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Country, Kokain und Kanonen // Beat the Fish Deluxe

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Fotos: Moritz Nachtschatt

Den Anfang machen die Lokalmatadore P.tah und Con, die kürzlich ihre „Rastlos“-EP veröffentlichten. Die Menge ist überschaubar und versteckt sich in den schattigen Winkeln des Arena-Geländes. Von diesen schwierigen Rahmenbedingungen lassen sich die beiden nicht beeindrucken, sondern legen ein einwandfreies Grime-Set vor. Ein besonderes Highlight sind die A capellas von Con, die zu großen Respektbekundungen im Publikum führen. Danach übernimmt der DJ von Lady Leshurr, der mit einer einfallslosen 0815-Großraumdisko-Playlist die Spannung auf den kommenden Act nicht wirklich erhöhen kann. Lady Leshurr, die mit ihren Freestyle-Künsten im Internet für Furore sorgt, präsentiert sich glücklicherweise von einer deutlich besseren Seite und zeigt passable Live-Qualitäten.

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Nach dem frischen UK-Wirbelwind Lady Leshurr versammeln sich schleppend immer mehr Menschen vor der Bühne. Die Meinungen um Yelawolf sind gespalten: Als der Redneck-Rapper 2010 seinen Durchbruch mit „Pop The Trunk“ schaffte, machte sich seine Arbeit mit einem Shady-Records-Signing bezahlt, doch Yela ist an musikalischer Diversität kaum zu übertreffen – so hat er beispielsweise EPs mit Ed Sheeran sowie Travis Barker und widmet sich nun den ruralen Country-Klängen. Vielen seiner Fans bleibt diese Facette verschlossen, doch wenn man Catfish Billy in all seiner tätowierten Pracht inklusive Cowboy-Hut seine Whiskey-getränkten Songs wie „Till It’s Gone“ oder „Best Friend“ zum Besten geben sieht, ist auch bei den Nicht-Country-Fans ein Kopfnicker drin. Mit einem Aufruf gegen die Angst, die der Terrorismus verbreitet, wird aus dem Circle-Pit zu „Pop The Trunk“ ein Friedens-Rundlauf. Trotz Hillbilly-Unterstützung von DJ und Gitarrist bleibt der Sound etwas verwaschen, was Yelawolfs Rap-Skills aber keineswegs in den Schatten stellt. Schade, dass er sich seiner ruhigeren Country-Ader nicht outen wollte – ein „Devil In My Veins“ oder „Johnny Cash“ in der Nachmittagssonne hätte sicher einige überzeugt.

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Ganz langsam nur kündigt sich die Dämmerung an, was dieser Tage trotzdem heißt, dass Tyler, The Creator im Hellen spielen muss. Mit Odd-Future-Unterstützung von Taco und Jasper hüpft das Energie-Bündel Tyler auf der Bühne auf und ab, springt ekstatisch und freut sich, dass das Publikum Englisch versteht. Erst etwas enttäuscht von der in der Sonne geschrumpften Energie der Menge, lässt er sich schnell mit einer neuen Hände-verrückt-in-der-Luft-schütteln-Publikums-Technik beruhigen. „You know how fucking awesome that looks from up here?“ – was Tyler bei seiner Setlist auslässt, macht er mit seinen kleinen Stand-up-Comedy-Einlagen wieder wett. Dabei fragt er, welche Drogen die Menschen im Publikum so nehmen und fordert die Veranstalter auf, Kokain zu verteilen. Ja, er hat kein „Yonkers„, kein „Bastard“ und kein „Bitch Suck Dick“ gespielt, aber er ist eben Tyler und macht, was er will – dafür feiern wir ihn ja. Leider folgen auf energiegeladene Nummern abwechselnd ruhigere, unterbrochen von Tylers Monologen, was dafür sorgt, dass nicht so richtig Stimmung aufkommen mag. Zwischendurch gibt’s auch mal einen ausgestreckten Mittelfinger gegenüber seinen Zuschauern. Trotzdem heizt er der Crowd am Ende mit dem Ausraster „Tamale“ noch richtig heiß ein, eine jugendliche Energie, die man von den darauffolgenden Jurassic 5 allein biologisch nicht mehr erwarten darf. Auch wenn seine neuen Alben nicht mehr so viel Anklang wie „Bastard“ und „Goblin“ finden, ist es ein Geschenk, den OFWGKTA-Leader in persona zu sehen.

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Neben den vier MCs machen erst die zwei DJs Cut Chemist und Nu-Mark Jurassic 5 komplett, die mit selbst gebastelten technischen Spielereien das Konzert zu etwas Besonderem machen. Ein überdimensionaler Plattenspieler, an dem grobmotorisch gedreht wird, ein Turntable als E-Gitarre und eine umhängbare Drummachine – die Solo-Einlage der beiden DJs ist einzigartig und beweist, dass sie DJ-Helden der Superlative sind. Doch auch die Jurassic-5-Rapper bemühen sich und liefern einen soliden True-School-Auftritt mit Disco-Sound inklusive Dead Prez‚ „HipHop“ und KRS Ones „Sound of the Police“ ab. Mit ihrer Show kommt die ergraute HipHop-Gruppe auch beim jüngeren Publikum an, das sich für K.I.Z. bereits vor der Bühne positioniert hat. Nach einer kurzen „Hot in Herre„-Einlage riden die Rapper schließlich auf ihren imaginären Motorrädern Richtung Sonnenuntergang.

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Wie auch schon bei ihrem Dezember-Gig im Gasometer stehen Tarek, Nico und Maxim im schwarzen Outfit und Springerstiefeln, teilweise auch mit Sturmmaske auf der Bühne, haben „Die Partei“-Mitglieder und Konfettikanonen dabei. K.I.Z. wissen eben, wie man eine Live-Show aufzubauen hat. The Gap sieht das anders und schreibt, dass die Show scheiße war – näher erläutert wird diese Bekundung nicht. Dabei spielt DJ Craft zwischen Statuen und hinter Panzerrohren Songs vom aktuellen Album „Hurra die Welt geht unter“ und Klassiker wie „Spasst“ und „Hurensohn“, und Maxim erscheint für „Käfigbett“ in Windeln und Kunstblut-verschmiert für seine eigene Geburt auf der Bühne. Ein Track, der live trotz Inszenierung nicht ganz so gut funktioniert. In ihren Moderationen zwischen den Tracks witzeln die drei MCs über zugeflogene Stringtangas, die Kokssucht und den damit einhergehenden baldigen Tod von DJ Craft und über die vielen Weißen im Publikum. Die Zuschauer, die sind sowieso alle „Schmutz und der Dreck auf den Stiefeln“ von K.I.Z. Ein gerechtfertigter Headliner mit einer gewohnt ehrenlosen Show.

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Text: Thomas Kiebl, Wanja Bierbaum & Julia Gschmeidler
Fotos: Moritz Nachtschatt

 

 

 

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