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Requiem für einen Traum: „Fuchur (1 & 2)“ von Destroy Degenhardt // Video

Parkgeschichten von Destroy Degenhardt

Destroy Degenhardt liefert mit seinen beiden neuen Video-Singles in Form des „Fuchur“-Zweiteilers eine erschütternde und schonungslose Darstellung des Rauschmittelkonsums und bewegt sich in der Intensität auf Spuren der letzten zehn Minuten des Aronofsky-Streifens „Requiem for a Dream“. Nicht minder dramatisch als der Schlussteil des besagten Films mit Jared Leto und Jennifer Connelly in den Hauptrollen setzt nämlich „Fuchur“ ein: Angespannte Streicher und ein Sample aus der AMC-Serie „Preacher“, die vom trinkenden, kettenrauchenden Prediger mit Superkraft, Jesse Custer (hervorragend gespielt von Dominic Cooper), handelt, bauen die Spannung auf, bis schließlich der Part von Degenhardt beginnt.

Der diesmal weniger ein popkulturelles Referenzfeuerwerk darbietet, sondern primär einen ungeschminkten Einblick in seine „Downward Spiral“ zulässt. Wobei: Die popkulturellen Referenzen gibt es in der Hook. „40 Jahre nach Dead Kennedys, drei Jahre nach NMZS/Klingt alles nur nach Pisse, Plastik oder immer Geld verdienen“, heißt es dort. Eine Ansicht, die nicht allzu weit von der Realität entfernt zu sein scheint.

Dass bei der Kritik an kommerzieller Ausschlachtung von Musik die Dead Kennedys neben dem ehemaligen Antilopen NMZS, der vor fünf Jahren den Kampf gegen die Depressionen verlor, erwähnt werden, ist aus einem Grund besonders stimmig: Schließlich soll die Absicht einiger Bandmitglieder der wunderbar sarkastischen Hardcore-Punkband aus San Francisco, ihren nicht minder großartigen Song „Holiday in Cambodia“ für einen Werbespot des Jeansgiganten Levi’s zu lizenzieren, für Frontmann Jello Biafra der Hauptgrund zum Ziehen der Reißleine gewesen sein – wenngleich das die anderen Bandmitglieder heftig verneinen. „Scheiß auf Schlafes Bruder, ich bin Fantasias Schwester/Ich find‘ Realitätsverlust ist besser“, setzt Degenhardt in der Hook dann fort. Gedankengänge, die auch Jello Biafra nicht fremd sind. So erzählte dieser gegenüber Punknews vergangenes Jahr von seinem Drogenkonsum:  „I realized that I had to be careful with any drug, though I’ve tried them all … well, the only one I haven’t tried is crack and I think I’m a little too old for that now.“ Brüder im Geiste also.

„Fuchur“ endet mit einem heruntergepitchten Sample aus dem Sierra-Kidd-Song „Xanny“ („Sober zu sein ist für mich ein Handicap“). Das Video von Gutpunkt setzt die bedrückende Stimmung des Songs mit Aufnahmen des drogeninduzierten nächtlichen Wahnsinns in der Natur ausgezeichnet um. Ein Requiem für einen Traum.

Der zweite Teil von „Fuchur“  („Fuchur“ ist übrigens der Glücksdrache aus Michael Endes „Die unendliche Geschichte“) fällt dann weniger dramatisch aus. Die Orgel-Sounds im Track und das sonnige Setting des Videos erinnern – um bei „Requiem for a Dream“ zu bleiben – an jene Szene, in der Jared Leto als Harry Goldfarb von einem Treffen mit seiner Freundin Marion am Meer träumt, dann aber in einen Abgrund fällt und in der harten Realität aufwacht.

Apropos Abgrund: Gemeinsam mit Koljah von der Antilopen Gang begibt sich Degenhardt erneut in diesen, aber nun aus einer reflektierten Sicht. Passend dazu werden in der Hook die Zeilen „The shadows come to dance/The shadows come to play/The shadows come to dance/The shadows come to stay“ aus der Kerry-Ingram-Nummer „It’s Always Summer under the Sea“ gesampelt. Nicht das einzige stimmige Sample des Tracks, wird auch noch Haiyti mit „… Mann, ich fühl‘ mich wie Pete Doherty“ (aus „Pete Doherty“) in den Schlusssequenzen von „Fuchur (Teil 2)“ verewigt.

Anders als auf dem ersten Teil, wo Degenhardts Stammproduzent Hiro MA für den Beat zuständig war, stammt die Produktion zu „Fuchur (Teil 2)“ von Monkay Beats. Das minimalistische Video produzierte erneut Gutpunkt. Beide Nummern sind auf dem letzten Album von Destroy Degenhardt, „Das Handbuch des Giftmischers“, zu finden, ein ausführliches Porträt über Degenhardt gibt es hier zu lesen.

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