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Das Berlin von Österreich // Prinz Pi live

Gozpel, den Voract des heutigen Tages, verpassen wir leider. Zu lange ist die Schlange vor der Arena an diesem Samstagabend, zu viele Leute versuchen, noch rechtzeitig zum Start von Prinz Pis heutiger Show zu kommen. Immerhin haben wir uns sagen lassen, Gozpel sei großartig gewesen. Seine Instagram-Story verrät uns, vor dem Gig habe man Backstage noch fleißig „Westberlin“ von Sido gepumpt, danach „Vienna“ von RAF Camora. Immerhin sind Gozpel, Prinz Pi und seine Crew heute zu Gast in Wien.

Fotos: Philipp Detter

Die Wien-Assoziationen ziehen immer. Nachdem Prinz Pi mit „Fähnchen im Wind“ in den Abend reinstartet, erzählt er direkt, seine Uroma sei aus Wien gewesen, genauso wie sein Kollege RAF Camora aus Fünfhaus. „Wien, die Haupstadt von Österreich, also quasi das Berlin von Österreich“, meint Prinz Pi. Das Publikum applaudiert, für viele stellt das Konzert seit Jahren einen Pflichttermin dar. Dies lässt sich ebenso an der Songauswahl erkennen – ein Best-of der Prinz-Pi-Songs, wie dieser selbst sagt. Als Bühnenbild dient ein überdimensional großer Hund, in Erinnerung an seinen alten Hund Penny Lane, sagt Pi. Auch wenn er nun einen neuen Hund habe, vermisse er dennoch seinen alten Weggefährten.

Von Prinz Pi kann man halten, was man will. Viele haben ihm damals zu Zeiten von „Kompass ohne Norden“ vorgeworfen, sich an den Mainstream verkauft zu haben, kalkulierte Musik für die Teens zu machen. Mittlerweile hat Prinz Pi über all die Jahre hinweg vierzehn Soloalben veröffentlicht, zuletzt „Nichts war umsonst“. Was man Pi jedoch in jeder Hinsicht lassen muss, sind seine jahrelangen Erfahrungen sowohl in der Musik, als auch in Sachen Live-Performances. Prinz Pi weiß, welche Komplimente ein Publikum zu hören bekommen mag, in welcher Reihenfolge sein Repertoire an Songs zu spielen ist, um emotional die Crowd abzuholen. So gestaltet sich der Abend wie schon angekündigt als ein Best-of, bei Klassikern wie „Du Bist“ oder „Kompass Ohne Norden“ sind die Fans eben immer noch am textsichersten, jeder hier schreit die mittlerweile auf zu vielen Inspiration-Bildern gesehenen Songzeilen wie „Und ich schrei, was hast du schon erreicht / Du bist nur der größte Hai in deinem kleinen Teich“ mit.

Dennoch scheint Prinz Pi die Menschen hier mit seiner Musik geprägt zu haben, „Kompass ohne Norden“ ist mittlerweile sechs Jahre alt, die Tumblr-Girls und -Boys sind mittlerweile auch älter geworden, das schlägt sich sichtbar im Publikum nieder. Dass Prinz Pis Musik die Jugend vieler hier geprägt hat und einige die Musik zu Recht als Soundtrack ihrer Jugend ansehen, spricht für Prinz Pis Talent, Emotionen in Worte zu packen, Situationen malerisch und dennoch präzise zu beschreiben.

„Ich hatte eine sehr schlechte Zeit, ich war so depressiv, wie noch nie in meinem Leben. Ich bin dann ganz weit in den Norden gefahren, an einen See. Dort habe ich diesen Song geschrieben“

„Das meiste Gepäck, was ich mithab‘, ist in meinem Kopf. Die ganzen Sachen auszupacken, hab‘ ich keinen Bock / Irgendwann fließt es doch alles raus und ordnet sich, im Spiegel steht mein altes Ich mit Messer und ermordet mich“, rappt Prinz Pi und wirkt trotz all der Vorwürfe seiner Person gegenüber ehrlich und authentisch. Bei „Laura“ wird es fast schon unangenehm still in der Arena. Zu viele hier haben die Situation scheinbar schon selbst durchgemacht, wenn eine geliebte Person beschließt zu gehen. Vereinzelt sieht man Tränen in den Augen der Menschen hier, die im Lichtermeer reflektieren. „Ich wollte dich halten, doch war zu jung, war zu dumm, war zu stolz / Auf ihre Art hatten wir beide unsere Nase voll“.

Dabei ist die heutige Show keineswegs eine Versammlung melancholischer Trauender, viel eher macht hier die Mischung die Musik. Zwischen „Elfenbeinturm“ und „Rebell ohne Grund“ lädt uns Prinz Pi hier auf eine gefühlsvolle Achterbahnfahrt ein, die Stimmung reicht von Party bis Betrübnis.

Fazit: Die großen Überraschungen bleiben am heutigen Abend aus, aber das scheint man sich hier auch nicht erwartet zu haben. Prinz Pi glänzt heute in Wien mit einem durchaus soliden Auftritt, wenig könnte man an seiner Performance bemängeln. Die Songauswahl harmoniert mit den Erwartungen des Publikums, die Stimmung durchlebt im Verlauf des Abends Höhen und Tiefen. Die Melodien der Songs klingen in den Ohren der Menschenmasse nach, die sich wohlgesinnt auf den Heimweg begibt, denn wie Prinz Pi selbst sagt: „Der schönste Weg von allen ist der Heimweg“.

 

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