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Dope Women* (April/2019)

Was bei Musik zählt,  ist die Qualität. Da das aber leider nicht immer so ist, highlighten wir hier diejenigen, die im übrigen Geschäft wenig oder schiefe Aufmerksamkeit bekommen. Dieses Round-up soll speziell Dope Women und queeren Personen einen Platz bieten, die im vergangenen Monat releast haben. Und deren Musik von Qualität ist. Stay tuned!

LAVA LA RUE – „Burn“

Meistens bekommen wir die bildende Künstlerin & Musikerin Lava La Rue als Teil der von ihr gegründeten NINE8 collective zu hören. Die Gang ist ein London-based Underground-DIY-Künstlerkollektiv bestehend aus visuellen und musikalischen Künstlern. „Burn“ ist Lava’s erste Single nach der 2018 erschienenen Debut-EP „Letra“. Die Videoauskopplung mit der professionellen Produktionsfirma 33 Bound bewegt sich im modernisierten Analog-Stil mit passend ästhetischen Szenerien. Darunter das Abhängen in einem ungenutzt wirkendem Wohnzimmer mit Plastikbezug über der Couch oder Lava’s Gesicht in einer Badewanne voller Blumen. Am Ende ist die Storyline eine Art Vorbereitung zur Party. Das stellt zwar einen Kontrast zum sehr politisch motivierten Text dar, aber keinen sehr kontroversen. Denn die „insecurities“ als Schwarze Frau hat Lil Rue überwunden und „to be someone your not“ ist nicht ihr Ding. So feiert sie sich trotz manipulativer, konservativer Politik („Demoralisation, predictable“) und der Dominanz weißer Identität („bleach your identity“). Dass Spaß haben nicht gegen politische Emanzipation spricht, macht Lava klar mit: „Imma research the facts then I’ll burn this bitch.“ Nebenbei kritisiert sie auch „tele-tubby rappers“, deren Texte sich (anders als bei ihr) nur mit dem „Thug“-sein auseinandersetzen.

SEVDALIZA – „Martyr“

„Martyr“ ist der zweit Teile von Sevdaliza’s Mourns. Zum Tag der Frauen veröffentlichte sie im März „Artist’s Mourn: Darkest Hour„, im April folgte „Lover’s Mourn: Martyr“. Der Titel sagt eigentlich schon fast alles. In gewohnt mystischer Manier zieht Sevdaliza den Vergleich zu einem Märtyrer, jemandem, der für seinen Glauben Leid auf sich nimmt. Die Lyrik in der Beschreibung des Videos lässt vermuten, dass Sevdaliza selbst im Glauben an eine Liebe leiden musste. „I found an empty chapel that only the wind called home.” Passend zum melancholischen Text geht es musikalisch eher in Richtung Indie-Rock, verzerrte Geigenklänge symbolisieren die Leiden eines Märtyrers.

PRESSLUFTHANNA – „Eingangsbereich“

Hanna geht die Sache wie ein Presslufthammer an. Mit unverblümten Zeilen rappt sie mit unversöhnlicher Stimme auf scheppernden Boombap-Beats von Plusma und Oskar Hahn. Die im März erschienene EP „Eingangsbereich“ gibt es auf Spotify oder über das Label Blumenblau, auf dessen Website man das Vinyl kaufen oder einfach mal reinhören kann. Die EP startet mit dem Titeltrack, der klar macht, was den Hörer erwarten wird. „Meine Rhymes sind einverleibt, in Blut und in Fleisch.“ Presslufthanna steht auf Old School und das nicht nur bei den Beats. Sie steht hinter ihren Zeilen, eine kommerzielle Schiene mit wieder und wiedergekauten Lines taugt ihr nicht. Das Patriarchat, Frau-Sein im Rap-Business, Feiern, um sich keinen Kopf über Probleme zu machen – Diese Themen gehören zu ein paar der vielen gesellschaftlich aktuellen und doch retroperspektiven Probleme, die Hanna anspricht. Sie wirft einen kritischen Blick auf das Weltgeschehen und scheut nicht davor, auch ihre persönliche Meinung kundzutun: „Diese Welt ist voller Witzfiguren, es gibt nur einen Haken, sie verkörpern nichts Witziges.“

DUA SALEH – „Warm Pants“

Wegen einfacherer geschlechtsneutraler Sprache ist folgendes auf Englisch geschrieben. Dua Saleh is activist, poet and singer. They were born in Sudan, grew up in Minnesota and started music only 2 years ago, after transforming their poetry more into lyrics. Their latest EP “Nūr” (Arabic for light) features 5 progressively genre-fluid tracks, including “Warm Pants” produced by Minnesota based Psymun, who also did „Chanel“ for Young Thug or „Fine China“ for Juice WRLD. An intense video production has been released to “Warm Pants” in April. It shows Dua walking through a wide, snowy winter landscape, eyebrows already icy, wearing a crown of thorns (Dornenkrone). In the bible the crown of thorns is a symbol for dignified suffering. Referring to the abstract lyrics stating that dua’s been missing someone’s song, someone who is “throwing daggers at the crown”, one might think of some sort of passionate but unfulfilling love story. “I hold her closer but then I realize that there’s always something missing”. The beats sound like slow electronic guitar strings and together with experimental use of background vocals underline the mentally challenging mood of the song.

SEBA KAAPSTAD – „Don’t“

Seba Kaapstad ist eine vierköpfige Band mit südafrikanischen und deutschen Wurzeln. Der Sound der Band ist, wie ihre Zusammensetzung, vielfältig. Starke Einflüsse aus Soul und Jazz harmonieren mit Frontsängerin Zoe Modiga und Sänger Ndumiso Manana, die von fast gerappten zu sanft gesungenen Parts switchen. Das Spiel mit elektronischen Beat-Elementen und klassischen Instrumenten macht aus „Don’t“ ein sehr geladenes, gefühlvolles Werk. Es geht darum sich selbst in einem Alter zu akzeptieren, in dem man nicht genau weiß wohin das Leben einen treibt. „It’s difficult to live on my own pace, find my way within this mace.“

KRIS BUCKLEY – „Eine Billion“

Auf einen dominierenden Trap-Beat kommen Kris Buckley‘s Lines in kleinen Häppchen. Auch textlich passt sich Kris dem New-School-Mainstream an: Es geht ums Cash machen und die vermeintliche Ignoranz, die damit einhergeht. „Mein rechter, rechter Platz ist leer, also wünsch ich mir ’nen Bentley her“. Kris zeigt sich mal mit Gucci-Trainer und gestapelten Scheinen, mal als Bonnie – nur ohne Clyde, dafür mit vier Bewaffneten Groupies. Autotune und aggressiv verzerrte Stimme passen zum Konzept. 300 Sklaven zu haben muss man definitiv als unangemessen herausstreichen.

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