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Der Ferdinand-Hanusch-Platz Effekt // Interview

Hanuschplatz
Produzent Lex Lugner (li.), Rapper DreXor und Pif Paf mit Maske

Bevor der heutige Ferdinand-Hanusch-Platz in Salzburg Stadt nach einem sozialdemokratischen Politiker benannt wurde, hieß er schlicht Fleischbankplatz. Auf diesen Bänken rund um den besagten Platz hat sich eine ganze urbane Jugendströmung entwickelt, die versucht, durch Eigenständigkeit und revolutionäre Charaktere eine neue musikalische Ära zu bestreiten. Diese Bewegung hört auf den Namen Hanuschplatzflow und hat mit Vertreten wie Crack Ignaz und Lex Lugner für Lobsprüche in Deutschland (Juice) und Großbritannien (Fact Mag) gesorgt. Doch die HPF-Posse besteht noch aus viel mehr unterschiedlichen Typen. The Message hat sich mit Mundart-Rapper DreXor, Produzenten Lex Lugner und Saufkompanen Pif Paf getroffen, um sich mit ihnen über das Suderantentum in der heimischen HipHop-Szene, Provokation in ihren Aussagen und die Jenische Sprache zu unterhalten.

Worum handelt es sich eigentlich beim Hanuschplatzflow?
Lex Lugner: Das ist nicht so einfach zu erklären. Es war nicht ein wirklicher Gedanke, dass wir jetzt in Salzburg was machen, es ist einfach passiert, würde ich sagen.

Ohne irgendeiner Absicht?
Drexor:
Ja.

Auf der Homepage kann man aber schon ausführlicher über das Konzept lesen. Zum Beispiel dass sich HPF gegen Pauschalisierung, Stereotypen und die Ignoranz des Mainstreams stark macht…
Drexor: Da hat es aber sehr viele verschiedene Definitionen gegeben, das ist immer wieder sehr abgeändert worden. Im Endeffekt kann man es nicht wirklich beschreiben. Es ist auf keinen Fall so etwas wie ein Label, es geht eher in die Richtung Lebenseinstellung.
Lex Lugner: Und wir spielen sehr viel Mario Kart.

Ihr seid auch gegen „hochkulturelles Geschwafel“. Was kann man sich darunter vorstellen?
Lex Lugner: Wenn jemand sagt HipHop ist ein Gefühl, dann kann ich das nicht nachvollziehen. Was will er damit sagen? HipHop ist für mich kein Gefühl, da kann man nicht so dagegen argumentieren.

Bist du dann auch gegen die HipHop-Kultur im Allgemeinen?
Lex Lugner: Ich sag so, ich mag Musik sehr gerne. Alles andere sind einfach nur leere Worte.
Pif Paf: Saufen ist ein Gefühl.
Lex Lugner: Wir saufen sehr gerne und sehr viel.
Drexor: Kiffen tun wir auch manchmal.

Was hat es mit eurem Motto „Heil dem Biber“ auf sich?
Lex Lugner: Der Jazzy Dick hat den Biber-Ketten-Trend erfunden. Wenn man eine Biber- oder Holzkette trägt.

Findet ihr das Wort „Heil“ nicht ein wenig provokant?
Lex Lugner: Das ist ein Gruß. Man sagt ja auch Petri Heil.
Drexor: Grad am Land sagen’s heute noch voll oft Heil. Da kenn ich viele Leute, die sich so untereinander begrüßen. Ich glaub das war schon vor der NS-Zeit so und ist nicht vom Hitler eingeführt worden. Das ist in vielen Gegenden in Österreich nach wie vor vorhanden, muss man mal nach Pongau und Tamsweg schauen.

Wenn HPF dann noch meint, dass man gegen die künstlerische Engstirnigkeit ist und dann disst Drexor so viele österreichische Künstler, indem er z.B. sagt „Ösi Bua ghört erschossen“ – wie passt das zusammen?
Drexor: Das passt sehr gut zusammen, weil der Ösi Bua ist einer, der künstlerisch sehr engstirnig ist. Wir sind ja dagegen.
Pif Paf: Der Hanuschplatzflow hat schon eine sehr große Diversität. Da gibt’s schon sehr unterschiedliche Richtungen. Es gibt keinen wirklichen gemeinsamen Nenner, es sind mehrere Künstler, die ihr eigenes Ding machen. Der Remi macht halt viel ärger die Battle-Schiene, Pif Paf macht die Sauf-Schiene und Crack Ignaz macht die Swag-Schiene. Und das sind noch lang nicht alle…

Und was spricht dann dagegen, dass der Ösi Bua wieder eine andere Schiene macht?
Drexor: Das ist ja meine persönliche Meinung. Ösi Bua ist natürlich musikalisch gesehen, da gehört der Rap-Charakter auf jeden Fall erschossen. Als ich an das Video von ihm gedacht hab, war das die erste Emotion, die ich hatte. Und ich find das sollte man auch so ehrlich sagen. Natürlich muss man das auch im Zusammenhang mit Rap sehen. Damit mein ich ja auch den Rap-Charakter und nicht die Person an sich, weil ich hab den Ösi Bua in meinem Leben noch nie getroffen und noch nie mit ihm gesprochen. Deswegen kann ich ihn so als Person nicht wirklich angreifen. Ich kann ihn nur als Künstler wahrnehmen, was ich so über das Internet wahrnehme. Und die Kunstfigur, die er macht, gehört erschossen.

Aber er stellt ja schon den Kontrast seiner Hautfarbe zur österreichischen Gesellschaft dar.
Drexor: Das ist sehr billig und einfach gestrickt. Vor allem versucht er sehr offensichtlich an die Masse anzuknüpfen. Da gibt’s auch nix, das dagegen spricht, aber die Art und Weise ist nicht mein Ding. Deswegen hab ich da auf jeden Fall was sagen müssen und ich bin mir sicher, dass das auch viele andere so sehen.

Bei Gerard hast du kritisiert, dass er sich in Deutschland vermarktet. Würdest du das nicht so machen, wenn es möglich wäre?
Drexor: Das ist ja nicht das Problem. Sondern dass er schlechte und sehr belanglose Musik macht. Was er rappt, das berührt niemanden org, glaub ich. Es sind wirklich sehr viel Floskeln, Metaphern, die so daher gesagt sind und mit denen keiner was anfangen kann. Das Einzige, was man ihm zuschreiben kann, ist, dass er eine gewisse Art von Gefühlen damit vermitteln möchte, aber das ist mir zu seicht.
Pif Paf: Zu Gerard könnte man wirklich sagen, dass er eine Trendschlampe ist, der jetzt Hipster-Rap macht. Wie gerade Dipset groß war, hat er Dipset-Scheiß gemacht. Ich kann mich an eine CD erinnern, da hat er wie Taichi gerappt. Er passt sich halt sehr den Raps an und ist damit auch sicher erfolgsorientiert. Das kann man gut oder schlecht finden, mir persönlich ist es einfach wurscht. Ich werde ja nicht gezwungen, die Musik zu hören, also kann ich’s einfach ignorieren.
Drexor: Er ist einfach ein Rapper, den ich besonders schlecht find. Es gibt in Österreich ja sehr viele mittelmäßige Rapper und über die rede ich ja gar nicht. Aber wenn jemand so schlecht ist..
Pif Paf: Karäil zum Beispiel, so ein Faggot.
Drexor: Wenn mich jemand schon so stark nervt, dann fühl ich mich gezwungen da irgendwas zu sagen. Gerade als Battle-Rapper sollte man das schon machen können. Es gibt zu wenig Rapper, die ihren Mund aufmachen und Stellung beziehen, das ist alles so glatt. Die Leute reden hinterrucks ja doch viel mehr darüber, als wenn sie sich treffen, da sind’s dann alle wieder Freunde. Ich bin auch kein unfreundlicher Mensch, wenn ich Gerard treff, dann kann ich mich auch schon mit ihm unterhalten. Ich hab ihn auch schon mal getroffen. Aber ich sag ihm ganz klar ins Gesicht, dass ich ihn sehr scheiße find und seine Musik sehr whack ist und dass ich ihn auf jeden Fall schlecht erwähnen werd in meinen Liedern. Mit dem Charme, den ich rüberbringe, kann er dann auch mit der Situation umgehen.

Du meinst ja auch du wärst der Erste, der ausspricht, dass MAdoppelT ein H*rensohn ist.
Drexor: Das ist das, was sich viele Leute auf lyrischer Ebene schon gedacht haben. Weil er einen ziemlichen Frosch im Hals hat, seine Stimme harmonisiert sehr schlecht mit den Beats, er hat 0815-Phrasen und schlechte Reime. Es fällt einfach auf, wie schlecht er ist. H*rensohn ist dann halt ein weiter Begriff, hier ist das lyrisch gesehen, im Kontext als Rapper.
Pif Paf: Da haben ja schon viele in die Richtung geschossen.

Aber wenn man sagt, dass einem eine Stimme nicht gefällt, dann ist das schon sehr subjektiv…
Drexor: Es gibt Trends und Tendenzen, was den anderen Leuten gefällt. Wenn das übereinstimmt mit allen anderen Meinungen, dann kann man schon eine Tendenz abgeben.
Pif Paf: MAdoppelT ist doch das Vorzeigebeispiel für einen Rapper aus Österreich, der von allen Seiten zumindest ein bisschen gehänselt wird. Da gibt’s schon sehr viele. Ich kenn eigentlich keinen Einzigen, der gut über ihn redet, wenn ich ehrlich bin. Dieses Beef-Ding ist aber eigentlich überhaupt nicht meins.
Lex Lugner: Ich verfolg das grad zwischen Digga Mindz und den Vamummtn…
Pif Paf: Das ist natürlich schon lustig zum Mitverfolgen, das Beste was die österreichische Szene überhaupt hat.
Lex Lugner: Tausend Mal rechtfertigen und dann betonen, dass eigentlich eh alles vollkommen wurscht ist, aber ich sprech’s trotzdem an…
Drexor: Genauso wie dieser Schwadron und sein CashpaH-Diss
Pif Paf: Schwadron wollt mich letztens im Traum mit einem Messer abstechen.
Lex Lugner: „Weißt du nicht wer ich bin? Ich bin Schwadron!“ (lacht)
Pif Paf: Diese Anrufe vom Ansa, das war auch einfach nur unlustig find ich. Wenn man sowas schon macht, dann sollte das ein bisschen besser durchdacht sein. Ich bin da wirklich da gesessen und ich hab nicht mal schmunzeln müssen, ich hab das nicht lustig gefunden. Wenn er das gscheit gemacht hätte, so dass ich lachen hätt müssen, wär’s besser gewesen. So ist es einfach nur langweilig und uninteressant, echt. Es hat keine Aussagekraft, hätte er sich sparen können. Die können sich ruhig beefen, die Hintergrundgeschichte weiß ich nicht. Diese Realness-Debatten sind sowieso lächerlich…Vor allem wenn man dann die persönlichen Informationen wie die E-Mail Adresse nicht rauszensiert, das ist einfach Verletzung der Privatsphäre, sowas macht man nicht.
Lex Lugner: Keep it real und so, HipHop ist mein Leben…(grinst)
Drexor: Ich glaub da kann ich jetzt für alle von HPF sprechen, dieses keep it real belächeln wir sehr, darüber machen wir uns sehr oft lustig.

Im Gegensatz zu diesen Beef-Geschichten gibt es ja auch Leute, mit denen man zusammenarbeiten möchte. In deinem Fall Drexor, sind das Monobrother und Kroko Jack. Was ist an ihnen besser?
Pif Paf: Das sind natürlich subjektive Dinge, ist ja klar, dass man seine persönlichen Präferenzen hat.
Lex Lugner: Die meisten Rapper rappen über Rap, das ist das Fadeste überhaupt. Was denkt man sich dabei? Sitzt man in seinem Zimmer und denkt: Okay, jetzt mach ich Rap.
Pif Paf: Ich find K.I.Z. hat das vor Kurzem sehr gut persifliert. Mit MC Flowbodda haben sie genau diesen „HipHop ist mein Leben“-Grundgedanken sehr gut auf die Schippe genommen. In den frühen 90ern hatte das noch viel mehr Aussagekraft, aber mittlerweile ist einfach die ganze Kultur so anders geworden.
Lex Lugner: Das sind vor allem sehr junge Leute, die den 90er Eastcoast-HipHop feiern. Die tun irgendwie so, als hätten sie einfach die 90er miterlebt, das ist aber einfach nicht der Fall. Das ist eine falsche Nostalgie.
Drexor: Um nochmal auf deine Frage zurückzukommen, wegen Monobrother und Kroko Jack: Ich könnte denen jetzt auch Honig ums Maul schmieren und erklären, was ich alles so super find an ihnen…Warum ich das subjektiv mehr mag, ist wie bei den Tendenzen der meisten Leute , die für sie sprechen. Die machen im Vergleich zu Gerard oder MAdoppelT was sehr Eigenes.
Pif Paf: Allein auf technischer Ebene ist da ein Unterschied.
Drexor: Davon red ich gar nicht! Das Grundding von ihnen ist was sehr Eigenes, was es in der Form vorher noch nicht gegeben hat. Ich bin natürlich auch ein Technikfan, mit der guten Stimme…Ich find die guten Leute sollten sich viel mehr zusammentun, wenn’s harmonisiert.

Ihr spielt aber auch mit der Provokation, wenn ihr Fotos mit kleinen Kindern und Schwangeren, die Alkohol trinken, postet.
Pif Paf: Das war für die Pif Paf EP – ProstSwag ist für alle. Pif Paf ist halt der Säufer schlechthin, generell ein Junkie kann man sagen. Aber Alkohol steht an vorderster Front, sicher ist das Provokation, aber meine Güte, das sind bloß ein paar Internetbilder. Wer sowas wirklich ernst nimmt, ist dann irgendein Hippie-Nazi würd ich sagen. Das ist genauso wenn ich jetzt Faggot sag, meine Güte, dass da nicht Homosexuelle gemeint sind, ist sowas von logisch. Man darf das Wort aber nicht benutzen..da gibt’s eine sehr schöne Southpark-Folge dazu, die kann ich nur jedem ans Herz legen.

Bei „Gwantanamo“ wird ja auch wiederum mit dem Weltgeschehen gespielt.
Drexor: Das ist ein Gesamtprojekt von vielen Leuten, auf dem ich auch drauf bin. „Gwantanamo“ ist ein Wortspiel. Es gibt in Salzburg etwas, das hat sich als Jenisch definiert und das ist quasi die Gaunersprache. Das ist von verschiedenen Leuten, die da unterwegs waren, die Sprache, die sich etabliert hat. Da gibt’s so Wörter wie gwant, das heißt so viel wie cool oder geil. Der Untertitel zu „Gwantanamo“ heißt ja auch „Gefangen in Gwantheit“, das spricht auf jeden Fall für was Extremes. Wir sind auch in gewisser Weise extrem anders, mit der Extremität kann man das gut verbinden. „Gwantanamo“ war dann ein gutes Wortspiel, das mit dem Jenischen zusammengepasst hat.
Pif Paf: Bei dem 70 Prozent Track heißt es: „Unser blöder Humor ist schon Mainstream geworden“. Das ist genau das. Mit Ironie wird bei uns viel gespielt, das hat schon Einzug gehalten in den Mainstream. Daher sollte man sich eh wieder davon abwenden und selbst Hippie-Nazi werden oder so.
Lex Lugner: Man muss wieder anfangen, Sachen ernst zu meinen. (lacht)
Pif Paf: Das neue Hipstertum. Ich denk auch, dass das Internet da sehr großen Einfluss hat.
Drexor: Aber gerade beim HPF ist das sehr vermischt. Ein paar Sachen sind ernst, andere wiederum gar nicht. Das kann man als Außenstehender oft schwer sagen, speziell was die Rapper betrifft. Bei mir ist das sehr vermischt, da gibt’s keine Grenze. Ich versuch sehr auf dem Boden zu bleiben mit meinen Raps. Zum Beispiel rappe ich jetzt nicht großartig über Koks oder Waffen, weil ich damit noch nie zu tun gehabt hab. Aber ich kann ohne dass ich irgendwelche Authentizitätseinbussen machen muss über kleinkriminelle Gschichtln reden, dass ich mal was gschurt hab, dass ich mal wen geschlagen hab, dass ich Gras anbau und verkauf, sowas hat eh jeder gemacht. Bei mir ist es sehr vermischt, ich übertreib gern zur Unterhaltung, das merkt man dann aber auch. Ich find, dass ich eigentlich relativ am Boden bleib.
Lex Lugner: Ich kann jetzt für den Jazzy Dick sprechen, da sind sehr viele ernste Lines in Humor verpackt.
Pif Paf: Also Pif Paf ist eigentlich ein Scherz. Allein die Benützung des Wortes Swag ist für mich ein Scherz. Obwohl ich’s mittlerweile privat auch sag. (lacht) Aber generell ist das Comicrap: einen Charakter erfinden und den sehr stark überzeichnen. Wer das jetzt wirklich ernst nimmt, dem kann ich leider auch nicht mehr helfen. Da muss man schon ein bisschen ein klein wenig Spitzfindigkeit haben, damit man das checkt, so schwierig ist das glaube ich nicht zu bemerken.

Wie bist du eigentlich auf die Idee dieser Figur gekommen?
Pif Paf:
Ich bin ja erst spät zum HPF gekommen und irgendwann bin ich besoffen mit einem Freund zu Haus gesessen und wir haben beschlossen jetzt einen HPF-Track zu machen. Er hat dann irgendwie schnell einen Beat gemacht, ich hab fett irgendeinen Text geschrieben und mich Pif Paf genannt. Das hat übrigens nichts mit RiFF RAFF zu tun, was viele Leute glauben. Das ist wie bei den kleinen deutschen Kindern, wenn sie schießen mit den Pistolen, also mit den Fingern deuten: pif paf. HPF ist für mich schon vom Ignaz hauptsächlich der Einfluss gekommen, der das auch alles komplett überzeichnet. Crack Ignaz ist ja auch ein Charakter, der erschaffen wurde, das hat ja nichts mit dem richtigen Menschen dahinter zu tun. Was bei Pif Paf mehr oder weniger auch der Fall ist. Es heißt ja eigentlich Postswag, dadurch bin ich auf Prostswag gekommen, perfekter Titel. Das hat dann auch entschieden, in welche Richtung die EP gehen wird. Viel übers Saufen, der Charakter Pif Paf war also von Anfang an eine extrem harte Sau, logisch. Ich hab diese Guy Fawkes Maske zu Hause gehabt, weil ich Warner Brother gerne unterstützen will, ich find die haben zu wenig Kohle. Ich wollt natürlich die Identität stark davon abtrennen und hab sie ausgeschnitten und zack geht dahin. „Hologrammswag“ ist da entstanden, es war sehr schön. Es ist auch alles sehr spontan. Dadurch, dass die Diversität so groß ist, gibt keiner einen Fick, was der andere jetzt macht. Man kann tun was man will, solange es qualitativ einen gewissen Anspruch erfüllt, ist das vollkommen okay.
Lex Lugner:
Mit Qualität ist jetzt nicht technisch ästhetisch qualitativ gemeint, sondern eher geistig ästhetisch.
Pif Paf: Und unterhalten muss es.
Drexor: Ich glaub das ist auch etwas, das uns auszeichnet. Wir machen viele Sachen, die es vorher in der Form noch nicht gegeben hat.

Zu deinem anderen Ich Karäil: Dieses Nuttenpraterding ist ja was Urwienerisches. Warum wolltest du gerade das machen?
Pif Paf: Wie ich die EP aufgenommen hab, hab ich nach fast jedem Track Nutte gesagt. Da dachte ich mir ich nenn die EP so. Mosch hat mich dann gefragt, was für ein Video ich machen will und ich meinte: „Ich verkleid mich als Nutte!“. Sehr kreativ, aber das war’s eigentlich. Das hat gar nichts mit dem Urwienerischen zu tun. Mittlerweile fühl ich mich schon mehr oder weniger als Wiener, aber ich würde mich jetzt nicht so Wienerisch einschätzen wie die Wienzeile, die sind viel uriger was das betrifft.

Entsteht da nicht manchmal eine Ambivalenz zwischen den zwei Musikfiguren?
Pif Paf: Ich find die Abtrennung schon relativ klar, durch die Maske, durch die runtergepitchte Stimme und durch die schon sehr überzogenen Texte. Als Karäil rap ich auch vom Saufen, weil ich generell viel sauf, aber nicht in dem Ausmaß wie bei Pif Paf, der dann auch Crack und Heroin nimmt. Ich kann das schon sehr unterscheiden, alleine schon von den genommenen Beats, ist das ganz was Anderes. Karäil würde nie auf solche Beats rappen, außer bei einem Feature wo er muss. Für mich ist es noch kein Problem. Ich hab schon immer andere Charaktere gehabt, vor Pif Paf gab es Peter der Punk, der hat leider nie was releast. PNR (Penisneid Records) wird geschluckt..Ludwig Ziffer, Ak.Liar, das war ganz schräger Shit auf seltsamen Beats, mit verstellter Stimme. Ich hab irgendwie immer das Bedürfnis nach anderen Charakteren, weil mir der normale Rap irgendwann zum Hals raushängt und ich was Neues machen will. Einfach nur Spaß am Rappen. Das ist bei Pif Paf absolut der Fall, ich hab die EP in einem Monat geschrieben, es hat mir ur Spaß gemacht, es war saulustig und einfach sehr befreiend. Jetzt wieder in die Karäil-Sachen reinzukommen ist ein wenig schwieriger, weil ich da schon ganz anders und auch viel ernsthafter rangeh. Die Texte bei Pif Paf hab ich echt alle sehr schnell geschrieben und mir nicht viel dabei gedacht.

Zwei Charaktere gab es ja auch von dir, Drexor, z.B. im hiphop.at Forum. Du hast da mit zwei Usernamen deine eigenen Sachen kommentiert und dich selbst auf Youtube interviewt.
Drexor: Ich weiß nicht wovon du redest. (lacht) Das macht doch jeder, fast jeder Rapper hat einen Fake-Account.
Pif Paf: Ich dachte mir da gibt’s nur Troll-Accounts?! (lacht)
Drexor: Das ist einfach zum Pushen, weil dann ist man länger bei den Top-Beiträgen.
Lex Lugner: Es ist eigentlich schade, dass es kein HipHop-Forum in Österreich gibt, das wirklich funktioniert.
Pif Paf: Das hat’s nie gegeben, hiphop.at war immer scheiße. Die deutschen Foren waren früher super.
Drexor: Ich bin eigentlich schon sehr straight. Bei dem Interview Drexor-Drexor bin ich auch ich selbst und nicht wer anderer. Obwohl der Interviewer-Part sehr subjektiv ein Drexor-Fan war, aber das war ja auch ich, da gibt’s diese Trennung nicht.

Wie kommt man auf die Idee, sich selbst zu interviewen?
Drexor: Das passiert, wenn ein Freund seine Kamera bei mir lässt und mir fad is. Beim Kochen ist mir eingefallen, dass das ganz lustig wäre, deswegen bin ich dann was losgeworden, was ich schon länger sagen wollte. Das sind auch Fragen, die ein Interviewer oft nicht so direkt stellt.

Beim Mundart-Battle hast du auch mitgemacht. Wie hast du das empfunden?
Drexor: Teilweise sehr anstrengend, weil ich das erste Mal einen Zeitdruck hatte, dass ich alle zwei Wochen was abgeben muss. Die Gegner waren wirklich sehr, sehr schlecht. Bis zum Halbfinale war das ein Trauerspiel, eh klar, dass ich da ins Halbfinale komm. Ich hab einen großen Respekt vor meinem Finalgegner Morbid Mind, der hat das doch sehr gut gemacht und hätte er noch mehr Parts geschrieben, wäre auch nicht so sicher gewesen, dass ich das gewinne. Auf jeden Fall hat es schon Spaß gemacht, aber es hat leider wenig Zuseher gegeben. Es hat nicht so viel Anklang gefunden, wie es vielleicht erhofft wurde. Seit ich zu rappen angefangen hab, hab ich auf diese Gelegenheit gewartet, dass es sowas wie ein Audiobattle gibt. Deswegen war es mir auch sehr wichtig, dass ich da gewinne, weil ich kein Freestyler bin und viel lieber Zeit in einen Text investier und sich das dann gut anhört auf einem Beat. Das ist mehr mein Geschmack.

Wer hat das veranstaltet?
Drexor: Der Online-Musikradiosender mundoatmusic. Jetzt gerade läuft glaube ich keine Sendung, aber früher ist jede Woche einmal Musik gelaufen. Da gab’s auch einen Newsflash nachdem Divinitus TV aus war. Stefan Reibenwein heißt der Typ, der engagiert sich ziemlich für die Mundartrap-Szene, da probiert er immer wieder was aufzubauen. Es gab auch Veranstaltungen, die auch sehr schlecht besucht waren, weil da einfach noch nicht so eine große Szene ist, wenn man überhaupt von einer Mundartrap-Szene sprechen kann.
Pif Paf: Generell weiß ich nicht, ob man bei HipHop in Österreich von einer Szene reden kann.
Drexor: Schau raus, dann siehst du’s eh.
Pif Paf: Das Message gibt’s auch nur noch online. Aber Gott sei Dank gibt’s es noch. Bei der letzten Print-Ausgabe ist das Design gewechselt worden und es gibt einfach nur Haterei die ganze Zeit. Über den Inhalt wird überhaupt nicht geredet, nur wie scheiße es jetzt aussieht und was weiß ich. Das ist halt auch die österreichische Mentalität: immer rumsudern, aber selber nix weiterbringen. Generell hinter dem Rücken gschissen herumreden und dann sind’s alle lieb zueinander. Wenn mir was nicht taugt, dann sag ich einfach nix dazu.
Drexor: Man kann ja auch ehrlich sein und den Typen ins Gesicht sagen, was manche hinterm Rücken sagen. Man muss ja nicht gleich ein Orsch sein und dem deppat kommen.
Pif Paf: Es ist ja auch immer ein Unterschied zwischen der Person und dem Künstler. Ich glaub Kollegah wär mir z.B. wenn ich den persönlich treffen würde nicht so wahnsinnig sympathisch, aber seine Sachen hab ich mir früher trotzdem angehört, weil das einfach Technik auf allerhöchstem Niveau ist. In Österreich gibt’s sicher auch ein paar Leute, die ich privat jetzt nicht so leiwand find, aber die Musik gut find. Aber eigentlich mag ich jeden, ich glaub sie mögen mich nicht.

Wäre eine österreichische Version vom VBT was für euch?
Drexor: Ja, voll gerne. Es war einmal geplant von Divinitus-TV, aber das hat sich aufgelöst, bevor das VBT überhaupt zustande gekommen ist.
Pif Paf: Schade, dass es das nimma gibt. Der Faca hat zumindest was gemacht und es hat sich jeder angeschaut. Ich hab die Sendungen teilweise ziemlich unterhaltsam gefunden. Ich weiß nicht, ob er der beste Moderator ist, da kann man jetzt darüber streiten.
Lex Lugner: Da merkt man, dass die österreichische HipHop-Szene keine Szene ist. Wenn jemand was macht, dann redet man über ihn, dass er wenigstens was gemacht hat.

Und du Drexor, machst auch noch was und bringst dieses Jahr dein Solo-Album heraus?
Drexor: Das geht sich nicht mehr aus, weil ich gerade an einem anderen Projekt dran bin, das kann ich leider noch nicht so groß offenbaren. Das ist mit einem Künstler, der auch aus Salzburg kommt und jetzt in Wien wohnt, wir machen sowas wie eine EP gemeinsam. Da darf sich Österreich auf jeden Fall auf eine gewisse Überraschung freuen, auch was die Feature-Gäste betrifft. Ein Hinweis noch: vor allem die Salzburger sollen Augen und Ohren offen halten, denen wird das sehr gefallen. Das wird dann in ein paar Monaten sein. Ich hab ja vorher über das Jenische geredet, es könnte sein, dass es damit stark zu tun hat. Diese Sprache hat es ja nicht nur in Salzburg gegeben, aber dort ist vor allem die Jugend damit aufgewachsen. Mittlerweile sprechen viele so. Da wird sich die Jugend sehr freuen, weil sie darin sich wiedererkennen können. Außerdem kommen bald zwei Videos von mir, ein Hanuschplatzflow-Medley und eine Nummer zusammen mit Mashox, die „Provocunt“ heißen wird.

Was hat euch eigentlich weggebracht aus Salzburg?
Lex Lugner: Es sind nicht nur wenig Einwohner, auch sonst ist das Denken sehr kleinkariert. Wenn man in Österreich bleiben will, dann gibt es denke ich nur eine Adresse und das ist Wien.
Drexor: Ich mag Salzburg schon, es kann sein, dass ich irgendwann wieder zurückziehe. Aber momentan nehme ich das mit der Musik ziemlich ernst und versuch auch hier Fuß zu fassen.

Wie siehts mit neuen Sachen von Karäil aus?
Pif Paf: Ich arbeite an neuen Dingen. Mit Slobi ist eine EP schon relativ weit fortgeschritten, die sollten wir noch dieses Jahr schaffen. Ich arbeite an Dingen, aber weiß noch nicht ob es eine EP oder was Größeres wird. Aber es ist auf jeden Fall was in Planung.
Lex Lugner: Was Releases angeht: „Bullies in Pullis 2“ kommt bald, Jazzy Dick und Crack Ignaz. Dann noch Jazzy Dick und iBols, die machen auch was sehr Geiles, so 90er Throwback-Shit. Crack Lugner kommt auch noch, also ein Projekt von Crack Ignaz und Lex Lugner.

Warum eigentlich der Name Lex Lugner?
Lex Lugner:
Das war eigentlich auch eine einghiadlte gschwächte Partie. Ich wohn im 15. nicht weit von der Lugnercity entfernt und was braucht man natürlich um einen Downsouth-Beat zu machen? Einen Lex Luger Drumkit – deswegen Lex Lugner.

Und wie kam es zu der Vinylpressung von Crack Ignaz Nummern über das Kölner Label UpMyAlley?
Lex Lugner: Der Joscha von UpMyAlley hat uns kontaktiert und gemeint, dass er das ziemlich feiert und fresh finden würde, wenn wir das auf Vinyl pressen würden. Shoutout an UpMyAlley.

Fotos: Harris

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