Coup und die Frage: „Deutschrap, wie hast du’s mit der AfD?“ // Audio

Mit "AfD" gelingt Haftbefehl und Xatar kein Coup
Mit „AfD“ gelingt Haftbefehl und XATAR kein Coup

Pünktlich nach Ramadan geben Haftbefehl und XATAR, gemeinsam als Coup unterwegs, die ersten Tonspuren aus ihrem Projekt „Der Holland Job“ der Öffentlichkeit preis. Nachdem die bisherigen Promoaktionen eher als Reinfall zu werten sind (etwa die Idee, sämtliche Social-Media-Accounts zu löschen, um diese wenig später, weil das Echo ausblieb, zu reaktivieren), soll es der Titel der ersten Single richten. Der nennt sich nämlich „AfD“. Eine Anspielung auf die rechtspopulistische deutsche Partei, die jedem anständigen Demokraten einen kalten Schauer über den Rücken jagt – man denke dabei nur an die Twitteraktivitäten von Beatrix von Storch, den „Boateng-Sager“ von Alexander Gauland oder die antisemitische Agitation eines Wolfgang Gedeon. Erschreckend, dass diese Partei trotzdem Werte um die zwölf Prozent in den Umfragen zur Bundestagswahl vorweisen kann. Gute Gründe also für eine inkludierende Subkultur wie HipHop, seine Stimme gegen diese Partei und deren Weltbild zu erheben.

Leider funktionierte das bei den bisherigen Versuchen nicht wirklich. Eko Fresh wirkte zwar bemüht, verzettelte sich in seinem A cappella aber in leeren Phrasen oder in Widersprüchen – der AfD Homophobie vorzuwerfen und selbst Begriffe zu verwenden, die als solche gewertet werden können, passt nicht zusammen. Auch Al-Gear und Bass Sultan Hengzt nannten einen Track kürzlich „AfD (Abschiebungsanthem)“, wobei deren musikalisches Werk wenig mit einer reflektierten politischen Auseinandersetzung gemein hat. Im Gegenteil: Al-Gear und Bass Sultan Hengzt erwähnten nur die Abschiebewünsche der AfD in der Hook – im Neudeutsch nennt man so etwas Clickbaiting. XATAR und Haftbefehl können es eigentlich nur besser machen. Da politische Tracks jedoch nicht die Stärke dieser beiden sind, überrascht das halbgare Resultat, dem es schon am Beat krankt, wenig. Textlich reihen XATAR und Haftbefehl nicht nur diverse Stammtischparolen – mit mehr oder weniger Ironie ausgestattet – gegenüber Flüchtlingen aneinander, sondern sprechen auch die hiesige Doppelmoral an. Nach dem Motto: Egal was schiefläuft, der Flüchtling war’s. Aber wenn er die Drecksarbeit übernehmen soll, ist er gut genug. Natürlich existieren Exemplare der Gattung Mensch, deren Welt nach genau diesen Denkmustern verläuft. Und manche von denen finden Zuflucht im Weltbild der AfD. Das ist traurig. Aber macht den Coup-Track nicht besser, dem es fernab des Offensichtlichen an inhaltliche Tiefe mangelt. Lyrisch sehr billig und mehr auf dem Niveau eines Freetracks für 800.000 Facebook-Likes als auf einer ersten Single für ein stark beworbenes Kollaboalbum gehalten. Enttäuschend, denn Nummer wie „AfD“ sind nicht das erwünschte Resultat der Brainstormingsessions von Haftbefehl und XATAR. Die Mafiafilme im Deutschrap-Format kommen hoffentlich noch. Sonst könnte sich der Coup als ziemliches Verlustgeschäft entpuppen.

Ihr habt alle miese Zeiten – der Flüchtling ist dran schuld
Silvesterschlägereien – der Flüchtling ist dran schuld
Deine Ex‘ Scheide zu locker – der Flüchtling ist dran schuld
Doch sucht ihr Ein-Euro-Job, wird ein Flüchtling gesucht

– XATAR, „AfD“

P.S.: Das Parteiprogramm der AfD bietet einiges an Material, das sich gut in einem Raptext thematisieren lässt. Nur als kleiner Tipp.

„Der Holland Job“ erscheint am 12. August. Live kann man die beiden beim HipHop Open Austria in Wiesen am 23. Juli erleben.

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