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Beatshizzle (Oktober 2019) // Beats & Instrumentals

In dieser Reihe widmen wir uns monatlich den neuen Releases der Beat- und Instrumental-Szene. Das Meer an großartigen Beats wird von Tag zu Tag größer und nur die wenigsten Produzenten erhalten gerechtfertigte Credits. Darüber hinaus gibt es regelmäßige Instrumentalreihen – viele der Projekte gehen allerdings in der Flut an Releases einfach unter und werden nicht mit eigenen Artikeln gewürdigt. Dennoch sind sie relevant genug, um ihnen eine Plattform zu bieten. Zu einem Interview mit B.Visible anlässlich seines kürzlich erschienenen Albums „Pleasant Clutter“ geht es hier.

Jake Milliner – Bernie Says

Zu den aufstrebendsten Künstlern der internationalen Beatszene zählt derzeit Jake Milliner. In den vergangenen Jahren steuerte der Londoner bereits einige Beats für Acts wie Barney Artist, Ill Camille, T3 von Slum Village oder Toine von DTMD bei, sein Name war bisher aber noch den wenigsten geläufig. Das änderte sein im Oktober via Melting Pot Music erschienenes Debütalbum „Bernie Says“, das aus dem Stand über eine Million Streams auf Spotify erreichte. Verständlich, denn die Beats auf „Bernie Says“ fallen – obwohl fein durcharrangiert – ziemlich eingängig aus. Milliners Sozialisation mit Boombap Detroiter Prägung und Neo-Soul ist dabei stets hörbar. Neben schönen Basslines stechen auch meist Keys raus, die beigesteuert von Alfa Mist und weiteren Londoner Jazz-Künstlern für jazzige Vibes sorgen. Die Mischung geht auf, am Ende steht ein durchwegs rundes Album.

Dela – Électrique

Was die Umrisse der beiden Figuren am Cover erahnen lassen, bestätigt ein Blick auf die Tracklist, wo Titel wie „Yosky, Wosky, Pisky, Wisky“ oder „Désolé Ms Jackson“ aufscheinen: Das neue Dela-Album „Electrique“ ist als Hommage an OutKast konzipiert. Seine Remixes der ATL-Klassiker von André 3000 und Big Boi gibt es in zwei Versionen – einmal mit teils noch ergänzten Original-Vocals, einmal instrumental. Bei beiden kann der Franzose unterstreichen, dass seine Beats nach wie vor aus der Masse herausstechen. Auf 15 Tracks dominieren warme Klänge, die der „Crunk Jazz“-Zuschreibung gerecht werden und wunderbar ins Ohr gehen. Besonders prägen sich dabei etwa „Les Spaghetti“ („Spaghetti Junction“), „Yoski Wosky Pisky Wisky“ („Humble Mumble“) oder „Billy Oceans Corps Flottants“ („Royal Flush“) ein. Gute Nachricht für alle Fans: Dela plant eine Vinyl-Version des Projekts und gibt an, nach seiner langen Abwesenheit noch eine Menge weiterer unreleaster Beats in der Pipeline zu haben.

Marco Kleebauer Magnolia

Als Produzent von Bilderbuch, Leyya und Oehl nimmt Marco Kleebauer derzeit eine gewichtige Rolle in der österreichischen Musiklandschaft ein – und könnte damit an sich schon bestens ausgelastet sein. Dennoch hat der Wahlwiener zwischendurch Zeit für sein erstes Soloalbum „Magnolia“ gefunden, das am 18. Oktober erschienen ist und quasi als Soundtrack zum Träumen konzipiert ist, das Kleebauer meist ohne Ton wahrnimmt. An die Produktion ist er wie gewohnt intuitiv herangegangen und hat für die Erzeugung der Klänge oft unkonventionelle Methoden gewählt. Am Ende bieten die 13 Tracks verspielte elektronische Klänge, die viel Varianz aufweisen und sich teils in abstrakte Gefilde bewegen. Dass Flying Lotus seit jeher einer der Haupteinflüsse Kleebauers ist, ist den Tracks durchaus anzuhören. Sie weisen jedoch genug Eigenheit auf, um keineswegs wie eine Kopie dessen Werks zu klingen.

Stro Elliot – Moods

Nachdem er viele Jahren als Produzent der Underground-Rap-Crew The Procussions aktiv war, ist Stro Elliot seit 2017 als Percussionist Teil der altehrwürdigen HipHop-Band The Roots. Dass er mit seinen neuen Kollegen derzeit gerade mitten in den Aufnahmearbeiten des für 2020 angekündigten Albums „End Game“ steht, hindert ihn nicht an einem Solorelease. Auf der „Moods“-EP dominieren zunächst soulige Banger wie „The Egyptian Way“ oder „FTL“, ehe es allmählich in ruhigere Gefilde geht und Samples von Marvin Gaye oder John Coltrane zur Geltung kommen. Neben den vielen eingebauten Vocal-Samples hat Stro Elliot als erfahrener Schlagwerker für simple, aber effektive Drumbeats gesorgt.

LoopMaffia Memoirs of a Crow

Fünf Jahre nach „Letters From“ kehrt LoopMaffia mit „Memoirs of a Crow“ auf die Bildfläche zurück. Der Pole hat merkbar viel Herzblut in die Produktion der oft entschleunigten Klänge investiert und lange daran gewerkelt. Nach einem langsamen Start mit warmen, jazzigen Klängen und viel Atmosphäre bietet das Album in weiterer Folge zunehmend Headnod-Charakter. Insgesamt erscheint der Golden-Era-Einfluss im Vergleich zu den Vorgängern etwas zurückgeschraubt, wenngleich häufig Boombap-Drums und teilweise Cuts durchdringen. Darüber hinaus runden einige Gastmusiker ab. Symbolisch möchte LoopMaffia mit „Memoirs of a Crow“ auf Meilensteine seines bisherigen Lebens zurückblicken: „The goal of the album was to capture not so much the memories but the feelings accompanying LoopMaffia’s events of his life.“

Mr. Käfer, DDob, Flitz&Suppe – Sandals

Anfang des Jahres bekam das Salzburger Talent Mr. Käfer Besuch von seinen Kölner Produzentenkollegen DDob und Flitz&Suppe. Und was passiert, wenn man drei Produzenten für ein paar Tage ihrem Schicksal überlässt, lässt sich nun auf ihrem gemeinsamen Album „Sandals“ nachhören. Mit Gastbeiträgen von Leavv, YANA und Yann treffen schleppende Drums auf verträumte Vocals. Durch die Beteiligung mehrerer Produzenten ergeben sich sehr komplexe und durchdachte Arrangements, wie es einer alleine vielleicht nicht in dieser Perfektion hinbekommen hätte. Definitiv eines der Highlights des Monats.

AK420 – Loungin‘

Der obligatorische monatliche Banger aus dem Hause POSTPARTUM. stammt in diesem Monat von AK420 mit dem Album „Loungin'“. Ein solides Boombap-Album ohne wirkliche Höhen oder Tiefen, das aber in sich geschlossen und rund klingt.

Grasime – Anchor Point

Nach anfänglich hoher Releasedichte, mindern sich die Releases des 2016 gegründeten Münchner Labels Bumm Clack zusehendens. Dieser Mangel an Quntität hat aber keinen Einfluss auf die Qualität, im Gegenteil. Mit dem im Oktober erschienenen „Anchor Point“ setzte Labelgründer Grasime ein Highlight in der bisherigen Diskographie. Während er sich für sein letztes Release „303“ der limitierten Möglichkeiten der SP303 bediente, greift er für sein neuestes Album auf eine Vielzahl verschiedener Klangerzeuger zurück, um Erich Fromms Überlegungen zur Lage des Menschen im kapitalistischen System auf die Erzeugung von Musik zu übertragen. Die sieben Tracks dieses Gedankenexperiments lassen sich so auch nicht auf ein spezifisches Genre festlegen, sondern bedienen sich verschiedenen Herangehensweisen und heben sich dadurch vom Einheitsbrei ab.

Dezi-Belle Records

Auch Dezi-Belle enttäuscht in diesem Monat nicht und bringt gleich zwei hörenswerte Instrumentalalben heraus. Zum Einen das Erstlingswerk der FVNKSTER$, bestehend aus Fredstarr, Sprotte und Ebbe Funk, die neben der klassischen MPC auch allerlei Liveinstrumente einfließen lassen haben. Mit „Makulatur“ liefern sie alles andere als ein per definitionem schadhaftes Produkt , das der Name impliziert. Zwar nicht rein instrumental, aber trotzdem schwer zu empfehlen ist sowie das Album „Outsiders“, eine Kollaboration aus Rapper Signature und Produzent B-Side.

Radio Juicy

Radio Juicy punktet wie so oft mit sehr abstrakten und Out-of-the-Box-Projekten, die diesmal in Form von „IMO“ von Vhsceral und „Harvest II“ von Autumn Keys präsentiert werden. Besonders letzterer hat sich schon mit seinen vergangenen Alben einen Ruf als experimentierfreudigen Produzenten erarbeitet und untermauert diesen Standpunkt hiermit ein weiteres Mal. Keine Kost für nebenbei, aber beides herausragende Alben, die die Art und Weise, wie HipHop 2019 auch klingen kann, auf ein anderes Level heben.

Vinyl-Digital

Da der Output von Vinyl-Digital wie immer viel zu hoch ist, um sich gesondert jedem Release zu widmen, muss hier eine Auflistung der Releases genügen. Besondere Hörempfehlungen: mt. fujitive, Pettersson & txger vppercvt.

Compilations

Weitere

Text: Simon Nowak & Simon Huber

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