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Beenie Man Interview

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Der selbsternannte “King of the Dancehall” brachte am 25. August 2006 sein neuestes Album “Undisputed” auf Virgin Records heraus. Wir sprachen mit Beenie Man über seine Produzenten, seine Roots und sein Superstartum.

TM: Dein neues Album betreffend, wie viele Produzenten waren darauf beteiligt oder reduzierte es sich mehr auf einen Speziellen?

Nicht wirklich. Das Album wurde exklusiv von Virgin Records produziert aber die arbeiten eigentlich ständig mit verschiedenen Produzenten zusammen. Wir sind noch immer dabei das Album fertig zu stellen und erst dann wird man wissen welche der Produzenten letztendlich ausgesucht wurden. Ich weiss von Tony Kelly, Scott Storch, Shocking Vibes and Don Corleon.

Hat Virgin Records dir die Produzenten vorgeschlagen?

Nein, das Album ist mein Album und ich arbeite mit denselben Leuten mit denen ich bisher immer gearbeitet habe. Virgin hilft mir nur dabei mit jenen schneller in Kontakt zu kommen.

Also hast du bei der Auswahl der Produzenten die gleiche Freiheit wie bei der deiner Texte?

Was man will macht man. Wenn ein Label dich einmal deines Talent wegens signed hast du die Möglichkeit dieses Talent frei auszuleben. Du kannst alles tun und sagen wovon du je geträumt hast und das durch die Musik.

Wer waren deine Lieblingsproduzenten in den vergangenen Jahren?

Einer meiner Lieblingsproduzenten war Jermain Dupri. Dann noch Troyton von Black Shadows und ich natürlich.

Gibt es einen Wunschkandidaten mit dem du aufnehmen möchtest oder freust du dich auf eine bestimmte Zusammenarbeit?

Ich freue mich darauf neue Leute zu finden mit denen ich arbeiten möchte.

Haben die Neptunes einen Song für dein neues Album produziert?

Nicht auf diesem aber ich und Pharrell verstehen uns einfach.

Musik „a yaad“ in Jamaica zu machen versus Musik außerhalb des Reggae Dancehall Geburtlandes. Wo liegt der Unterschied?

Der Unterschied liegt darin ob man wie zum Beispiel Shaggy versucht Dancehall nur in seinen eigenen Riegen aufzuziehen oder als echter Dancehall Künstler sich nicht mit einem Markt zufrieden gibt sondern international Platten verkaufen will. Und wenn du so ein Vollblut- Dancehall Künstler sein willst dann musst du hart daran arbeiten, Hits produzieren, die Shows rocken und die Ladies natürlich. Du musst dein ganzes Herz und dein Schicksal in die Musik stecken und für dein Ziel und dein Überleben in dieser Szene kämpfen. Ich habe mein Ziel immer klar vor Augen.

Hast du jemals das Gefühl gehabt du müsstest deine Sprache dem internationalen Markt anpassen?

Der internationale Markt mag vielleicht kein Englisch sprechen aber wir sprechen eine gemeinsame Sprache; nämlich Reggae. Es gibt keine Formen denen wir uns anpassen müssen, hör zu was ich sage; du hast 120 000 japanische Leute vor dir und du gehst raus und haust sie mit „oh nanananana“ um. Dann gibt es keine Sprachbarriere mehr. Das Selbe in Brasilien. Die sprechen portugiesisch aber sie verstehen Reggae. Egal ob deutsch, französisch, britisch oder irgendeine verdammte Sprache in der weiten Welt; wir verstehen uns alle durch die Reggae Musik. Europa hört nicht nur Elton John, Europa wartet auf Reggae.

Es ist schon eine interessante Sache, dass Leute überall auf der Welt anfangen sich mit der Jamaikanischen Sprache zu beschäftigen?

Ja, Reggae ist halt das jamaikanische Ding. Ich bin mir zwar nicht sicher ob jeder es richtig versteht aber es ist eine gute Sache… Hör zu: Es gibt jamaikanische Kultur in Bagdad so wie in anderen Städten weltweit. Die Leute verbreiten diese Art des Leben und das ist eine sehr gute Sache.

Du hast sehr früh angefangen...

Ich performe seitdem ich fünf und toaste seitdem ich drei Jahre alt bin.

Und woher kamen deine Einflüsse damals?

Meine lyrischen Inspirationen zog ich schon immer aus meinem Ziel Superstar zu werden, das war mein Ziel und meine Bestimmung. Jimmy Cliff war mein Held. Er hat mich zu all dem gebracht und von ihm habe ich gelernt meinen Kopf hoch zu tragen und auf den tag zu warten wo sich alles lohnen wird. Mein Onkel war ein Percussionist in Jimmys band. Die haben echt die richtigen Sachen gemacht damals; „Rivers to cross“, „Harder they come“ all diese Songs. Dann ist mein Onkel plötzlich gestorben und Jimmy Cliff war der, der mich weiter unterstützte von meiner Zeit bei Sound System bis 1992. Das war bevor ich so großen Erfolg hatte. Dann verschwand er nach Brasilien um später in Frankreich zu heiraten und eine Familie zu gründen. Erst 14 Jahre später standen wir uns wieder gegenüber und Ich war der Mann geworden von dem er immer schon geträumt hatte. Ich hatte erreicht worauf er mich gelehrt hatte zu warten. Darauf bin ich sehr stolz. Deshalb erzähle ich das alles. Seitdem ich ein kleines Kind war, hat diese Person an mich geglaubt und gewusst, dass ich es schaffen werde. Ich war ein geborener Musiker deshalb brauchte ich keinen Lehrer oder Mentor aber er hat mir gezeigt wie ich es richtig umsetzen kann.

Und die Roots Radics?

Wenn du dich mit Jimmy Cliff auskennst, weißt du ja auch über die Roots Radics Bescheid. Ich würde das Thema „meine Jugend“ lieber überspringen. In allen Interviews wird mir immer diese Frage gestellt. Ich will sie nicht dauernd wiederholen müssen.

Dein neues Album ist sehr elektronisch dominiert, wirst du irgendwann wieder mehr zu den Ursprüngen zurückkehren?

Ich bin ein Dancehall Künstler. Ich mache ursprünglichen Reggae, ursprünglichen Rock-Reggae. Musik, jamaikanische Musik; das sind meine Wurzeln. Das bin ich. Ich wurde geboren als ein äthiopischer Orthodoxer dann getauft als ein Juda coptic. Ich brauche nicht noch mehr Wurzeln. Brauchst du mehr Wurzeln? Man muss man selbst sein, seine Wurzeln leben, seine Religion, seine Kultur. Das ist alles was man braucht.

Ich dachte eher so an den musikalischen Stil?

Ja, aber das Problem ist jenes; Es gibt so viele Künstler die behaupten den roots reggae neu zu definieren und sie schaffen es alle nicht. Die echten roots reggae Künstler basieren auf der Kultur an sich. Ras michael und der Sohn von Negus, Burning Spear. Sizzla und Capleton sehen sich selbst als solche aber sie liegen falsch. Die Wurzlen liegen in einem selbst und können nicht erzwungen werden. Die Worte aus deinem Mund besudeln deine Seele also musst du lernen deine Seele zu schützen. Dein Körper ist nur ein Stück Fleisch. Wenn die Seele ihn verlässt stirbst du. Die Wurzeln müssen in einem selbst verwurzelt sein. Viele Leute nehmen einfach einen anderen Ursprung her und versuchen ihn zu leben. Jeder ist selbst dafür verantwortlich ob er seine Wurzeln zur Realität werden lässt. Nur weil die deutschen Wurzeln mit der Hitlerzeit in Zusammenhang gebracht werden könnten in welcher Juden und Behinderte getötet wurde, kann man nicht sagen, dass die Wurzeln dieses Volkes dann im Töten liegen. Das selbe gilt für den amerikanischen Ursprung, der bei den Indianern und Cowboys zu finden ist. Natürlich ist Geschichte mit Wurzeln nicht gleichzusetzen. Sind es nicht die Wurzeln für welche man bekannt ist…

Wieviel Zeit verbringst du in deinem Heimatland und wie viel in dem Rest der Welt?

Ich lebe in Jamaika. Es kümmert mich wenig wie viel Zeit ich woanders verbringe, wenn ich zurückkomme ist es immer die beste Zeit.

Was denkst du über deine Auftritte bei europäischen Festivals?

Es ist Wahnsinn. Wenn man da rausgeht und man sieht so viele Menschen verschiedenen Ursprunges, die sich alle deiner Musik wegen versammeln. Das ist schwer nachvollziehbar. Man müsste in meinen Körper schlüpfen können um dieses Gefühl zu verstehen. Früher wollte niemand hören was ich zu sagen habe, heute 80 000, 150 000, 50 000 Leute bei europäischen Konzerten. Dieses Gefühl ist besser als ein Orgasmus.

Interview: Lukas Grossebner

Foto: Virgin Rec.

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