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Austro Round-up

Austro Round-up (KW 33-34/19)

Mit „Schabernack“ haben Young Krillin & KDM Karat kürzlich einen dritten Track ihrer im Juni erschienenen „Trippy-„EP visualisiert. Nicht digital erhältlich ist hingegen eine von Digga Mindz geremixte, ohne Samples produzierte Version der „Katharsis„-LP, die exklusiv in 50er-Kassettenauflage über Tape That Records erschienen ist. Auch abseits davon brachten die vergangenen zwei Wochen einige Videos sowie das ein oder andere Release.

Average – Bene

Dass er sehr frankophil ist, ließ Average in der Vergangenheit mehrmals durchdringen – sei es über sein Faible für die französische Sprache, französischen Rap oder den Fußballklub Olympique Marseille. Die Hafenstadt ist auch die Herzensstadt des Wahlwieners. Da die dortige Fußball- und HipHop-Szene Hand in Hand gehen, konnte er sich bei seinem ersten Besuch schnell mit der Stadt und ihrer Kultur identifizieren. Zum Videodreh des von DJ Concept produzierten „Bene“ kehrte er zurück, der Track dient als erster Vorbote der EP „Pont 2“, die im Dezember erscheinen wird. „Der Song handelt von Menschen, die sich den ganzen Tag mit Luxusproblemen rumschlagen. Eigentlich ist alles bene, aber ihnen fehlt der Blick fürs Positive“, sagt Average über den Track. Auch im Video, in dem er sich mit DJ Concept durch Marseille bewegt, scheint nichts seine positive Grundstimmung verderben zu können – außer vielleicht eine Niederlage von OM. Im leeren Stadé Velodrome durfte Average übrigens als zweiter Rapper nach der französischen Größe Soprano drehen. Am 1. September ist er live beim Volksstimmefest auf der Wiener Jesuitenwiese zu sehen.

RC GÆNG – Gængsigns

Gut fünf Jahre nach „nicht grundlos tight“ hat die RC Gæng wieder zusammengefunden und mit „Gængsigns“ ihr drittes  Album veröffentlicht. Da sich die ursprüngliche Regensburger Gæng längst in diverse Städte ausgebreitet hat – für den Wien-Bezug sorgt nach wie vor STSK –, waren in der Zwischenzeit Soloprojekte die logische Konsequenz. Auf eine gemeinsame Alltagsgestaltung können sich Phil D und MWK und STSK als alte Homies weiterhin rasch einigen. So berichten sie auf elf Tracks vom „Cornern“, Hängen am Regensburger und Wiener „Donaustrand“, „Booz“-Sippen und weiteren Episoden ihres Lotterlebens. In diesem bleibt genug Platz für Aufnahmen in Eigenregie, die minimalistisch gehaltenen Beats sind gänzlich von den Gæng-Mitgliedern produziert und unterstreichen den entspannten Charakter des Albums. Insgesamt eine durchaus runde Angelegenheit, auch wenn alles beim Alten bleibt, wie das in Wien gedrehte Video zu „Null & Eins“ veranschaulicht.

Yung Hurn – Rauch

Grillz auf den Schneidezähnen, ein Tuch um den Kopf gebunden, Shisha rauchen vor einer abgestellten U-Bahn – und das alles in beabsichtigter Low-Quality gefilmt. Bereits mit „ Cabrio“ hatte Yung Hurn sein neues Album „Y“ angekündigt, beide Songs ähneln sich in einigen Punkten, wodurch man nun sowohl soundtechnisch als auch visuell langsam ein Gefühl dafür bekommt, in welche Richtung es gehen wird. Während Yung Hurn bei seinem jüngsten Album „1220“ mehr auf HD-Videos und Beats von Stickle setzte, was in Kombination nur so von künstlerischer Ästhetik strahlte, scheint es nun wieder back to the roots zu gehen. Videos im Low-Budget-Style, einfache aber einprägsame Lines: „Ja, voll, voll coole Tracks, die du machst / Ja, voll cool, Brudi, du bist ein Spast“.

Hasan S. Dealer Syndrom

Mit „Dealer Syndrom“ sorgt Hasan S. von Stonepark für den zweiten Teaser zu seiner im September erscheinenden EP „Die Einz – Kapitel II“. Während er auf „Känäkx“ noch mit Augenzwinkern diverse Vorurteile abhandelte, zeigt sich der Floridsdorfer im zweiten Video gleich zu Beginn weniger zimperlich. Mit Baseballschläger ausgestattet rappt er über sein „Dealer Syndrom“, mit dem er sich „Lilane holen“ will. Vor noblen Karossen posierende Homies und Kampfszenen unterstreichen die Dringlichkeit. Gleichzeitig gibt er der Mama Entwarnung: „Alles wird gut, gut gut, denn ab heute gibt es nie wieder Krisen, Mama // ich wird nie wieder arm, fahr nie wieder Bahn, dieses Mal wird die Mucke die Miete bezahlen.“ Im Video sorgen Szenen vor der Friedenspagode für Abwechslung.

Adem Delon & Hinterkopf – Jiggytown

Eingeraucht mit Golf III an der Vorstadt-Tankstelle tragen Adem Delon & Hinterkopf weniger dick auf zumindest auf visueller Ebene. Auch sie spucken auf der neuen Jiggytown-Crew-/Labelhymne große Töne, flowen ansprechend durch und unterstreichen damit, dass sie ein eingespieltes Team sind. Mit dem Track stimmen die Transdanubier auf „Für mi“, ein seit längerer Zeit angekündigtes Album von Adem Delon, ein. Es erscheint diesen Freitag, an dem auch im Rahmen von „Fall of Bone Rap & BBQ“ die Releaseshow im Lokal The Nice Guys stattfindet. Dort treten neben den beiden auch Vearz sowie Queroland & SeboKILL auf.

Palavra – Pilgerweg

„Ich will nur morgen und frag mich, was gebe ich heute dafür? / Einen Kampf, den wir im Namen unserer Träume führen“. Versierte Reime und ausgefuchstes Storytelling wird bei Palavra groß geschrieben. Auf dem orientalisch angehauchten Beat von Weack’n Beats deutet Palavra sein Leben als einen Pilgerweg, auf dem es zu reisen gilt. Und zwar so lange, bis seine Beine nicht mehr gehen – denn er hat noch so einiges vor. Dabei zeigt er sich verständlich und dankbar, für seine Träume zu kämpfen. Denn von nichts kommt eben auch nichts.

Dame – Schwarze Witwe

„Sie scheint perfekt zu sein, wäre da bloß nicht dieser scheiß Charakter“. Auf der neuen Single seines kommenden Albums erzählt Dame von seiner „schwarzen Witwe“, einer makellosen, verführerischen Frau, die sich ihre Anziehungskraft nur selbst zunutze macht: „Sie weiß ihre Schönheit macht blind / und dass sie mit jedem neuen Opfer noch an Größe gewinnt“. Das Konzept hinter dem Song und dem Video erscheint durchaus komplexer, durchdachter: Während Dame die besagte Frau im Songtext mit Passagen wie „Sie spinnt ihr Netz und hängst du in ihm mal fest gibt es kein Entrinnen“ direkt mit ihrer Namensgleichen der giftigen Spinne „Schwarze Witwe“ vergleicht, übernimmt die Frau im Video die Kontrolle über ein lebensgroßes Schachbrett: „Ihr ist egal, ob es Bauern oder Könige sind / denn sie würde auch das Herz von einem Löwen verschlingen“. Auf dem von Freshmaker und Johannes Herbst produzierten Beat zeigt sich Dame neben Rap-Parts auch gesangsfreudig.

Disorder – Streichholz

Beim Linzer Kollektiv/Label Aggressive Kunst aktiv ist Disorder, der gemeinsam mit Overflow das Duo Antifamilia bildet. Die beiden inszenieren sich als „SOKO Roter Rap“, möchten für „radikale Straßenlyrik“ stehen und widmen ihre Tracks dem antifaschistischen und antikapitalistischen Widerstand. Daran knüpfen auch weite Teile der Solo-EP „Streichholz“ von Disorder an, was Titel wie „Kosmoprolet“ oder „Diktatur des Pöbels“ unterstreichen. Auf „Zigeinaflow 3“ baut er zudem verstärkt Representer-Lines ein. Die sieben Tracks hat Disorder größtenteils alleine produziert, was mal besser, mal schlechter aufgeht.

Pucci – indica flows

Pucci von den Gutausehenden Stonern veröffentlichte seine „indica flows“ EP – der Name ist Programm. Auf vier Songs nimmt er uns mit auf die Reise des Kiffer-Lifestyles, es geht um Weed, die Gang und Frauen: „Süßes Mädel, große Busen / Sie muss vom Ofen husten“. Soundtechnisch gibt es an der EP wenig auszusetzten, klar könnten die Tracks etwas besser ausproduziert sein, allerdings möchte Pucci wohl ohnehin anderweitig überzeugen – mit seinem gelebten Lifestyle, seinem verspielten Zugang und die teilweise etwas an Falco erinnernde Aussprache von Worten.

Ron Nox – Adesuwa

Der gebürtige Niedersachse Ron Iyamu mit Wurzeln in Nigeria ist unter seinem Rappernamen Ron Nox auf der Suche nach der afrodeutschen Identität – auch in Afrika selbst, wo der Musiker unterwegs war. Das neue Album von Ron Nox namens „LOA“ ist in Österreich entstanden, da Ron am Mozarteum Schauspiel studiert. „Ich habe die Stadt sehr lieb gewonnen und dort auch die wundervolle österreichische Jazz-Sängerin Patricia Moreno kennengelernt, die mehrfach auf meinem Album vertreten ist“, sagt Ron gegenüber The Message. Aufgenommen wurde das Album größtenteils im Salzburger Termic Studio, gemixt vom Österreicher Sebastian Pracher, der schon mit Sting und Seeed gearbeitet hat. Neben dem Rappen ist Ron Nox auch mit der Schauspielerei erfolgreich: Für die Hauptrolle in „Kasimir und Karoline“ bei den Salzburger Festspielen wurde er 2017 für den „Nestroy Theaterpreis“ nominiert.

Text: Simon Nowak, Chiara Sergi & Julia Gschmeidler

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