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Der Slangsta Zampano namens BumBum

BumBum Biggalo by Daniel Shaked, 2011

Vor drei, vier Jahren begann sich etwas quasi Neues im österreichischen Rap rasant auszubreiten und immer mehr Fans zu gewinnen: Slangsta, sprich Rap in Mundart mit gewissem Movement Gedanken. BumBumKunst aka BumBumBiggalo war für Slangsta von Beginn weg eine der federführenden Figuren. Seine eigenen Raps verlor er dabei nicht aus den Augen und nun hat der Produzent und MC bereits sein drittes Soloalbum veröffentlicht. Zu diesem Anlass tat er im Interview unter anderem auch seine Standpunkte zu den Vamummtn, dem Ende von Sodom & Gomorrah und der FPÖ kund…

TM: Wie bewertest du selbst dein jetziges Album?
BumBum Biggalo: Für mich mein mit Abstand bester Release bisher, aber absolut nicht massenkompatibel. Es ist halt ein WU-Tang Album. Und das interessiert heutzutage keinen mehr. Es sind nur oarge Soul Banger drauf, aber kein einziger aufglegter Hit. Es ist extrem deep. Es ist wichtig, dass man zwischen den Zeilen sagt, wer man ist und etwas zu erzählen hat. Das ist noch immer die Königsdisziplin.

Wenn du jetzt solo unterwegs bist und selbst produzierst, brauchst du nicht mehr auf irgendwen Rücksicht nehmen…
Genau. Ich habe einen Job, wo ich nicht so schlecht verdiene und drei Tage in der Woche arbeite, das heißt ich kann auf alles scheißen und nur das machen, was mir taugt.

Musstest du in der früheren Zusammenarbeit mit Jack Untawega Kompromisse eingehen?
Ja natürlich gibt es da Kompromisse. Auf dem Sodom und Gomorrah Album gab es zum Beispiel nur eine Nummer mit einem Soul Sample und das war eigentlich ein Remix. Er (Jack Untawega) ist schwer zu animieren, über solche Sachen zu rappen. Wobei bei der neuen Nummer „Da Scheiss heat auf“ hat es dann doch für ihn gepasst. Für mich war das aber immer schon wichtig, weil das die Roots sind und ich selber auch voll abstürze auf Soul Music. Ein Break, das noch nie jemand verwendet hat, ist das Geilste was es gibt.

Dein erstes Solo Album ist noch über Tontraeger Records rausgekommen, dann ist es irgendwann zum Split gekommen, warum?
Erstens ist das schon ein alter Hut, zweitens war das ihnen vielleicht dann doch zu explizit. Also textlich zu oarg, wie soll ich sagen…wobei es eh nicht so oarg war. Es wird dann auch heißer gekocht, als es gegessen wird. Vielleicht auch weil der Marquee, der Jack Untawega, der Max, oder keine Ahnung wie man ihn nennen will, sich von Markante Handlungen getrennt hat. Das hat ihnen wahrscheinlich weh getan, aber das verstehe ich dann auch noch irgendwie. Mir hat die Trennung von Sodom & Gomorrah auch weh getan.

Wieso die Auflösung von Sodom & Gomorrah? Ist ja an sich sehr gut angekommen…
Ja naja wie soll ich sagen: jeder will dann halt mal wieder seinen Solo Shit machen und wir haben ja Anfang dieses Sommers eine Sodom & Gomorrah Reunion Party gemacht – wir verstehen uns jetzt wieder gut.

Vor dieser Party war aber etwa 1 ½ Jahre lang vollkommene Stille zwischen euch, oder?
Wenn man ehrlich ist, schon. Freunde streiten sich halt von Zeit zu Zeit. Das ist normal. Das hatte aber nichts damit tu tun, dass ich genug von den Synthie Beats gehabt hätte. Damals bin ich voll darauf abgefahren. Und mir taugen auch heute noch gewisse Beats.

Dein erstes Album ist noch auf Vinyl rausgekommen, deine späteren Releases nur noch auf CD´s, wieso?
Damals war ich noch so blöd, dass ich mir gedacht habe, ich muss unbedingt eine Platte haben, damit sie die DJ´s spielen…damals war ich aber eh noch wack ehrlich gesagt – im Vergleich zu jetzt. Aber trotzdem habe ich es mir eingebildet. Heute würde ich das sicher nicht mehr machen.

Wie verfolgst du die sonstige Entwicklung von österreichischem Rap? Was mir am Ärgsten auffällt ist, dass man ohne Video eigentlich in Oasch gehen kann. Jeder Hugo macht heutzutage schon ein Video. Es ist eh immer das Gleiche: ein Haberer steht da und rappt halt seinen Scheiß. Die Zahl der Rapper hat sich schwerstens multipliziert, wenn man es mit dem Stand von vor vier Jahren vergleicht.

Wenn man das jetzt auf dein Album umlegt, dann sind „Fuyijama“ und „Willkommen im Dschungel“ ja zwei atypische Videos…bewusst?Ja, das war Absicht. Mir geht es mehr um die Nummern, die beiden eher deep sind und kein Disco-Scheiß sind. Ich mache das von Herzen und würde mich selber anlügen, wenn ich bewusst Nummern machen würde, von denen ich ausgehen kann, dass sie mehr Leuten taugen werden.

Bei den Vamummtn und Skero hat man gesehen, dass Mundart auch kommerziell funktionieren kann. Ist, wenn man schon so lange dabei ist, nicht auch dann der Hintergedanke dabei: jetzt könnte was gehen?
Nein, eben gar nicht. Wenn man sich das Album anhört, kommt das eh ganz klar raus. Es war eher  in die andere Richtung abgezielt. Ich will zum Beispiel keine Fans haben, die rechts und FPÖ Wähler sind. Man sagt zwar immer seine Fans kann man sich nicht aussuchen, aber genau das denke ich eben nicht! Da muss man dann eben anspruchsvollere Musik machen. Es ist schon cool, wenn man stolz darauf ist Österreicher zu sein, aber deswegen sind ja die anderen nicht schlechter. Die Leute sollen auch auch ruhig wissen, dass ich so denke. Wobei das jetzt aber gar nicht direkt auf Kabinenparty oder die Vamummtn bezogen ist.

Der Release deines Albums und das neue der Vamummtn passierten am selben Tag, am 30.9. Im Gegensatz zur Vergangenheit ist weder auf dem einen, noch auf dem anderen eine Zusammenarbeit von euch drauf…
Das war kompletter Zufall und ich bin voll down mit ihnen.

Warum ist es zu keinem Feature gekommen?
Es gibt genügend andere Rapper mit denen ich befreundet bin, die auch nicht auf „gaunz oda goaned“ oben sind. Es hat sich nicht ergeben.

Hat sich die Slangsta Sache ein wenig verlaufen?
Nein, das würde ich gar nicht sagen. Ich finde es cool, dass heutzutage Slangsta echt schon ein Terminus ist und auch in großen Medien präsent ist. Im Profil war letztens zum Beispiel ein Artikel über die Vamummtn und da steht drinnen: „Slangsta Rap“.

Es ist ja auch immer wieder von einem Movement die Rede, da stellt man sich halt vor, dass da kontinuierlich zusammengearbeitet wird…
Wer sagt das (lacht)?! Wir telefonieren schon von Zeit zu Zeit miteinander und ich habe mir auch vorgenommen mal wieder zu ihnen zu fahren. Das Leben ist so lang, da gehen sich noch Millionen Features aus. Dieser Movement- und Camp-Gedanke ist sicher nicht verschwunden. Es wird mit Sicherheit bald wieder einen Slangsta Sampler geben. Davor kommt wahrscheinlich noch ein gemeinsames Album mit Moz.

Inwieweit ist „4020“ in Linz noch eine Hymne?
Ich glaube die juckt schon lange keinen Hund mehr (lacht).

Und die „L“ Nummer?
Die ist halt erst ein Jahr alt, hat glaube ich aber schon eher etwas bewegt. Bei meiner letzten Releaseparty waren wenig Linzer und viele aus Salzburg, Wien und der Steiermark. Dieses mal waren 400 Leute bei meiner Releaseparty, darunter auch sehr viele Linzer. Von dem her, hat sie wahrscheinlich schon etwas bewirkt.

Im Video geht ihr ja mit einer ganzen Gruppe über eine Brücke, auf welcher normalerweise Autoverkehr herrscht…ist es da zu Zwischenfällen gekommen?
Naja, wir haben halt einen kleinen Stau ausgelöst. Wir haben uns halt gedacht, dass es vielleicht cool kommt, wenn wir da so über die Brücke gehen. Es waren ja im Endeffekt auch nur zwei Minuten oder so.

httpv://www.youtube.com/watch?v=Lp3cRsulT2U

Wie geht man damit um, dass die Verkaufszahlen komplett runtergehen?
Ich weiß es nicht, ich war nie in der Situation, dass ich wirklich viel verkauft hätte (lacht).

Wenn man sagt, dass man davon leben will…
Das kannst da in die Hoar schmiern.

Inwieweit denkst du auch darüber nach, den heute 15-, 16-jährigen etwas mit deinen Texten mitzugeben?
Da denke ich sicher darüber nach. Dazu muss ich, weil ich es letztens in einer Doku gesehen habe, den Lemmy (Anm.: Lemmy Kilmister, Motörhead Sänger und Bassist) von Motörhead zitieren: er will die Drogen nicht glorifizieren, weil er nicht will, dass die Kinder wegen ihm Drogen nehmen, aber er will auch nicht, dass die Kinder wegen ihm keine Drogen nehmen.

Was ist für dich daraus die Konsequenz?
Man sollte schon der sein, der man ist. Dass ich so etwas heraushebe, würde ich heute nicht mehr machen, weil es mir bewusst ist, dass ich da eine Verantwortung habe.

Wie wichtig sind für die Drogen? Es gibt Leute, die meinen dass wenn sie kiffen oder sich was reinhauen besser schreiben können…
So ist es bei mir nicht.

Du bist aber auch kein Kind von Traurigkeit…
Nein. Aber ich habe meine wilden Zeiten hinter mir. Ich werde bald 33.

War diese wilde Zeit nur auf Hip Hop Parties?
Nein, ich habe erst mit 22 begonnen zu rappen.

Und davor?
War ich praktisch ein Raver und auf diversen Festln in ganz Österreich unterwegs…

Was hat dich damals zum Hip Hop gebracht?
Ich habe schon davor immer wieder mit 15 zum Beispiel WU-Tang oder Dr.Dre gehört. Public Enemy war überhaupt mein erstes Rap Album „Apocalypse 91…the enemy strikes back“…

Wie bist du dazugekommen? Linz war ja damals nicht gerade der Nabel der Welt…
Ich bin ja eigentlich nicht einmal aus Linz, sondern aus Eferding. Ich habe mir die CD´s halt gekauft…beim Libro (lacht).

Linz ist die Rap Hauptstadt Österreichs..?
Das finde ich auch…

Was ist für dich die Erklärung dafür, dass aus Linz mehr und teilweise interessantere Releases kommen?
Das weiß ich nicht, weil ich kein Wiener bin. Ich finde aber, dass es auch in Wien einige interessante Leute gibt. Andererseits gibt es auch sehr viele sogenannte Straßenrapper, die halt im Video auf der Straße stehen und rappen, aber nichts sagen. Weisssgold finde ich zum Beispiel cool…Wienzeile, mit dieser Sommernummer die da war.

Zu etwas Anderem: du produzierst deine Sachen größtenteils selbst, gibst du auch Beats für irgendwelche anderen Leute her?
Einmal habe ich vor Funkdoobiest als Vorgruppe gespielt und die Hund´wollten unbedingt meine Beats. Ich habe gesagt: Na ich glaube das passt nicht zu euch. Der Ralph M ist dann extra noch zu mir gekommen und hat meine E-Mail Adresse genommen. Und der Tomahawk Funk hat auch gemeint: ja geht schon, gib mir dein Album, ich spiele es meinen Homies vor. Aber das habe ich dann nicht mehr richtig verfolgt. Ich habe aber schon immer wieder an Duck Down Records Beats geschickt. Es ist nichts zurückgekommen…

Wie samplest du? Kaufst du dir die Soul Platten?
Nein, MP3. Das muss ich zugeben. Außerdem habe ich auf meinem jetzigen Album glaube ich Sachen gesampelt, die man auf Platte nur noch extrem schwer bekommt.

Du trittst live ohne Back Up Rapper auf, ist das eine bewusste Entscheidung oder gibt es da niemanden passenden?
Sicherlich würde es da jemanden geben, das ist keine Frage. Vor zwei Jahren ca. habe ich mir aber gedacht, dass ein echter Rapper eigentlich keinen Back Up brauchen darf. Den Master of Ceremony muss man auch alleine bringen können. Natürlich ist es besser, wenn man zu zweit oben steht, denn geteiltes Leid ist halbes Leid…

Ist es für dich ein Leid aufzutreten?
Nein, also erstens brauche ich schon das Geld. Natürlich ist es leiwand, wenn man es direkt spürt, ob das was man macht ankommt und einfach auch etwas zurückbekommt.

Wie ist deine Herangehensweise an Tätowierungen?
Ich hatte schon den ganzen linken Arm tätowiert bevor ich zum Rappen angefangen habe. Ich habe auch keinen Schriftzug oder ähnliches tätowiert. Eigentlich suchen meine Tätowierungen mich aus. Manche Sachen kamen mir im Traum. Ich folge eigentlich nur den japanischen Stil, da bedeutet jedes Motiv etwas. Zu meinem Haus- und Hof Tätowierer Tom Tom habe ich vollstes Vertrauen (lacht)…wenn ich kurz Werbung machen darf: Skinelectrics heißt das Studio.


BumBum Biggalo Diskographie:

BumBumKunst – Perpetuum Mobile LP (2006; Tonträger Records)

Die Unsichtbaren – Schwarze Erde LP (2007; Tonträger Records)

Slangsta4Life mit VS, Jack Untawega + Moz (2007; Twomorrow Media)

Soddom & Gomorrah EP (2007; Lowtechrecords)

Soddom & Gomorrah Mixtape (2007)

Soddom &Gomorrah – In Gods Naum LP (2009; Twomorrow Media)

BumBumKunst – Da Eisbär LP (2009; Twomorrow Media)

BumBumKunst – Super Slangsta Mixtape (2009; Twomorrow Media)

BumBum Biggalo – gaunz oda goaned LP (2011; Twomorrow Media)

Interview:  Jan Braula & Daniel Shaked

Fotos: Daniel Shaked

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