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„Ich war nie der typische Rapper“ // Emirez Interview

Seit den frühen 2000er-Jahren aktiv, wurde aus Emirez rasch einer der wichtigsten Wiener Straßenrap-Vertreter. Einem Freundeskreis mit RAF Camora und Joshi Mizu entwachsen, prägte sich neben einzelnen Tracks der Crews Balkan Express und Family Bizz besonders die 2006 erschienene „Skandal“-EP mit Raf0mic, wie RAF sich damals nannte, nachhaltig ein. Doch bald dald darauf kam es zum Cut, die musikalischen Wege der Rudolfsheim-Fünfhauser trennten sich. Emirez verschwand zunehmend von der Bildfläche, während RAF nach Berlin zog – der Rest der Geschichte ist bekannt.

Erst 2018 feierte Emirez nach fast zehn Jahren Rap-Abstinenz ein Comeback. Seither veröffentlicht er alle paar Monate neue Tracks. Bei diesen tritt er zumeist mit Pireli, der wie Emirez bosnische Wurzeln hat, in Erscheinung. Zumal die Tracks zweisprachig ausfallen, finden die beiden mittlerweile auch verstärkt in der Heimat ihrer Vorfahren Beachtung. Das zeigt sich auch darin, dass das jüngst veröffentlichte Video zu „Kad tad“ auf dem prominenten, von Jala Brat gegründeten YouTube-Kanal Imperia erschienen ist.

Im Interview mit Emirez gibt es jede Menge aufzuarbeiten – von seiner Anfangszeit über die lange Pause bis ins Jetzt. Das ausführliche Gespräch wird für den stämmigen Rapper zum Heimspiel. Nach einer Stärkung im Kent an der Märzstraße schlendern wir durch die rundherum liegende Gegend, mit der Emirez so viel verbindet.

Fotos: Daniel Shaked

The Message: Du bist 2018 nach fast zehn Jahren Pause mit „Von Anfang an“ auf die Bildfläche zurückgekehrt. Für viele jüngere Hörer hast du nun den Status eines Newcomers. Wie gehst du damit um?
Emirez: Ich reagiere immer genervt, wenn ich als Newcomer eingestuft werde. Da platzt mir ziemlich der Kragen. Es ist wie ein Schlag ins Gesicht für einen Typen, der in Wien gemeinsam mit Raf der erste war, der Straßenrap gemacht hat, wenn er als 33-jähriger nach acht Jahren Pause als Newcomer eingestuft wird.

Wie blickst du heute auf deine Anfangszeit zurück?
Wir waren Jugendliche, die Spaß haben und Blödsinn machen wollten. Joshi und Raf haben dauernd gerappt und geschrieben. Als mir mal langweilig war, habe ich gesagt: ‚Gib mir mal Papier und einen Stift, lass mich was versuchen!‘ So ist quasi Family Bizz entstanden, was ja ein Zusammenschluss aus Balkan Express und Assaut Mystik war.

Wie wichtig waren die beiden für deine weitere Rap-Laufbahn?
Der allererste, mit dem ich mich getroffen habe, war Pimp Beats. Er hat immer wieder versucht, mich zu motivieren. Richtig ernst ist es erst geworden, als aus Raf, Joshi und mir ein Freundeskreis wurde. Da habe ich auf Jugo, die anderen auf Französisch, Englisch und Deutsch gerappt.

Wann kam bei dir die Entscheidung, auf Deutsch zu rappen?
Ich habe nach dem Jugo-Ding eine kurze Pause gemacht, ein halbes Jahr oder ein Jahr. Dann hat mich Raf angerufen und gesagt: ‚Lass uns mal was auf Deutsch versuchen!‘ Das haben wir davor schon, aber nie ernsthaft. Wir haben uns dann im 10. Bezirk im Studio getroffen und einfach gemacht. So ist die „Skandal“-EP entstanden, da bin ich zum ersten Mal auf Deutsch zu hören.

„Ich würde Phat Frank eine Statue bauen“

Wenn du vom 10. Bezirk redest: Warst du auch mit Phat Frank connected?
(lacht) Phat Frank, die Legende! Wenn ich die Mittel hätte, würde ich ihm eine Statue bauen. Er war seit Beginn dabei und hat mir das erste Konzert gecheckt. Das war als Vorgruppe von Fuat, der bei Royal Bunker war. Ich habe viel von Phat Frank gehört, er war ein Mitgrund dafür, dass ich mit dem Rappen begonnen habe.

Was habt ihr zur Zeit der „Skandal“-EP am meisten gehört?
Bei mir war es Aggro Berlin, noch mit Bushido. Ich habe gedacht, dass es ganz fein klingt. Aber auch, dass ich es besser mache, wenn ich das, was ich auf Jugo gemacht habe, auf Deutsch übersetze. Leute wie Bushido oder Sido waren die ersten, die ich auf Deutsch gehört habe. Als ich auf Jugo gerappt habe, gab es sie noch nicht, sondern eher Eins Zwo und Absolute Beginner.

Phat Frank, EMC und die Untergrund Poeten waren noch vor Bushido.
Stimmt, die haben schon vorher härteren Rap in Wien gemacht. Ich fand es fett, habe es mir aber selbst noch nicht auf Deutsch zugetraut. Wenn wir in Österreich mit Straßenrap begonnen hätten, wären wir ausgelacht worden. Bei Raf und mir hat man den ausländischen Akzent stärker rausgehört. Bei Joshi war immer klar, dass Deutsch sein Ding ist.

Wie bist du am Anfang auf andere Rapper aufmerksam geworden?
Auf Phat Frank durch Pimp Beats. Sonst über die Sampler von „Hip Hop Connection“. Auf einer kleinen Kassette war fast die ganze Szene aus Wien oben. Ich war selbst aber nie der typische Rapper. Wenn ich Lust habe, nehme ich mir Beats und schreibe drauf, aber ich befasse mich wenig mit anderen Rappern. Ich schaue auch nicht auf Hypes oder Stilrichtungen, die gerade gefragt sind. Mir war das immer scheißegal. Ich war einfach ein Jugo, ein Bosnier aus dem 15. Bezirk, der sich gedacht hat: ‚Heast, gib mir einen Beat und lass mich drauf schreiben!‘

Welche Rolle hatte Pimp Beats?
Er war das Gehirn von Family Bizz. Jeder hatte seine Rolle – ich war vielleicht die Faust (lacht) –, aber Pimp Beats hat alles musikalisch umgesetzt. Er hat gesehen, dass man aus der Partie was machen kann.

Ihr habt verschiedene Backgrounds. Wie habt ihr euch kennengelernt?
Pimp Beats in der Schule, Raf über einen sehr guten Freund von mir – Daniel Kajmakoski, der jetzt als Sänger in Serbien aktiv ist. Die waren auch gemeinsam in der Schule. Dazu kommt, dass wir uns bei Balkan Express überlegt haben, mit wem aus der österreichischen HipHop-Szene wir etwas machen könnten. Die einzigen, die damals auch von der Straße und den Parks gekommen sind, waren Raf und Joshi. Als ich Raf kennengelernt habe, war eine Verbindung da. Wegen dem 15., aber auch auf Musikebene und was die Denkweise betrifft.

„Ich hatte das Business vor Augen und war irgendwann ganz weg“

Die Auflösung von Family Bizz kam abrupt. Wie ist das abgelaufen?
Man ist ja nur musikalisch auseinandergegangen, nie freundschaftlich. Wir treffen uns weiterhin und musikalisch kann man ja trotzdem immer wieder etwas gemeinsam machen. In einer Gruppe mit mehreren Leuten entwickeln sich die einzelnen mit der Zeit oft vom gemeinsamen Grundprinzip weg. Natürlich will keiner ewig das Gleiche machen. Wenn jeder eine andere Vorstellung von HipHop hat und sich auf einen bestimmten Style fokussieren mag, ist das ganz natürlich.

Wie war es für euch, mit dem EMI-Vertrag als eine der ersten österreichischen Rapgruppen einen Major-Deal zu bekommen?
Für mich war das schon der Zeitpunkt, an dem ich mich entfernt habe und das erste Mal auf HipHop geschissen habe. Da habe ich paar krumme Dinger gedreht und bin bisschen auf der anderen Schiene gelandet.

Wie bist du da reingerutscht?
Ich hatte einfach andere Interessen. Es war meine Entscheidung. Ich hatte das Business vor Augen und war dann irgendwann ganz weg. Es ist immer weniger geworden, bis ich in einem Milieu war, wo es besser war, keine Person der Öffentlichkeit zu sein. Es war am besten, dass keiner gewusst hat, wer ich bin und wie ich wirklich heiße.

Siehst du das als Knackpunkt einer verhinderten Karriere?
Da nicht, da gab es noch keine großen Aussichten. Der Knackpunkt war eindeutig die achtjährige Pause. Nach „Skandal“ mit Raf habe ich mich noch irgendwie dazu überredet, „Skandal 2“ zu machen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich aber schon komplett darauf geschissen und es gar nicht mehr promotet. Es hat mir keinen Spaß mehr gemacht.

Warum hast du den Spaß damals verloren?
Es gab mehrere Faktoren. Es hat alles zusammengespielt. Ich hätte nicht damit gerechnet, eines Tages davon leben zu können. Außerdem ist mein Cousin gerade aus Bosnien gekommen und wir haben eine Firma aufgemacht. Da habe ich mich nonstop darauf konzentriert.

„Die etablierte Wiener HipHop-Szene wollte uns nicht wahrhaben“

Siehst du die „Skandal“-EP  als eines der verlorenen Releases der österreichischen Rap-Geschichte? Großen Teilen der „etablierten“ HipHop-Szene bist du, abseits vom Crew-Ding Family Bizz, wohl erst später ein Begriff geworden. 
Die „Skandal“-EP hat in Wien schon große Welle gemacht, in Deutschland eher bei Insidern. Wir haben damit ein Level gebracht, das die Leute heute noch feiern. Immer wieder schicken mir Leute Videos, in denen sie zu „Was Willst Du Hier“ oder „Und Du Sagst“ abgehen. Raf hat nach „Skandal“ das Logischste gemacht. Er ist Vollblutmusiker und musste was aus seinem Talent machen. Bei ihm war klar, dass die Musik sein Lebensweg ist. Er hat 2007 den Schritt gewagt, nach Berlin zu gehen, alles stehen zu lassen und ist viel Risiko eingegangen. Ich konnte das nicht. Ich war von der Rap-Sache nicht so überzeugt und natürlich musikalisch nicht auf seinem Level.

Kannst du dir erklären, warum ihr damals von der Wiener HipHop-Szene so ignoriert wurdet?
Die etablierte und eingefleischte Wiener HipHop-Szene wollte und sicher nicht so wahrhaben. Wir haben etwas gemacht, das nicht so in ihr Konzept passt. Es war dreckiger Straßenrap, der bei vielen nicht gut angekommen ist. Deswegen hatte ich damals kein gutes Bild. Es gab Leute wie Phat Frank, die ich gefeiert habe, aber mit dem Rest der Szene habe ich mich nicht identifizieren können.

Ist das heute anders?
Ja, heute gibt es viele, die ich respektiere. Svaba Ortak ist zum Beispiel ein Typ, der so denkt wie ich und dieselbe Philosophie hat – nur hat er eben nicht acht Jahre auf alles geschissen. Natürlich gibt es viel Mist, aber Wien ist für mich sehr stark. Ich würde mir wünschen, dass manche mehr Präsenz bekommen, weil es wirklich gute Leute gibt. Auch SemKoo, Manijak, Droogieboyz oder Pasha Music. Klar ist: Wenn du früher als Jugo oder Türke ans Mic gegangen bist, wurdest du nicht so respektiert und betrachtet wie heute. Man wurde hingestellt à la: ‚Schau sie dir an, die Straßenjungs!‘ Heute ist es genau das, was die Leute hören wollen.

Was hat dir nach der langen Pause den Hunger gegeben?
Ich wollte nicht, dass es so zu Ende geht. Weil HipHop heute etwas ganz anderes ist als damals. Es hat sich musikalisch stark entwickelt. Ich bekomme dauernd fette Beats geschickt. Irgendwann sitzt du da und denkst dir: ‚Versuch’s doch noch einmal!‘ Es gibt nichts Schlimmeres, als im hohen Alter dazusitzen und dir das vorzuwerfen. Ich habe mir gedacht, dass ich nichts zu verlieren habe. Ich habe meine Arbeit, mein Leben und stehe mit beiden Beinen fest am Boden. Ich mache es nur Hobbymäßig. Dann gehst du am Wochenende mal nicht ins Fitnesscenter, sondern ab und zu wieder ins Studio und beginnst einfach noch einmal aus Spaß.

Die lange Zeitspanne seit dem letzten Release betrifft auch deine persönliche Entwicklung. Damals warst du ein Jugendlicher, jetzt stehst du mit beiden Beinen im Leben. Wie gehst du damit textlich um?
Textlich versuche ich, irgendwo an den alten Emirez anzuknüpfen. Ich bin noch immer die Person, sonst hätte ich meinen Namen geändert. Ich bin erwachsener und durch paar Sachen im Leben schlauer geworden, aber vom Grund her derselbe Typ wie früher. Deswegen wollte ich da nicht viel verändern.

Wie schwer war es, wieder reinzukommen?
Mir war klar, dass ich ohne Erwartungen herangehe. Es ist eine Herzenssache, weil es mein Leben geprägt hat, ich mit Rap viel erlebt habe ich mit meiner Jugend in Verbindung bringe. Vor acht Jahren war Rap nicht so entwickelt wie jetzt, deswegen wollte ich wieder für mich Sachen tun. Das unterstreiche ich für mich, meine Freunde und die wirklich treuen Fans, die mich seit über zehn Jahren feiern.

„Ich habe einen Namen dafür, nie Freunde beschissen zu haben“

Neben Solotracks arbeitest du viel mit Pireli zusammen. Wie läuft eure Zusammenarbeit ab?
Wenn ich mit einem Musiker etwas mache, muss es persönlich passen. Pireli und ich sind seit Ewigkeiten Brüder. Er steht mir menschlich sehr nahe, kommt aus dem gleichen Vorort von Tuzla und es war für mich logisch. Es gefällt mir natürlich auch, dass ich in Bosnien viel gehört werde.

Du hast einige bosnische Zeitungsberichte geteilt. Wie wirst du dort wahrgenommen?
Als „unser“ Bosnier, der in Österreich mit Deutschrap Erfolge feiert – beziehungsweise kein Unbekannter ist. Es hat mich sehr gefreut. Gleich der erste Bericht war von Dnevni avaz, der größten Zeitung. Da stand in etwa: ‚Das ist Emirez, er ist aus dem Ort, sein richtiger Name ist so und so. Er ist einer von uns, geboren in Bosnien und mischt gerade in Deutschland und Österreich auf‘. Das hat mein Herz geöffnet. Es war ein Wahnsinn, das meinen bosnischen Verwandten zu zeigen.

Du hattest 2019 große Auftritte. Mit Raf & Bonez in der vollen Stadthalle, mit Pireli neben Jugo-Rap-Stars wie Jala Brat, Buba Corelli oder Senidah, die Videos mit fast 100 Millionen YouTube-Klicks haben, in der Pyramide Vösendorf. Wie ist es möglich, mit diesen Leuten auf der Bühne zu stehen und gleichzeitig null Erwartungen zu haben?  Natürlich hast du Adrenalin in dir, aber es macht mir einfach Spaß. Dass ich als Support für Raf vor 15.000 Leuten in meinem Bezirk gespielt habe, war Wahnsinn. Aber ich verspüre keinen Druck. Jeder Auftritt und jeder Zuhörer ist ein Gewinn. Alles was ich jetzt erlebe, ist eine Freude, weil ich bis vor zwei Jahren zu Hause gesessen bin und mir gesagt habe, dass ich nie wieder rappen will.

Bei dir geht es generell viel ums Bauchgefühl, oder?
Ja. Ich plane zwar viel im Leben, aber nie mit Musik. Ich rappe das, was ich fühle. Bei mir waren es immer Handshake-Sachen, alles aus Lust und Bauchgefühl heraus, nie mit Verträgen. Ich habe in Wien einen Namen dafür, nie Freunde beschissen zu haben. Ich habe nie jemanden ausgenützt und bin nie wem in den Arsch gekrochen. Es war für mich immer das Wichtigste, dass ich mir selbst treubleibe und am Ende des Tages in den Spiegel schauen kann.

Heißt das, dass es keine Pläne für ein größeres Release gibt?
Es wird einiges kommen, aber ich habe keine genauen Pläne. Ich will fette Musik machen und schauen, wohin es geht.

Wie wichtig ist es dir, die Unterstützung von Raf in Anspruch zu nehmen, aber nicht den Eindruck zu erwecken, dass du dich an seinem Erfolg hochziehen willst?
Da musst du als Freund die Grenzen kennen. Wenn du etwas aus dir machst, dann mache es aus dir selber. Wenn du es schaffen willst, soll es sein, weil man dich mag und du dir das selber erarbeitet hast. Aber ich könnte nicht nur das Produkt von wem sein, der mich hochzieht. Ich würde niemals für die Musik unsere Freundschaft riskieren. Wir reden fast nur über Privates, vielleicht fünf Prozent über HipHop.

Du bist noch in Bosnien geboren. Wann bist du nach Wien gekommen und im 15. Bezirk gelandet?
Ich bin mit sieben Jahren nach Wien gekommen. Ganz am Anfang war ich im 7. Bezirk, dann im 13. und erst danach sind wir in den 15. gezogen. Der hat mich so geprägt, weil ich den Großteil meiner Jugend dort verbracht habe und bis vor Kurzem geblieben bin. Mittlerweile lebe ich zwar in einem anderen Bezirk, aber das meiste spielt sich nach wie vor hier ab.

Das war, als der Jugoslawienkrieg begonnen hat, oder?
Genau. Bei uns ist der Krieg ausgebrochen, ich bin als Flüchtling gekommen. Wir haben Glück gehabt, hatten hier Verwandte seit über 40 Jahren. Deswegen war es für uns leicht, Anschluss zu finden.

Was haben deine Eltern gearbeitet, als ihr nach Österreich gekommen seid?
Mein Vater ist Diplomingenieur. In der Kleinstadt neben Tuzla, aus der ich bin, hätte er eigentlich Bürgermeister werden sollen. In Wien hat er dann beim Mondo gearbeitet, meine Mama war Heimhilfe. Auch bei ihr gab es Geschäftsführer einer Bankfiliale in der Familie. Wir sind hergekommen, haben alles verloren und haben alles neu aufbauen müssen. Deshalb waren mir Freunde immer sehr wichtig. Wir waren den ganzen Tag im Park, haben Fußball gespielt und uns eine Eisteeflasche geteilt.

In welchem Park warst du am meisten?
Matznerpark an der Grenze vom 14. und 15. Bezirk. Bei der Johnstraße war ich auch viel. Zu Hause habe ich immer Watschen gekriegt, weil ich so spät heimgekommen bin.

Hast du Pläne, mal aus Wien wegzuziehen?
Ja. Spätestens, wenn ich mit meiner Arbeit fertig bin und Geld angehäuft habe, werde ich nach Bosnien ziehen. Auf jeden Fall Sarajevo. Das ist eine Stadt, die hat mich schwer beeindruckt, dort möchte ich sterben. Diese Bauweise, wie das Moderne aufs Orientalische und Traditionelle trifft und wie alles miteinander verschmilzt, hat mich sehr inspiriert. Es ist schwer in Worte zu fassen, Sarajevo ist einfach magisch.

„Ich würde kein Sevdalinka-Lied für HipHop aufgeben“

Nochmal zurück zur Musik: Du hattest ja immer wieder Phasen, in denen du auf HipHop geschissen hast. Was hörst du sonst?
Genau deshalb habe ich gesagt, dass ich mich nicht wirklich als Rapper in dem Sinne sehe, weil ich fast kein HipHop höre. Ich höre fast nur Jugo-Musik, viel Dino Merlin, Halid Bešlić. Teilweise auch Jugo-Bauernmusik, also Volksmusik. Ich würde kein Sevdalinka-Lied für HipHop aufgeben.

Was macht es mit dir, wenn du diese Musik hörst?
Es berührt mich emotional mehr, wenn jemand über seine Heimat und Kultur singt, als wenn jemand über Bitches, Geld und einen fetten Mercedes rappt.

Aber du rappst auch darüber.
Ich kann nicht das rappen, was in der Volksmusik gesungen wird. Dort ist es zu 90 Prozent Liebesmusik. Ich kann nicht rappen: ‚Du bist die Frau meines Lebens, ich würde für dich sterben‘. Ich finde nicht, dass ich so einen Poser-HipHop mache. Was ich jetzt als Vergleich gesagt habe ist, dass manche wirklich ganz oberflächlich rappen. Ich würde nicht sagen, dass ich das mache. Natürlich habe ich Lieder wie „Von Anfang An“. Eine Seite von mir ist, dass ich ein stolzer Typ bin, der mit erhobenem Kopf geht und sagt, dass ihn nichts und niemand ficken kann. Natürlich gibt es wie bei jedem Mensch auch eine zweite Seite. Eines meiner Lieblingslieder ist zum Beispiel „Halbmond & Kreuz“ von der „Skandal“-EP.

Wenn du von „Halbmond & Kreuz“ sprichst: Siehst du es als eine der größten Qualitäten von HipHop, dass man Kulturen leicht zusammenbringen kann?
Ich finde, dass das HipHop ausmacht. Wenn es so ein breites Spektrum aufzeigt, ist das dieser Wert von HipHop, den ich liebe. Klar gibt es Rapper, die man abstempelt, weil sie nur über Bitches rappen. Aber auch die haben oft richtig tiefgründige Themen. Wenn man solche Nummern ab und zu dazwischen reinhaut, hat das für mich einen großen Wert.

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