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Ein Jubiläum der Sonderklasse: 15 Jahre Kayo & Phekt (+ brandnew video)

Auf 15 Jahre Bandgeschichte können nicht viele Acts im kurz- und schnellebigen Musikgeschäft zurückblicken, gerade im überschaubaren Rahmen der wohl ursprünglichsten Konstellation im HipHop mit DJ und Rapper kann dieses Kunststück aber scheinbar doch gelingen. Lebender Beweis dafür sind die beiden Wahl-Wiener Kayo und Phekt, die ihr Jubiläum am Donnerstag (23.05) feierlich im Chelsea begehen. Das diesem Anlass gewidmete brandneue Video mit Brenkie-Beat gibt’s hier zu sehen.

Dem Flyer vom ersten gemeinsamen Gig (der dem Interview vorangestellt ist und uns dankenswerterweise von Kayo zur Verfügung gestellt wurde, wie auch das sonstige Bildmaterial) ist es eindeutig zu entnehmen: 1998 traten Kayo & Phekt in der Kapu eine Reise an, die bis heute kein Ende gefunden hat.  Ebenfalls auf diesem liebevoll gestalteten Stück Papier/Karton verewigt sind andere Weggefährten auf dieser HipHop und Sound-Reise, die zu einem späteren Zeitpunkt gemeinsam mit K&P für Furore sorgen sollten und Rap aus Österreich neuen, frischen Wind einhauchten, vielmehr ein eigenes HipHop-Genre kreierten.

Ihre seit diesem Auftritt, der hier auch bilddokumentarisch festgehalten ist, und über die Jahre stetig wachsende Popularität und Anhängerschaft verdanken Kayo & Phekt nicht nur ihren musikalischen Genieblitzen, sondern auch ihrer Bescheidenheit und ihrem Understatement. Allüren sind den beiden Headz fremd, genauso scheuen sie es, sich in der Auseinandersetzung mit anderen MCs hochzudissen. Anstatt dessen setzen sie auf Qualität, Inhalte und langjähriges Wissen um die HipHop-Kultur.  Dies stellen sie auch auf ihrem neuesten Video wieder eindrucksvoll unter Beweis:

 

 

 

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Mit einem Teil des kongenialen Duos, nämlich Kayo, gelang es uns noch vor der Sause im Chelsea am Donnerstag (23.05.) ein Interview zu führen. 2011 releaste er über Tonträger Records sein lang erwartetes Debüt „Des sogt eigentlich ois“, das man sicherlich zu einem der herausragendsten und eigenständigsten österreichischen Rap-Alben der letzten Jahre erheben kann. Dazu tragen nicht nur die Beats von Österreichs feinsten Beatschmieden Brenk und Fid Mella bei, sondern der gereifte, „erwoxene“, wortgewandte, dialektkundige und selbstbewusst auftretende Kayo überzeugt hier in Albumlänge alle KritikerInnen.

Das hier vorliegende Interview ist der Vorgeschmack auf eine ausgiebige „HipHop Message“ mit den beiden Sympathieträgern, die in den nächsten Wochen hier zu sehen sein wird – so stay tunded. Wir freuen uns schon auf die Session und halten uns hinsichtlich ihres 15-Jährigen ganz an den Refrain eines Beatnuts-Klassiker: „Yeah, you get props over here“.

TM: Als ihr 1998 auf der Bühne zusammengetroffen seid, hättest du dir damals gedacht, dass K&P 15 Jahre Bestand haben wird?
Kayo: Schwer zu sagen, so weit denke ich nicht voraus. Aber ich hätte mir gedacht, wenn ich 15 Jahre dabei bleiben sollte, habe ich dann sicher mindestens fünf Soloalben draußen. Da bin ich noch ein wenig hinten nach.

Was war die Erfolgsformel für die lange Zusammenarbeit?
Dafür gibt’s mehrere Gründe. Zum einen haben wir Anfang der 90er die gleiche HipHop Schule samt Graffiti etc. durchgemacht, das verbindet. Zum zweiten gibt’s in Österreich kein Geld, um das man sich streiten könnte, wenn man nicht aus Liebe zur Sache dabei ist, ist man meist wieder schnell weg vom Fenster. Und zum dritten haben sich zwei getroffen, die einen sehr langen Atem haben, weil sicher 95% aller Leute, die mit uns irgendwann mal aktiv waren, nicht mehr dabei sind. Wir sitzen einfach alle aus, bis nur mehr wir da sind.

Du giltst als einer der Mitbegründer des Slangsta-Genres. Die ersten Gehversuche (auch bei Rückgrat) waren aber in Hochdeutsch. Was waren deine Beweggründe, nach einer gewissen Zeit nur noch Dialekt zu rappen?
Mich hat es immer fasziniert, wenn Leute den aus Amerika kommenden HipHop / Rap nehmen und was Eigenes draus machen. Reines Kopieren von anderen Stilen, ob aus Amerika oder Deutschland, fand ich nie so spannend. Von daher war es ganz natürlich, dass wir irgendwann auch in Österreich unsere eigene Identität gesucht und gefunden haben. Ein Mitgrund war natürlich auch Markee (später u.a. als Jack Untawega bekannt). Nachdem er mir das erste Mal „Dreckige Rapz“ vorgerappt hatte und ich sah, was flowtechnisch im Dialekt möglich ist, war es schwer zurückzugehen. Wobei ich jetzt auch wieder hochdeutsche Tracks mache, ich finde beides cool, solange es nicht aufgesetzt wirkt.

Andere Bands mit einer 15-jährigen Bandgeschichte weisen umfangreichere Diskographien aus, ausgenommen jetzt einmal die vielen Kollabos (Markante Handlungen, Die Unsichtbaren) und Feature-Beiträge. Was sind die Gründe, dass letztlich nur eine EP (KO Drops) und eine LP (Des sogt eigentlich ois) am K&P –Konto gutgeschrieben werden können? Handelt es sich dabei vielleicht auch um ein österreichweites Syndrom, dass es keinen kontinuierlichen Output gibt mit der Ausnahme von Texta?
Gute Frage…Im Grunde hab ich mir jedes Jahr eingeredet, dass ich ja eh grade diese oder jene Features oder Kollaboprojekte gemacht habe und dass mein Album dann fix nächstes Jahr kommt. Und plötzlich waren mehr als zehn Jahre vergangen. Es hatte aber auch private Gründe, warum ich die Energie erst 2011 aufbringen konnte, das Soloalbum zu stemmen. Aber jetzt bin ich motivierter als je zuvor. Betreffend kontinuierlichem Output: ich glaube nicht, dass das das Hauptproblem in Österreich ist, mir fallen schon der ein oder andere Künstler in Österreich ein mit drei, vier Alben im Gepäck. Ich sehe das Problem eher bei der Qualität, aber weniger den Beats. Ich bin überzeugt davon, dass man mit gutem, frischem Rap auch hierzulande seinen Weg machen kann, ich arbeite daran.

Linz scheint in den letzten Jahren Wien als Rap-Hauptstadt abzulösen bzw. als solche herauszufordern. Warum hat sich Linz zu einem so guten Pflaster für viele Talente wie auch etablierte Künstler entwickelt?
Schon in den 90ern galt Linz als Rap-Hauptstadt. Es herrscht dort ein familiäres Umfeld und Strukturen mit Förderern von jungen Leuten wie z.B. Flip, der seit eh und je sein Studio und sein Wissen zur Verfügung stellt. Wobei ein Ranking keinen Sinn macht, jede Stadt hat ihre Stärken, und manchmal sind Rapper auch schwer zuzuordnen, wie z.B. Skero oder ich, die schon sehr lange in Wien leben, aber teilweise noch immer als Linzer Rapper gelten.

Wie schätzt du generell die Entwicklung von HipHop in Österreich in den letzten 15 Jahren ein?
Ich bin vor 20 Jahren über Graffiti und Rapmusik dazu gestoßen. Damals bestand HipHop aus den 4 Elementen Graffiti, Breakdance, DJing und Rap. Dementsprechend waren auch die HipHop Jams organisiert. Es gab halt kaum Strukturen bis auf ein paar regelmäßige Jams, wo sich eine kleine Szene getroffen hat. Es gab auch nur eine Hand voll Rap-Crews wie Texta, Schönheitsfehler oder Total Chaos, die überregional bekannt waren. Österreichischer Rap hat sich auch immer sehr stark an Deutschland orientiert. Demnach ist wohl eine der prägendsten Entwicklungen für eine eigenständige österreichische Rap-Szene der Dialekt-Boom seit Mitte der Nuller Jahre. Ansonsten hat sich leider nicht allzuviel getan, die meisten Bands schaffen es nicht mal in mehreren Bundesländern bekannt zu sein oder Konzerte zu spielen. In den letzten drei, vier Jahren sind aber zumindest einige österreichische Rapper in Deutschland erfolgreich gewesen.

Mit „Wilde Geschichten“ habt ihr das erste Mal richtig aufhorchen lassen und auf euch aufmerksam gemacht, ein durch und durch politischer und gesellschaftskritischer Track. Ist HipHop aus Österreich heute noch politisch? Könnte und müsste er vielleicht wieder politischer werden?
Anfang bis Mitte der 90er gab’s eine Phase, wo Deutschrap fast zwingend eine Message haben musste, da gab’s sicher mehr politischen Rap als heute. Sicher wär es aus meiner Sicht wünschenswert, wenn die offenkundigen Missstände dieser Welt auch im Rap ein Thema sind, aber für mich muss auch die Verpackung passen, und beides zu vereinen schaffen die wenigsten. Aber wenn ich mir z.B. zwei meiner österreichischen Lieblingsrapper wie Monobrother oder T-Ser anschaue, die schaffen es auf eine sehr ungezwungene Art auch gesellschaftskritische Inhalte zu transportieren, so soll es sein.

Wie politisch ist K&P heute? Wo würdet ihr euch politisch verorten?
Sofern solche Kategorien in unserer komplexen Welt noch taugen, stehe ich wohl links. Ich bin privat ein kritischer und bewusster Zeitgenosse mit demselben Gefühl der Ohnmacht, das wohl viele Menschen heute dem politischen System gegenüber haben. Aber solange ich keine besseren Lösungen habe, muss ich kein Halbwissen mit meiner Musik rausposaunen.

Lukas Plöchl hat mit einer Pop-/Technoversion des Genres, das ihr mit auf den Weg gebracht, kommerziell punkten können. Was hältst du von seinem Erfolg und inwieweit steht er überhaupt in einer HipHop-Tradition bzw. Slangsta-Tradition?
Als ich ihn das erste Mal bei der Castingshow sah, fand ich es frisch, wie er sich da hinstellt und in Mundart sein Ding durchzieht, das so noch nicht da war. Mit den Tracks, die dann später kamen, konnte ich weniger anfangen, das war mir einfach zu kantenloser Ö3 Sound. In welcher Tradition er sich verortet, kann ich nicht sagen, ein paar Slangsta Einflüsse werden wohl dabei gewesen sein.

Was wird von K&P zu erwarten sein? Im Chelsea am Donnerstag und in der Zukunft im Allgemeinen?
Also im Chelsea eine würdige Jubiläumsparty mit brandneuen als auch uralten Tracks, Supportgigs von Average und Nora MC und einigen Special Guests! Und im Allgemeinen jede Menge Tracks in Mundart und Hochdeutsch, als Kayo & Phekt oder in anderen Konstellationen. Wir sind nach wie vor hungrig darauf, wieder ein paar Leute zu flashen oder von jungen Leuten geflasht zu werden, denn das ist es, was uns schon so lange antreibt und wohl noch länger antreiben wird.

Text & Interview: Stefan Anwander

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