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Austro Round-up

Austro Round-up (KW 20/19)

Der 18. Mai dürfte als denkwürdiger Tag in die österreichische Geschichte eingehen. In erster Linie natürlich durch das Bekanntwerden der Ibiza-Affäre und dem damit eingeläuteten politischen Erdbeben, das die Entlassung aller FPÖ-Minister zur Folge hatte. Wir hatten an diesem Abend gleich doppelten Grund zu feiern, schließlich luden wir zu „22 Years The Message“ in die Fluc Wanne. Ein Recap der vielen Shows gibt es hier. Auch release- und videotechnisch verlief die vergangene Woche ereignisreich wir haben die wichtigsten Neuheiten abseits unserer Videopremiere zu „Oxygen“ von der HipHop-/Jazz-Formation Sketches On Duality wie gewohnt zusammengefasst.

Dyin Ernst – Paul Verlaine

„Mucke über allem“ ist das Credo vom Heiße-Luft-CEO JerMc und all seinen Brüdern im Kopfe. Das gilt auch für den kürzlich ins Leben gerufen Dyin Ernst, der am Freitag die mit vier Tracks bestückte EP „Paul Verlaine“ veröffentlichte – benannt nach einem französischen Dichter, der ähnliche Gedanken im Jahr 1882 im Gedicht „Art Poétique“ zusammenfasste. Während der Vorbote „Parmesan (G****)“ battlelastig ausfällt, verdeutlicht der frankophone Wiener vor allem im Titeltrack sowie auf „GTA“, dass das musikalische Schaffen eine außerordentlich große Rolle in seinem Leben einnimmt.

Am Samstag präsentiert Dyin Ernst die von Disko Jürgen (aka Stürmer 1), LegendJerry, food for thought und mm oo abwechslungsreich produzierte EP erstmals offiziell live im Grill X. Im Herbst dringt dann voraussichtlich wieder der altbekannte JerMc in den Vordergrund, denn mit „Eher tiaf, aber eh ganz deep“ steht das zweite gemeinsame Album mit Gigolo D an.

Def Ill & Marie – Ibizagate

„What happens in Ibiza stays in Ibiza“ – der Wunsch von HC Strache und Johann Gudenus erfüllte sich immerhin für knapp zwei Jahre. Tja, der „18.05. ist jetzt offizieller Staatsfeiertog“, wie Def Ill und Marie auf „Ibizagate“ folgerichtig festhalten. Was seitens der Koalition in den vergangenen eineinhalb Jahren sonst so verbrochen wurde, fassen die beiden auf knapp sechs Minuten zusammen. Dabei vergessen sie nicht darauf, auch Bundeskanzler Kurz den Rücktritt nahezulegen und zu Neuwahlen aufzurufen.

SzumK & Jokah – Besoffene Geschichte

Mit einem kurzen Track haben sich auch SzumK und Jokah zur Ibiza-Causa geäußert. Auf „Besoffene Geschichte“ beziehen sie sich im selben Wortlaut erfolgte Rechtfertigung des Ex-Vizekanzlers für seine Aussagen im entbehrlichen Ibiza-Video und alles, was sich damit sonst noch so rückwirkend erklären lassen könnte.

Emirez & Pireli – Paranoia

Neues aus Fünfhaus! Nachdem Emirez und Pireli zuletzt „Pijem“ veröffentlichten, geht ihre Zusammenarbeit in die nächste Runde. „Ich hab’s versucht, wollt‘ ehrlich sein, bis ich dann irgendwann müde war / Doch wozu der Fleiß und die Ehrlichkeit, wenn sie ja nicht einmal ein bisschen Würde haben“. Der Song setzt sich aus deutschen und bosnischen Textpassagen zusammen, soundtechnisch sind Emirez und Pireli mit dem von Beataura produzierten Beat am Puls der Zeit. Das Video zum Song erinnert etwas an jenes von „An ihnen vorbei“ von Bonez MC & RAF Camora. Von letzteren gab es auch für diesen neuen Track Support auf Social Media, ebenso wie RAFs Präsenz im Video. Fünfhaus hält eben zusammen.

Chakuza – Wilde Welt

Mit „Wilde Welt“ liefert Chakuza nach „Kristallklar“ den zweiten musikalischen Vorboten auf das Ende Mai angekündigte Album „Aurora“. „Es ist ‘ne wilde, wilde Welt, aber ich kenne das Spiel / Und bis zum Ende bekämpfe ich sie“. Darauf zeigt sich Chakuza überraschend ehrlich und direkt, ohne dabei wütend zu klingen. Soundtechnisch und inhaltlich erinnert dieser dabei etwas an die alten „Magnolia“-Zeiten, was durchaus positiv gemeint ist. Denn was Chakuza definitiv gut kann, ist intime Einblicke in seine Gedankenwelt zu gewähren und darüber zu reflektieren. Er weiß, in was für einer wilden Welt er lebt, aber aufzugeben kommt für ihn in Frage. „Was für Schampus? Wir sind Abschaum, die Karkassen dieses Teiches“ – der Song zeigt, dass Ehrlichkeit meist am längsten währt.

Ms Def – Alles

Knapp ein Jahr nach ihrer „Klartext“-EP meldete sich Ms Def zum „International Day of Light“ mit „Alles“ zurück. Den tiefgründigen, vom Polen Lazy Rida produzierten Track ist ihrer stark ausgeprägten Empfindsamkeit gewidmet, die sie begleitet von einigen Videoausschnitten aus ihrer Kindheit verarbeitet. Früher als unnötige Last betrachtet, konnte Ms Def ihr „Special Feature“ mittlerweile trotz so mancher Kehrseite als Gabe annehmen: „Als Kind machte es mich leider zu einem ziemlich einfachen Ziel für Mobbing und Ausgrenzung. Als Teenager ließ es mich nur noch feuriger und leidenschaftlicher gegen die Welt und ihre Normen und Gesetze rebellieren. Als Erwachsene betrachte ich die Hochsensibilität als einen prägenden und sehr bereichernden Teil meiner Persönlichkeit, den ich hier und heute mit euch teile.“

100 KG – Toys

Starke Übelkeit empfindet 100 KG, wenn er an einige seiner Rapper-Kollegen denkt. Bereits mit der im März erschienenen Single „Ich finde ich bin schön“ holte er zum Rundumschlag gegen eine seiner Meinung nach tote Wiener Rap-Szene aus, konkret mit Lines gegen Yugo und Slav. Auch auf „Toys“ präsentiert er sich in Battlelaune diesmal allerdings ohne Namen zu nennen. Beginnend mit der Kool-Savas-Hommage „Was geht mit euch, alle MCs sind Toys“ schießt er vor allem gegen Leute, die seit Jahren rappen, auf Skill- beziehungsweise Themenebene aber immer noch reichlich Aufholbedarf haben. Der von ihm produzierte Beat und das im Skatepark gedrehte Video unterstreichen den Retro-Flavour des Tracks.

Bibiza – Wasser

Nachdem Bibiza mit den Videos zu „Durch die Hood“ und „Naeher“ erst kürzlich visuelle Untermalungen zum Sound seines zuletzt erschienenen Albums „Copypaste“ lieferte, folgt mit „Wasser“ nun eine weitere Auskopplung aus dem Track-Repertoire. Während sich Bibiza im Video zwischen der nächtlichen Wiener Innenstadt und dem Mars bewegt, verlangt er nach dem Ursprung aller Leben: Wasser. „Nimm noch einen Letzten und plötzlich sink ich abgrundtief / Gib mir Energie / Bruder, gib mir bisschen Wasser“. Auch der Beat stammt, wie auch bei den restlichen Songs des Albums, von ihm selbst. Ein Review zu „Copypaste“ gibt es hier.

Der traurige Gärtner – Veselá Kráva

„Veselá Kráva ist die tschechische Kuh, die immer lacht, niemals macht sie Muh“ zumindest auf der Packung des gleichnamigen Eckerlkäses, nachdem Der traurige Gärtner seinen jüngsten Track benannt hat. Oder besser gesagt sein positiv verrückter tschechischer Opa Milos aka Pavel Kamil, mit dem er das technoide „Veselá Kráva“ im Wohnzimmer der Gärtner’schen Großeltern aufgenommen hat. Pavel Kamil hat dafür nämlich den gesamten Text beigesteuert, also auch den Rap-Part des Gärtners. Leiwander Opa, witziger Track und ein nettes Video, das die beiden beim Herumtollen im Wienerwald-Garten zeigt.

Juna Shawty – Trophäen für die Familie

Als Auskopplung seiner am 3. Mai erschienenen „Lost“-EP hat Juna Shawty von der Crew Gutaussehende Stoner kürzlich „Trophäen für die Familie“ visualisiert. Wie die anderen drei Tracks der EP wurde der Representer von den Polterguyz aka DJ Crum und Val Ebm produziert. Fürs Video haben sich der Wiener/St. Pöltner Rapper und seine Gang unter anderem zur transdanubischen Skyline begeben.

Text: Simon Nowak & Chiara Sergi

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