DRK & FOZ: Battle-Rap mit systemkritischer Ader // Review

FOZ
(Honigdachs/VÖ: 17.05.17)

Im Jahr 2014 haben Drk Poet, Fozhowi & Alligatorman auf ihrem gemeinsamen Erstlingswerk „VooDooZoo“ in wuchtiger Manier ihren Zorn gegenüber whacken Rapper-Kollegen und auserkorenen politischen Feindbildern ausgelassen – und dabei auch nicht mit Gewaltfantasien gespart. Auch beim kürzlich erschienenen Nachfolgewerk gehen sie stilistisch ähnliche Wege. Dabei schlüpfen sie – ganz dem Albumtitel entsprechend – in die Rollen von Heinrich Himalaya und Lord Leichenberg.

Die erste Hälfte von „Himalaya versus Leichenberg“ ist geprägt von leichtlebigen, unterhaltsamen Nummern, die eine starke Battle-Rap-Ästethik aufweisen. Druckvoll wie eh und je präsentieren sich DRK & FOZ über den treibenden, stets zum Kopfnicken anregenden Brettern von Alligatorman. Neben den bereits vor dem Release mit Videos versehenen Nummern „15 Hiadl“ und „Roughnecks“ ist in diesem Atemzug etwa das prollig-tiefe „Dua ma den gfoin“ zu erwähnen, auf dem auch der Honigdachs-Kollege Kardinal Kaos alias Goidana Beasch in ungewohnt giftiger Manier spittet. Auch die restlichen vertretenen Featuregäste sorgen für reichlich Dampf. Def Ill, vertreten auf “15 Hiadl” sowie Kreiml & Samurai bei der Festival-Hymne “Helga ist tot” fallen qualitativ keineswegs ab.

Generell könnte das stets hoch gehaltene Tempo in Kombination mit den in gediegener Mundart vorgetragenen Rap-Parts beim einen oder anderen Hörer zu dialektbedingten Verständnisproblemen führen – was mitunter mehrmaliges Anhören der Tracks notwendig machen kann, um diese auf lyrischer Ebene gesamtheitlich zu erfassen. Um etwaiger thematischer Eintönigkeit zu entweichen, sorgt zunächst die Westcoast-Persiflage „Haus im Woid“ für Abwechslung. Heinrich Himalaya schlüpft dabei in die Rolle des wohltätigen Bio-Ganja-Vercheckers, der auf seinem in Höhenlage stehenden Anwesen zahlreiche Bedürftige mit eigens angebautem Grünzeug versorgt.

In weiterer Folge widmen sich DRK & FOZ ernsteren Themen. Sie zeigen sich fortan bemüht, tiefgründigere Botschaften zu vermitteln und letztlich für eine thematische Vielfältigkeit zu sorgen. So weicht die oft humoristisch angehauchte Battle-Attitüde schlagartig der kritischen Betrachtung des politischen Systems sowie von Machtverhältnissen. Der systemkritische Zugang manifestiert sich erstmals auf der politisch-emotionalen Nummer „Flaschenpost“. Fozhowi holt auf diesem Solotrack zu einem Rundumschlag gegen verlogene Politiker, rechtspopulistische Tendenzen, die Angst schüren sowie gegen von religiösen Motiven geleitetes Handeln aus. Weiters kritisiert er den hohen Anteil burschenschaftsnaher Polizisten und Richter in Österreich. DRK & FOZ führen mit „Schene Neiche“ und „Weißes Hemd“ ihren lyrischen Feldzug gegen Regierungssysteme und in diesem Kontext verantwortliche Personen fort. Während sie zunächst auf Metaebene Machtapparate sowie eine herzlos-verblendete Gesellschaft thematisieren, handelt der zweitgenannte Track detailliert die heftige Schwarzgeldaffäre Rund um Wolfgang U. ab.

Nachdem die Rapper auf „Blinde Offn“ in Form von Kritik am Schulsystem und der Darstellung einer die Augen verschließenden Gesellschaft ähnlich abschätzige Töne einschlagen, sorgen sie am schön ausproduzierten Abschlusstrack „Staub“ für ein im Vergleich zu den vorherigen Nummern versöhnlich klingendes Ende, bei dem sie die Schlagkraft gekonnt drosseln. Der Track beginnt mit der klangtechnischen Adaptierung von Schwingungen der Sonne. Auf lyrischer Ebene wird die Entwicklung des Weltwissens thematisiert, wodurch sich ein wissenschaftlich-philosophischen Flavour herausbildet.

Fazit: Drk Poet, Fozhowi & Alligatorman haben mit „Himalaya versus Leichenberg“ ein durchwegs gelungenes Werk geschaffen, das wenig Raum für Kritik bietet. Auf musikalischer Ebene gibt es ohnehin nichts zu bemängeln, schließlich sind die wuchtigen, erdigen Instrumentals bestens auf die technisch beschlagenen Rapper abgestimmt. Auch die inhaltliche Gliederung in zwei konträre Abschnitte geht auf. Während die ersten Tracks für kurzweilige Unterhaltung sorgen, hat der zweite Teil – unter Beibehaltung der charakteristischen Rawness – viel Potenzial, zum Nachdenken anzuregen. Ingesamt wirkt das Album ausgereifter als „VooDooZoo“, denn die beiden Rapper decken ein breiteres Spektrum an Missständen ab, das sie pointierter abhandeln. Dabei steht zumindest auf politischer Ebene weniger das tätliche Bekämpfen von Widersachern auf dem Programm. Derartige Wege gehen die heimischen Mundart-Rap-Berserker ohnehin schon zur Genüge im verbalen Kampf gegen untalentierte Rapper.

4 von 5 Ananas

Ein Interview mit Drk Poet, Fozhowi und Alligatorman gibt es hier.

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