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Beatshizzle (April 2020) // Beats & Instrumentals

In dieser Reihe widmen wir uns monatlich den neuen Releases der Beat- und Instrumental-Szene. Das Meer an großartigen Beats wird von Tag zu Tag größer und nur die wenigsten Produzenten erhalten gerechtfertigte Credits. Darüber hinaus gibt es regelmäßige Instrumentalreihen – viele der Projekte gehen allerdings in der Flut an Releases einfach unter und werden nicht mit eigenen Artikeln gewürdigt. Dennoch sind sie relevant genug, um ihnen eine Plattform zu bieten.

Text: Simon Nowak & Simon Huber

The Outlaw Ocean Project

Ein in vielfacher Hinsicht beeindruckendes Projekt läuft aktuell und wohl noch länger und dem Namen „The Outlaw Ocean“. Das gleichnamige Buch von Ian Urbina ist nicht nur ein Bestseller und behandelt kurz zusammengefasst das Meer als gesetzlosen Raum und Schauplatz von Piraterie, Drogenhandel und Sklaverei. Während der mehrjährigen Recherchen hat der Autor auch ein Audioarchiv mit verschiedenen Sounds von Gewehrschüssen hin zu Interviewzitaten oder Schiffsgesängen aufgebaut.

Daraus entstand ein Musikprojekt, für das Musiker aus aller Welt aufgerufen wurden, die Atmosphäre des Buches und der Audioschnipsel musikalisch neu zu interpretieren. Was bisher dazu erschienen ist, war in dem Ausmaß wohl nicht vorhergesehen. Bei knapp 100 Releases aus diversen Genres von Techno, Electro über Trance zu HipHop und Lo-Fi ist alles dabei, was man sich instrumental vorstellen kann. Von jedem Kontinent wurde mindestens ein Release beigesteuert, am meisten jedoch aus Europa und Nordamerika. Auch durchaus bekannte Namen wie Hugo Kant, Joe Corfield, Flitz&Suppe, Wilczynski oder Tom Doolie haben sich bereits beteiligt und ein schnelles Ende ist derzeit nicht abzusehen, einige sind hier verlinkt, den Rest, kann man sich hier ansehen.

Roc Marciano – Pimpstrumentals

Das Release von „Pimpstrumentals“ geht mit einem Jubiläum einher. Vor zehn Jahren hat Roc Marciano mit seinem Album „Marcberg“ eine neue Ära für New Yorker Rap-Sound eingeläutet. Seine düsteren, kalten und zugleich entspannt vorgetragenen Street-Lines haben definitiv dazu beigetragen, die ebenfalls aus seiner Feder stammenden Beats aber wohl einen noch größeren Ausschlag gegeben. Marcis Loops sind nach dem Motto „Weniger ist mehr“ gestaltet. Sie kommen in einigen Tracks ohne Drums aus, bauen mit einfachen Mitteln eine enorme Atmosphäre auf und rücken beim Hören dennoch den Rap in den Vordergrund. Mittlerweile ist die von Roc Marciano geprägte Produktionsweise weit verbreitet – auch alte Beat-Hasen wie The Alchemist, DJ Muggs oder Buckwild sind zunehmend auf den Geschmack gekommen, ähnlich strukturierte Beats zu bauen.

Zuletzt mit einer hohen Dichte an Solo-Projekten, Features und dem ein oder anderen Beat für befreundete Kollegen in Erscheinung getreten, goss Roc Marcianos mit „Pimpstrumentals“ seinen minimalistischen Trademark-Sound erstmals in ein reines Instrumentalprojekt. Ursprünglich Ende 2018 mit 13 Tracks über Adult Swim erschienen, fällt die frisch erschienene Vinyl-Version noch umfangreicher aus. Auch auf den Neuzugängen bewegt sich der Long Islander auf gewohntem Terrain – Erfolgsrezept bleibt eben Erfolgsrezept.  

RJD2 – The Fun Ones

Einen ähnlich großen Namen wie Roc Marciano in den 2010ern hatte RJD2 im Jahrzehnt davor, was vor allem mit seinem Solodebüt „Deadringer“ zusammenhängt. Das 2002 erschienene Album bietet schöne Sample-Sounds mit eingängigen, teils cineastisch anmutenden Soundstrukturen und ist mit Songs wie „Ghostwriter“ oder „Smoke & Mirrors“ ein Klassiker der instrumentalen HipHop-Geschichte. Obwohl der in Philadelphia lebende Produzent seither stetig weitere Releases folgen ließ, konnte er nie an die Wirkung seines Debüts anknüpfen.

Daran wird wohl auch „The Fun Ones“ nichts ändern, obwohl es grundsolide produziert ist. Im Kontrast zu früheren Werken wollte RJD2 für sein siebtes Instrumentalalbum mehr im Studio experimentieren, die Tracklist stellte er ohne viel Überlegen zusammen: „The songs were chosen strictly by which were the funnest to listen to.“ Folglich fällt der Sound funkig aus. Bei den 14 Tracks kommen harte Snares, catchige Basslines sowie viele Streich- und Blasinstrumente zur Geltung. Vereinzelt ergänzen Vocals, etwa von Homeboy Sandman. Insgesamt erscheint „The Fun Ones“ kurzweilig produziert, die altbewährten RJD2-Vibes dringen dabei an einigen Stellen durch.

Whoarei – Love Spectrum

Bereits 2015 als Sample auf dem Track „U“ von Kendrick Lamar gelandet, geisterte Whoareis Original „Loving You Ain‘t Complicated“ seit geraumer Zeit durch YouTube – mit furchtbarer Soundqualität. Im Rahmen seines neuen Albums „Love Spectrum“ veröffentlichte der kalifornische Produzent den Track kürzlich auch offiziell, glücklicherweise mit hochklassigem Sound. Auch bei den weiteren Tracks stechen HipHop, Neo-Soul- und Electronic-Elemente heraus, dem Titel entsprechend geht es durchwegs schwärmerisch und romantisch zu. In der Rohversion bereits zwischen 2013 und 2017 entstanden, ist „Love Spectrum“ über die Zeit noch ordentlich nachgereift. Ein Umstand, der mit der Entwicklung Whoareis vom klassischen „Bedroom Producer“ zum Musiker mit höheren Ansprüchen ans eigene Schaffen einhergeht. Am Ende steht ein durchaus eindrucksvolles Werk, das detailreich mit Synths, weiterer Live-Instrumentalisierung und teils dezenten (Vocoder-)Vocals ausgestaltet ist.

Maru – This & That Vol. 1

Seit über einem Jahrzehnt aktiv, stand Reso bisher vor allem für UK-Bass-Sounds jenseits der 140 BPM. Nun scheint der Londoner Produzent auch zunehmend an entspannteren Klängen Gefallen zu finden, die er unter dem Alias Maru produziert. Mit der 2019 erschienenen Beat-EP „Small Sips“ sorgte er für LoFi-Downtempo-Grooves. Vom Tempo geht das frisch erschienene „This & That Vol. 1“ in eine ähnliche Richtung. Maru pendelt auf den elf Tracks in gelungener Manier zwischen Electronic- und Boombap-Gefilden, liefert einige bassbetonte Kopfnicker mit verträumter Note. Den steigenden Temperaturen entsprechend dringen dabei heitere, funkige Vibes in den Vordergrund.

Bad Snacks – Neat Tape 2

In eine ähnliche Kerbe schlägt Bad Snacks mit dem zweiten Teil ihrer „Neat Tape“-Reihe. Die Produzentin und Violonistin aus Los Angeles sorgt damit für sommerlich-funkige Klänge zwischen Electronic- und HipHop-Gefilden. Dabei sorgt sie durchaus für eigenständige Klänge, zumal sie ihre musikalischen Handwerke verknüpft und auf einigen der 17 Tracks zu Synths weiterverarbeitete Geigenklänge einbaut. Obendrein runden weitere Instrumentalisten ab.

Buli – Blue

Mit laufenden Veröffentlichungen über das in Los Angeles stationierte Label Alpha Pup ist Buli gerade am besten Weg, sich neben Leuten wie Kanif the Jhatmaster zu einem Aushängeschild der südafrikanischen Beatszene zu werden. Auf seinem jüngsten Werk „Blue“ geht er es ruhig an, liefert atmosphärische, verträumte Soundstrukturen, die mit angenehmen Synths ausgestaltet sind und durchaus bassbetont ausfallen. Eine Kombination, die auf den 10 HipHop-/Downtempo-Instrumentals – und zwei mit Features versehenen Tracks – gut aufgeht.

Drew Dave – Focused

So schnell lässt sich Drew Dave durch nichts ablenken oder gar aus der Ruhe bringen, wie das Cover seines jüngsten Releases zeigt. Da der Produzent aus Virginia seinen Brotjob derzeit nicht ausüben kann, bleibt ihm mehr Zeit zum Produzieren. Ein guter Nebeneffekt, denn „Focused“ erweist sich als erstklassig produziertes Beattape mit knackigen Drums, Piano-Loops, souligen Vibes und viel Headnod-Potenzial. Einfaches Rezept, starke Umsetzung.

CityGirl – Siren of the Formless | Goddess of the Hollow

Gleich zwei EPs hat City Girl am 14. April veröffentlicht. Auf den jeweils sieben Beats vereint die Kalifornierin LoFi-Beats mit experimentellem Anspruch und einer üppigen Liste an eingespielten Instrumenten. So kommen etwa insgesamt drei Gitarrentypen zur Geltung, obendrein sticht in einigen Tracks eine Ukulele heraus. Durch „Siren of the Formless“ zieht sich durchwegs melodiöser und smoother Sound, der sich als gut ausproduziert erweist gänzlich instrumental ist. Die EP bildet damit einen klaren Kontrast zu „Goddess of the Hollow“, wo die koreanische Sängerin tiffi auf vier Tracks ergänzt und alles synthetischer anmutet – erinnert zum Teil leider an jene nervtötenden Eurotrance-Klänge, die schon längst aus dem Gedächtnis verdrängt sein sollten. Da länger als paar Sekunden zuhören? Ungefähr so verlockend wie eine Weisheitszahn-OP – die hätte wohl den gleichen Gesichtsausdruck zur Folge.

Dezi-Belle

Neben mittlerweile Dauergast Don Phillipe der auf „terra“ die Tracks wieder nach diversen Anagrammen desselbigen benannt hat, ist auf Dezi-Belle im April das Vinyl-Debüt des Franzosen Natse erschienen, der zuvor mit einigen digital veröffentlichten Alben und EPs Aufmerksamkeit erzeugen konnte. Beide Releases erschienen wie das meiste andere des Labels auf wunderschönem marbled Vinyl, was allein aus ästhetischen Gründen ein Kaufgrund ist. Aber auch sonst fügen sich die beiden Alben nahtlos in den Releasekatalog ein und überzeugen sowohl durch klassische LoFi-Beats, als auch experimentelle Ausflüge.

Dexter & DJ Friction – Diggin‘ Sonoton: Contemporary Beats & Movements Vol. 1

Sogenannte Library Music, also Musik die speziell für die Nutzung in Filmen, Serien, Spielen und Co produziert wird, ist seit jeher eine beliebte Samplequelle für HipHop-Produzenten. Eines der wichtigsten Library-Music-Labels im deutsprachigen Raum – Sonoton – hat nun exklusiv für Dexter und DJ Friction sein Archiv in München geöffnet, aus dem die beiden DJs nach Lust und Laune aus den größtenteils in den 80ern veröffentlichten Releases samplen durften. Daraus entstand letztlich „Diggin‘ Sonoton“, auf dem jeder Produzent je eine Plattenhälfte übernimmt und das als Sonoton-Release auch in die Library aufgenommen wird. Der Zusatz „Vol. 1“ lässt auf eine Fortsetzung hoffen, wie diese aussieht, lässt sich bisher nicht sagen. Interessant wäre sowohl eine weitere Kollabo von Sonoton mit zwei anderen DJs, aber auch Dexter und DJ Friction in den heiligen Hallen eines anderen Labels.

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