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Austro Round-up (KW 45/19)

Voodoo Jürgens und Yung Hurn möchten mit neuen Alben an die Erfolge vergangener Jahre anknüpfen. Darüber hinaus sind vergangene Woche einige Videos erschienen – wie gewohnt im neuen Austro Round-up zusammengefasst.

Yung Hurn – Y

„Yung Hurn, wieso machst du das?“, grölten im vergangenen Jahr hunderttausende Fans immer wieder. Sein neues Album „Y“ scheint (wie der Titel auf Englisch ausgesprochen vermuten lässt) keine Antwort auf diese Frage zu geben. Auf 13 Songs geht es um Frauen, Diamanten, den Lifestyle. Am „Parkplatz Kahlenberg“ wird „gut gefickt“, mit dem Babe fährt Yung Hurn high auf Xanax in die „Wohnung mit Lift“ im ersten Bezirk. Auffallend oft geht es thematisch um Frauen – die entweder einen reichen Daddy haben, oder sich gut bewegen können. Oder beides. Auf „Y“ fickt Yung Hurn die ganze Nacht. Auch wenn es soundtechnisch gegen Ende hin tatsächlich melancholisch und gefühlsvoll wird, überwiegt auf Albumlänge der Sexismus. Why, Yung Hurn?

Voodoo Jürgens – ’s klane Glücksspiel

2016 mit den ersten Solotracks und dem Debütalbum „Ansa Woar“ quasi aus dem Stand zum gefeierten Liedermacher katapultiert, ist es für Voodoo Jürgens drei Jahre und etliche Live-Auftritte später höchste Zeit fürs verflixte zweite Album. Wie das Cover andeutet, knüpft „‘s Klane Glücksspiel“ an den Vorgänger und dessen Stärken an. Die 15 neuen Tracks untersreichen, dass Voodoo Jürgens spürbar in seinem Element ist, wenn er im Dialekt Geschichten über das Verruchte, die Gescheiterten und (zwischen-)menschliche Abgründe singt. Mehrheitlich düster und melancholisch gehalten sowie mit nostalgischem Spin versehen, malt er auch diesmal ein spannungsvolles Bild von Figuren, ihren Milieus und Lebensperspektiven. Die bildhaften Darstellungen wirken oft realistisch, pointiert und überzeichnet zugleich. Sie bleiben dabei stets unterhaltsam und können beim Hören trotz der inhaltlichen Schwere immer wieder einen Grinser ins Gesicht zaubern.

Bock auf Kultur Sampler

Seit 9. November läuft das diesjährige „Bock auf Kultur“-Festival, in dessen Rahmen in den kommenden Wochen Konzerte, ein Slam und weitere Events zugunsten des Vereins Flüchtlingsprojekt Ute Bock stattfinden. Zum Start hat Philiam Shakesbeat den „Bock auf Kultur“-Charity-Sampler kuratiert, der in 420er-Auflage ausschließlich auf Vinyl erhältlich ist. Die Platte vereint 15 (bereits releaste) Tracks österreichischer Acts. Neben dem rappenden Kurator sind etwa Bilderbuch, Mavi Phoenix, Petrol Girls, Yasmo, EsRAP, Keroin95 oder Lucid Kid vertreten. Erhältlich ist der Sampler hier.

Freshmaker & Chakuza – Infantry

Ganz schön viel los bei Chakuza: Nachdem er erst im Oktober „Magnolia X“ veröffentlichte, ist mit „Heavy Rain“ bereits ein neues Album für Jänner 2020 angekündigt. Während die Promo fürs kommende Werk bereits in vollen Gange ist, schickt Chakuza mit „Infantry“ nochmal was ganz anders voraus. Von Freshmaker produziert, ist der Track auch Vorbote für dessen ebenfalls im Jänner erscheinendes Produzentenalbum „No Limit“. Und was für einer! Mit altgewohnter Power und ohne viel Melancholie rappt er von seinem Werdegang, Skills und seiner persönlichen Rap-Renaissance nach der Alkoholsucht.

Movski – Huki

Im Rap-Kosmos tummeln sich bekanntlich jede Menge für Gesellschaftskritik prädestinierte Themen. Das gibt endlos Stoff für neues Songmaterial, wie auch Movski weiß. Auf „Huki“ reiht er Vorkommnisse, fragwürdige Standards, gelebten Sexismus und Grundsatzkritik aneinander: „Solange dir die Oide auf Insta nicht folgt, verurteile ich alle Formen von häuslicher Gewalt / bei meiner Bildung gibt es für die Zeile grad ein‘ Shitstorm / egal, solang ich reich bin / siehe GZUZ oder Chris Brown“. Dass auch das nicht gerade zur Problemlösung beiträgt, scheint ihm bewusst zu sein. Und der gängigen Beleidigung Huso mit Huki zu entgegen, ist auch nicht gerade konstruktiv, doch – da geben wir ihm Recht – ist die Abwandlung zumindest gegendert. Der Situationskomik wegen zeigt das Video genau einen Shot: Movski nachts, nur von einer kleinen Lampe beleuchtet, nackt im Bett liegend und durch sein Handy scrollend. Kritik kann so simpel sein.

Shen – Karma

Nachdem die vorherge Single „ID“ den Prolog darstellte, folgt nun mit „Karma“ das erste Kapitel von Shens neuer Reise im Musikbusiness mit Major-Deal im Gepäck: „Straight aus der Hölle, sah Rapper, sind Hüllen / Die Labels, sie füllen sie nach Bedarf“. Atmosphärisch ging es auch schon auf „ID“ zu, der neue Song wirkt dagegen ehrlicher, gefühlsvoller. Insbesondere das Musikvideo fängt diese Grundstimmung ein und hebt sie auf ein nochmal höheres Level. „Nicht über Kies, nur über Taten, die du machst, spricht man ein Leben lang“.

Wavyfrisch – U Dig / Mumpitz

Die neue Doppelsingle von Wavyfrisch offenbart Kontraste. Während sich das von symtex128 produzierte „U Dig“ als unbeschwerter Representer erweist, schreibt der Lustenauer auf „Mumpitz“ gegen die Wannabees und materialistische Poser unter seinen Kollegen an: „Erzähl mir keinen Mumpitz, nein du bist nicht strapped / Nein du bist nicht Trap, leider bist du whack / Du fährst Bus und nicht Corvette, keinen ‚rrari und schon gar nicht Maserati / Nein, du bist nicht Playboi Carti“. Wavyfrisch rollt lieber auf seinem Bike durch die Straßen und genießt seine Freiheit, der kein Dienstgeber in die Quere kommen soll. Er rappt dabei einige unterhaltsame Lines, zwischenzeitlich scheint er aber immer wieder kurz den Faden zu verlieren.

Text: Simon Nowak, Chiara Sergi & Francesca Herr

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