„Ein wunderbarer Maler“ – Erykah Badu verstört mit Aussagen zu Hitler

Screenshot Erykah Badu „Other Side of the Game“

Künstlerisch ist Erykah Badu ohne Zweifel erhaben, die Bezeichnung als „Queen of Neo-Soul“ absolut zutreffend, wenn man einen Blick auf ihre Diskografie wirft. Fünf Alben veröffentlichte die Sängerin aus Dallas bisher, jedes davon auf einem sehr, sehr hohen Niveau; die ersten beiden, „Baduizm“ (1997) und „Mama’s Gun“ (2000), lassen sich ohne Übertreibung gar als „perfekt“ bezeichnen.

Doch das ist nur eine Seite von Erykah Badu, die in den vergangenen Jahren, mit der Ausnahme des 2015er-Mixtapes „But You Caint Use My Phone“, kaum Musik veröffentlichte, aber die Social-Media-Mechanismen sich zu eigen machte: Badu weiß genau, wie sie ihre Follower auf Twitter und Instagram – jeweils über zwei Millionen – mit Content bei Laune hält. Ihre Exzentrik spielt dabei natürlich eine tragende Rolle, denn gedanklich scheint sich Badu, die neben ihrer Arbeit als Künstlerin auch den Job einer Doula (Schwangerschaftsbegleiterin) übernimmt, in ganz, ganz eigenen Sphären zu bewegen.

Das sorgte in der jüngeren Vergangenheit für manch Skandal: 2016 setzte Badu beispielsweise eine Reihe von Tweets ab, in denen sie jungen Frauen den Tipp gibt, bei ihrer Kleiderwahl die sexuellen Triebe von Männern zu berücksichtigen. „stop boys from getting ideas and create a good work environment for male stuff“, lautete ein Tweet, den sie zur Debatte über die kontroverse Empfehlung einer neuseeländischen Schule, die dortigen Mädchen mögen keine allzu kurzen Röcke anziehen, da sonst das männliche Personal abgelenkt werden könnte, beisteuerte. Badus Stellungnahme in Form eines klassischen „Victim-Shamings“ war natürlich hanebüchener Unsinn und sorgte für einen völlig gerechtfertigten Shitstorm.

Den erlebt Erykah Badu in diesen Stunden wieder. Diesmal sorgen aber keine Tweets für Aufregung, sondern ein Interview mit Vulture, der popkulturellen Internetpräsenz des New Yorker Magazins New York. In dem hervorragend vorbereiteten und geführten Interview von David Marchese liefert Badu schließlich eine Reihe regelrecht verstörender Aussagen. Dabei beginnt das Interview  harmlos, Marchese stellt Fragen über die Bedeutung von Social Media für die weiterhin vorhandene Relevanz von Badu, über die Änderungsprozesse im HipHop seit „Baduizm“ und über Musik, die gegenwärtig bei der Sängerin in „Heavy Rotation“ ist. Fragen, auf die sich wohl selbst Marchese keine wirklich bemerkenswerten Antworten erwartete. Als Badu XXXtentacion als einen jener Künstler, den sie gegenwärtig gerne höre, nennt, wird jedoch der Instinkt des Journalisten geweckt. Er bohrt weiter nach. Badu gibt auf die logische Frage, ob anhand von Beispielen wie Bill Cosby oder eben XXXtentacion die Kunst von der Person dahinter getrennt werden könne, folgende Antwort:

I love Bill Cosby, and I love what he’s done for the world. But if he’s sick, why would I be angry with him? The people who got hurt, I feel so bad for them. I want them to feel better, too. But sick people do evil things; hurt people hurt people.

Das ist schon eine ziemlich eklige Apologetik, die Badu hier aufbietet. Aber das ist bei Weitem noch nicht alles. Angesprochen auf ihre Nähe zu Louis Farrakhan, Anführer der „Nation of Islam“ und berüchtigt für seine antisemitischen Aussagen (erst kürzlich wieder während des US-Präsidentschaftwahlkampfes), sagt Erykah Badu:

I’m also okay with anything I had to say about Louis Farrakhan. But I’m not an anti-Semitic person. I don’t even know what anti-Semitic was before I was called it. I’m a humanist. I see good in everybody. I saw something good in Hitler. 

Marchese antwortet, wie wohl jeder in dieser Situation antworten würde – doch auf sein „Come Again?“ legt Badu mit „Yeah, I did. Hitler was a wonderful painter“ ein erstes Mal und auf dem Einwand, dass er kein guter Maler war und das auch nichts ändern würde, mit „Okay, he was a terrible painter. Poor thing. He had a terrible childhood“ ein zweites Mal nach. Zwischen den Zeilen wirkt Marchese geschockt, das Interview führt er trotzdem souverän weiter. Erykah Badu erzählt noch einige interessante Anekdoten, aber nach den genannten Statements hat man eigentlich keine Lust, noch weiter in ihre verschrobene Gedankenwelt einzutauchen.

Es scheint, als hätte Erykah Badu also nichts aus ihrem letzten Shitstorm mitgenommen. Im Gegenteil, gefällt sie sich weiterhin, mit der Ausrede des individualistischen Denkens, in der Rolle einer Provokateurin. Mit einer Reihe an Tweets versuchte sie nach Erscheinen des Interviews, eine andere Sichtweise auf ihre Aussagen zu präsentierten. Das funktionierte nur nicht. In einer Stelle des Interviews äußert sie, dass sie auf die kritischen Fragen Marcheses auch schweigen hätte können. Wäre sicherlich die bessere Entscheidung gewesen.

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