Beatshizzle (März/18) // Beats & Instrumentals

Calvin Valentine – Plush Seats

Erst kürzlich in den erlesenen Kreis der Mello Music Group gestoßen ist Calvin Valentine. Der in Los Angeles wohnende Sänger, Rapper und Beatbastler soll dort vor allem als Produzent in Erscheinung treten und heuer zwei Alben rausbringen. Das erste nennt sich „Plush Seats“ und ist der Nachfolger des 2016 erschienenen „Eugene“ – Calvin Valentine liefert damit ein klassisch ausgeprägtes Beattape mit kurzen, catchigen Sequenzen und reichlich „Champion Sound“. J Dilla und Madlib klingen klar als Einflüsse durch, doch soundtechnisch grenzen sich die souligen, oft verspielt anmutenden Instrumentals klar vom Werk der beiden Legenden ab: „Plush Seats is nothing but strong ideas and a smooth ride. Grimy but opulent. Smoked out but clear-headed. A vibe like no other.“ – Simon Nowak

DJ Krush – Cosmic Yard

Altersmüdigkeit ist bei DJ Krush kein Thema – der Großmeister aus Japan gehört auch mit Mitte 50 noch zu den fleißigsten Produzenten und DJs und liefert regelmäßig Output. Derzeit ist der Ex-Yakuza wieder einmal auf Europa-Tour, allerdings ohne Österreich-Termin. Mit im Gepäck hat er sein neues Soloalbum „Cosmic Yard“. Die 12 Tracks sind tendenziell düster gehalten, sorgen mit ihren druckvollen, atmosphärisch-abstrakten Downbeat-Sounds aber für gewohntes Krush-Feeling. – Simon Nowak

Elaquent – Celebrate Life!

Gut ein Jahr nach dem Release des großartigen Albums „Worst Case Scenario“ legt Elaquent nun mit einer neuen EP nach. Wieder liefert der Kanadier smooth vibende Instrumentals, die die „Celebrate Life!“-Stimmung adäquat einfangen können. Die sechs via Urbnet erschienenen Tracks sind damit weit fröhlicher gehalten als die des Vorgängerwerks. Instrumental-Features von K, Le Maestro und Dibiase runden die EP ab. – Simon Nowak

Hulk Hodn – Lost Ish

Hulk Hodn kann man getrost zu einem der kreativsten und wichtigsten Produzenten im deutschsprachigen Raum zählen. Als Mitbegründer des Hi-Hat-Clubs hat er zusammen mit Twit One, Dexter, Suff Daddy und Konsorten die Pforten für eine neue Generation an Produzenten geöffnet, als Teil von Huss&Hodn Underground-Geschichte geschrieben. Mittlerweile ist er auch über Genregrenzen hinweg als Hodini aktiv, ohne natürlich seine Wurzeln zu vergessen. Auf „Lost Ish“ veröffentlichte er nun gesammelt einige Beats der letzten Jahre. Teils unveröffentlicht, teils bekannt aus gefühlt uralten ENTBS-Veröffentlichungen (Der Beat ist mein Freund <3 ), die man völlig zu Unrecht schon zu vergessen haben scheint. Guter Anlass, ein paar alte Scheiben mal wieder aufzulegen. – Simon Huber

DJ Obsolete – The Mandela Effect

Mit seinem letzten Solorelease „Reminiscence“ konnte mich DJ Obsolete richtig abholen, sein neuestes Album „The Mandela Effect“ kann daran nicht nur anschließen, sondern es auch noch übertrumpfen. Streng genommen zwar kein Instrumentalrelease, aber das Reihe an gefeaturten Rappern ist eigentlich ein Grund mehr für die Erwähnung des Albums. Internationale Gäste wie Blabbermouf, Ill Conscious, Warpath oder Nomadic veredeln die Kopfnicker des Kölners mit ihren Parts. Gut möglich, dass das Album aus einem Paralleluniversum stammt, wie der Titel suggeriert. – Simon Huber

Brock Berrigan – The Narrows

Für das Album „The Narrows“ hat Brock Berrigan sein New Yorker Habitat gen Utah verlassen, um sich von der dortigen Idylle – etwa dem Cottonwood Canyon – inspirieren zu lassen. Knapp ein Jahr später stehen 17 soulige, zugleich lebhaft-fröhliche Instrumentals, denen ein gewisser triumphaler Charakter schwer abzusprechen ist. Dem stets mit Hühnermaske posierenden, Produzenten dürfte es dort also gefallen haben. Runde Sache. – Simon Nowak

Claire Courchene – Parallax

Als Komponistin, Produzentin, Songwriterin und Multiinstrumentalistin deckt Claire Courchene ein breites musikalisches Spektrum ab. Mit ihrer neuen EP möchte die in Dänemark lebende Vollblut-Musikerin ihren seit jeher vorhandenen Fokus auf klassische Musik durchbrechen. Während sie derzeit mit der Band Rhye tourt, dringt auf „Parallax“ ihre kürzlich entdeckte Begeisterung für HipHop-Produzenten mit Lo-Fi-Attitüde durch. Auf Basis eigener Orchesterwerke als Samples hat sie sechs dynamische Beats produziert. Zwei Welten prallen harmonisch aufeinander und bilden das interessanteste Instrumental-Release des Monats. – Simon Nowak

mononome – Sherán

Der Fotograf und MPC-Domteur mononome hat für sein neues Werk „Sherán“ (ausgeprochen: she ran) die Komfortzone verlassen und die Sampling-Intensität ordentlich erhöht: „The idea behind this particular project was to ‚cut‘ and ‚chop‘ as much as possible“. Die sechs neuen Tracks des Griechen sind – wie gewohnt – düster und groovig gehalten, weisen dabei besonders schön ausgearbeitete Percussions auf. Aufgrund der hohen Komplexität erscheint „Sherán“ weit weniger eingängig als frühere mononome-Werke, aber das soll seine gelungene Comeback-EP nicht schmälern und macht höchstens mehrere Durchläufe nötig. – Simon Nowak

Flitz&Suppe – Mellow Mania #1- Zeolith

Als Label der Instrumental-Serien startet Millennium Jazz Music immer wieder neue Reihen. Die jüngste nennt sich „Mellow Mania“ und soll ausschließlich entspannte, smoothe Grooves bieten. Da erscheint die Wahl auf Flitz&Suppe bei der Premiere sehr geglückt – wie von ihm gewohnt liefert er angenehme, jazzig-verträumte Sounds mit rassigen Basslines und dem gewissen Kopfnicker-Flavour. Als Produzenten-Featuregäste vertreten sind Devaloop, B-Side, Rising Nature und Tusken. – Simon Nowak

Flitz&Suppe & SlimAgenda – Melatonin

Ein weiteres Album mit der Beteiligung von Flitz&Suppe wurde außerdem in Zusammenarbeit mit SlimAgenda über Dezi-Belle. Dieser ist ebenfalls aus Köln und bisher bis auf einige Produktionen für beispielsweise Lord Folter und ein Album vor 5 Jahren kaum in Erscheinung getreten. „Melatonin“ ist nach dem Hormon benannt, das für die Regulation des Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers zuständig ist und bei Mangel zu Schlafproblemen und Depressionen führen kann. Ein Motiv, das bereits in zahlreichen Instrumentalreleases behandelt wurde und auch in diesem Fall ansprechend umgesetzt wurde, stellt es doch anscheinend eine Quelle für das kreative Schaffen einiger Produzenten dar. – Simon Huber

Stu Bangas – War Journal

Einen gewohnt martialischen Charakter hat Stu Bangas den zwanzig Boombap-Bangern seiner neuen Sammlung „War Journal“ verliehen. Der Bostoner MPC-Produzent aus dem AOTP-Umfeld kann abermals mit wuchtigem, größtenteils fein arrangierten Sound überzeugen. In eine ähnliche Richtung dürften die Beats seines gemeinsamen Albums mit Apathy gehen, das ebenfalls für 2018 angekündigt ist. – Simon Nowak

The Audible Doctor – Soul Slaps Vol. 3 | X

Mit zehn souligen Boombap-Bangern hat The Audible Doctor seine im April 2017 gestartete Serie „Soul Slaps“ um einem dritten Teil erweitert. Der Ableton-Produzent aus Brooklyn hat darüber hinaus auch die EP „X“ veröffentlicht, die im Kontrast dazu experimenteller aufällt und Synth-lastige, melodische Sounds bietet, die vereinzelt Vocals von Davenport Grimes enthalten. Zwei gewohnt solide Werke. – Simon Nowak

Marcus D – Retro’d 2

Einen Namen gemacht hat sich Marcus D bisher vor allem durch hochwertige, jazzige Beats, die ganz in der Tradition von Nujabes stehen. Der 2010 verstorbene Japaner hatte als Vorbild und Mentor großen Einfluss auf den Produzenten aus Seattle, der seit geraumer Zeit in Tokio lebt. Eine Ausnahme in seinem von Jazz und Fusion geprägten Schaffen ist „Retro’d“ – offenbar ein Mitbringsel aus der Kindheit. Bereits am 2012 erschienenen ersten Teil hat Marcus D zahlreiche Soundtracks von Nintendo-Spielen als Samplequellen verwendet und sie ins HipHop-Gewand gesteckt. In Form von zwanzig nerdig-eingängigen Tracks weckt er nun mit dem Nachfolger weitere Erinnerungen an frühe Zockersessions. – Simon Nowak

FarragoL – 叁部曲:self軀離

FarragoL hat das via Acorn Tapes erschienene Beattape „叁部曲:self軀離“ als musikalische Verarbeitung einer (mittlerweile gescheiterten) Beziehung konzipiert. Der taiwanesische Produzent liefert 17 entspannt-smoothe Tracks, die eine wavy Atmosphäre schaffen – und einen beim Hören trotz der flagranten Herzschmerz-Atmosphäre effektiv auf andere Gedanken bringen. – Simon Nowak

Pax – Wildflower

Das Pax-Album „Wildflower“ ist ganz an den Namen des bei Paxico Records aktiven Produzenten angelehnt – die Tracks haben einen durchwegs friedvollen und verträumten Charakter. Das bedeutet aber keineswegs, dass lauter fröhliche Beats das entspannte Album des Produzenten aus der Kalifornischen Bay Area prägen. Eher kommt das Hören einer emotionalen Achterbahnfahrt gleich – gehäuft ertönen auch bedrückte Melodien, die einen fast zum Sinnieren zwingen: „With big dusty walls of sound and a free-spirited melodic bend, it tells a story of growing pains in dreamy strokes, aimed straight for your gut with a crisp, autumnal charm that practically begged to be pressed to wax.“ – Simon Nowak

Kutmah – The Wooing Beattape

Zu den wichtigsten Vertretern der Beatszene von L.A. gehört(e) Kutmah, der sich in seiner neuen Heimat Berlin nach einiger Anlaufzeit mittlerweile wohlfühlt. Früher nicht gerade bekannt für regelmäßigen Output, liefert er seit dem Wohnortwechsel laufend neue Beattapes. Auf dem bisher jüngsten Werk vereint er gewohnt düstere, abstrakt anmutende Sounds, die schwer greifbar sind und einen leicht mystischen Charakter haben. – Simon Nowak

IAMPAUL – EXPEDITion Vol. 19: Nineteen // I.L.L. Will – EXPEDITion Vol. 20: One Will

Eigentlich muss man hierzu keine großen Worte verlieren: EXPEDITion steht für Qualität und einen hervorragenden Querschnitt durch die talentierte deutsche Produzentenlandschaft. Die zwei neuesten Beiträge kommen von Daily Concept-Member IAMPAUL und I.L.L. Will, der besonders durch seine Zusammenarbeit mit eloquent Bekanntheit erlangte (auch wenn selbige unter eher unschönen Umständen auseinanderging). Beide frönen den jazzigen Ursprüngen des HipHop und halten das Level der Reihe konstant hoch. – Simon Huber

VersOne – Keep It Simple

Das letzte Soloalbum von VersOne ist bereits eine Weile her. In der Zwischenzeit gab es Projekte mit verschiedenen Rappern wie dem Berliner yano2d oder dem Duo Beppo S. & Peter B., nun ist über seine Münchner Homies von Bumm Clack, von denen einige auch Gastbeiträge beisteuern, das neue Album „Keep It Simple“ erschienen. Standesgemäß auf Tape erscheinen ist es sowohl musikalisch als auch layout-technisch simpel gehalten. Weniger ist eben doch manchmal mehr. – Simon Huber

Eto Paranoia – Healing Poison / Celebnii Yad

Während in Russland gerade futuristische Sounds von Pharaoh oder FACE gehyped werden, lassen auch zahlreiche Produzenten klassische HipHop-Sounds aufleben. Das Label POSTPARTUM. nutzt seine internationalen Connections und veröffentlichte gleich zwei neue Alben im letzten Monat. Neben dem Russen Eto Paranoia liefert auch der Kolumbianer H-ico aka DA FUNKYLOOPER „Fat Joints“ aus der MPC.  – Simon Huber


Squirt Reynolds x Esp Elizarov – Kanonenbutter Vol. 2

Erstma1kurbeln hält sich zwar weiterhin mit Output bedeckt, die wenigen Releases sind dafür immer Sureshots. Und auch ist das aktuelle Release eine deutsch-russische Zusammenarbeit, in diesem Fall zwischen den Produzenten Squirt Reynolds aus Hamburg und Esp Elizarov aus St. Petersburg. Sie haben jeweils eine Seite des zweiten Splittapes „Kanonebutter“ beigesteuert. – Simon Huber

Various Artists

Auf der Frühjahrs-Ausgabe des quartalsweise erscheinenden Chillhop-Samplers sind einige bekannte Namen wie FloFilz, Joe Corfield oder Birocratic vertreten. Auch abseits davon gab es im März zahlreiche Compilations. Auf „Drop Beats Not Bombs“ des deutschen Labels LabOhr sind unter anderem SterilOne, Toetensen, Wilczynski vertreten. Die jüngste Sundae Sauuce-Ausgabe reichlich fröhliche Instrumentals straight outta USA. LoFi-Attitüde liefert hingegen „Library01“ des französischen Labels Beatbliotek.






Rhythm Roulette

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