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Danny Brown – OLD

danny-brown-old-tracklist(Fool’s Gold/VÖ: 8.10.2013)

Stehen musikalische Kreativität und wirtschaftlicher Niedergang in einem Zusammenhang? Natürlich eine total irrsinnige Frage, aber bezüglich der Metropole Detroits fast naheliegend, schließlich erlebte kaum eine US-amerikanische Stadt einen so abrupten ökonomischen Wandel, der sich so verheerend auf die Bevölkerung und deren Lebensweise auswirken sollte. Die Krise der US-amerikanischen Automobilindustrie ließ die „Motor City“ zu einem dunklen Moloch werden, die Stadtregierung versucht verzweifelt, Aktionen zu einer Wiederbelebung der oftmals schon verwaisten Straßenzüge in Kraft zu setzen – vergebens, denn kaum einer will dort hinzuziehen, wo inzwischen Drogenbanden und andere kleinkriminelle Gruppierungen die faktische Macht übernommen haben. Wenig positives also aus D-Town – bis auf die Musik, denn die dortige Szene katalysiert die durchaus schwierigen Umstände und gedeiht – quer durch alle Genres, angefangen vom Techno hin zum Jazz über zum Rap. Ein Vertreter der Detroiter Rapschule findet sich nun auch in Danny Brown wieder, der schon auf dem ersten Blick als Spiegelbild der Stadt gelten kann: schräg, kaputt, von Drogen gezeichnet – Detroit spiegelt sich in der Figur Danny Browns wieder, der nun versucht, mit „OLD“ seinen Stellenwert als mögliches „next big thing“ zu unterstreichen. Die Top20 der Billboardcharts konnte er schon mal entern – doch wie sieht es mit der Musik aus? Wie wirkten sich die zahlreichen Streitigkeiten (u.a. mit dem Label) im Vorfeld von „OLD“ auf das Album aus? Fragen über Fragen, die es zu beantworten gilt.

Musikalisch wurde „OLD“ gekonnt abwechslungsreich gestaltet, diverse musikalische Strömungen, verkörpert von so unterschiedlichen Producern wie den Briten Paul White, Oh No oder SKYWLKR ergeben trotz der vorhandenen Unterschiede ein durchaus stimmiges Geamtbild, die zwischen Detroit Techno einerseits und klassischen, Dilla-inspirierten Instrumentals passen perfekt zu den unterschiedlichen Stimmungslagen des Danny Brown. Schließlich zeigt uns das Album eben Danny Brown aus zwei Perspektiven: in der ersten Hälfte erleben wir einen ruhigen, fast schon selbstreflexiven Rapper (besonders zu hören auf „Torture“), während in der zweiten Hälfte der „XXX“ Danny Brown zum Vorschein kommt – sprich: Ein Typ, der auf die Party, voll auf Molly, kommt und Stress ohne Grund macht.

„Wish it was what I seen on tv, I snapped outta that
Unc beating on my auntie
Gunshots outside was sorta like fireworks
We know they ain’t fireworks, its december 21’st
Cold winter with a kerosene heater on the couch so cold
Can’t take off your sneakers“

(Danny Brown in „Torture“)

vs.

„Gotta get away, to escape, I smoke this kush to the face
Gotta get away, get away, I think I need to pray
Please oh Lord, oh Lord, I need your help again
Took too many pills, and I think I hear my heart beating
Taking over those chances, honey backwoods stuffed with that grammy
My ho blowing that powder, mixing liquor with them xannies“

(Danny Brown in „Smokin‘ and Drinkin'“)

Danny Brown beleuchtet also sein Leben in „OLD“ aus zwei unterschiedlichen Standpunkten bzw. wir sind dazu eingeladen, den Rapper von zwei Seiten kennenzulernen. Eine interessante Idee, die auch gekonnt umgesetzt wird, schließlich wirken beide „Danny Browns“ authentisch – man nimmt ihm schlichtweg einfach alles ab. Für weitere Abwechslung sollten schließlich auch Features von gehypten Typen ala ScHoolboy Q, Ab-Soul oder A$AP Rocky sorgen, doch wirklich zwingend (obwohl sie alle ihre Sachen ordentlich machen) hätte man keines gebraucht. „OLD“ ist ganz klar Danny Browns eigene Showbühne, daran besteht keine Sekunde der geringste Zweifel.

„But in the end I’m just a dirty old man/With a pill in my mouth and my dick in my hand“ meint Danny Brown in „ODB“. Tja, sei’s drum, eines ist er gewiss: ein richtig starker Rapper. Und wenn er schlußendlich darüber sinniert, ob er jemals alt wird (ist 32 nicht eigentlich schon alt?), möchte man ihm am liebsten alle Pillen wegnehmen – quasi der Pete Doherty Reflex, denn die meisten wären echt traurig, wenn ein Rapper seines Kalibers unvolllrichteter Dinge von uns gehen würde. Danny Brown hat mit „OLD“ nicht nur ein typisches Bild von Detroit gezeichnet (und hiermit ein Klassealbum abgeliefert), vielmehr ist er schließlich selbst Detroit – durch und durch.

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(thomki)

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