Zwischen Hexenkessel und Großstadtlethargie // Brenk Sinatra & Morlockk Dilemma live

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Fotos: Moritz Nachtschatt

Das Flex Café ist etwa zu zwei Dritteln gefüllt, als Brenk Sinatra und Morlockk Dilemma deutlich verspätet aber gut gelaunt die Bühne betreten. Keine großen Reden, kein übertriebenes Geplänkel, das Publikum wird kurz begrüßt und dann direkt bespittet. Neben einigen Nummer von der gemeinsamen Doppel-EP „Hexenkessel“, wie etwa „Der Sauresgeber“ und „Kopfnuss“, gibt es auch das ein oder andere Schmankerl von den „Eiserner Besen“-Alben, wobei „Napalmregen“ in Sachen Intensität und Publikumsreaktion heraussticht. Auch wenn das Projekt mit Brenk persönlicher und auch abgründiger daherkommt, als vorangegangene Platten, wird in erster Linie eine Battle-Rap-Show geliefert, was bei Delivery und Reimkettendichte wenig verwunderlich ist, auch wenn der ein oder andere Track, auch laut Morlockk selbst, nicht ideal für Live-Auftritte scheint. Dass die Stimmung, die bei der ausverkauften Show im März herrschte, nicht erreichbar ist, wird beim Andrang im Flex Café schnell klar.

Nach anfänglichem Abtasten erlauben die beiden verdienten Künstler, sich etwas mehr vom Publikum zu erwarten. Dieses gibt sich in Folge auch Mühe, wobei man nicht um das Gefühl herumkommt, dass die Erwartungshaltung auf beiden Seiten nicht ganz erfüllt werden kann. Klar, die beiden Veteranen legen ein grundsolides Set hin, Morlockk spittet gut verständlich durch und Brenk macht keine Fehler an den Decks, aber irgendwie hätte man sich von dieser Kombination schon ein wenig mehr erwartet. Etwa eine kurze Betty-Ford-Boys-Einlage von Brenk oder einen alten Morlockk-Track auf neuen Brenk-Beat. Überraschungen und „Zuckerln“ dieser Art gibt es allerdings nicht, dafür noch einiges mehr von „Hexenkessel“.

Für das letzte Drittel wird nochmal kräftig in der Diskografie des Leipziger Rappers gewühlt: „Happy Birthday Dilemma“, „Ein Job für die Bestesten“ und vor allem „Mike“, indem es um Morlockks siamesischen Zwillingsbruder geht“, erfreuen die langjährigen Fans und Kenner und hinterlassen dank lyrischer Tiefe und starker Interpretation einen bleibenden Eindruck. Zudem gibt es noch Shout-outs für Karate Andi, Hiob, sowie Audio88 & Yassin und mit „Die Drinks“ den „Funkiesten Beat des Abends“, der Crowd nochmal richtig in Bewegung bringt.

Dann verlautet Dilemma, dass es jetzt Zeit wäre, „Zugabe-Chöre“ anzustimmen und verschwindet hinter der Bühne, was hier und da einen schiefen Blick erzeugt, aber ansonsten brav vom Publikum aufgenommen wird, und so gibt es noch ein großes Finale. Zunächst verliert Morlockk ein bis zwei Halbsätze zur politischen Situation in seinem und Brenks Heimatland, um „Steinewerfen“ einzuleiten, und schlussendlich gibt es mit „Cognac“ in Wrestleruniform und Maske ein würdiges Ende einer unterm Strich starken, aber nicht außergewöhnlichen Show.

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