"Battlen ist ein wenig wie kochen" – Morlockk Dilemma & Sylabil Spill

Morlockk+Dilemma++Sylabil+Spill+SM

Vor Kurzem haben die beiden deutschen Rapper Morlockk Dilemma und einer der Beleidiger Sylabil Spill eine Battle-EP rausgebracht, die man mit zwei Worten beschreiben kann: roh & kalt. Im Interview mit The Message erläutern die zwei Musiker jedoch nicht ihren letzten Release, sondern behandeln Themen wie den Widerspruch des Kapitalismus und das angebrochene Zeitalter des Egoismus, erklären Falco zur österreichischen Lady Gaga der 80er und philosophieren über die Sinnhaftigkeit von Religion. Welche konstruktive Gedanken abseits vom harten Battle-Alltag gehegt werden, kann man hier nachlesen.

TM: Morlockk, du bist in einer ostdeutschen Platte aufgewachsen. Wie sehr hat dich deine Kindheit in dieser Umgebung geprägt?
Morlockk: Das ist natürlich schwer zu sagen, sowas kommt ja eher unterbewusst. Wenn man sich ein bisschen mit den Sachen, die ich mache, auskennt, dann ist das nichts, was ich mir auf die Fahne schreibe. Ich bin weder der Ost-Representer, noch mache ich Plattenbaurap. Trotzdem hat es sicher einen Einfluss gehabt, das ist schwer zu sagen. Vielleicht ist es die gewisse Härte in den Texten und der Sarkasmus. Wenn es einen Einfluss gab, dann weniger von dem Ort wo ich aufgewachsen bin, sondern von der Zeit. Es war dann schon im Osten, aber eben in der Wendezeit. Genau dieses Gefühl von großer Hoffnung, gefolgt von Tristesse und Hoffnungslosigkeit, als dann eben die Wende war und die Leute arbeitslos waren. Das hab ich auch am eigenen Leib erfahren und das wird sich bestimmt auch auf meinen Charakter ausgewirkt haben, zumindest was den Zynismus betrifft. Das wird sich natürlich in den Texten widerspiegeln, das ist das, wo ich den Einfluss sehe.

Obwohl du auch meintest, dass die Leute dort alle Gabber gehört haben.
Morlockk: Jaja, das Ding, dass ich da von HipHop umgeben war, war auf jeden Fall nicht. Mitte der 90er bin ich viel in der Innenstadt von Leipzig herumgehangen und hatte da so Skatefreunde und Graffitileute und dann war das natürlich interessant für mich, eben weil’s auch was anderes war und man nicht dasselbe gemacht hat wie die ganzen Spasten aus der Klasse. Da war HipHop auch eine Art Revolution mit dem eigenen Umfeld.

Sylabil, du hast deine ersten sieben Jahre im Kongo verbracht. Wie sind deine Erinnerungen daran und wie war der Aufbruch nach Frankreich?
Sylabil: Je jünger du bist, desto leichter ist es auch, dass du positive Bilder im Kopf hast. Frankreich war für mich jetzt nicht so besonders, es war viel spannender nach Deutschland zu kommen, das war jetzt schon kalt für mich. Die Sprache sprichst du erstmals nicht und auch wenn beides in Europa ist, unterscheiden sich die Franzosen schon im Gesellschaftlichen wesentlich von den Deutschen. So Kleinigkeiten wie Stringente, Pünktlichkeit und ein gewisses mechanistisches Verhalten, da ist alles nach Plan, das ist mein Gesamteindruck. Frankreich war für mich näher am Kongo, unabhängig vom geschichtlichen Hintergrund oder was die Kolonialzeit betrifft. Aber durch die Sprache und die gewisse Lockerheit waren die Anfangszeiten in Deutschland härter. Es gibt Erfahrungen, die du machen musst, wenn du aus einem anderen Umfeld und Umwelt kommst. So war ich wie viele Ausländer ausgesetzt und musste dann gucken, wie es weitergeht.

Wie lange warst du in Frankreich?
Sylabil: Nicht lange, fix gewohnt hab ich 1 ½ Jahre in Villeneuve. Die alten Kontakte hast du jetzt noch und dann siehst du: ah, der hat jetzt einen Laden, das ist der Typ, mit dem ich am Spielplatz Wrestling gespielt habe und mit dem bin ich vor den Straßenhunden weggelaufen.

Hast du denn auch Connections zu der französischen Rapszene?
Sylabil: Absolut. Ich bin ständig in Kontakt mit Acts aus Frankreich, aber ich bin kein Freund von Namedropping. Aber wenn ich da bin, beschäftige ich mich auch mit den Leuten, ob die jetzt Mainstream sind oder im Underground aktiv, ist egal. Der Unterschied ist, dass in Frankreich die Musiker zwar nicht arrogant sind, aber sich die Freiheit nehmen ihr Ding durchzuziehen, ungeachtet vom Ureinfluss, sprich Amerika.

Aber durch die Radioquote haben sie auch ein anderes musikalisches Nationalbewusstsein…
Sylabil: Natürlich, geschichtlich gesehen gibt’s da auch einige Vorteile gegenüber Deutschland.

Morlockk: Die waren aber auch schon immer stolz auf ihre Musik. Als es dort schon Songgrößen gab, haben die in Deutschland noch Schlager gemacht und einfach amerikanische Lieder übersetzt.

Sylabill: Das Amerikanisieren ist halt in Deutschland viel stärker als in Frankreich. Geschichtlich hat Frankreich Amerika mitkonstruiert, das kann man hinter vorgehaltener Hand sagen. Nichtsdestotrotz sind die da schon ein bisschen mutiger und haben diese Scheißegal-Einstellung was die Urquellen der Musik betrifft. Natürlich hörst du auch viel klimper-klimper-Synthesizer-Zeug und viele klingen dann auch wie Lil’ Wayne oder T-Pain, aber in dieser mittleren Bandbreite trotzdem qualitativ…Ich hab das Glück, dass ich die Sprache und den Slang richtig verstehe und das dann mit dem Deutschen vergleichen kann. Dann muss ich schon mit einem weinenden Auge sagen: ja, die sind schon qualitativ eine etwas andere Liga. Die haben auch nicht so viele verschiedene Dialekte, die von Paris und Marseille, wo die ein wenig langsamer reden, aber es tut sich sonst nicht so viel. Die Vielseitigkeit ist im deutschsprachigen Raum zwar ausgeprägter, aber die Sprachdynamik ist ein Vorteil der Franzosen.

Hast du schon mal darüber nachgedacht auf Französisch zu rappen?
Sylabil: Ey, ich freestyle oft auf Französisch, aber ich finde es vermessen, etwas in einer Sprache aufzunehmen, wo ich nicht im Lande bin, weil ich die Sprachdynamik beherrschen muss, damit ich auch ein Teil davon bin. Ich bin gar kein Freund von Englischrapper, die in Deutschland wohnen. Für mich ist das ein völliger Kack. Das ist eine Radikalhaltung, da lass ich mich auch oft nicht belehren. Aber wenn ich auf einer Sprache rappe, dann sollte ich auch da leben, um eine gewisse Verbundenheit transportieren zu können.

Morlockk: Die finden das auch einfach geil, solche Phänomene hat man ja ständig: Mutter weiß, Vater schwarz. Aufgrund der Verbundenheit zu der Frage wo sie hingehören machen sie einen auf Amerikaner vor ihren Schulkumpels, weil sie die Mucke feiern, aber da leben sie in einer Phantasiewelt. Das ist am Ende bei der Realnessdebatte einfach nicht die Realität. Deswegen bleibt da immer etwas dabei, wo ich sage, dass es mir nicht gefällt. Es gab einen einzigen Rapper aus Deutschland, der kein Muttersprachler war, und es klang dope, das war der Ali von Square 1, das klang wirklich krass. In Bremen gibt es auch einen, das klingt, als ob der Typ grad von einer Fähre aus Brooklyn gestiegen wäre, aber grundsätzlich hat man gehört: das ist ein schwarzer Holländer, der einem in den 90ern bei den Danceprojekten als Amerikaner verkauft wurde, obwohl er keiner ist. Die Gründe so etwas zu machen sind mannigfaltig, aber ich find’s auch nicht gut.

Warum hat dann zum Beispiel ein Savas auf Englisch zu rappen begonnen?
Morlockk: Das waren andere Zeiten. In den 90ern kam noch dazu, dass sie es beim ersten Mal Adaptieren so nah am Original wie möglich gehalten haben. Solche Wörter wie „dissen“ und „Beef“ sind ja nicht umsonst noch in unserem Sprachgebrauch, gerade auch in der Graffitiszene gab es nur Anglizismen. Es hat einfach zum guten Ton gehört auf Englisch zu rappen, die fanden das whack. Fanta 4 waren die Ersten, die das auf Deutsch in einer gewissen Breite rausgetragen haben und die wurden von allen belächelt. Irgendwann hat man sich dran gewöhnt. Jetzt ist das mittlerweile total absurd auf Englisch zu rappen. Ich glaub die Kids heute haben auch gar nicht mehr den Bezug zu Amirap, wie ich den damals hatte. Es hat viel Zeit gebraucht sich zu emanzipieren und alles hat da seine Vor- und Nachteile.

Weißt du denn wer der erste deutsche Rapper war?
Morlockk: Jetzt sag nicht Falco.

Du heißt ja Falko im Vornamen. Was hältst du von deinem österreichischen Namens-Pendant?
Morlockk: Ich seh den nicht als Rapper, genauso wie ich Fanta 4 nicht als Rapper sehe, es hat keinen Rapflavour. Die Beats sind whack, also bei Falco waren’s eh keine Beats, da war ein 80er-Einfluss drinnen. Aber der war ja extrem offen, nicht jetzt unbedingt im positiven Sinn, denn das war extrem Pop und er hat halt gesprochen, aber nicht gerappt. Mittlerweile feier ich den Pathos in den Sachen, aber textlich ist das Banane, auch wen ihr den wahrscheinlich alle vergöttert. Da ist nichts hinterlassen worden, was ich auf einer lyrischen Ebene als Meilenstein sehe, das ist halt die österreichische Lady Gaga der 80er Jahre – und das ist schon ein Lob. Ich meine das dahingehend, dass er sich krass gut inszeniert hat und dafür ist er auch zurecht ein Star gewesen, aber musikalisch weiß man nicht, wer da wirklich alles dahinter gesteckt hat. Ich glaub nicht, dass er komponiert hat, er hat sich gut vermarktet, ich feier eher den Character und die Figur, deswegen find ich’s auch nicht schlimm, dass wir den gleichen Namen haben, auch wenn ich mit K geschrieben werde.

Dein Künstlername Morlockk wurde von dem Film „Die Zeitmaschine“ geprägt. Wenn du eine hättest, in welche Zeit würdest du reisen wollen?
Morlockk: Eigentlich hab ich mich so genannt und dann haben die den Film gedreht. Nein, Spaß. Vor ein paar Jahren hätte ich dir das ganz einfach beantworten können, da wäre ich nämlich nach 1973 gefahren, weil ich ein Fan von den alten Scorsese Filmen bin, wo der New York-Flavour der 70er dargestellt wird. Weil man da auch mit dieser überromantisierten Retrospektive konfrontiert wird. Natürlich war’s dort damals auch scheiße. Genauso wie später die Kids einmal sagen werden: ah, die Nullerjahre, das muss ja geil gewesen sein. Ich hab auch ganz lange einen Hype um die 80er geschoben. Jetzt wo alle die 80er wieder auf die Straße tragen in Berlin ist das ja eine verrückte Mixtur aus 80er Jahre Trash und 90er Jahre Trash, also modisch gesehen ist die Zeit gerade ultra whack. Aber ich freunde mich auch gerade mit den 80ern an und wahrscheinlich werden in zunehmendem Alter die Kindheitserinnerungen immer in den schillerndsten Farben dargestellt. Aber um die Frage zu beantworten: in die 70er Jahre würde ich reisen, da hätte mich wirklich alles interessiert. Ich hab jetzt erst Bildmaterial aus dem Osten gesehen und das fand ich sehr spannend und reizvoll, Hauptsache weg von hier, ich find die Zeit jetzt nicht so spannend. Wenn man Musik und HipHop als Jugend- und Subkultur versteht, ist es gerade todlangweilig, weil sich gerade alles in einem hedonistischen Konsumterror ergießt. Die Leute sind zwar getrimmt darauf, sich selbst zu verwirklichen und fahren einen Ich AG-Film, aber auf der anderen Seite ist alles so uniform geworden. Gerade in Berlin bin ich gelangweilt, da fühl ich mich vom State of the Art nicht gerade passend jetzt. Das ist mir mit Anfang 20 nicht so aufgefallen – und da haben alle Dipset gehört, was jetzt auch nicht so meine Mucke war.

Sylabil: Ich denke, wenn man das jetzt geschichtlich sieht, ist es oft so, dass jede Zeit ein gewisses Motto hatte. Die 70er waren ja die Zeit der Selbstverwirklichung im Sinne der Revolution, des sich Auflehnens. Man hatte gerade Katastrophen mitgemacht und dann wollte man gegen die Obrigkeit protestieren und dann hattest du diese ganzen kleinen Gruppierungen, die jetzt als terroristisch bezeichnet werden könnten, RAF und so. In den 80ern gab es dann ein experimentelles Miteinander, da fängt dieses Plastische an. Die 90er stehen ganz klar im Zeichen des Egoismus, da hat die Gesellschaft im Westen die Ellbogen ausgefahren.

Morlockk: Rave zum Beispiel ist eine vollkommen egoistische Musikrichtung. Bei HipHop kannst du ja noch in Grüppchen tanzen, beim Rave tanzt jeder für sich selbst. Die jetzige Zeit ist in einer Suchphase. Bis jetzt hat man alles kopiert, was ja auch in der Natur steckt: also entweder von einer vorhergehenden Jugendkultur distanzieren oder rebellieren, man hat schon alles durchgesamplet. Die 70er waren schon mal da, die 80er sind schon wieder fast durch, richtig angekommen sind sie aber alle noch nicht. In Berlin begegnen dir 35-Jährige, die sind noch auf einem Film, als wären sie gerade aus dem Abitur gekommen, dieses partymäßige und nach mir die Sintflut mäßige. Das ist irgendwie so unwirklich, aber wirklich erklären kann ich es mir nicht.

Wenn ihr die 90er jetzt so anprangert: Dein nächstes Album mit Hiob wird ja „Kapitalismus.Jetzt“ heißen. Was hältst du dann von dem Voranschreiten des Kapitalismus in der heutigen Zeit?
Morlockk: Natürlich, wenn ich mich als losgelöstes, im Raum schwebendes, auf alles herabblickendes Etwas sehen könnte, würde ich jetzt nur negativ reden und wie uns das zerstört. Aber tatsächlich bin ich ja selber drinnen. Ich bin ja nicht hier, weil’s mir Spaß macht, sondern ich verdien heute Abend Geld mit dem Konzert. Das ist auch der Widerspruch, den wir mit dem Album ausdrücken wollen. Ich werd jetzt nicht eine linkspolitische Äußerung machen und sagen, dass der Kapitalismus gescheitert ist und der Kommunismus uns helfen würde. Auf der anderen Seite leben wir ja mittlerweile in einer Welt, in der es die Leute nicht mehr interessiert, sie sind entidealisiert. Als ich zum HipHop gekommen bin gab es ein verbindendes Element zwischen den Punkern, Oi-Skins und HipHoppern, nämlich dass alle gegen Rechts sind. Das ist heute gar nicht mehr so selbstverständlich. Das ist heute anders, die Leute bei den Konzerten sind nicht politisch. Das verlange ich zwar von keinem, aber es ist einfach ein Fakt. Von daher wird das Album in die Richtung gehen, dass wir das zwar auch kritisieren, aber eigentlich feiern wir unseren eigenen Kapitalismus ab, wenn auch mit einem Augenzwinkern. Die Feuilleton-Schreiber werden sich im Subtext bestätigt fühlen, aber letzten Endes ist es ein großer gelebter Widerspruch, in dem wir uns befinden. Genauso wie du weißt, dass billiges Fleisch scheiße sein muss, denn es kann nicht gut sein. Und trotzdem regt man sich dann auf, dass Pferd drinnen gefunden wurde. Man muss sich klar sein darüber, dass Qualität teuer ist, der alltägliche Widerspruch.

Sylabill: Aber was ist denn billig? Das wird doch immer nach Kriterien gemessen, die völlig abwegig sind. Und wer sagt, dass teuer zwangsmäßig besser ist und wie wird besser gemessen? Ist das dann besser für mein Wachsen oder besser für mein Nachdenken? Für’s Wohlbefinden wissen wir ja alle, dass zu viel beschissen ist und man auf sowas verzichten kann. In Wahrheit ist das alles ekelhafte Politik, die schon so absurd ist, dass wir sie gar nicht mehr wahrnehmen. Das heißt uns wird was vorgegaukelt und wir glauben das. Ich sitze und klage, aber am Ende des Tages mach ich das genauso, weil ich keinen Ausweg finde.

Morlockk: Dazu wird man auch noch sarkastisch und was mich dazu persönlich stört ist diese Lethargie. Die Leute nehmen alles hin und meinen Politik ist scheiße und gehen nicht wählen. Ein schönes Beispiel dazu: jetzt bei diesem Fleischskandal tauchte ein Wikipedia-Link zu den Sülze-Aufständen in Hamburg auf. Da ist in einer Fleischerei irgendwie ein Fass aufgeplatzt und da war vergammeltes Fleisch drinnen. Die Leute sind ausgetickt und haben so randaliert, dass die Armee kommen musste. Das beschreibt auch gut, dass uns heute alles scheißegal ist, wir lassen alles mit uns machen. Nach der Wirtschaftskrise weiß jeder, dass die Weltwirtschaft ein riesiges Casino ist und es ändert sich nichts. Im blinden Aktionismus wird zwar ein paar Wochen mal ein Zelt aufgebaut, aber man peitscht es nicht durch, bis sich was ändern würde. Das ist ein Stück weit etwas, das man der Gesellschaft ankreiden kann: wenn man Missstände mitbekommt, nicht mehr dazu bereit zu sein, dagegen zu kämpfen. Solange der Fernseher läuft und die Wohnung geheizt ist und Geld aus dem Automaten kommt ist alles in Ordnung. Die paranoide Seite in mir befürchtet manchmal, dass wenn’s zu einem Knall kommt, der ja schon öfters kurz vorm Ausbrechen war, und die Supermärkte zumachen, weil der Lieferstrom unterbrochen wird, weil die Weltwirtschaft gerade den Bach runtergeht, dass die Leute nicht mal dann was machen würden. Sie würden zu Hause sitzen und still vor sich wegvegetieren. Das ist eigentlich traurig.

Sylabill: Da kommen wir wieder in das Zeitalter des Egoismus. In den 60er und 70er Jahren hattest du da diese Auflehnung. Da hat man auch gesehen, dass die Leute im Kollektiv dafür gesorgt haben, dass bestimmte Sachen geändert wurden. Es war nach dem 2. Weltkrieg auch zwingend erforderlich, dass als die ganzen Nazitypen dann Posten besetzt haben, die Leute sich aufgeregt haben, dass sie die Faschos nicht haben wollen. Das ist ein großer Vorteil gewesen und man hat gesehen, was eine Masse bewirken kann. Heute bewirkt die Masse auch was, die Bevölkerung bewirkt halt, dass 1 Prozent sich erlauben kann, was es will. Ich könnte meinen Idealismus voranpeitschen und rausgehen, wie ich das an der Uni mal gemacht habe. Da hab ich gegen Studiengebühren protestiert und da stand ich alleine da. Die anderen meinten es wäre ihnen zu heikel und sie wollten keinen Stress mit dem Professor. Da stehst du dann da und denkst dir: also gut. Das ist auch eine Gemütlichkeit, die sich einschleicht: du musst nicht mehr rausgehen, du kannst von zu Hause aus dein Essen bestellen, Edeka bringt es dir, die Apotheke wird über’s Internet geregelt, du hast ein Smartphone. Im Prinzip lebt man wie der alte Mann in seinem Mercedes: ein Knopf und Sitz nach vorne, nächster Knopf Geschwindigkeitskontrolle. Da sind Parallelen, die durchaus auch Sinn machen und an sich alarmierend sind. Das ist Fakt, aber man macht sich auch keine Gedanken darüber, weil die Gesellschaft extrem schnelllebig ist. Früher hab ich Wu Tang gehört und bin abgekackt, kam erstmals nicht klar. Heute hören die Kids vielleicht einen neuen Onyx Track und gleichzeitig gibt es eine Special Edition und eine Limited Edition von dem und dem und dann kannst du das da kriegen und das da, es gibt ja das Internet und das endet dann im Prinzip in einer großen Unübersichtlichkeit, was zu irgendwas führen wird, zu was weiß ich nicht. Das jetzt anzuprangern und zu sagen das ist negativ, wäre paradox, weil ich auch ein Teil davon bin, so traurig das auch klingen mag.

Du hast gesagt man sollte sich schämen, wenn man den Namen deines Albums „Der eiserne Besen“ mit der österreichischen antisemitischen Zeitschrift vergleicht. Warum hast du damals keinen anderen Titel gewählt um Vergleiche zu meiden? Hast du zuvor von dieser Zeitschrift gewusst?
Morlockk: Das Ding ist, dass ich tatsächlich das erste Mal von der Zeitschrift gehört habe, als das Mixtape draußen war und mich jemand drauf angesprochen hat. Da dachte ich: oh, das ist natürlich heavy. Aber erstens war mir das nicht geläufig und zweitens war mir der eiserne Besen als geflügeltes Wort präsent. Also meine Mutter meinte, als ich als Kind das Zimmer nicht aufgeräumt habe: räum’s selber auf, sonst kehrt hier der eiserne Besen. Sicherlich haben die Nazis dieses geflügelte Wort auch genau deswegen benutzt. Ich hab mir ein paar Mal überlegt, wie es gewesen wäre, wenn ich es gewusst hätte, dass es das Magazin gibt, weil es nichts an der Grundaussage ändert, warum ich den Namen gewählt habe. Es war einfach wegen eines existierenden Wortes, dessen sich die Nazis bedient haben. Weil ich dachte, dass sich die Leute ihren Strick daraus drehen, hab ich geguckt und in ganz normalen deutschen Illustrierten haben die das als ganz normales Wort benutzt. Von daher war das für mich dann erledigt. Ich fänd’s jetzt was anderes wenn ich Wörter wie Endlösung oder Euthanasie benutzt hätte. Dann wär das klar eine geschmacklose Provokation gewesen, aber das hätte ich auch nicht gewollt. Auf jeden Fall dachte ich mir: sorry, die haben einfach alles, was pathetisch verwertbar war irgendwie in ihre Propaganda eingebaut und das tut mir leid. So wie Nazis sich Wörter bedient und die Konnotation verändert haben, kann man das auch wieder rückgängig machen. Wenn jemand in zehn Jahren fragt was der eiserne Besen ist, wird der wahrscheinlich sagen: das ist dieses Mixtape von Morlockk, und nicht die Nazi-Zeitschrift. Aus dieser Perspektive finde ich es eine romantische Vorstellung, Nazis einen Begriff weggenommen zu haben. Und was ist eigentlich mit Christina Stürmer? Der wird kein Vorwurf gemacht?!

Der Eiserne Besen ist ja genauso ein Alter Ego von dir wie Morlockko Plus. Was sind da die unterschiedlichen Herangehensweisen?
Morlockk: Morlockko Plus ist ganz klar der Produzent, da wollte ich nicht denselben Namen haben wie Morlockk Dilemma, sondern eine Kreatur erschaffen, die sich nur um die Beats kümmert. Morlockko Plus ist ein plumpes Wortspiel aus Moloko, die LSD Milch aus Clockwork Orange, das wollt ich eh schon immer mal verwenden. Da hab ich jetzt einen alten Wrestler und Geheimagenten geschaffen, der macht die Beats. Eisener Besen ist eigentlich nur der Battle-Morlockk, aber die Grenzen sind fließend. Morlockk selber ist thematisch breiter aufgebaut und der Besen hat nur blinde Zerstörungswut.

Zu dieser Zerstörungswut passt es auch, wenn Sylabil rappt: “Ich werde dich zerbrechen, deine Gestalt ficken, beim Battlen vorführen und dann vergewaltigen” – eine Textzeile aus „Schaumstoffgegner“. Woran denkst du beim Schreiben solcher Zeilen?
Sylabil: An eine fiktive Person – zum Teil.

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Bist du dann eher eine friedfertige Person außerhalb von Rap?
Sylabil: Das ist einfach die künstlerische Freiheit. Ich nehm mir die Freiheit zu sagen, was ich will. Natürlich hat das auch seine Grenzen, aber was das Battleding betrifft drück ich mich so wüst aus, wie der Radira das halt will. Da kommt sowas dann auch zustande. Im Endeffekt geht’s beim Battle, ohne es jetzt durch die Blume zu sagen, um ficken oder gefickt werden. Dann kannst du Punchlines droppen indem du persönlich wirst und mit Worten spielst wie „deine Frau nimmt beim Vorstellungsgespräch eine Matratze als Unterlage“, oder ich sag „ich ramm dich so fest an die Wand, bis dein Schulterblatt springt“. Das ist die Freiheit, die mir gegeben ist und dann kombinier ich, das ist ein wenig wie kochen.
Wenn ich mit einer reellen Person eine Auseinandersetzung hätte, würde ich zuerst mit ihr reden in einer zivilisierten Welt, in einer unzivilisierten Welt den Garaus machen. Wer sich persönlich angegriffen fühlt, der soll sich halt melden, aber bis jetzt hat sich niemand getraut sich zu melden. Das macht man alles mit einem Augenzwinkern und so sollte das auch sein. Wer das persönlich nimmt, der hat ein Problem mit sich und seiner Wahrnehmung. Beim Battlen bist du weniger der Dienstleister und mehr der Künstler, weil du extrem frei handeln musst. Da ist dein Intellekt eher auf den Selbsterhaltungstrieb fokussiert, als darauf, etwas massenkompatibel krass Verwertbares zu machen. Weil da intellektualisierst du die Kunst und bist ein Dienstleister. Dieser Umkehrprozess in dem du es entintellektualisierst ist das, womit die Leute ein Problem haben und es zu persönlich nehmen. Dafür gibt es aber Kunst, wenn ich mir ein Kunstding ansehe, denke ich mir, dass das krass scheiße aussieht. Aber es gibt auch den Typen, der Geld dafür blecht und die Putzfrau, die das einfach wegwischt, weil sie es auch für einen Umbug hält. Es ist doch schön, dass ich sowas sagen kann und du dich damit beschäftigen kannst.

Du hast ja auch gesagt „Ich habe Spaß daran, dass es den Leuten nicht gut geht„.
Morlockk: Das war natürlich Spaß. Egal ob es denen gut geht oder schlecht, das beschäftigt mich nicht. Gerade Battlesachen sind wie Meditation, da sitz ich da und spiel mein Erwachsenenkreuzworträtsel, wo ich einfach gucke was reimt sich hier und das in einen Kontext bringe um das lustig zu machen. Letzten Endes sitz ich da und versuch mich selbst damit zu amüsieren. Es muss halt mit der Reimstruktur passen, das ist wie wenn alte Menschen Sudoku machen. Ich hab auch noch nie daran gedacht, dass sie mich wegen irgendwelcher Zeilen testen werden, es ist halt ein Sport mit Worten und die Regeln dafür hab ich mir nicht einfallen lassen. Da gibt’s gar keine Ebene, dass man es auf irgendeine Weise persönlich nehmen kann. Wenn’s so wäre, würde ich auch einen Namen nennen. Bei Beef würde es die ein oder andere Line, die ich beim Standardbatteln verwende, nicht geben. Dann versuch ich ihn wirklich persönlich zu diffamieren, da hast du einen ganz anderen Aufbau. So kann ich mir einen absurden Scheiß einfallen lassen, was ich mit seinen Extremitäten veranstalte, oder wie ich ihn kaputt mache. Das macht halt einfach Spaß und wenn’s dann alle drei Jahre mal Aufregung gibt, hör ich mir das gar nicht an. Aber es gibt auch Grenzen, ich würd jetzt nie was über Religion machen. Nicht weil ich da die Überehrfurcht davor hab, aber es gibt Leute, denen das extrem wichtig ist und in diesem Frieden möchte ich sie auch lassen.

Bezüglich Religion: auf Facebook hast du angegeben, dass du Nihilist bist…
Morlockk: Nihilismus ist ja keine Religion. Wenn’s eine Kirche der Nihilisten geben würde, ich würde tatsächlich nachdenken Kirchensteuer abzudrücken. Aber in dem Fall ist das Spaß. Facebook wertet das ja auch irgendwie aus und bei ein paar Sachen habe ich dann geguckt, welche Werbeanzeigen ich dann bekomme. Ich bin aber jetzt kein Nihilist, ich bin auch nicht depressiv oder schlecht gelaunt, sondern versuch alles mit Humor zu nehmen. Da bin ich wesentlich lebenslustiger als manch ein von der Liebe singender Schlagerstar, die sind nämlich die wahren Nihilisten, zumindest Zyniker.

Der Song »Der Baum« wurde laut deiner Aussage von der Geschichte des amerikanischen Schriftstellers Kurt Vonnegut beeinflusst. In seinen Romanen finden sich immer wieder Auseinandersetzungen mit der Religion. („Religion ist Versuch des Menschen der Einsamkeit zu entfliehen“). Wie oft beschäftigst du dich mit dieser Thematik?
Morlockk: Ich würde die gläubigen Leute fragen, ob sie ihr Standardwerk gelesen haben, ob da jeder die Bibel gelesen hat, oder ob das nicht aus einer Tradition heraus entstanden ist, weil Mama und Papa immer sonntags in die Kirche sind. Wie viel Überzeugung bei dem jeweiligen Gläubigen vorhanden ist. Ich bin letzten Endes auch nur ein Produkt meiner Umwelt, es ist nicht so gewesen, dass ich mich damit auseinander gesetzt und entschieden habe: ich bin jetzt nicht gläubig. Ich glaube ja auch an Dinge, aber nicht an niedergeschriebene Lehren, die vor vielen Jahren mal aufgestellt wurden und ohne Hinterfragung noch immer heruntergebeten werden. Ich bin praktisch dahingehend ein Produkt meiner Umwelt, dass ich in der letzten Phase der Deutschen Demokratischen Republik aufgewachsen bin und das war ein komplett säkularisierter Staat, das heißt Staat und Kirche waren getrennt, und so wirst du halt auch erzogen. Wenn ich in Bayern groß geworden wäre, würd ich jetzt vielleicht sagen: der Herrgottswinkel, da siehst du mich jeden Sonntag sitzen. Es ist halt einfach so und da fehlt mir der Hang zur Esoterik und das Stück Unterwürfigkeit. Ich krieg in meinem Leben mit meinen eigenen Regeln die Disziplin rein, die viele in Religion sehen. Ich glaub ich hab ein ganz gesundes Weltbild, auch im Umgang mit Mitmenschen, dafür brauch ich keine Religion. Ich seh eigentlich gerade mehr Negatives im Umgang innerhalb einer Religion, es war ja auch so, so viele Kriege. Was mich interessiert ist die Kultur, die damit verbunden ist, das ganze Arabische. Das seh ich aber eher so als Traditionsding, für die Religion selber fehlt mir der Draht.

Vor vielen Jahren wurde der Elfenbeinturm als Symbol einer Sprache, die nur von Eingeweihten verstanden wird, kreiert.
Morlockk: Das kannst du aber auch in verschieden Richtungen drehen. Ich kokettier auch damit. Als ich mit Hiob „Apokalypse, Jetzt“ herausgebracht hab war das voll von biblischen Phrasen, das ist nun mal die Sprache des Abendlandes. Die Bibel und die damit verbundene Sprache ist der Sprachcode des Abendlandes. Daher wird das Abendland auf dem Album zu Grabe getragen, so haben wir uns da bedient. Und vom sprachlichen Sinne ist es natürlich eine wundervoll pathetische Sprache mit ganz vielen alten Worten, die man zwar noch irgendwo im Hinterkopf hat, aber gar nicht mehr benutzt. Das verleiht dem ganzen Unsinn, den man auf ein Blatt Papier bringt, noch einen Hauch von Seriosität. Deswegen kommen auch biblische Zitate oder Schlagwörter vor, aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mich damit krass befasst oder einen Bezug dazu habe. „Elfenbeinturm“ hat zum einen schon was damit zu tun, aber auch mit dem Film „Die unendliche Geschichte“. Ich hatte das Bild von einem großen Haus in mir und wenn man jetzt Plattenbau sagt, hat auch jeder ein ähnliches Bild im Kopf. Wenn ich das in Verbindung mit dem purpurnen Elfenbeinturm bringe, dann ist das ein schöner Kontrast, der mir da einfach gefallen hat.

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„Entourage“ (Anmerk.: Sylabils Label) heißt ja eigentlich auch übersetzt Umfeld. Beeinflusst das politische und gesellschaftliche Umfeld, in dem du dich bewegst, auch deine Musik?
Sylabil: Rein musikalisch ist das natürlich viel Stuff von meinen Eltern. Durch die Tatsache, dass ich eh immer mit Musik zu tun hatte, da ich ein Instrument spiele, ist das bei uns leichter gewesen. Mam ist in einer Gospelkirche und dann bist du die ganze Zeit dabei. Das ganze Entourage-Ding kam dann eigentlich so zustande, dass ich den Retrogott Anfang des 21. Jahrhunderts kennen gelernt habe. Meine Entwicklung fand nicht unbedingt in Beisein der Entourage-Leute statt. Es war eher so, dass ich in meinem familiären Umfeld die ganze Zeit mit Soul zugeschüttet wurde, weil meine Mam Soulplatten hatte und mein Dad Jazzgitarrist ist. Es war nur noch eine Frage der Zeit und dann hast du noch Freunde, die dieselbe Affinität teilen und auch Rap hören. Die erste Platte, die ich mir bis zum Erbrechen gepfiffen hab war „Body Count“. Davor waren das eher so Happen, aus denen du dir dein Ich in Form von MC konstruiert hast. Durch die Cyphers und die Leute, die du dort kennen gelernt hast, wurde das dann bestärkt. Irgendwann kannst du freestylen und nimmst dann ein paar Songs auf, weil du grad Bock drauf hast. Mein Denken war: du musst es nicht verkaufen, aber das ist Mucke, die ich hören würde. Dann hab ich B-Seiten geholt und drauf aufgenommen. So dumm am Weg zum Fußballtraining hab ich’s mir nochmal am Walkman reingezogen und fand es irre geil und war so wahnsinnig zu sagen, dass ich besser als die anderen war. Da lebst du echt in dieser Euphorie-Blase und irgendwann fängst du an herumzuexperimentieren mit Kicks und Snares und dann funktioniert’s. Irgendwann hab ich die Platten gediggt und versucht ein Sample zu schneiden und dieses läppische Boomzack zu integrieren und dann hat’s halt geklappt. Ich hab mich aber trotzdem nicht getraut. Ich hab dann auf einen Beat von einem Kumpel gerappt. Das geht dann weiter bis man sagt: ich rap jetzt auf meine Beats. Es ist zwar vermessen das zu sagen, aber wenn ich auf meinen eigenen Beat rappe, hab ich auch einen anderen Anspruch daran. Ich glaube viele können das verstehen. Wenn ich jetzt auf einen Beat von Hubert Daviz rappe, dann geb ich Gas und mein Bestes, aber auf meinem Beat bin ich erstmals gehemmt.

Morlockk: Ich weiß genau was er meint. Wenn du von jemand anders einen Beat bekommst und dann hörst du den zum ersten Mal fertig, dann ist das Boah. Bei den eigenen Beats weiß man, dass die gut sind und man feiert die auch, aber man hat das Ding einfach schon 100 Stunden gehört.

Du hast von der Antifa Auftrittsverbot bekommen wegen frauenfeindlicher Texte. Was genau ist da vorgefallen?
Morlockk: Es war ein Laden in Leipzig, in dem ich schon oft aufgetreten bin. Da ist mehr oder weniger ein Plenum, das über jedes Konzert beratschlägt und ein Auge drauf hat, dass Skinheadbands, die dort spielen, nicht aus der rechten Ecke kommen. Die gucken halt, ob die Band, auch wenn sie jetzt linke Texte macht, nicht einmal mit den Rechten sympathisiert hat. Bei einer Diskussion über so eine Band ist in irgendeinem Forum mein Name gefallen, weil die nicht spielen durfte und ich schon. Da haben die Texte von mir gepostet, bei denen der ironische Aufbau nicht berücksichtigt wurde, das heißt man konnte es letzten Endes auf einen Text runterbrechen und das war ein schon recht sexistisches Ding, wo ich das eigentlich mit vollem Humor genommen hab. Fakt ist: die haben ihren Standpunkt vertreten und ich hab’s ironisch genommen. Ich spiel aber jetzt auch seit zwei Jahren wieder dort. Nicht direkt Antifa, eher ein Plenum aus ganz vielschichten Leuten, von Frauenrechtlerinnen, die schauen, dass Sexismus keinen Einzug in Deutschland hält, bis hin zur Lesbengruppe. Das war ihr Recht, ich fand es aber lustig, dass Ami-Acts, die teilweise viel schlimmer waren, dort spielen durften. Da kommt dann das Argument, dass die auch aus ärmlichen Verhältnissen kommen und nicht wissen, was sie sagen. Das war die Argumentation, wo ich mir dachte sie hauen sich jetzt selber in die Pfanne. Aber es war okay, sie wollten es nicht und ich musste ja auch nicht dort spielen, da war ich auch nicht eingeschnappt.

The Good, The Bad & The Alki“ – Haben Kamp und du eine ähnliche Lebensphilosophie?
Morlockk: So richtig kenn ich seine nicht, aber wenn du auf den Alki anspielst, ich glaub der hat sich da schon eine Weile ganz gut im Griff. Auf der Tour war ich der einzige, der überhaupt was getrunken hat, seitdem sind Kamp und Mädness Antialkoholiker geworden. Ich selber trink schon gerne mal was, aber nicht so, dass es ein Problem für mich sein könnte, ich trink halt in Gesellschaft oder wenn ich einen Text schreibe. Ich bin nicht so der Schnapsmensch, am nächsten Tag wär ich da im Eimer. Ich hab ’nen Job und muss da arbeiten, da kann ich nicht sagen mir geht’s scheiße. Ich bin da relativ geerdet, ich hab keinen selbstzerstörerischen Lifestyle. Wenn, dann ist es in feinen Dosen.

Warum möchtest du von Udo Kier in einem Film über dich verkörpert werden? Weil er immer Bösewichte spielt oder weil er sehr feminin ist und auch gerne einmal Frauenkleider trägt?
Morlockk: Da steckt eigentlich keine krass fundierte Meinung dahinter. Ich war im Theater und da hing ein Udo Kier Bild an der Wand, da fiel mir wieder ein, dass ich den Typen nur aus abgefahrenen, abgefuckten Trashfilmen kenne. Er spielt immer nur den Bösewicht und hat auch immer nur scheiß Filme gedreht, da hat er sich auch einen Namen gemacht. Das find ich charmant, weil keiner sagt: hau mal ab mit dem. Aber er ist auch kein Hochglanz-Bunte-Vorzeigeschauspieler. Das hat für mich Ecken und Kanten und das fand ich sympathisch, ohne vorzuhaben, einen Film über mich zu drehen. Ich find ihn als Schauspieler gut, als Menschen sind mir die Schauspieler aber zu exzentrisch, als dass ich sie in meinem Bekanntenkreis hätte. Bei Mucke genauso. Ich hör mir Musik an, aber mir ist die Person dahinter eigentlich egal. Ich denke es gibt ganz wenige Kunstschaffende, mit denen ich auch privat zutun haben will. Ich brauch diesen Divenscheiß nicht, ich brauch ganz normale arbeitende Dienstleister, mit denen kann ich zusammenarbeiten. Aber dieses um jeden Preis im Mittelpunkt stehen Wollende, das Überego, damit komm ich nicht zurecht. Deswegen will ich auch gar nicht so  jemanden kennenlernen, auch nicht Udo Kier. Aber Uwe Boll, der ist cool. Der hat diese ganzen scheiß Filme gedreht, aber seine Kritiker zum Boxkampf herausgefordert. Die dachten das wäre eine PR Nummer, aber der hat die wirklich alle k.o. geschlagen. Das ist richtig geil, das werd ich auch machen.

Ihr bringt ja in nächster Zeit auch wieder andere Sachen raus. Aber warum wird es in nächster Zeit nichts von den Beleidigern geben?
Sylabil: Das ist zeitlich momentan schwierig, weil der Kurt auch an seinen Sachen mit Brous One und Huss und Hodn hängt. Ich hab auch superviel zu tun was Releases und alltägliche Verpflichtungen wie Arbeit und Studium betrifft. Da ist es momentan nicht so leicht, ich bin auch kein Freund von Heißmacherei. Wenn ich was release sag ich: hier, ist fertig, kannst du hören. „Steine und Zwiebel“ kommt im Sommer, davor kommt die „Miami Vice bescheid“-EP, die kommt im Juni raus. Ein kleiner Kreis meiner Freunde hat sich auch immer Miami Vice reingezogen und klar peilst du irgendwann, dass das eine aufgesetzte Welt ist. Dann ist die Analogie mit der Manipulation der jetzigen Gesellschaft auch relativ nah und dann haben wir uns den Begriff eigentlich zugelegt. Im Sinne von du weißt, dass es manipuliert ist, aber du ziehst es dir trotzdem rein und lachst und spielst mit. Also:  zieh dir das rein, lach dir einen ab – aber du weißt: es ist gelogen.

Interview: Julia Gschmeidler

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