Beatshizzle (Oktober/18) // Beats & Instrumentals

In dieser Reihe widmen wir uns monatlich den neuen Releases der Beat- und Instrumental-Szene. Das Meer an großartigen Beats wird von Tag zu Tag größer und nur die wenigsten Produzenten erhalten gerechtfertigte Credits. Darüber hinaus gibt es regelmäßige Instrumentalreihen – viele der Projekte gehen allerdings in der Flut an Releases einfach unter und werden nicht mit einem eigenen Artikel gewürdigt. Dennoch sind sie relevant genug, um ihnen eine Plattform zu bieten.

ANAVONDEONDAN – Cold Hands Warm Beats

Trotz des auffälligen und in bester MF-DOOM-Manier großgeschriebenen Künstlernamens, ist ANAVONDEONDAN erst wenigen Heads ein Begriff. Seit einigen Jahren fristet der Salzburger Produzent sein Dasein im Untergrund, besser gesagt am sagen- und mythenumwobenen Untersberg – schließlich ist er Gründungsmitglied der UNTASBERGABERGBUAM. Die Heiße-Luft-Gang rückt den Boombap-Aficionado nun mit seinem neuen, feinen Beattape „Cold Hands Warm Beats“ mehr in den Fokus. – Simon Nowak

Waxolutionists – The Big Butter, Part 2

Nachdem Anfang des Vojahres „The Big Butter, Part 1“ erschienen ist, haben die Waxolutionists das Projekt nun mit der zweiten Ausgabe finalisiert. Die Turntable-Veteranen The Bionic Kid, DJ Buzz und DJ Zuzee haben den Grundstein der LP – wie bei Teil eins – im Sommer 2014 auf der steirischen Planneralm gelegt und das Material seither in zahlreichen Sessions weiter ausgestaltet. Die 24 Instrumentals sind mit reichlich Wordcuts und Scratches bespickt, stilistisch ordnet sie das Trio im Vergleich zum Vorgänger als etwas gechillter und bekiffter ein. Als Featuregäste sind neben DJ Crum und dem Duzz-Down-San-Kollegen Chrisfader auch der irische ITF World Champion DJ Flip sowie die Plastic Juggaknots vertreten. – Simon Nowak

A:lex – City Slices

Zu Herbstbeginn ist mit „City Slices ein neues Werk von Alexander Wirth aka A:lex erschienen. Der Wiener Produzent und DJ liefert darauf 12 smoothe, jazzige Boombap-Beats, an denen er in den vergangenen Jahren größtenteils gemeinsam mit Mono:Massive gewerkelt hat. Auf einem Track vertreten ist zudem Florian Scheibein, der sich seit seiner Zeit bei der Politrap-Formation Kaputtnicks überwiegend elektronischen Musikgefilden widmet und gemeinsam mit Alexander Wirth das Label Leap Records leitet. – Simon Nowak

Phoniks – Down To Earth

In den vergangenen Jahren produzierte Phoniks zahlreiche Alben für die Underground-Rapper Awon und Anti-Lilly sowie einige Remixes – sein Remix von Wu-Tangs „Back In The Game“ verhalf ihm zu einer breiteren Hörerschaft, weist auf YouTube bereits über 30 Millionen Klicks auf. Mit „Down To Earth“ ist nun das erste Solo-Album des Neuengländers erschienen, das wie von ihm gewohnt jazzige Boombap-Klänge erster Güteklasse bietet. Einige der 18 gratis verfügbaren Tracks sind durch Spoken-Word-Samples aus alten Sci-Fi-Filmen abgerundet. – Simon Nowak

Televangel – Anthropocene Blues

Mit düsteren, sphärischen Instrumentals war das Produzenten-Duo Blue Sky Black Death ab den späten 00er-Jahren maßgeblich an der Entwicklung des Cloud-Rap-Sound beziehungsweise den dafür typischen Unterlagen beteiligt. Nach dem 2013 erschienenen Album „Glaciers“ wurde es allerdings zunehmend ruhig um das Duo, Young God und Kingston widmen sich seither vor allem Solowerken – und verkündeten Ende 2017 via Twitter-Posting, dass ihr gemeinsames Projekt für immer ruhe. Unter seinem neuen Alias Televangel releaste nun Young God die LP „Anthropocene Blues“, die durchaus an den charakteristischen BSBD-Sound anknüpft, aber gleichzeitig verstärkt in Post-Rock-Gefilde eintaucht. – Simon Nowak

Lester, Nowhere – Extra

Neben klassischen Boombap-Beattapes widmet sich Lester, Nowhere auch zunehmend extravaganten Klängen. Auf der im März erschienenen, mit einigen Rap-Parts versehen EP „Ghost Will Take Care Of You“ vereinte er bereits zahlreiche Stilmittel. Nun liefert der Toskaner mit „Extra“ eine stimmige Hommage an die vor allem in den frühen 1990er-Jahren beliebte Dirty-South-Spielform Memphis Phonk, die nun verstärkt von Produzenten wie NxxxxS oder AlphaMob bedient wird und dadurch auch in Europa immer beliebter zu werden scheint. – Simon Nowak

Ghost McGrady – Believe

Kuratiert von seinem Street-Corner-Music-Labelboss House Shoes, vereint der im Koreatown von LA stationierte Ghost McGrady auf „Believe“ experimentelle Beats, die in den vergangenen vier Jahren entstanden sind und ein abwechslungsreiches Gesamtbild abgeben: „Each beat was created with an open mind and a ‘fuck the popular sound’ mentality that comes from years upon years of sample chopping and sound design experience.“ – Simon Nowak

Horst Clooney – Homeland

„Homeland“ ist das neueste Release von LBL, sticht aus der bisherigen Diskografie jedoch auf vielfältige Weise heraus. Nicht nur das Pseudonym Horst Clooney ist anders, musikalisch bewegen sich die beiden Münchner diesmal auch in elektronischeren und tanzbaren Gefilden. Aber auch einzelne Songs haben einen besonderen Stellenwert für die Protagonisten, etwa „Up & Down“, in der eine bipolare Störung thematisiert wird, die vor etwa 10 Jahren zu einem mehrmonatigen Psychiatrieaufenthalt geführt hat und noch heute sein Leben beeinflusst, wenngleich die Musik einen riesigen Beitrag zur Kompensation liefert. Sehr erfrischendes, neues Tape, das wohl zu den besten auf jeden Fall aber interessantesten des Monats gehört. – Simon Huber

Leifur James – A Louder Silence

Der junge, von Radio-Legende Gilles Peterson gelobte Produzent und Multiinstrumentalist Leifur James liefert mit seinem Debütalbum „A Louder Silence“ ein erstes musikalisches Ausrufezeichen: Er sorgt für feinfühlig ausproduzierte Ambient-/Electronic-Sounds, die mit warm anmutenden Synths, selbst eingespielten Cello-, Gitarren- und Klavier-Klängen sowie vereinzelt eingesetzten Vocals ausgestaltet sind. – Simon Nowak

Knowmadic –  Coming Up For Air

Die Geheimtipps kommen wie so oft aus dem Hause Radio Juicy. Neben Lester, Nowhere hat auch der US-amerikanische, aufstrebende Produzent Knowmadic ein Album über das LoFi-affine Label veröffentlicht, auf dem er mit verträumten Melodien experimentiert. – Simon Huber

Tommy Guerrero – Road To Knowhere

Aufs Skaten muss der mittlerweile über 50-jährige Tommy Guerrero aus körperlichen Gründen verzichten, dafür bleibt ihm mehr Zeit für seine zweite große Leidenschaft, das Gitarrespielen. Der Virtuose aus San Francisco liefert mit „Road To Knowhere“ ein grundsolides neues Album, das er als von Ethiojazz, Afrobeat und alten Funk-Singles inspiriert bezeichnet. – Simon Nowak

Kenny Segal – happy little trees

Nach mehreren Ausgaben seiner Beattape-Serie „Kenstrumentals“ und zig mit Vocals versehenen Instrumentals setzte sich Kenny Segal das Ziel, auch mal ein sauber ausproduziertes Instrumentalalbum zu gestalten. Der Kalifornier werkelte mehrere Jahre an „happy little trees“ und vereint darauf seine jüngsten Einflüsse. Als Ergebnis stehen elf abwechslungsreiche, sphärische Tracks zwischen Jazz-, Ambient- und leichten Bass-Music-Anleihen. – Simon Nowak

Butcher Brown – Camden Session

Als Live-Mitschnitt ist mit „Camden Sessions“ die neue EP von Butcher Brown entstanden. Das Instrumentalisten-Quintett rund um Mastermind DJ Harrison an den Keys harmoniert vorzüglich und sorgt wie gewohnt für fein groovende Jazz-Sounds. Nach der gemeinsamen US-Tour mit Kamasi Washington möchten die Musiker aus Virginia demnächst übrigens ein stärker durchkonzipiertes Studioalbum aufnehmen. – Simon Nowak

Chairman MAF – Ginger

Die Releases von Chairman MAF sind alleine schon der Covers wegen ein Hingucker. Das neueste Werk „Ginger“ überzeugt wie immer durch soulige, entspannte Tunes, die das mittlerweile sechste Album des Briten perfekt in die bisherige Diskografie eingliedern. – Simon Huber

Onur Yeğin – Örs

Mit Deadly Habits Music hat der Produzent Farazi 2016 ein Sublabel von Below System Records ins Leben gerufen, das vor allem türkischen Beatbastlern eine Plattform bieten soll. Die jüngste EP „Örs“ stammt von Onur Yeğin aus Istanbul und bietet neben entspannten Kopfnick-Vibes auch bassgetränkte Banger. – Simon Nowak

Nuttkase – Boom Bap Injection

Für die BoomBap-Fanatiker liefert Nuttkase über POSTPARTUM. das nötige Material zum Kopfnicken. Wie der Name vermuten lässt, ist es straight und klassisch gehalten, ohne dabei langweilig zu werden. HipHop ins einer Reinform als pure Injektion eben. – Simon Huber

Franz Branntwein – Inject tha Raw Shit

In eine ähnliche Kerbe schlägt das erste Soloalbum von Franz Branntwein, der zuletzt unter anderem mit Martin Meiwes und Kallsen auf der Bildfläche erschienen ist. Auch hier erwartet einen klassischer BoomBap ohne viel Schnörkel, der gut ins Ohr geht. – Simon Huber

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