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Austro Round-up

Austro Round-up (KW 41-42/19)

Gleich zwei Wochen handelt die neue Ausgabe des Austro Round-ups ab. Neben Videos zu „Kein Zurück“ von Sweetboyblondey & Yung Hurn sowie „Sun auf da Nak“ aus dem aktuellen Album von Dany Kae sind zahlreiche Vorboten auf angekündigte Projekte erschienen.

RAF Camora feat. Ghetto Phenomene – Puta Madre

„Marseille, West-Wien, wir füllen Stadien, kein Kabarett“, heißt es auf „Puta Madre“. Nachdem RAF Camora zuletzt auf „Zove Vienna“ mit den bosnischen Rappern Buba Corelli und Jala Brat performte, scheint nun Frankreich auf der Karte zu stehen. RAF Camora, der als Sohn eines Österreichers und einer Italienerin zunächst in der französischen Schweiz aufwuchs, wurde die Multikulturalität in die Wiege gelegt, er scheint weltweit vernetzt zu sein. Seine Begeisterung für Frankreich und insbesondere für französische Musik ist schon länger bekannt. Auf seiner neuen Single gastiert die französische Rap-Crew Ghetto Phenomene. „Puta Madre“ ist ein weiterer strategisch kluger Move von RAF Camora: Er vereint seinen Sound mit jenem von Ghetto Phenomene – der Song spricht also zwei Fankreise an. Im Musikvideo treten obendrein bosnische Fußballfans auf, die imposanten Ausschnitte sind im Juni im Rahmen des Auswärtsmatchs in Turin entstanden. RAF sei damit auch wiedermal der Balkan gesichert. Ein spanischer Songtitel, deutscher und französischer Rap gemischt, bosnische Akteure im teils in Italien gedrehten Video – mehr Vielfalt hat in einer Single wohl nicht Platz.

B.Visible – Like TLC

Der Bronko 300 ist ein besonderes Produkt – im Marketingsprech würden sich an dieser Stelle die Superlative aneinanderreihen. Die gepimpte Drohne löst im Video zu „Like TLC“ von B.Visible sichtlich Begeisterung aus. So stürmen Massen den Supermarkt, beim anschließenden Gebrauch der Anschaffung werden die Protagonisten kreativ. Zum Konzept hinter dem unterhaltsamen Clip meint der Wiener Produzent: „Die Grundidee war, ein bescheuertes Produkt zu haben, nach dem sich die Menschen sehnen. Dann die Transformation vom Produkt zum Menschen, die in der Tanzszene passiert und der totale Missbrauch des eh schon sinnlosen Produkts“. Der dazugehörige, elektronisch gehaltene Beat ist nach „Lemons“ der zweite Vorbote auf sein für 1. November angekündigtes Album „Pleasent Clutter“. Mehr zu seinem ersten Longplayer erzählt B.Visible im Interview, das demnächst auf The Message erscheint.

KeKe – Intro (Donna)

Die vergangenen Monate waren rund um KeKe explosiv und intensiv – Live-Auftritte, ein Feature-Part auf dem neuen Trettmann-Album, auf „Kiox“ ein gemeinsamer Song mit Kummer und LGoony. Bereits im Mai, als wir KeKe zum Interview trafen, stand fest, dass die vielversprechende Musikerin eine EP geplant hat – nun scheint dieses Vorhaben gefestigt und umgesetzt worden zu sein. Ihre neue Single ist das Intro der EP – „Donna“ lautet der Titel, am 1. November soll sie erscheinen. Während sich der Track „Malibu“ eher in Richtung R&B bewegte, packt KeKe auf „Intro (Donna)“ wieder ihre Rapskills aus. Selbstbewusst und selbstbestimmt rappt sie: „Weiß wo ich herkomm‘, weiß wo es hingeht / Fuckboys stehen so wie der Wind weht / Halte nicht länger den Kopf hin / Fick auf alles, keine Floskeln“. KeKe beweist damit erneut, dass Deutschrap nicht verachtend klingen muss, um dennoch hart zu sein. Ganz ohne Beleidigungen unterhalb der Gürtellinie, ohne Abwertung gegenüber einer Minderheit. „Uff, übles Brett“, schreibt jemand in die YouTube-Kommentare und fasst damit den Track gut zusammen.

Hunney Pimp – Olles in Ollem | Kreuz (feat. Tightill)

Bei Hunney Pimp geht es derzeit Schlag auf Schlag. Bevor am Freitag ihr neues Album „Chicago Baby“ erscheint, stimmt die Sängerin und Rapperin mit weiteren balladenartigen Vorboten ein. Auf „Olles in ollem“ geht der Liebestrip im Chicago-Mafia-Gewand in die dritte Runde. Ihre Anfangseuphorie dürfte sich dabei langsam verflüchtigen – „Olles on ollem is olles okay“, beschreibt Hunney Pimp das etwas getrübte Stimmungsbild. Dass der Ganoven-Herzbube mit Kontrahenten zu tun hat und somit mehr Zeit für seine Waffe als für die Lady aufwendet, macht ihr merklich zu schaffen. Auf Teil vier, „Kreuz“ mit dem Bremer Rapper Tightill, scheint der Kummer schon wieder verfolgen. Wir haben kürzlich mit Hunney Pimp über Hintergründe zu ihrem Konzeptalbum geplaudert – hier nachzulesen.

Philiam Shakesbeat & Kerosin95 – Bangerang

„Partypeople aufgepasst, heut wird wieder antifaschistisch getanzt“ – und zwar über die Wienzeile entlang der Pilgramgasse. Dort übermitteln Philiam Shakesbeat und Kerosin95 ihre freudige Botschaft des linken Widerstandes. Filmisch in 90er-Jahre-Skatervideo-Ästhetik gedreht, dringt musikalisch ein Anfang-90er-Chicano-HipHop-Vibe à la Deliquent Habits oder House of Pain durch. Mit dieser lockeren Attitüde ist „Bangerang“ in Zeiten der Regierungsbildung durchaus ein Statement für sich. So wie Kerosin95 auch klarstellt: „Es ist Zeit für neue Farbe und Veränderung / wir malen auf eure grauen Wände Regenbögen in der Dämmerung“. Nebenbei dringt die eine oder andere Kampfansage durch.

A.geh Wirklich? – Auf da Gossn (Lowrider Song)

Die Kombination von Dialektrap und Beats mit Westcoast-Einschlag kam bei A.geh Wirklich? bereits zu seinen Anfängen vor rund 20 Jahren zur Geltung. Daran knüpft sein neuer Track „Auf da Gossn“ auch thematisch an, schließlich geht es für den Favoritner Rapper und seinen Produzenten gepe im Lowrider durch die Simmeringer Vorstadt. Dort hat er sich zu seinen Anfängen als Solokünstler ums Jahr 2000 viel herumgetrieben. „Auf da Gossn“ sorgt für einen feinen, entspannten Vibe, die inhaltliche Komponente steht dabei weniger im Fokus. Weitere Tracks dürften bald folgen, zumal A.geh Wirklich? ein neues Album für 2020 ankündigt.

Shen ID

Mit einem Major-Deal im Gepäck startet Shen seine Reise, die eigentlich schon längst begonnen hat, denn Musik macht er nicht erst seit gestern. Dennoch überrascht seine neue Single – Shen scheint angekommen zu sein, auch wenn es jetzt erst so richtig losgehen soll. Auf „ID“ geht es trappig und atmosphärisch zu, das Video dazu überzeugt in beeindruckender Qualität. Der Sound ist rund, Shen beweist das musikalische Gespür, sich am Puls der Zeit zu bewegen und meistert dennoch den schmalen Grad, seinen eigenen Stil zu vertreten, ohne dabei zu kopieren. „Nicht die Police, Rollies, Trophies / Deine Homies, Ogs, fo’real / Glaub nicht, dass sie ändern, ja / Steche raus aus Blendern, ja“. Die Single scheint dabei nur der Prolog zu sein, die Reise wird fortgesetzt, Shen möchte 2020 zu seinem Jahr machen.

Malakas – Leider Not

Von Malakas haben wir bislang noch nicht viel mitbekommen, eine schnelle Recherche ergibt jedoch: Malakas ist ein Teil der Dirty Sound Gang, sein erster Upload auf Spotify heißt „Höhenflug“ und stammt aus dem Jahr 2018. Nach einigen Features in den vergangenen Monaten erscheint nun mit „Leider Not“ eine neue Solo-Auskopplung von Malakas. Mit einer Sexpuppe im Arm sitzt er am Tisch, später dann oberkörperfrei am Bike, während eine Sprühkerze vom Gepäcksträger aus ihre Funken versprüht. „Wenn es so weitergeht dann werde ich einmal sterben wegen Alkohol während ich Auto fahr / Und wenn nicht, dann schreib ich weiter für euch Parts / Damit ihr heimlich feiern könnt, obwohl ihr mich doch hasst“. Es wirkt, als würde Malakas sich selbst nicht allzu ernst nehmen – das tut dem Song gut, für einen kleinen Ohrwurm sorgt es zudem auch.

yung carl raspe – donny donowitz

Für jemanden, der sich in der linken Szene verortet, kann die Story von Quentin Tarantinos Figur Donny „The Bear Jude“ Donowitz aus „Inglorious Bastards“ schon einiges an Aufwand für eine gelungene Fan-Fiction wert sein. Textlich ist „donny donowitz“ sehr einfach gestrickt, die meiste Aufmerksamkeit des Releases kommt eindeutig dem Video zu Teil. Mithilfe des Tools rpgboss.com schreibt yung carl raspe die Jagd nach Pokemon kurzerhand zur Nazi-Jagd um. Auf der Suche nach Skinheads, führt es Nintendo-Donowitz durch ein von Nazis befallenes Dorf. Dort kämpft er in kurzen Attacken gegen alle ihm unterkommenden Gegner. Schlussendlich findet er in einem Versteck drei PoC, einen Punk und schließt sich ihrem Kampf gegen die rechte Szene an.

Text: Simon Nowak, Chiara Sergi & Francesca Herr

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