Chilla Jam

Abwechslungsreiches Programm, skurriles Ende // Chilla Jam

Chilla Jam
Breakdance-Cypher bei der Chilla Jam. Fotos: Matthias Schuch

Auch bei der dritten Ausgabe der Chilla Jam seit dem Comeback Ende 2017 steht das Motto „Connecting HipHop People“ im Vordergrund. Das vom Verein Oida und GG Chillmasta initiierte Programm bietet diesmal eine besonders große stilistische Durchmischung, einige „Camps“ werden bedient. So wechseln sich im 30-Minuten-Takt Acts mit teilweise gänzlich verschiedenen Herangehensweisen und Sounds ab – kein Wunder also, dass mit den Wechseln auch häufig ein rundum erneuertes Publikum einhergeht. Der Viper Room leert sich zwischenzeitlich also nicht nur aufgrund des strikt umgesetzten Rauchverbots, sondern auch wegen der großen Diversität der Auftretenden. Dass es zeitweise zu quasi in einer leeren Location spielenden Acts kommt, ist schade, erscheint aber unvermeidlich.

Eine beachtliche Zahl an Leuten mobilisieren konnten etwa die drei Wiener Bänger Knaben bei ihrem allerersten, dafür sehr abgeklärt wirkenden Auftritt – ein starker Start mit Turn-Up-Charakter, ergänzt durch eine mitfeiernde Meute. Dr. Punani, Fancy Felicious und Unxund stützen sich auf ihr im Jänner erschienenes Debütwerk „Betoniert“, bei dem der Wien-Bezug permanent durchschimmert. Während „Sommer in Wien“ in Ansätzen an die von Jazz und Funk geprägten Sound der in den 00er-Jahren aktiven Formation DeWieners erinnert, liegt der Fokus sonst eher auf humoristisch gehaltenen Trap-Nummern wie „Beton“.

Mit dem härteren Street-Style der „Wien 10, Wien 19 und Steiermark“-Formation DäniX, Ghosta & Überblick kann hingegen kaum ein Besucher etwas Anfangen. Binnen weniger Augenblicke ist die Location fast komplett entvölkert, bestimmt keine einfach zu meisternde Situation für die drei Rapper. Obwohl es bis zum Ende ihres Auftritts kaum Zuhörer gibt, bemühen sie sich um eine annehmbare Performance. Auf eine kleine Breakdance-Cypher, die mittlerweile einen Chilla-Jam-Fixpunkt darstellt, folgt Alice D. Die junge Rapperin erhält Unterstützung vom 808-Factory-Kollegen Babu – diesmal quasi ein junger DJ Babu – einer etwas unroutinierten Back-up-Rapperin sowie einer bunten, jungen Hörerschaft. Sie legt einen energischen Auftritt hin und fällt dabei durch eine Abwechslungsreichtum, verbesserte Englisch-Ausprache sowie sympathische Zwischenmoderationen auf. Zum Abschluss zeigt sie ihre Skills auch bei einem deutschsprachigen Track.

Die Mostheadz verkürzen kleine (Rauch-)Pause eigenmächtig und legen einfach los – sie verzichten also auf eine Ankündigung sowie gefühlt 90 Prozent der Besucher. Zu Beginn ihrer vor der Bühne performten Show kommentiert Woldow süffisant die zweite Abwanderungswelle: „Super, dass da alles so schön zamkommt – außer Raucher und Nichtraucher.“ Auch in einer bei den ersten Tracks erneut fast leeren Hütte liefern sie voll ab, zeigen sich energiegeladen und beweisen MC-Charakter. Neben Auszügen aus „Direkt aus der Brennerei“ und dem Kardinal-Kaos-Soloalbum „Da Goidane Beasch“ widmen sich die technisch versierten, auf 90er-Jahre-Boombap-Sounds spezialisierten Rapper auch Classics wie „Gnackwatschn“ sowie ein paar Freestyles – Woldow auch ungeplant, nachdem er einen älteren Part vergessen hat.

Dass das Quartett Huhnmensch & der böse Wolf zum Schluss vor einer nett gefüllten Location auftreten darf, stellt den Rapper Huhnmensch vor ein kleines Problem. Aufgrund der vorherigen Leere hat er sich mittels Einverleibung einiger Drinks auf einen tristen Gig eingestellt und wirkt trotz behaltener Textsicherheit gut beschwipst. Die Show stiehlt ihm aber eine schwankende, auf die Bühne gekraxelte Besucherin, die fortan als „Huhnfrau“ fungiert. Das „neue Bandmitglied“ sorgt für permanenten Wirbel und Erheiterung, schneidet Grimassen, fordert Mics ein und zeigt mehrmals ihren „Kollegen“ den Mittelfinger. Ein skurriler Anblick. Huhnmensch, Böser Wolf und Emil F. sowie Stanley Stiffla hinter den Decks nehmen es locker, liefern Auszüge aus ihrem mittlerweile ziemlich großen gemeinsamen Song-Repertoire – wie immer ein erfrischender, routiniert gestalteter Auftritt, bei dem es nicht viel zu meckern gibt. Die regelmäßige Interaktion zwischen den Rappern und der Huhnfrau haben der Show aber einen ziemlich skurrilen Charakter eingebracht. Zum Ende erhält die Bühnen-Troublemakerin sogar ein Mic – und komplettiert mit einem gelallten Abschluss“track“.

Fazit: Dass kein anderes HipHop-Event in Wien eine vergleichbare Durchmischung von Styles, Subgenres und Besuchern bietet, macht die Chilla Jam zu einer besonderen – und wichtigen – Reihe. Das Motto „Connecting HipHop People“ war auch bei der jüngsten Ausgabe Programm – erneut hat eine Vielzahl an Acts für einen abwechslungsreich gestalteten, weitgehend harmonisch verlaufenen Abend gesorgt. Die menschenleeren Phasen zwischendurch sind bei der Kombination aus einem breit gefächerten Programm und dem striktem Rauchverbot eben kaum vermeidbar.

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