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„Maasnbriada“ mit Westcoast-Faible // BumBumKunst & Skero Interview

Am 29. August haben BumBumKunst & Skero ihr Album „Maasnbriada“ veröffentlicht. Schon das Cover deutet an, in welche Richtung es geht. Es ist angelehnt an das des Albums „The Chronic“, mit dem Dr. Dre 1992 den Westcoast-Sound nachhaltig geprägt hat. Ihr gemeinsames Album haben die beiden Mundartrapper als Liebeserklärung an die in Kalifornien dominierenden HipHop-Klänge konzipiert – von G-Funk aus L.A. bis hin zu Hyphy aus der Bay Area.

Am Releasetag haben BumBumKunst & Skero das Album bei einer Sondersendung von FM4 Tribe Vibes im Wien Museum live vorgestellt – hier nachzuhören. In den Ausstellungshallen, in denen noch bis Sonntag die Street-Art-/Skateboarding-Ausstellung „Takeover“ läuft, haben die „Maasnbriada“ vor einer kompakten Crowd gespielt. Im Vorfeld ist unser Interview entstanden. In diesem sagen die beiden, von welchen Westcoast-Rappern sie sich am meisten inspiriert sehen, was den Flavour ausmacht und wie sich der Cali-Sound mit Mundartrap aus der Linzer Hacklerperspektive vereinen lässt.

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Fotos: Daniel Shaked

The Message: Wann hat sich eure Leidenschaft für Westcoast-Rap entwickelt?
Skero:
Ich bin gleich aufs erste N.W.A.-Album reingestürzt.
BumBumKunst: Bei mir war es eher Ice Cube.
Skero: Obwohl der richtige Westcoast-Sound erst mit „The Chronic“ angefangen hat, mit den Moogs und den „Gösn“-Sounds. Aber ich habe abgesehen von der Eastcoast  immer schon viele Southside-Sachen wie Geto Boys gehört. Der melodiöse, funkige HipHop hat mir am meisten getaugt.
BumBumKunst: Mir hat eigentlich immer beides getaugt. Ich bin auch mal voll auf E-40 und die Hyphy-Sachen reingekippt. Die haben mit ihren Autoshows etwas Neues aufgemacht, sich alle Ecstasy und sonst was reingehaut. Dieses Thizzing und das ganze Hyphy-Movement war in den 00er-Jahren recht progressiv.
Skero: Bone Thugs-N-Harmony haben mich auch immer voll geflasht, weil jeder von ihnen einen ganz eigenen Style gehabt hat. Ich glaube Eazy-E hat die damals entdeckt.

Welche Rapper und Alben aus der Ecke haben euch am meisten fasziniert?
Skero:
Für mich ganz klar „The Chronic“ von Snoop Dogg und Dr. Dre, damit ist dieser definierte Westcoast-Sound entstanden. Auch das Snoop-Dogg-Album danach („Doggystyle“, Anm.). Dann bin ich wieder mehr in die Eastcoast-Ecke reingekippt.
BumBumKunst: Bei mir eher Boo-Yaa T.R.I.B.E., aber auch Ras Kass.
Skero: Oder Kid Frost. Der war in den 90ern paar Mal in Wien und hat ein geiles Konzert in der Szene gespielt. Er hat seine Großfamilie mitgenommen, ist mit seinen Chicanos abgehängt und war dann länger da.

Wie habt ihr die Sachen zum ersten Mal mitbekommen und gehört?
Skero:
Der Hartlauer in Linz hat einen guten Einkäufer gehabt, es hat viele HipHop-Sachen gegeben. Flip und ich sind im Nachhinein draufgekommen, dass wir die Platten immer gegenseitig voreinander versteckt haben (lacht). Ich habe meistens keine Kohle gehabt, habe die Platten irgendwo hinten reingegeben und er hat es auch immer so gemacht. Irgendwann war sie weg und ich habe mich gefragt: ‚Wer hot ma die jetzt scho wieda wegkauft?‘
BumBumKunst: Und die eigenen Platten immer ganz nach vorn gestellt (lacht).
Skero: Mein Bruder war auch sehr musikaffin, er hatte schnell was von Kurtis Blow und Co. Irgendwann waren wir im WOM in München, einem riesigen Plattengeschäft, das hat es alles gegeben. Davon haben wir immer geträumt. Wir haben dort volle Wäsch eingekauft. Vor allem nach Cover, das hat man damals auch machen können. Bei Boogie Down Productions habe ich mir gedacht: ‚Geil, die sind mit Handgranaten am Cover!‘ Im Gangstarap zum Beispiel N.W.A., die völlig abgefuckt irgendwo im Ghetto in den Jogginghosen rumstehen und sich neben Stöckelschuhen am Boden einen abposen.

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Hast du die N.W.A.-Platte wirklich nach dem Cover gekauft?
Skero:
Na, da habe ich die zweite gekauft. Dann habe ich gesehen, dass es noch eine gibt und die habe ich dann ungeschaut gekauft. Die ist eigentlich noch trashiger (lacht).

Ab wann würdet ihr sagen, dass euch der Style musikalisch beeinflusst hat?
Skero:
Ice-T hat mich sehr inspiriert. Sein erstes Album auch in München gekauft, weil ich das Logo mit der Uzi so geil gefunden habe. Wobei das noch vor „The Chronic“ war.
BumBumKunst: Ich finde, dass Boo-Yaa T.R.I.B.E. schon einen ziemlichen L.A.-Sound mit Moogs gehabt haben. Das war halt noch mit Liveband.
Skero: Aber die richtig expliziten Texte sind ab N.W.A. gekommen.
BumBumKunst: Der ganze Gangbanger-Shit eigentlich. N.W.A. waren im Vergleich dazu wieder ziemlich politisch.

Habt ihr auch Parliament, Funkadelic und weitere Bezugspunkte von Dr. Dre angehört?
Skero:
Mein Bruder hat etwas von George Clinton herzaht, aber da bin ich nicht so oag reingekippt. Es war mir damals noch zu weird.
BumBumKunst: Für so Hardcore-Funk-Sachen braucht man glaube ich ein gewisses Musikverständnis. Das kann einem 14-Jährigen schwer taugen, da hat man glaube ich noch nicht so ein geschultes Ohr.

BumBum, du hast auf „Maasnbriada“ alles produziert. War der frühe Dr. Dre dein Haupteinfluss?
BumBumKunst
: Ich habe mich schon bemüht, es vielseitig zu gestalten. Zum Beispiel beim Remix von „Ansatisch“, der mehr in die Hyphy-Richtung geht. Aber mir taugen die klassischen Moog-Sounds sehr – und, dass im Vergleich zum New-York-Sound alles offener ist. Die Melodien sind uplifting und nicht so düster. Im Vergleich zu meinem jüngsten Soloalbum („November Reign“, Anm.) sind die Beats um einiges heller.

Hast du dir beim Produzieren als Inspiration viel durchgehört oder war das eher aus dem Bauch heraus?
BumBumKunst:
Das habe ich schon viel, einfach als Inspirationsquelle. Ich höre es mir kurz an und denke mir: ‚Ah, des ist da Flavour und des san de Harmonien.‘ In den 90ern hätte man mir gleich Biting vorgeworfen. Aber es klingt eh trotzdem immer nach dir, weil immer etwas Eigenes reinkommt. Man hört es ja als Inspiration und bitet nicht eins zu eins. „L Funk“ war halt wirklich eine Reminiszenz, da hört man den klassischen Dr. Dre sicher deutlicher raus als auf dem Album.

Wie viel Spaß hat dir das Produzieren gemacht?
BumBumKunst
: Wenn man den Flavour mal gecheckt hat, geht es voll dahin. Wichtig ist, dass du weißt, wie du die Sounds und die Synths machen kannst. Das meiste habe ich selbst eingespielt.
Skero: Am Vocoder sind wir wieder gescheitert, der ist gar nicht so leicht zu bedienen. Es ist schwer, da verständliche Sätze rauszubringen.

Ihr habt 2015 den Track „L Funk“ gemacht, der quasi der Startschuss war. Wer hatte wann die Idee fürs Album?
Skero:
Das ist auf Kunstis Mist gewachsen. „L Funk“ war eigentlich noch älter. Kunsti wollte sie eigentlich nicht rausbringen, weil sie zu oag an Dr. Dre angelehnt war. Ich habe gesagt: ‚Scheiß drauf, i nimms!‘
BumBumKunst: Da habe ich schon einen Part gehabt. Die Nummer ist kurz nach „Da Eisbär“ entstanden. Dann hat er mal Beats gepickt und ich habe sie ihm gezeigt. Wenn man es als Hommage sieht, ist es eh wieder ok.

Skero, wie leicht ist dir der Singsang und die andere Intonation gefallen?
Skero:
Es war eher vom Flow her eine Herausforderung, aber das hängt mit den Beats zusammen. Ich bin draufgekommen, dass sich meine Stimme für diese Richtung ganz gut eignet. Ich probiere flowmäßig immer, genau auf den Beat zu schreiben. Meistens kann man auch die Texte gar nicht so über einen anderen Beat rappen. Ich spiele mich da gerne. Es gibt so viele MCs, die über jeden Beat genau mit dem gleichen Flow und oft demselben Inhalt rappen. Das finde ich langweilig. Ich versuche da immer, mich selbst nicht zu langweilen.

Auf „Ostcoast“ und „Soo Gangster“ gibt es einige Seitenhiebe gegen Rapper, die den US-Gangster-Lifestyle nachahmen wollen. Ist das für euch etwas, das sich nicht authentisch nach Mitteleuropa übertragen lässt?
Skero:
Ich habe nichts dagegen, wenn man Gangstarap herbringt, aber man sollte sich nicht einbilden, dass man dieselben Lebensrealität wie die Gangsta in L.A. hat. Sicher sind auch in Amerika nicht alle Rapper wirklich oage Gangster, aber bei uns gibt es immerhin Waffengesetze und ein Sozialsystem, das sind ganz andere Voraussetzungen.
BumBumKunst: Zumindest in Österreich. In Deutschland lasse ich mir es noch eher einreden, aber ganz vergleichen kann man es nie. Es war trotzdem immer schon das Ding von Mundart-Rap und dem Tontraeger-Camp, bisschen auf die Leute hinzuhauen, die das eins zu eins übernehmen wollen. Das kann man nicht ernst nehmen. Man kann authentisch bleiben, wenn man Stilmittel übernimmt, aber man muss nicht auch textlich alles kopieren.

War es euch wichtig, als Kontrastpunkt die Linzer Realität und die Hacklermentalität stark einzubauen?
Skero:
Es ist viel aus der Hacklerperspektive, weil Linz voll die Hacklerstadt ist. Wir haben uns das nicht unbedingt vorgenommen, aber es kommt für mich schon stark raus. Dieses „Vo nix kummt nix“ und so.
BumBumKunst: Für mich war das eher darauf bezogen, dass eine Musikerkarriere nicht für immer ist. Auch wenn man nur Musik macht, stimmt das schon. Es ist ja wirklich harte Arbeit.
Skero: Es ist vielleicht ein Gegenkonzept zu dem, was gerade üblich ist. Dass alle tun, als würde es die Millionen nur so reinschwappen. Das ist natürlich nicht unsere Lebensrealität.
BumBumKunst: Wobei ich glaube, dass auch viele Amis Videos mit Fake-Bling-Bling drehen. Es ist ja zu einem großen Teil nur Schein. Das habe ich nie verstanden. Warum habe ich es nötig, mir ein Auto oder eine Kette auszuborgen? Wir uns zwar auch für ein Video bei einem Freund ein Auto ausgeborgt, aber wir lassen es nicht so ausschauen, als wäre es unseres und sitzen dann hinten.
Skero: Da geht es mehr um die Persiflage, es ist ja kein Luxusauto.

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Die Westcoast-Rapper hat sich auch darüber eigene Identität erschaffen, was das Bild, den Sound und die Attitüde angeht, auch wenn vieles überzeichnet ist. In Deutschland und Österreich gibt es das nicht in dieser Form. Geht es auch darum, eine gewisse Identität und Authentizität als österreichische Rapper zu schaffen?
BumBumKunst:
Das wäre schön. Als ich zum Produzieren begonnen habe, bin ich auf Reggaeton und viele andere Sachen reingekippt. Die haben alle ihren eigenen Stil. Wenn du den Beat hörst, weißt du sofort, wo das herkommt – auch bei New-York-Rap, Houston-Rap und so weiter. Ich habe mir immer wieder Gedanken gemacht, was man machen könnte, damit man weiß: Das ist Rap aus Österreich. Das gibt es wirklich nicht. Aber es fehlt wohl an der gelebten Kultur. Bei den Westcoast-Sachen fließen immer voll die Funk-Geschichten ein – Dr. Dre war glaube ich selbst mal in einer Funkband –, in New York ist es mehr der Soul.
Skero: Auf Mundart ist man eh schon dazu gezwungen, anders zu flowen und zu rappen. Vielleicht ergibt sich diese Identität einfach mehr über die Sprache. Vom Style her ist es schwer. Was ist eigenes aus Österreich gekommen? Mir fallen gerade einmal die Krocha ein (lacht). Aber wuascht, wo etwas herkommt, Hauptsache es ist leiwand und funky. Es lassen sich immer verschiedene Kulturen zusammenführen, aus denen neue Sachen enstehen. 

Denkt ihr, dass diese Sound-Identität über das Samplen von volkstümlichen Elementen, Wienerliedern und ähnlichen Richtungen entstehen könnte? Skero, du hast dich da neben Kreiml & Samurai oder A.geh Wirklich? als einer der wenigen Rapper drübergetraut.
BumBumKunst:
Aus Produzentensicht scheitert es vielleicht daran, dass man aus einem Wienerlied-Sample schwer einen Banger machen kann und es nicht leicht ist, daraus eine HipHop-Identität und ein klassisches Klangbild zu generieren.
Skero: Ich wollte eh immer schon eine Nummer machen, bei der wir jodeln (lacht). Ich habe immer wieder etwas probiert. „Künstler“ ist zum Beispiel ein versuchter Spagat zwischen HipHop und Wienerlied. Auch für den Mundl-Track habe ich ein Wienerlied-Sample herzaht. Ich glaube aber, dass die österreichische Seele noch immer vernarbt vom 2. Weltkrieg und dem Runterschmelzen vom riesigen Reich zum kleinen Land ist. Das hat unsere Kulturgeschichte ziemlich gebeutelt. Die Leute, die glauben österreichische Volksmusik zu hören, haben meistens auch null Ahnung. Die sitzen dann vielleicht beim Wiener Oktoberfest mit einer Lederhose, die sie in China gekauft haben und hören Volksmusik auf Hochdeutsch. Dann glauben sie, sie hätten die österreichische Identität gefunden. Insgesamt ist die Volksmusik bei uns wohl nicht so präsent wie in Jamaika Reggae oder bei den Amis Soul und Funk. Das wird dort mehr gelebt. Wenn ich auf eine Berghütte gehe, sitzt da vielleicht ein Typ, der auf der Ziehharmonika spielt, aber in der Stadt siehst du keine Wienerlied-Sänger, die auf der Straße spielen.
BumBumKunst: Es hat sicher damit zu tun, dass es nicht als cool gilt und es oft mit Nationalstolz verbunden wird. Ich glaube, dass man textlich immer wieder unbewusst etwas einbaut, das dem Volkstümlichen ähnelt.

Habt ihr euch beim Album abseits des Westcoast-Bezugs bestimmte Vorgaben gemacht?
Skero:
Kunsti macht sich zum Glück nicht so viele Gedanken über die Sachen, sondern legt dann einfach los. Das war allgemein immer schon eine Stärke von Linz.
BumBumKunst: Das Westcoast-Ding ist sicher ein cooler Aufhänger, aber im Prinzip haben wir alles recht schnell gemacht. Nach paar Monaten waren wir fertig. Es war ein sehr impulsives Schaffen.
Skero: Wir haben auch wenige thematische Nummern, es geht mehr ums Flavourn. Aber ganz können wir das Hirn eh nicht ausschalten. „Es wird scho guad werdn“ oder „24/7/4020“ sind schon deepere Nummern.
BumBumKunst: Ich muss sagen, dass ich nie ein großer Fan von Konzeptnummern war, bei denen man vorher groß überlegt, worüber man rappt. Ich schreibe lieber drauflos und schaue, wohin es führt. Oft weiß ich erst nach der Hälfte, worum es in der Nummer geht. Mir taugt es eh, wenn die Leute etwas reininterpretieren.

Ist das ein Zugang, der prädestiniert für den Westcoast-Sound ist? Dass der Vibe eine große Rolle spielt und es weniger aufs Textliche zentriert ist als zum Beispiel beim New Yorker Boombap?
Skero: Ja, wahrscheinlich. Mir hat bei den Westcoast-Rappern immer schon getaugt, dass sie viel Style, Funk und Flavour haben. Funk ist für mich überhaupt ein Begriff wie „Schmäh“. Das spürt man oder nicht, aber man kann eigentlich nicht beschreiben, was es ausmacht. Vielleicht sind die Westcoast-Sachen insgesamt oberflächlicher und mehr durch Melodien ansprechend. Wobei Kendrick Lamar wieder die Antithese wäre, wenn wir vom Textlichen reden.

Wart ihr schon mal in Kalifornien?
Skero: Na, ich nicht.
BumBumKunst: Ich auch nicht.

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