Carlos Reise zu sich selbst // Cro live

Alle Fotos: Christian Messner || www.cmphoto.at

Die Stadthalle sieht so gut wie ausverkauft aus, als die ersten Funksprüche durch die Halle hallen. À la Apollo 13 wird die Startsequenz in schriller, verzerrter Stimme heruntergezählt und ein leichtfüßiger Cro springt unter Geschrei der Menge auf die Bühne. „Hey Kids, ich bin Carlo“ – und so nimmt uns Cro mit auf seiner langen Reise von den Beginnen rund um „Raop“ bis zum neuen, dritten Album „tru.“

Seine Band instrumentalisiert verspielt die Beats und die beiden Sängerinnen untermalen die Tracks mit einer Würze R’n’B. Und Cro? Der schlendert von A nach B, mal vorne, mal hinten, mal auf seinem kleinen Planeten in der Mitte der Bühne. Er wirkt wie ein kleiner Junge, der auf seinem Lieblingsspielplatz vor sich hin singt. Doch das mit dem Singen macht er wirklich gut und an den meisten Stellen helfen sowieso Autotune und das Publikum lautstark nach. Cro rappt, singt und witzelt rum, während er seine Fans durch den Hit-Katalog führt. „Bad Chick“, „Du“ und eine Handvoll der klassischen Rap-meets-Pop-Songs, machen klar, warum Cro die vergangenen Jahre nach „Easy“ viel im Radio stattfand. Das ist unterhaltsam, hält aber neben den neueren Songs wie „forest gump“, „Computiful“ oder dem groovy „noch da“ nicht stand.

Ebenso können die beiden Gäste nicht mit Cro’s Niveau mithalten und wirkt vor allem Danju’s „Meine Gang“ etwas matt neben dem Superstar. Doch der darauffolgende „Baby, mach dir nie mehr Sorgen …“-Ruf wird lauthals vom Publikum aufgenommen und das Set nimmt wieder Fahrt auf. Nach zwei Zugaben mit Cro am Piano für den neu erschienenen wavy Track „Victoria’s Secret“ und mit dem allbekannten Bobby-Hebb-Sample, das den Panda mit „Easy“ zum Star machte, gehen die Lichter aus und ein Haufen Jugendlicher mit Eltern verlassen mit aufgeregten Gesichtern die Stadthalle.

Fazit: Cro hat mich nie sonderlich tangiert. Natürlich kennt man „Easy“, seit es 2011 ganz Facebook überschwemmt hat. Doch dann war Cro lange als das gebrandmarkt, was er selbst erfunden hat: Raop. Ja, das feiern halt die Kids. Aber sieben Jahre später feiern das die Kids immer noch. Und die Kids von damals, die jetzt keine Kids mehr sind. Und mit dem neuen Album „tru.“ hat er auch meine Aufmerksamkeit bekommen. Die Produktionen stechen heraus und auch melodiös und textlich ist Cro angekommen, wo er wirklich hinwollte. Was bleibt, ist ein Superstar, der sich ein klein wenig neu erfunden hat, dem aber noch der Schatten seiner Pop-Karriere nachjagt. Aber solange er weiter Songs wie „Victoria’s Secret“ macht, mache ich mir wenig Sorgen.

Auch live hat sich das bewiesen. Ja, die alten Tracks sind Hits, auch wenn ich nichts damit anfangen kann, aber die neuen Tracks sind reifer, durchdachter und auch liebevoller ausproduziert. Gepaart mit seiner charmanten, leicht arroganten und kindlichen Art war das auch live zu merken. Ein wirklich beeindruckendes Konzert, wollte ich einfach mal gesehen haben.

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