Der Luka Modrić des Rap // Edo Maajka live

Fotos: Daniel Shaked

Plötzlich regelrechtes Getöse, im Hof herrscht Stadionstimmung. Alle bejubeln ein Ereignis, das sich ein paar hundert Kilometer entfernt von Wien ereignet hat. Gerade traf Mario Mandžukić mit einem Traumtor zum Ausgleich im Champions-League-Finale zwischen Real Madrid und Juventus Turin, das heute in Cardiff über die Bühne geht. Ja, König Fußball hält an diesem Abend auch seine Audienz ab und findet in der Szene Wien seine Anhänger, die bei der Liveübertragung im Hof mit den Kickern mitfiebern. Aber die ballesterischen Alleskönner Modrić, Mandžukić oder Pjanić sind nicht die Sorte Balkanstars, die dafür sorgen, dass heute Simmering als „Place to be“ auserkoren wurde. Gekommen sind die Leute für Könner eines anderen Metiers. Die BH-Gesellschaft hat nämlich zum Sommerfest geladen und dafür ein Treffen der Stars der Balkan-Rapszene organisiert.

Die Atmosphäre? Entspannt. Ćevapčići, Bier und Tschick vertreiben die Zeit hin zum Beginn der Shows. Wobei die meisten heute auf einen warten – auf denjenige, der quasi die Rolle des Luka Modrić einnimmt: Headliner Edo Maajka, Held der Post-Kriegs-Generation am Balkan. Lokalmatador Kid Pex hat die schwierige Aufgabe, ein Publikum zu bespielen, das sehnsüchtig Edo Maajka entgegenfiebert. Der „Tschuschenrapper“ lässt sich davon jedoch überhaupt nicht aus dem Konzept bringen und spult gemeinsam mit DJ King professionell und routiniert sein Set runter.

Danach ist Edo-Time. Ob alle wussten, dass er in Wien mit Live-Band auftritt? Fraglich. Die HipHop-Polizei ist damit zwar nicht einverstanden, aber die muss heute einfach draußen bleiben. Die Energie des Sets von Edo Maajka, der mit Birkenstock und in Shorts gekleidet über die Bühne flitzt, erinnert sowieso viel mehr an Punk- oder Ska-Shows. Dafür sorgt auch der politische Gehalt seiner Lyrics: Der dezidiert linke MC, mittlerweile in Zagreb wohnhaft, hebt symbolträchtig die linke Faust, wenn er die Worte „No Pasaran“ ins Mic rappt. Sein Gesichtsausdruck verrät, dass es sich dabei nicht um eine hohle Phrase oder ein Lifestyle-Utensil handelt. Sondern um pure Überzeugung.

Obwohl Edo Maajka das Geschehen fest im Griff hat, ist eine gewisse Lockerheit und Spontanität allgegenwärtig. Nichts wirkt aufgesetzt oder verkrampft. Die Band trägt ihn auf einer Soundwolke, irgendwo zwschen 99 Posse und Manu Chao. Auf Sprachbarrieren kann da getrost gepfiffen werden. Großartige Show. An das Champions-League-Finale, das übrigens mit 4:1 für Real Madrid endete, dachte da schon längst keiner mehr.

 

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