat im Handumdrehen das Porgy & Bess ausverkaufte. Wenn es ein Funk-Äquivalent zu Lucky Luke gibt, dann ist es dieser Mann. So schnell fließen seine Finger über die Seiten des fast schon absurd hochsitzenenden Basses. Er selbst zeigt sich auf der Bühne mit Punisher-T-Shirt, Boxer-Pants, weißen Birkenstocksandalen und pinken Dreads. Die anfänglichen technischen Probleme  werden souverän mit seinen wahnsinnig virtuosen Instrumentalisten überspielt, indem immer wieder Songs zu kleinen Mini-Jams ausgedehnt werden. Selten hat man so viele weiße Jungs Luftschlagzeug spielen sehen.
Thundercats Album „Drunk“ ist Musik zum Schmusen und für den Katersonntag, auch wenn die Songs eine große Ähnlichkeit zueinander aufweisen. Ein unterhaltsames Konzert ist es auf jeden Fall. Bei seinem Hit „Them Changes“, zu dem alle glücklich hin und her wippen, gibt es dann auch endlich die ersten Lichteffekte, die man vorher etwas schmerzlich vermisst hat.

Während seine Voracts schon fast zur Überpunktlichkeit gedrängt werden, lässt sich Mainact und Brainfeeder-Chef Steven Ellison Zeit. Sein letzter Auftritt im WUK wird als monumental erinnert. Als er sein Pult betritt, wummert zum ersten Mal richtig der Bass durch die Arena, gewünscht hätte man sich das so auch schon früher. Inzwischen ist es dunkel, die Outdoorfläche gut mit Menschen gefüllt, ohne dass es gestopft voll wird. Zwei riesengroße Leinwände  werden die Projektionsfläche für eine ziemlich abgedrehte 3D-Animationsshow werden. Flying Lotus weiß sich zu inszenieren und spielt galant mit seinem Personenkult. Er wird Epizentrum der grenzüberschreitenden Erfahrung zwischen visueller Kunst und avantgardistischen Bretter-Beats. So wird Travis Scott mit Futurejazz-angehauchten Breaks miteinander verspult, irgendwo ist Kendrick Lamar vermischt mit De La Soul zu hören, auf einmal kommt ein brutaler Offbeat, wenige Minuten später knarzige Soulsamples, dann das Snoop-Dogg-Feature.


Die „Cosmogramma“-Momente sind rar, werden dafür aber umso mehr vom Publikum gewürdigt. Flying Lotus schafft es mit einer großen Portion Selbstvertrauen, Golden-Age-Kopfnicker, vergroovte Jazzmucker und Synthiegeeks zu vereinen. Parallel dazu vermengt Flying Lotus gekonnt surreale Horror-Ästhetik mit Gamification. In manchen Momenten stellen seine Animationen jedoch auch die Musik in den Schatten. So wirkt der Rap-Part von Captain Murphy etwas schwach im Verhältnis zu den hypnotischen Visuals. Am Ende wird richtig zu „Never Catch Me“ mit Kendrick getanzt, zum Glück sind es inzwischen unter 30 Grad.

Fazit: Was alle, die an diesem Abend auf der Bühne standen, verbindet: Eine Sound-Ästhetik die sich dem Ohr nicht anbietet, sonders es provoziert mitzudenken. Die Zukunft ist nerdig.

P.S.: S/o an Standard.at für die Verwendung des „superfreshen“ Pressefotos

Weitere Fotos vom Abend:

Text: Lewon Hotlinebling // Fotos: Marlene Rosenthal

 

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